Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

682 H. SUCraER, VIVIEN.

Auch hierin ist, wie wir gesehen haben, die Entwicklung des VivienstoflFes

der der Rolandsage nicht unähnlich.

Es mufs auffallen, dafs die Tradition in Roncevaux so zähe

festgehalten wurde, während die Tradition in Larcharop früh erloschen

ist, um nach der Rhönemündung verpflanzt zu werden.

Die Ursache hiervon ist offenbar in der ungleichen Frequenz der

beiden Landschaften zu suchen: auf der nach Santiago de Compostela

führenden Strafse zogen zahlreiche Pilger durch Roncevaux,

wo sie in dem Hospiz übernachteten, während die andre Land-

schaft, wo es aufser der einen, die dem Lauf der Küste folgte,

schwerlich gröfsere Strafsen gab, ohne Verkehr war. Die Unsicher-

heit der Chanson de Vivien in allem Geographischen hat jedenfalls

das Erlöschen der Sage an Ort und Stelle und ihre Verirrung

nach dem Süden erleichtert.'

^ Im vorigen Jahr hat Raymond Weeks in Modern Philology II, 231

eine gelehrte Abhandlung über die Chanson de Guillaume veröffentlicht, und

die Chanson auch zum Gegenstande eines Vortrags gemacht, den die Publications

of tlie iSIodern Language Association of America XIX, S. VI VII und die

^Modern Language Notes XIX, 31 (diese letztern sind mir nicht zugänglich)

resümieren. Ich will hier nicht genauer auf Weeks' Darlegungen eingehen,

und mich auf wenige Bemerkungen beschränken. In ein paar nebensächlichen

Stücken treffen seine Anschauungen mit den meinen zusammen. Gleich mir,

aber mit anderer Begründung, nimmt er an, dafs die Sairazenen der Chanson

eigentlich Nordmänner sind. Ich weise besonders auf zwei Punkte hin, in denen

mir Weeks das Richtige getroffen zu haben scheint: er ändert in V. 633

Que par la lune geistvoll in Qii^a Barzelune, und erklärt im Gegensatz zu

Paul Meyer, dafs der Chanson de Guillaume keineswegs der Schlufs fehlt.

Ich bedauere nur, dafs er sich hierfür auf den Willehalm berufen hat, der

ganz sicher nicht beendigt ist. Weeks glaubt immer noch, dafs Andrea da

Barberino verlorene Chansons de geste von sehr archaischem Charakter zur

Verfügung gehabt hat, dafs Larchamp in Spanien bei Tortosa liegt, dafs die

von den Sarrazenen zu Larchamp gefangenen Franzosen in einer frühern Fassung

der Chanson ums Leben kamen u. s. w.

Kürzlich hat Weeks seine Abhandlung in revidierter

Romania XXXIV, S. 234—277 aufs Neue veröffentlicht.

Gestalt in der


Hermann suchier.

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