Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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H. SUCHIER,

Dieser Umstand scheint, wenigstens was den Namen Vivianus

betrifft, für die Echtheit der Stelle Nithards zu sprechen. Wäre

es sicher, dafs Vivianus I existiert hat, so könnte man sich aut

ihn berufen um mehrere Züge der Chanson de Vivien zu erklären,

wie den Namen des Kaisers Ludwig und die erdrückende Hitze,

unter der die Kämpfenden leiden.

Der 8. Juni 834 war ein Montag.

XXIII.

In der Urkunde Nr. III (oben S. 667) spricht Vivianus von

seinen Brüdern. Wir kennen von diesen nur einen, der jene

Urkunde mit unterzeichnet hat: Raginoldus oder Raganaldus, Abt

von Marmoutier seit 844. Im Jahr 846 nach dem 10, November

trat er eine Reise nach Rom an, das er am ig. INIai 847 veriiefs,

um den Körper des heiligen Gorgonius nach Tours über-

zuführen. 1

Er ist in einer berühmten Handschrift, die 844 oder 845

vollendet wurde, dem Sacramentarium von Autun, auf einer Miniatur

dargestellt und durch die Worte Raganaldus alba bezeichnet. Eine

Nachbildung gibt Leopold Delisle in der Gazette archeologique

1884, Tafel 22, vgl. S. 153 f.

10. Sage und Geschichte.

Nunmehr dürfte es an der Zeit sein, nochmals auf die im

Eingang dieser Untersuchung aufgeworfene Frage zurückzukommen,

die Frage, ob der Vivien des Epos mit dem 85 1 gegen die Bretonen

gefallenen Grafen Vivianus identisch ist. Ich glaube, die Frage

bejahen zu dürfen, und berufe mich dabei auf folgende Züge über

Vivien, die in der Chanson de Vivien für historisch gelten können.

Der fränkische Graf Viviien fällt, unter einem Nachfolger Karls

des Grofsen, für sein Vaterland am letzten Tage einer dreitägigen

Schlacht, einem Montag, in der bretonischen Mark. Seine Leiche

bleibt unbeerdigt auf dem Schlachtfelde liegen. Die Niederlage

des fränkischen Heeres war durch die Flucht einiger Vasallen und

ihrer Truppen veranlafst.

Wenn der fränkische König im Epos Ludwig heifst, nicht

Karl der Kahle wie in der Geschichte, so hat dies seinen Gnmd

darin, dafs das Epos, wie schon G. Paris beobachtet hat, die nach

Karls des Grofsen Tode eingetretenen Ereignisse meist unter dessen

' Die Translatio sancti Gorgonii etc. ist gedruckt in den Acta sanctorum

martii II, 56—59 und besser bei Mabillon , Acta sanctorum ord. s. Ben. IV,

591— 596. Vgl. dazu dessen Ann. ord. s. Ben. II, 669. Die Translatio nennt

den Vivianus illuster comes et 7nonasterii sancti Martini rector. Über Raginoldus

handelt ferner die Gallia clirist. XIV (1856) S. 198— 199, über das

Sacramentarium Delisle in den Mdm. de l'Institut, Band XXXII, 1886, S. 96

— 100, vgl. auch Die Trierer Adahandschrift S. 83.

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