Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

VIVIEN. 653

Bei der bedauerlichen Dürftigkeit der Quellen über die Lage

des Schlachtfeldes ist das immerhin eine Angabe von Wert. Eine

andere liefern uns, wie schon angedeutet, die Gesta Conwoionis

abbatis Rotonensis:

Erispoe . . . lussit et ipse exercituvi sunni praeparari, et 7nandavit

'ut omnes parati essent et praeire-nt eiwi ultra Visnoniae fluvium. Pertz,

Mon. XV, 456.

Hieraus geht hervor, dafs das Schlachtfeld unfern der Villaine

gesucht werden mufs.i

Während die historischen Zeugnisse einen grofsen Spielraum

lassen, gibt das Epos genaueres an. Die Chanson de Guillaiime

verlegt die Schlacht an einen bestimmten Ort larchamp^ Diese

Form der Handschrift läfst sich auf zwei Arten verstehen: entweder

als /' (Artikel) und Archamp, oder als Name ohne Artikel,

Larchamp. Nun gibt es in Frankreich noch heute zwei Dörfer

Namens Larchamp, eins im Departement der Orne, Kanton Tinchebrai,

eins im Departement der Mayenne, Kanton Ernee, und, merkwürdig

genug, die Lage des letztern Ortes, der lateinisch Largus

Campus genannt wird, entspricht vollständig den Anforderungen

der geschichtlichen Überlieferung: er ist von der Quelle und dem

obern Laufe der Villaine 14 Kilometer, von Juvardeil 89 entfernt.3

Darum halte ich mich für berechtigt, die Frage aufzuwerfen: Könnte

nicht mit dem Larchamp des Epos das heutige Larchamp gemeint

sein?

Die Ansicht der Gelehrten, die das Schlachtfeld, das im

Covenafit Vivien und in Aliscans VArchant genannt wird, in Spanien

suchen, halte ich nicht für ein ernstliches Hindernis: Paul Meyer

hat diese Annahme bereits reduziert.^ Die seit lange herschende

Ansicht, die den Ort in der Nähe der Rhönemündungen, bei Arles^

und Saint-Gilles, sucht, stützt sich auf die Angaben von Aliscans,

das jünger als die Chanson de Guillaume ist und wahrscheinlich

auf einer Umdichtung dieser beruht. Ein umgearbeiteter Text

kann niemals die gleiche Autorität wie seine Vorlage beanspruchen.

Um die Lage des epischen Larchamp zu finden, müssen wir

1 Diimmler, der die Schlacht zwtscheft Villaine und Mayenne verlegt,

hat diese — recht unbestimmten — Ausdrücke aus Von Kaickstein genommen,

Robert der Tapfere, BerHn 1871, S. 122. Sie werden durch die Quellen nicht

gestützt.

2 larcham nur 1536. 2605, Für en larchamp steht ei larchamp 5, e

larchamp 724.

3 Über die Marschgeschwindigkeit im IX. Jahrhundert handelt Meyer von

Knonau, Über Nithard, S. 145.

Romania XXXII, 607 Anm. 2.

s Eine Vermutung, die ich früher über die Lage von Archant geäufsert

hatte {Narbonnais, Bd. II, S. LXXXIII Anm.) ist von Eugen Ritter, Romania

XXIX S. 424, widerlegt worden. Indessen macht sich Ritter selbst eines

Versehens, schuldig, wenn er mein Zitat berichtigt: er übersah, dafs ich von

BessoDS Werk eine andre Ausgabe benutzte als er.

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