Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

VIVIEN. 673

Band XXIII, Tours 1873, S. 26g. Die Hs., die sich in Tours befindet,

ist vom Jahre 1469; der Text ist eine aus älteren Quellen

geschöpfte Kompilation.

Quincarlet macht zu der zitierten Stelle folgende Anmerkung:

Forsan Vivianus comes, XIV"^ abbas laicus S. Martini et IV"^ abbas

Majoris Monasterii. Dicitur obiisse anno 851. Zu dieser Annahme

stimmt das angegebene Datum (der 8. Juni) nicht. Denn unser

Graf Vivianus fiel, nach dem Chronicon Aquitanicum, in der

Schlacht vom 22. August 851.

XXII.

Auch ich kann den letztern Punkt nicht aufhellen. Doch

nehme ich die Gelegenheit wahr, um hier eine Stelle aus Nithards

Historiae zu erörtern, an der ein Vivianus genannt wird. Nach

dieser Stelle wäre ein Vivianus 834 gefallen, der gegen Kaiser

Lothar poenes inarcam Brittannicam (man nimmt an: auf dem rechten

Ufer der untern Loire) kämpfte. Die Stelle lautet in der einzigen

Handschrift der Historiae:

Cecidit Uodo ei Odo, Viviajius, Ftilberhts ac plebis hmumera

multiiudo. Pertz, Mon. II, 653.

2

Uodo heifst bei Nithard sonst der Graf Odo von Orleans, der

in jener Schlacht von 834 ums Leben kam. Wenn Uodo richtig

ist, mufs et Odo entstellt sein. Auch der Name Vivianus wird, da

sein Träger sonst ganz unbekannt ist, auf Rechnung eines Schreib-

fehlers gesetzt. Darum hat man et Odo Vivianus in Theodo Wilhelrnus

ändern wollen. Theodo war Abt von Saint -Martin und

Marmoutier, und Wilhelmus Graf von Biois und Odo's Bmder.i

Der Verfasser des Werkes über Robert den Starken, Von Kalckstein,

denkt S. i6i, der Vivianus von 834 könne der Vater des

Vivianus von 851 gewesen sein.

Die Schlacht von 834 fand nach Dümmler I, 97 Anm. 3 und

Simson II, 105 Anm. 4 statt zwischen dem 25. Mai und dem 3. Juli.

Mit dieser Zeit würde das Datum, auf das im Obituarium von

Saint-Julien de Tours der Tod des Vivianus abbas gesetzt wird,

der 8. Juni, trefflich stimmen. Wäre die Angabe zuverlässig, so

müfste angenommen werden, dafs Vivianus I Abt des Klosters

Saint-Julien de Tours gewesen ist, das gegen 843 von den Normannen

zerstört wurde.3

1 Vgl. Gerold Meyer von Knonau, Über Nithards vier Bücher Ge-

schichten, Leipzig 1866, S. 128—129; Merlet a. a. O. S. 24.

- Hier ist ein analoger Fall. Neben Vivianus kämpfte 851 Graf Wido

von Maine; ein anderer Graf Wido von Maine war in der Schlacht von 834

gefallen. Man hält diesen für den Vater jenes. Ist es blofser Zufall, dafs die

Chanson de Vivien ihrem Helden einen Bruder Gui gibt und dafs Vivianus

wirklich Besitzungen in Maine hatte (vgl. oben S. 670 Nr. XIV) .?

3 Merlet a.a.O., S. 24 nennt, ohne es zu begründen, diesen Vivanus I

Grafen von Tours.

Zeitschr. f. rora. Phil. XXIX.

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