Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

RANDGLOSSEN ZUM ALTPORT. LIEDERBUCH. 685

las ich darin im Sommer 1894 die mir aus dem Liederbuch längst

vertraute Tenzone, in leidHch korrekter Niederschrift. ^ Nicht ohne

Überraschung, denn der Fall war der erste. Ist auch bis jetzt

(1905) der einzige geblieben! Meine besondre Aufmerksamkeit

errregte natürlich die Überschrift, da sie drei oder vier wichtige

Neuigkeiten mitteilt, darunter den Namen de Rcseiuh; Sie lautet:

Trovas De D. A" Sanches, filho del Rei D. Dioniz a Vasco Mrz de

Resende, e resposta do mesmo: acharaose entre os papeis do grande Mestre

Andre de Resende; estaväo postas am solfa.

Der als Besitzer und Kenner der Tenzone genannte Gelehrte

ist der um die Vaterlandskunde trotz verschiedener Schwächen hoch-

verdiente eborenser Altertumsforscher — der, nebenbei gesagt, die

von Camöes unsterblich gemachte epische Bezeichnung Lnsjadeii für

Portugiesen prägte und in Umlauf brachte.^ Was ihn veranlafst

hat, das altportugiesische Gedicht aufzubewahren, ist nicht schwer

zu erraten: Mestre Andre de Resende (1493-— ^1573) suchte

oder erkannte in Vasco Martinz de Resende einen seiner

Vorfahren.

Es ist bekannt, dafs der sich oftmals als weitfremder, bäuerisch

veranlagter Gelehrter kundgebende ehemalige Dominikanermönch,

trotz seiner Abneigung gegen das Hofleben,* einige Jahre lang als

Fürstenlehrer tätig war,^ sich gern mit seinen Gedichten und

Schriften an Hoch- und Höchststehende wendete, und im Bewufst-

1 Vgl. Catalogo da Biblioiheca Municipal do Porto, Fase. IV, 107 (1893).

2 Er verwertete seine Wortschöpfung zum ersten Male in einem hagiographischen

Poem über den Heiligen Vincenz (Buch II, Zeile 195). Mit Bezug

auf den vermeiutlichen Gründer von Olyssipo heifst es da;

. . . ea poterat securus vivere Olysses

Inter Lusiadas nisi amor revocasset amatae

Coniugis et patriae . . .

Verfafst ward das Werk, laut Resende's eigner Aussage, im Februar 1531.

Gedruckt und kommentiert wurde es jedoch erst 1545 (Anm. 24 betrifft Lusits,

Lysa, Liisitania, Lysitania, Anm. 48 Lusiadas Lysiadas). Lange vorher,

schon 1534 hatte er nicht nur die einschlägige Stelle öffentlich benutzt, in

einer zu Lisaboa gehaltenen und gedruckten Oratio pro rostris, sondern auch

die Neubildung in verschiedenen andren Poesien benutzt (z. B. im Encomiuii

Erastni 1536; in der Epist. ad Petreium Sanctiutn 1542). Vgl. Grundrijs

IIb 320 (vgl. 279) und Instituto Vol. LI, 754 ss.

3 Er trug das Mönchsgewand 30 Jahre lang bis 1540, und vertauschte es

nur auf höheren geistlichen Befehl mit dem eines predigenden Weltgeistlichen.

* Wir besitzen von ihm verschiedene dichterische Auslassungen De Vita

AuUca. In den Prosabriefen kehren Klagen über die Beschwerden des Hoflebens

häufig wieder. Auch fehlt es nicht an Auslassungen von Freunden, die

sich vergeblich — in Scherz und Ernst — bemühten. Resende zu Hofmanieren

und Ansichten zu bekehren. Selbst Erasmus tadelte einmal seine rusticitas.

5 Er untenichtete den Infanten D. Duarte von 1534 bis 1537 oder 1540.

Auch die beiden Kardinal -Infanten D. Affonso und D. Henrique erschienen

oft in den Unterrichtsstunden; besonders der orstere, in de.^s'.n Diensten Resende

wahrscheinlich als Prediger stand.

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