Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

VIVIEN. 663

Ich komme also zu dem Schlufs: Vivien ist der Vivianus der

Schlacht von 851 eben so sicher wie Roland der Hruodlandus der

Schlacht des Jahres 778 ist.

8. Angaben der Chanson über Vivien.

Ich will zunächst zusammenstellen was die Chanson de Vivien

über ihren Helden mitteilt, um dann die historischen Zeugnisse über

Vivianus aufzusuchen.

Der Graf oder INIarkgraf (er heifst ma7-chis 513. 547. 752,

sonst gewöhnlich cuens) Vivien ist der Sohn des IMarkgrafen Boeve

Cornebut und einer Schwester Guillaumes au court nez (297— 9).

Ich vermute, dafs Cornebut unveriüimdbar bedeutet, eigentlich Hornrumpf,

hornharter Rumpf. Mau hat von einigen Vikingern, wie

von dem berühmten Björn Eisenrippe (Wace's Rou I S. i6), geglaubt,

sie seien unverwundbar; darum findet sich Cornebut auch

als Heidenname.*

TNIan- hat vorgeschlagen, Cornebut in Comarchis zu ändern;

doch ist diese Änderung ganz willkürlich und durch nichts ge-

rechtfertigt. Boeve de Comarchis konnte nicht der Gatte seiner

Schwester sein, und vor 1789 hätte man nicht das de vor Comarchis

hinweggelassen.

G. Paris wollte Comarcis von cotnarca herleiten; 3 doch findet

man in pikardischen Handschriften niemals *Comarkis, was man

bei dieser Herkunft des Wortes erwarten sollte.'* Nachdem mir

mehrfach die Form Cormarcis 5 und in Urkunden der Tourainc

der Ausdruck monasterium Cormaricense begegnet ist, frage ich mich,

ob nicht dieses Cormarcis die ursprüngliche Form sein könne, im

Sinne von Gegend um Cormariciim (jetzt Cormery). Ich werfe hier

nur die Frage auf. Vielleicht wird noch einmal ein Moment zu

ihrer Entscheidung gefunden.

Eine andere Frage, die ich kurz erörtern mufs, ist die nach

Viviens Lebensalter. Bekanntlich durchlief die Eiziehung des Ritters

drei Stufen: zunächst wurde sie von den Frauen geleitet; etwa

mit dem Alter von sieben Jahren setzte der Schulunterricht ein,

der sieben oder acht Jahre in Anspmch nahm; etwa mit fünfzehn

Jahren begann der junge Mann sich durch Waffenübungen und durch

Ergänzung seiner höfischen Bildung auf die Ritterwürde vor-

1 Vgl. Ernest Langlois, Table desnoms propres, Paris 1904, unter Cornebut.

2 Die Herren Weeks und Wehrle, dieser in einem Namenregister, das

1904 zu Freiburg im Breisgau hinter dem Text der Chanson im Druck erschienen

ist.

3 La litterature fran^aise au moyen äge, S. 63.

* Allerdings findet man Comarchis neben Comarcis aufserhalb der Pikardie.

5 Narbonnais II, p. IV, VI, XXXIII, Chanson de GuiUaitme 2930.

Jetzt lese ich auch Cormarqis in einem Citat J. Runebergs , Etudes sur la

Geste Rainouart, Helsingfors 1905, S. 163 Anm. Vgl. auch Tonnerre aus

Tornodürum.

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