Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

VIVIEN. 67 1

klosters eine prächtig ausgestattete Bibel, die heute auf der Pariser

Nationalbibliothek die Bezeichnung fonds laiin N. i trägt.i Sie

enthält am Schlufs aufser lateinischen Widmungsversen eine Miniatur,

die den Abt mit seinen Mönchen zeigt, wie sie die Bibel dem

König darbringen. Von dieser Miniatur gibt es in gedruckten

Werken mehrere Nachbildungen.^

Die Miniatur stellt den König dar, ihm zur Rechten und

Linken zwei grofse Lehnsträger, etwas entfernter den Lanzenträger

und den Schwertträger. Die übrigen zwölf Personen sind der Abt

und seine Mönche. Vivianus steLt zur Linken des Königs, etwas

vor dem Schwertträger. Er ist im Begritf dem König die Bibel

zu überreichen, die von dreien seiner Geistlichen, die in den

Widmungsversen mit Namen genannt werden, auf einer s. g.

Chemise gehalten wird. Das Alter der Personen ist durch die

weifsliche Farbe der Haare angedeutet. Vivianus sieht noch jung

aus. Als Laienabt ist er ohne Tonsur.

Wer der in den Versen als Vierter {quartiis) aufgeführte ist,

weifs man nicht recht. Nach Traube wäre es der Verfasser der

Widmungsverse, der auch die Handschrift angefertigt hätte.3

XVII.

849 Isio anno viense viartio cepii Vivianus comes Carolutn, fratrem

Pipini, qui ad auxilium frairi ferendum Aqniianiani festinabai [Hs.

destinahat^ aliosque complices ejus.

Fragmentum Chronici Fontanellensis bei Pertz, Mon. II, 302,35,

Bouquet Rec. VII, 41, vgl. 502 Anm. Dazu Mabillon Ann. ord. s.

Ben. II, 683.

^ Ich danke hier meinem gelehrten Kollegen Adolf Goldschmidt, der so

gütig war, mir über die Vivianusbibel aus dem Schatz seines Wissens wertvolle

Mitteilungen zu machen.

'^ Ich kenne folgende acht: de Alontfaucon, Monumens de la monarchie

fran^oise, Band I, Paris 1729, S. 302; lo. Georg, ab Eckhart, Commentarii de

rebus Franciae Orientalis, Würzburg 1729, Iblio, II, 410; Mansi, Concilia,

Band XVIII, Venedig 1773, Sp. 848, und Baluze, Capitularia regum Francorum,

Band II der Venezianer Ausgabe von 1773, Sp. 846 (die selbe Nachbildung

wie bei Mansi ; sie zeigt Vivianus auf der linken Seite des Lesers) und

Band II der Pariser Ausgabe von 1780, Sp. 1276. Nachbildungen in bunten

Farben geben der Graf de Bastard (mir nicht zugänglich); Hans Prutz, Staatengeschichte

des Abendlandes im Mittelalter, Berlin 1885, I S. 120, und Janitschek,

Geschichte der Deutschen Malerei, Berlin 1890, S. 42.

Über diese Bibel handeln noch Du Gange unter arinigeri; Bouquet

Rec. VII, 314— 317. 674 Anm.; Delisle in den Alem. de l'Institut XXXII

(1886), S. 31; Die Trierer Adahandschrift, Leipzig 1889, S. 80— 83; Leitschuh,

Geschichte der Karolingischen Malerei, Berlin 1894, S. 244— 245; Traube,

Poetae Latini aevi Carolini, Band III, Berlin 1896, S. 24if.; der selbe in den

Sitzungsberichten der Bayerischen Akademie, philos. Klasse 1 891, S. 428.

Hen- Professor Traube schreibt mir, dafs in seiner Ausgabe für pritnits Aregarius

mit der Handschrift sinntniis Aregarius zu lesen ist.

ä Es fragt sich ob das Wort David Vokativ ist und den König, oder

ob es Nominativ ist und einen Geistlichen namens David bezeichnet, der in

den Urkunden des Martinsklosters mehrfach vorkommt.

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