Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

66o H. SUCHIER,

6. Das feindliche Heer.

Ist Vivianus im Kampfe gegen die Bretonen gefallen, so sind

nach dem Epos die Feinde Viviens Sarrazenen. Das erinnert uns

an Rolands Untergang, der nach der epischen Tradition gleich-

falls durch Sarrazenen herbeigeführt wurde, die an die Stelle der

historischen Basken getreten sind.^ Man weifs zur Genüge, dafs

das altfranzösische Epos die Vikinger oft mit den Sarrazenen zusammenwirft.

Das geschieht z. B. in Gorvmnd und Isembart, und

ist auch der Fall in der Chanson de Guillaume.

Wir werden gleich sehen, dafs die Seeräuberflotte, die aus

Spanien kam und die Gironde stromauf fuhr, um Bordeaux zu

belagern {Chanson de Guillaume V. 12. 14. 934) in Wirklichkeit

eine Normannenflolte gewesen ist. In den Kriegen der bretonischen

Herzöge gegen Karl den Kahlen haben wiederholt auf Seiten der

Bretonen die mit ihnen verbündeten Normannen gekämpft.^ Wenn

wir zugeben müssen, dafs das französische Epos die Normannen als

Sarrazenen bezeichnet hat, wird es keine Schwierigkeit haben, auch

zuzugeben, dafs die Erinnerung an die Bretonen vor der an ihre

gefürchteten Bundesgenossen hat zurückweichen können.

Man kann besonders einen Zug dafür geltend machen, dafs die

Sarrazenen der Chanson eher Normannen als Mauren gewesen sind.

Die Vikinger liebten bekanntlich die Tafelfreuden und den

Wein. Nun überrascht während der dritten Schlacht von Larchamp

Guillaume die Feinde, als sie innerhalb eines Gehöftes (niaisnä

i68g. 1770) im Freien beim Gelage sitzen. Sie springen auf und

lassen alles im Stich:

Pain, vin et char, . . .

Vaissele d'or e tapiz e dossels. (V. 1697— 8).

Man vergleiche mit dieser Episode folgende Erzählung der Ckro-

nique de Nantes, p. p. R. Merlet, Paris 1896, S. 89:

[Alafius Barbaiorta antto 936] quum primum applicuisset Dolo

monasterto, repcrit ibidem turbam Normannorum nuptias celehrantem,

quam ex improviso aggrediens delruncavit omnem.

Das Wort nuptiae kann hier zwar ein Hochzeitsgelage bedeuten,

aber eben so gut ein Gelage überhaupt.

7.

Graf Guillaume.

Die Chanson de Vivien gibt dem Grafen Guillaume, den sie

Fierehrace oder al curt^ oder curb nes zubenamt, drei hervorstechende

1 Vgl. Edward Fiy in der English historical Review ed. by Poolc XX

(1905), S. 28.

* Mehr als einmal heif.st es in den Annales Berliniani: Nortmanm

commixti cum Brito?nbus, z. B. zu den Jabreu 865 und 866. — Graf Vivianus

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