Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

652 H. SUCHIER,

Wir wollen nun diese Widersprüche der Reihe nach prüfen,

um zu sehen ob die Schwierigkeiten, die sich aus ihnen ergeben,

unüberwindbar sind.

5. Lage des Schlachtfeldes.

Bekanntlich fliefsen die Geschichtsquellen der Karolingerzeit

recht dürftig. Den Ort, wo 851 die Schlacht geschlagen wurde,

geben die Chroniken nicht genauer an.

Ehe wir uns mit den Angaben der Zeitgenossen beschäftigen,

müssen wir einer Behauptung widersprechen, die neuerdings mehr

und mehr Terrain gewonnen und auch in die von Ernest Lavisse

herausgegebene Histoire de France 1 Eingang gefunden hat. Wir

lesen da über die Schlacht, in der Vivianus fiel, folgendes: „Les

Francs marcherent de nouveau contre les Bretons. Ils rencontr^rent

le 22 aoüt 851, u Juvardeil,2 Erispoc, fils de Nomenoe, qui avait

succed6 ä son p^re."

Diese Behauptung, so positiv sie auftritt, ist, was den Ort der

Schlacht betrifft, unbegründet. Der Verfasser des betreffenden Teils

der Histoire de France, Kleinclausz, hat sie aus zwei neuern Werken

entnommen : nämlich der Histoire de Bretagne von De la Borderie,

Band II, i8g8, S. 71, und einer Abhandlung von Merlet, Guerres

d'independance de la Bretagne sous Nomino^ et Erispoe, erschienen

in der Revue de Bretagne, de Vendee et d'Anjou, Band XXXV,

1891, zweites Halbjahr, S. 89— 90.

De la Borderie äufsert sich wie folgt: „L'armee royale . . .,

marchant rapidement vers les Bretons, les deux partis se heurterent

bientüt Tun contre l'autre, et la bataille se livra le 22 aoüt 851,

six jours apres celui oü le roi Charles se trouvait a Gaverdotium,^

probablement a sept ou huit lieues vers l'Ouest." Das klingt

schon etwas w-eniger zuversichtlich als das, was Kleinclausz be-

hauptet. Man könnte De la Borderie's Bericht der geschichtlichen

Wahrheit näher bringen, wenn man am Ende seines Satzes das

Wort Heiles durch die Worte journees de marche ersetzte, denn das

Heer konnte schon seit dem 16. August, dem Tage an dem der

König sich in Juvardeil befand, eine Anzahl Tagemärsche zurück-

legen.

Der andre Gelehrte hatte einfach gesagt: „Le 16 aoüt le roi,

se trouvant ä Juvardeil, confirraa . . . tous les benefices ... Six

jours plus tard, le 22 aoüt, et par suite non loin de Juvardeil, eut

lieu la rencontre des armees franque et bretonne." Die Wendung

7ion loin de Juvardeil ist annehmbar, wofern wir darunter eine Entfernung

von sechs bis sieben Tagemärschen verstehen dürfen.

1 II, I, S. 377 (Paris 1903).

2 canton de Chäteauneuf, arrondissement de Segre, Maine-et-Loire (Anmerkung

von Kleinclausz, bei Lavisse a. a. O.).

ä Die von Karl dem Kahlen in vüla GaverdoUo am 16. August 851

ausgestellte Urkunde ist gedruckt bei Bouquet, Rec. VIII, 518.

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