Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

RANDGLOSSEN ZUM ALTPOKT. LIEDERBUCH. 69 1

des D. Gil Vasquez de Resende. Von ihm, der zur Zeit Peters

des Grausamen (geb. 1324) gelebt haben mufs,! bucht der alte

Genealogiker nur, er habe eine Enkelin des erlauchten Lopo Fernändez

Pacheco gefreit und einen legitimen Erben hinterlassen.

Den fehlenden Namen ergänzt der Humanist sachgemäfs durch

Wiederholung des grofsväterlichen: Vasco Martinz de R., Mogo.

Wir haben ihn in die Tage Ferdinand's I. (geb. 1343) zu verlegen

und anzunehmen, dafs er noch in die Regierung des D. Joäo L,

d. h. des jüngeren Halbbruders (geb. 1357), hineinreichte. Wie so

viele andre in Spanien verschwägerte und begüterte Westländer

hielt er möglicherweise zur Gegenpartei und wanderte aus.

Wenn Mestre Andre nun die Regierungen der vier folgenden

Monarchen — D. Duarte (geb. 13Q1), Alfons V. (geb. 1432), Johann II.

(geb. 1455), Emanuel (geb. 1469) — zusammenfafst und nur weitere

zwei Generationen für einen Zeitraum von 120 Jahren ansetzt,

nämlich blofs seinen Grofsvater INIartim Vaz und seinen Vater Andre

Vaz, so erweckt das in mir starke Bedenken, besonders da der Vater

frühzeitig starb (etwa 1 500) als sein einziger Sohn im zweiten Lebensjahre

stand,2 und auch weil Vazquez nicht derselbe Name ist wie Vaz.

Weil sein Vater nicht durch Ahnenproben, sondern um seiner

Verdienste willen befördert worden war, wufste der Gelehre über

den Grofsvater hinaus, nichts Genaueres. So vermute ich. Darum

machte er ihn kurzweg zum Sohne des letzten unter den von den

Genealogikern erwähnten vornehmen Alt-Resendes aus Nordportugal,

als hätte es in Portugal durchaus nur eine Familie Resende ge-

geben.

Als Troubadour, der in Gemeinschaft mit D. Afonso Sänchez

gedichtet hat, konnte selbstverständlich nur Vasco Martinz de Resende,

der Alte, in Betracht kommen, wie die von mir absichtlich beigefügten

Jahreszahlen beweisen. Von ihm soll gleich die Rede sein.

Zunächst wollen wir überlegen, wie Resende, der übrigens vom

Dichterruhm des Ahnherrn, in den mir bekannten Briefen und

Schriften kein Sterbenswörtlein verlauten läfst, zur Kenntnis der

Tenzone kam. Kannte er ein ganzes Liederbuch? War ihm ein

Ausschnitt aus einem solchen davon zugekommen? Oder eine Abschrift?

Und war die Quelle dieses Ausschnitts oder dieser Abschrift

eine italienische? Ist es der Cancioneiro da Ajudal Oder

besafs er etwa eine Original -Pergamentrolle?

Im Besitz einer solchen 3 hätte der Gelehrte, der genaue

testamentarische Bestimmungen über Bücher, Manuskripte, Münzen,

Inschriften und sonstige Anticaglien getroffen hat, vermutlich ein

1 Script. 229 und 315.

2 Das Datum seiner Geburt schwankt: 1493. 1495. 1498 sind durch Berechnung

erschlossen. 1505 oder 1506 soll sich aus dem Testament des Mestre

Andre ergeben. Das früheste, auf Diogo Mendez Vasconcellos zurückgehende

scheint mir trotzdem das wahrscheinlichste.

^ Er wäre eine indirekte Bestätigung der Genealogie.

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