Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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H. SUCHIER,

er zum neuen Feldzug aufbricht, setzt wieder Liinsdi al vespre ein.

Die dritte Larchampschlacht dauert vom Montag bis zum Mittwoch

(1770. 1779): in diesem Teil der Dichtung steht dreimal der

Refrain Lors fut dimercres. Hiernach geben die beiden genannten

Refrains den letzten oder entscheidenden Tag der beiden

erzählten Schlachten an.

Der dritte Refrain Liinsdi al vespre ist der Hauptrefrain. Er

findet sich in Vivien 22 mal. In Rainoart ist er der einzige Refrain

überhaupt; ebenso in demjenigen Teil von Vivien, den ich für den

ältesten Kern der Chanson de Guillaiime ansehen möchte (Vers i

bis 927), wo er 17 mal wiederholt wird.

Ich vermute nun, dafs dieser Refrain eine analoge Bedeutung

hat, wie die beiden anderen Refrains: er soll den Entscheidungstag

der ersten Schlacht angeben, den Wochentag, an dem Vivien

gefallen ist.

Man sollte nun freilich erwarten, dafs der Montag als Viviens

Todestag im Texte selbst erwähnt würde, und zwar bei der Erzählung

vom Tode des Helden, V. 924— 927. Vielleicht hat der

Schlufs dieser Laisse ursprünglich gelautet (wobei ich zwei Verse

einschalte, die Viviens Tod konstatieren und wohl mit Rücksicht auf

den Anfang von Rainoart, wo Vivien wieder lebt, weggelassen sind)

Till le detrenchcnt conire val el gravier.

Li cors remaint, Paneme s'en vait al ciel.

Ha deus, qtiel diiel qtiant morz est Viviiensl

Od eis Vem portent, ne P i vuelcni laissier,

Desiiz un arhre Piini mis lez im sentier,

Que il ne fust trovez de Crestiiens.

Lunsdi al vespre.

IIa Deus, qiiel duel quant nen i fut GuiUelmcs!

Da Viviens Tod das Hauptereignis der ganzen Chanson ist,

hat dieser Refrain eine allgemeine Verwendung: er ist in Rainoart

ausschliefslich durchgeführt, und kehrt in Vivien, wie bei den Vorbereitungen

zur zweiten Schlacht (1039. 1062), so auch bei denen

zur dritten Schlacht (1584. 1677. 1760) wieder. Allerdings beginnt

jede dieser beiden Schlachten mit einem IMontag. Dafs jedoch

dieser Montag nicht gemeint ist, scheint daraus hervorzugehen, dafs

in Vers 1062 der betreffende Montag noch nicht da ist, und dafs

es sich in V. 1760, wo der Zw/j'//-Refrain steht, schon um den

Entscheidungstag der Schlacht, den Mittwoch, handelt.

Ich vermute daher, dafs das Lunsdi al vespre stets auf den

verhängnisvollen Montag der ersten Schlacht zurückweist.^

1 B6dier macht mir den sehr treffenden Einwand, dafs, wenn die erste

Schlacht am Montag zu Ende geht und die zweite am folgenden Montag beginnt,

sieben Tage dazwischen liegen müssen, während die Chanson nur einen

Tag vergehen lälst. Ich kann den Einwand nicht entkräften, und vermute

nur, das der überlieferte Text entstellt ist. König Ludwig braucht acht Tage,

um sein Heer aufzubieten (V. 2638). Es ist kaum glaublich, dafs Guillaume

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