Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

VIVIEN. 643

verbergen, gedacht wird. Gleich darauf öffnet Vivien die Augen,

sieht seinen Oheim an und spricht mit ihm.

Die letzte Laisse, die nasales a und nasales e aus einander

hält, ist die ganz auf nasales a assonierende Laisse 187g— 1898.

Die erste, die in den Assonanzen die beiden Laute vermischt, ist

die Laisse igSo— 1999.

Nach alledem glaube ich, dafs der erste Teil mit Vers 1979

schliefst. 1

Auch ist leicht zu zeigen, dafs von dieser Stelle an der epische

Formelschatz ein ganz andrer wird.2

Nur der zweite Teil kennt das Enjambement der Verse (2165.

2430. 2555. 3198) und Strophen (3165. 3262. 3491).

Von den beiden Teilen der Chanson scheint mir nur der

erste einen geschichtlichen Kern zu haben. Daher halte ich mich

in der folgenden Untersuchung fast ausschliefslich an diesen ersten

Teil, während ich vom zweiten absehe, dessen geschichtlicher Kern,

wenn überhaupt ein solcher vorliegt, mir unbekannt ist, daher ich

den zweiten Teil für eine nachträglich angehängte Fortsetzung des

ersten halte.

Im folgenden nenne ich den ersten Teil die Chanson de Vivien,

den zweiten die Fortsetzung des Vivien, oder Rainoart.

Ein Stück ist als unecht von der Chanson de Vivien in Abzug

zu bringen: es ist dies das Stück, das etwa die Verse 17 11—1728

umfafst und sich durch die Mischung nasaler a mit oralen a als

anglonormannisches Fabrikat kennzeichnet. Denn auf dem Kon-

tinent hätte man ä nicht mit a assonieren lassen. Inhaltlich soll

dieses Stück auf Ereignisse in Rainoart vorbereiten, ist also vom

Schreiber (oder seinem Vorgänger) eingesetzt.

1 Der Beobachtung über die Nasalvokale lassen sich noch andre hinzufügen.

Der erste Teil hat 26, der zweite nur 4 Laissen mit ?-Assonanz. In

jenen 26 Laissen kommt eine Form von aidier mit betontem i nicht vor; in

den 4 Laissen des zweiten Teils steht du 2573. Formen mit betontem u

[aiue u. s. w.) linden sich in beiden Teilen.

Ferner: die Laiäsen des ersten Teiles sind im Durchschnitt kürzer als

die des zweiten. Die längsten Laissen des ersten Teiles zählen 71 Verse

(1318— 1388) und 73 Verse (1587— 1659). Der zweite Teil hat zwei Laissen

von je 79 Versen (2851—2929. 3342—3420), eine von 80 (2010— 2089), eine von

84 (2214—2297), eine von 144 (2635— 2778) und eine von 192 Versen (2940

— 3131). Sämtliche Laissen, die hier erwähnt wurden, assonieren auf

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