Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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H. SUCHIER,

uns an die Angaben der alten Chanson halten, die uns schon be-

rechtigt, der Form Larchamp vor den Formen der Jüngern Texte,

VArchant, les Archanz u. s. w., den Vorzug zu geben.

Wir haben gesehen, dafs nach der Chanson de Guillaume eine

sarrazenische Flotte die Gironde stromauf fährt. Ein Teil der

Flotte trennt sich und landet in Larchamp, von wo aus sie Frankreich

verwüstet. Die Nachricht von diesem Einfall wird dem Grafen

von Berri überbracht, der in Bourges wohnt. Von den verwüsteten

Gegenden wird nur eine genannt: Terre CerteineA Dieser Name,

mit dem Paul INIeyer nichts anzufangen wufste^ und der wahr-

scheinlich schon im Mittelalter nicht mehr verstanden war,3 entspricht

dem Pagus Carnoteniis der karolingischen Urkunden.^ Eine

identische Form findet sich in der Clef d'amors, herausgegeben von

August Doutrepont, Halle i8go, Vers 507, wo die Einwohner von

Chartres Certain genannt werden. Eine solche Form hat in der

Normandie entstehen können, wo das Francische ch {champ campum)

mit dem Pikardischen ch [chiel caelum) zusammentraf. So wurde

ein phonetischer Zusammenfall von Chertein {Chartain) Carnotenum

und cheriain certanum möglich.^ Folglich bedeutet Terre Certeine

so viel wie Pays de Chartres. Wie man sieht, pafst die Lage von

Largus Campus ganz gut zu der des Pays de Chartres, das die

sarrazenischen Truppen verwüsten, und zu der Lage von Bourges,

wohin die Nachricht von dem Einfall gelangt. Als die Franken

von Bourges aus dem Feind entgegenrücken, finden sie Larchamp

am Meer zu ihrer Rechten, desur [/a] vier a destre V. 149. Dies

stimmt vollkommen zu meiner Annahme.

Jedenfalls pafst hier ein Larchamp, das in der Nähe der

Villainequelle liegt, weit besser als ein Terrain in der Nähe der

Rhonemündungen.

Zuvörderst führe ich nun die Stellen auf, an denen der Ort

Larchamp des Departements der Mayenne bis zum Jahre 1300

vorkommt. Ich kenne keine Erwähnung vor dem XIII. Jihihundert.

Zwei Stellen fand ich bei Leon Maiire,^ vier beim Abbe Angot.''

Ich bringe die Zahl hier auf acht. Man wird sie leicht vermehren

können, wahrscheinlich auch um noch ältere Belege, wenn man

ungedruckte Urkunden heranzieht, vielleicht auch Druckwerke, die

mir nicht bekannt oder nicht zugänglich waren.

1205 Parrochia de Larchamp (Cart. de Savigny).

1209 Haia de Larchamp (Cart. de Fontaine-Daniel S. 77).

' oder Certaine V. 229, vj^l. V. 1095. II 16. 1686. 1703.

2 Romania XXXII, S. 603 Anm.

ä Ich verweise auf Vers 856 der Chanson de Roland und auf Leon

Gauliers Bemerkungen zu der Stelle.

* Man sehe über diesen Pagus Gucrard, Polyptique d'Irminon S. 65— 68.

^ Die heutige französische Form Chartrain kommt von Chartain , das

an den Namen Chartres angeglichen wurde.

" Dictionnaire topographique du ddpartement de la Mayenne, Paris 1896.

' Dictionnaire historique, topographique et biographique de la Mayenne,

Laval 1900 — 1902, drei Bände.

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