Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

ÖÖÖ CAROLINA MICHAELIS DE VASCONCELLOS,

sein seines Wertes den Kopf hoch trug. Auch dafs er gleich zu

Anfang seiner Laufbahn einen Stammbaum der Resendes aufstellte,

wie ferner, dafs er denselben wirklich auf D. Vasco Martinz, den

Alten (oder wie er sagt, den Grossen), zurückführt, erhellt aus einem

oft benutzten, 1534 an den Humanisten Jorge Coelho, seinen

Freund und Rivalen, gerichteten Brief. 1

Ausgehend von der im internationalen Verkehr für Humanisten

jener Tage unentbehrlichen lateinischen oder griechischen Styli-

sierung der nationalen Personen-Namen, von denen Coelho die

seinige wie alle übrigen Gelehrten in individueller Art vorgenommen

hatte, sich in lateinischen Briefen und Gedichten klang- und würdevoll

erst Choelius, dann Coelius (bezw. Caelius) nennend, kommt

Resende, ohne daran zu denken, wie er selber bereits mit seinen

Namen und Titeln in recht freier Weise umgesprungen war, 2 von

der ironischen Bemerkung, der Freund müsse eigentlich Cuniculus

unterzeichnen, auf seine eigene Blaublütigkeit zu sprechen, ^ und

zählt seine Ahnen auf:

1 Coelho war sein Rival als Dichter sowohl wie als Redner, — und auch

was die Einführung des Wortes Lusiaden betrifft. — Coelho begann 1536

sicli desselben zu bedienen, und zwar im Drucke eines Glückwunsch -Gedichtes

an den Kardinal-Infamen D. Affonso {Consecratio) , da? meiner Auffassung

nach eben entstanden war (wobei ich nicht blofs die in der Widmung

benutzte Bezeichnung: Titiili SS. Joannis et Pauli Cardinalis , die erst 1536

möglich war, für ausschlaggebend halte). — Und da auch Manuel da Costa

ein Jahr später, bei der Hochzeit des D. Duarte in einem Carmen dem gegebenen

Beispiel folgte, durfte Resende im Vincenz- Kommentar in der oben erwähnten

Anmerkung sagen : Lusiadas adpellauimus Lusitanos . . . Nee 7nale subcessit.

Nam Video id miiltis adlibuisse, presertim aiitetn Geor^n'o Coelio . . .

Sein Rival, auch als Fürstenlehrer. Denn Coelho gefiel den Regierenden

offenbar besser und wurde rascher und reichlicher als Resende mit Ehrenstellen

und Pfründen bedacht. Gleich 1536 ward er z. B. Privalsekretär des

Kardinal-Infiinten D. Henrique. Ein Jahr vorher hatte Mestre Andrd mit Bezug

auf den Hof geäufsert Vivat hie Choelius uni Cui vatum plaeet aula in einem

der Gedichte De Vita Aulica, das er dem gleichgesinnten Damiäo de Goes

widmete.

2 Anfangs, von 1529 — 31, legte er sich in lateinischen Schriften, aus

kindlicher Pietät, einen der Vornamen der Mutter bei und zeichnete Am^^elus

li'i^l'-e er jedoch, berühmten ausländischen

Andraeas Resendius. Schon 1533

Mustern folgend, das christliche Avgelus durch heidnisches Lucius ersetzt,

und behielt es bis an sein Lebensende in allen lateinischen Schriften bei,

meisthin mit, bisweilen ohne Andr., selbstverständlich in der allgemein üblichen

epigra])hischen Abreviatur (also: Z. Resendius oder L. Andr. Resendius).

Fremden oder im Auslande lebenden Portugiesen gegenüber fügte er meist

zum Schlüsse noch Lusitanus hinzu. In portugiesichen Schriften ist er hingegen

niemals von seinem ofl'iziellen Namen Andree de Reesende abgewichen,

dem er bis etwa 1540 Frei voranstellte, später jedoch den Titel Meestre.

Einige Male finde ich Doctor 7neestre (1565). Die Korrespondenten nannten

ihn übrigens anfangs Resendus (Voc. Resende). Selbst wenn er daher im

Original-Testament Licenciatus Andr. Res. ausgeschrieben hat, so scheint mir

das nur eine Wandlung mehr in seiner freiherrlichen Namensgebung zu sein.

Näheres gedenke ich über kurz oder lang im Instituto oder im Arehivo Historieo

Portuguez zu verwerten. Als ich Kap. II des CA (S. 120) schneb, war mir

der Sachverhalt noch weniger klar als heute.

8 Jorge Coelho, vir nohilis, war ein Sohn jenes Nicolas, der, von Vasco

da Gama wie ein Bruder geliebt, ihn auf der ersten Expedition nach Indien

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