Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

678 H. SUCHIER,

Dieser Fortsetzer war vielleicht aus Französischflandern. 1 Er

erwähnt einen Vläming V. 2746. Er läfst Baldewin von Flandern

am kaiserlichen Hof eine wichtige Rolle spielen V. 2566. Die

Taufe Rainoarts wird zu Orange in einer Kirche Sankt Omer's

vollzogen V. 3489. Eine solche Kirche wird in Orange schwerlich

existiert haben. Das Gebäck niveles, das Vers 2404 neben obkies

erwähnt wird, war besonders in Saint-Omer heimisch, kommt aber

auch sonst vor (vgl. Godefroy unter 7iiiile und Du Gange unter

Ttebula 2). Dafs nasales a und nasales e in den Assonanzen vermischt

werden, ist vielleicht mit dieser Annahme nicht unverträglich.

Und sieht Rainoart, dieser unritterliche Riese mit seiner wuchtigen

Keule, dieser gutmütige Tölpel mit seinen groben Späfsen, nicht

aus wie eine personifizierte Satire auf das Rittertum und zugleich

wie eine Verkörperung des vlämischen Geschmacks? 2

Von historischen Beziehungen habe ich in Rainoart nur wenig

gefunden. Dahin gehört die Zerstörung des JMartinsklosters in Tours

(V, 2261). Unter den Plünderungszügen der Vikinger nach Tours

blieb der vom 8. November 853 wegen der von ihnen verübten

Grausamkeiten am festesten im Gedächtnis haften. — Graf Rainald

de Peiter, Guillaume's Neffe (V. 2540), erinnert an den historischen

Grafen des gleichen Namens, Rainaldus von Herbauge (vgl. oben

S. 64g und 6ö6), der 843 get()tet wurde. — Nach des Astronomen

Leben Ludwigs des Frommen, Kap. .^5, war Graf Odo von Orleans

ein Vetter Graf Bernhards von Septimanien. Seine Tochter Hirmentrudis,3

wurde die Frau Karls des Kahlen. In der Chanson

wird Ermentrud, die Tochter König Ludwigs und einer Schwester

Guillaume's, mit Rainoart verheiratet (V. 3499). Aliscans ersetzte

sie durch Aelis; aber die Venezianer Handschrift schaltet eine

Anspielung an die Chanson de Guillaume ein, in der der Name

Ermentrud bewahrt ist (vgl. Aliscans, Ausgabe von Halle 1903, zu

Vers 3875; Ausgabe Rolins S. 108):

Mais Hermengard li fist piiis ennorer^

La helle nece Ermentrut a vis der.

Was die Verwandtschaft des Odo mit Bernhard betrifft, so wage

ich die Vermutung, dafs Bernhards Mutter Witburgis [= Guiborc]

eine Schwester von Odo's Vater, dem Sachsen VVitichin, gewesen

ist.^ Dann war Witburgis Sächsin und vielleicht als Heidin geboren.

1 Man mufs sich daher fragen ob nicht V. 2786 tremblevet, V. 3437 reciut

einzusetzen ist. Wenn der Verfasser des Rainoart weder descevdit neben

descendiet noch die Bindung ai : ( gebraucht (er bindet ai:a), so ist dies

Vivien gegenüber mundarlhche Abweichung, spricht also nicht für höheres

Alter.

2 Sehr bezeichnend ist ein Wort Rainoarts (V. 2839): Suz ciel n'ad rien,

tant hace cum. chevdl.

' Nithard nennt sie neptis Adelardi.

^ vielleicht oissorer.

5 Dafs die sächsische Herkunft Witichins neuerdings bestritten wird,

weifs ich wohl.

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