Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

664 H. SUCHIER,

zubereiten, die er mit etwa einundzwanzig Jahren erlangte. Diese

Zahlen sind nicht streng eingehalten worden, 1 entsprechen aber

dem Durchschnitt oder der Mehrzahl der Fälle.

Vivien ist bereits Ritter; da er aber meschin 789 genannt wird,

kann er es höchstens seit ein paar Jahren sein.2 Er hat einen

Jüngern Bruder Gui, der beinahe fünfzehn Jahre alt ist 1440. 1482.

Die Verse 67g und 999, die zu

zehn Jahre Gui vom Alter des

besagen scheinen, dafs noch fünf-

Ritterschlags trennen, sind wahrscheinUch

entstellt (man lese Hui a quinze anz statt De hui a oder

en quinze anz). Die beiden Brüder sind im Hause Guillaume's

aufgewachsen, wo Guiborc bei ihnen Mutterstelle vertreten hat.

Vivien ist über fünfzehn Jahre bei ihr gewesen 684. 994; er ist

ihr also etwa um die Zeit übergeben worden, wo Gui zur Welt

kam. Wenn man annehmen darf, dafs die Brüder nach dem Tode

ihrer Eltern Guiborc zusammen übergeben worden sind, müssen

die Eltern bald nach Gui's Geburt gestorben sein.

Das Covenant Vivien beginnt mit dem Ritterschlag des Helden.

Sein jüngerer Bruder, der hier Guischart heifst, ist fünfzehn Jahre

alt. Wenn Vivien sieben Jahre im Hause seines Oheims gewesen

ist {Cov. 290), sind die beiden Guiborc überantwortet worden, als

sie fünfzehn und sieben jähre zählten.

Die Zahl der Krieger in Viviens Gefolgschaft beträgt 300 (Vers

495. 638). Bei einem frühern Feldzug erwähnt er 200 seiner

Getreuen (Vers 660. 982).

Die in den Enfances Vivien ihm zugeschriebenen Heldentaten,

die Spanien zum Schau])latz haben, liegen vor der Zeit seines

Ritterschlags. Die in Vivien von ihm erzählten sind ganz andre;

ein Teil davon dürfte erst nach dem Ritterschlag geschehen sein.

Wir erfahren hier, dafs er an vier Feldzügen teilnahm, deren

keiner nach Spanien führte. Diese Feldzüge sind nach der Reihen-

folge, in der sie in der Chanson aufgeführt werden, die folgenden.

I. Feldzug nach Gerona in Katalonien (376— 380. 635— 646).

Es handelt sich hier um eine Anspielung an die verlorene Chanson

Hernaut de Gironde, die ich zu jung einschätzte, als ich sie gegen

1150 verfafst glaubte {Narbonnais IJ, S. LXXV). V'ivien tötet vor

Gerona den Heiden Aldeiufe,'* den der Fortsetzer V. 2208 nochmals

durch die Hand Guillaume's fallen läfst. Ich vermute, dafs

der Name Alderufe (aus *Adelrufe), später Aerofle, von Abdelruf

I Ich verweise besonders auf Treis, Die Formalitäten des Ritterschlags,

Berlin 1887, S. 18—26, und auf Bergmann, Das hölische Leben nach Gottfried

von Strafsl)urg, Halle 1876, S. 19—22.

- Vgl. auch V. 2000 f. und 2018.

3 Über die sieben Jahre in Vers 69 des Cov. möchte ich mich nicht

aussprechen, so lange ein kritischer Text des Covenaut Vivien fehlt. Vgl.

Jeanroy in der Romania XXVI, 181 Anni. i.

* Wenn Paul Meyer sagt, Romania XXXIII, S. 604 Anm. 4, dieser Name

finde sich schon im Roland, so hat er leider die Stelle nicht angegeben, wo

er ihn gefunden hat (oder zu fmden glaubte).

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