Zeitschrift für romanische Philologie

scans.library.utoronto.ca

Zeitschrift für romanische Philologie

6g

2

CAROLINA MICHAELIS DE VASCONCELLOS,

Wort Über das alte wertgehaltene Erbstück gesagt/ ganz abgesehen

davon, dafs in einer Rolle mehr als ein Lied des Vasco Martinz

vorauszusetzen wäre.

Die zu Anfang dieser Ra7idglosse erwähnte Tatsache, dafs kein

Zeitgenosse und keiner der späteren, nach derartigen literarischen

Reliquien heifshungrigen Archäologen weitere echte Trovas oder

echte Namen von Trovadores kennen lernte, spricht gegen die Vermutung,

Resende sei ein vollständiges Liederbuch vor Augen gekommen,

das erstens in Überschriften genaue Namen auch des an

je einer Tenzone mitarbeitenden Nebendichters bot, und zweitens

das Pentagramm mit den betreffenden Sons. Ein Liederbuch,

also, das in engeren Beziehungen zu den Urtexten stand als die

in Italien aufgefundenen Abschriften und der unfertige, fragmen-

tarische Cancionäro da Ajitda.

Viel eher könnte ein Ausschnitt oder eine Abschrift nach einem

im Ausland zum Vorschein gekommenen und dann wieder untergetauchten

Cancioneiro ihm von irgend einem Freund oder Korresspondenten

zugeschickt oder mitgebracht worden sein, es sei

von einem Portugiesen wie Goes, Hollanda, Caspar Barreiros,

D. Manuel de Portugal, D. Miguel da Silva, oder von einem Ver-

trauten des Bembo oder Colocci, des Kardinal Pucci oder Venlurino.^

Das sogenannte dionysische Liederbuch que cm Roma se achou.

Auch in diesem Falle konnte Ursache der Übersendung nur der

wirklich darin vorhandene Name de Resende sein.

Für den naheliegenden Gedanken, es handle sich um ein aus

dem Zusammenhang gelöstes Blatt des Cancioneiro da Ajuda, ähnlich

jenen elf, welche in Evora gefunden und dem Codex wieder ein-

verleibt worden sind, in dasselbe aber habe der Inschriftenfälscher

eigenhändig selbsterfundene Musiknoten ^ und eine Überschrift hineinkomponiert,

nur um Vasco Martinz als Resende zu kennzeichnen,

finde ich keine rechte Handhabe. Zwar wurde dieser Cancioneiro wahrscheinlich

in der zweiten Hälfte des i6. Jhs. in Evora aufbewahrt.

Und wie portugiesische Leser im XIV. und XV. Jh. Randnoten eingetragen

hatten, so hat noch im XVI. ein sich im Dichten übender

Anhänger des Sä de Miranda* (vielleicht sogar der Verfasser der

' Er empfahl seinem Sohne, die Inschriften in Haus und Garten sorgsam

•lufzubewahren. — S. Farinha S. 32 und 136 ff., sowie die (mir leider nicht

vorliegende) Elvenser Zeitung O Transtagano 1860, No. 61. 63. 64.

2 Rasende selbst ist 1534 in Italien gewesen als Hausgenosse des Gesandten

Pero de Mascarenhas, doch scheint er über Bologna nicht hinausgekommen

zu sein.

* Von seinen musikalischen Kompositionen ist im Briefe an Bartoloraeo

Kabedo die Rede.

* Der Gedanke, die Beziehungen des Dr. Antonio Ferreira zu den für

Kunst und Wissenschaft tatkräftig interessierten Herzögen von Aveiro einerseits,

und andrerseits diejenigen Rasendes zu eben denselben zum Ausgangspunkt für

Vermutungen über den Cancioneiro da Ajuda zu machen, ist mir bis heute

nicht gekommen, — Der erste Herzog war ein Enkel König Johanns II. Rasende

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine