Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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H. SUCHIER,

Dagegen wage ich nicht einen Zusammenhang zwischen dem

schmutzigen Graben, duit iroble, der Chanson und der dunkeln

oder undurchsichtigen Färbung der dortigen Wasserläufe anzunehmen,

von der Joanne spricht. Denn der duit der Chanson ist teils von

den Pferden der Sarrazenen teils durch hineingeratene Leichenteile

verunreinigt, während die Wasserläufe durch Schieferstaub, den sie

führen, getrübt sind.

Das Larchamp des Epos reicht bis zum Meere. Der Name

scheint in der Chanson etwa für die Gegend zu gelten, die seit

dem Mittelalter le Desert heifst und den Nordosten des Departements

lUe-et-Villaine und den Nordwesten des Dep. Mayenne ura-

fafst. Es steht fest, dafs Larchamp — Largus Campus — früher

eine gröfsere Ausdehnung hatte als gegenwärtig. Angot sagt unter

Montaudin: „La paroisse, malgre son etendue, n'est qu'une dis-

traction de celle de Larchamp qui, comme on le voit, meritait

bien son nom, distraction operee par bulle du pape Honorius III

le 26 janvier 121g. La superficie cadastree de Montaudin est

aujourd'hui de 2165 hectares." Man kann also die Bodenfläche

von Larchamp vor der Teilung von 12 ig berechnen, wenn man

zu den 4018 ins Grundbuch eingetragenen Hektaren von Larchamp

die 2165 Hektare von Montaudin und die heute wüstliegenden

Strecken beider Gemeinden hinzufügt. Seit dem IX. Jahrhundert

sind natürlich die angebauten Länder auf Kosten der nicht angebauten

vermehrt worden; doch kommt das für die Berechnung

der gesamten Boden fläche nicht in Betracht.

Für die Benennung Larchamp dcsur vier darf auch darauf

verwiesen werden, dafs nach De Potiche, La baie du Mont-saint-

MicheJ, Paris iSgi, S. 7g, das Meer im Mittelalter dort viel weiter

als heute landeinwärts reichte und sich z. B. bis Antrain erstreckte.

Ich will nicht unerwähnt lassen, dafs man zwischen dem

Larchamp des Epos und dem Larchamp der Gegenwart auch einen

Unterschied bemerkt: nämlich die Trockenheit des epischen Larchamp,

wo man fünfzehn Meilen [Iteues] weit auf keinen Wasserlauf

stöfst. Diese Dürre kann nicht wohl einfach auf die Sonnenhitze

geschoben werden. Möglich, dafs der durch die Hitze

verursachte Durst der Helden allein durch die Überlieferung gegeben

war und der Überarbeiter das Fehlen fliefsender Wasser

nachträglich zugesetzt hat. Doch ist zu beachten, dafs nach De

Potiche, S. 84— 87, im I\Iittelalter diese ganze Gegend viel wasserärmer

war als heute. Denn heute fehlt es in Larchamp nicht eben

an Wasser. 1

Wie dem auch sei, der hier konstatierte Unterschied scheint

mir nicht entscheidend. Seit Vivianus gefallen ist, sind mehr als

1 Das eigentliche Dorf wir i von einem Bach durchströmt, der Larchamp

heifst und fünf Kilometer lang ist. Es wäre falsch, ihn mit dem wazzer

Larkant von Wolframs Willehalm zusammenzubringen. Denn offenbar hat

"Wolfram hier nur den erhaltenen Text von Aliscans in seiner Weise gedeutet.

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