Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

RANDGLOSSEN ZUM ALTPORT. LIEDERBUCH. 695

als solcher eine Urkunde vom Jahre 1320 unterzeichnet, die der

Verfasser der Monarchia Lusitana benutzt hat.^

Damit ist Resendes Attribution gerechtfertigt. Den Versuchen

von Th.Braga und Lang, den Tenzonen-Dichter mit anderen Trägern

des Namens Vasco Martinz zu identifizieren, ist der Boden entzogen.

Verkehrt war es von ersterem, in Vasco IMartinz einen Spielmann

zu suchen,2 und zwar einen alten Sänger aus den Tagen Alfons' III.

Grund dazu gab eine schiefe Lesung und Auslegung der Schlufszeile,

die in seinen Augen den Königs -Bastard als Neuling im

Dichten und Liebeswissen, den Mitdichter hingegen als eine Art

Lehrmeister hinzustellen schien. 3 Lang, der richtiger in Vasco einen

Grofsen des Reiches sucht, übernimmt zweifelnd die schiefe Redaktion

und Auslegung der letzten Zeile {apos qiie trobe oder trobede), geht aber

trotzdem gleichfalls ins 1 3. J. zurück. Er schlägt zwei Wege ein. Der

eine führt ihn zu einem Komtur (127g) und stellvertretenden Grofsmeister

des Maltheser Ordens in Portugal, der 1297 dieses Amtes

waltete ; * der andere zu dem bereits oben genannten Vasco Martinz,

mit dem Zunamen Pimentel^, dem Grofsvater des wahren Resende,

als zum berühmtesten seines Namens. In der seitenlangen Erzählung,^

1 Livro XIX, c. 18. — Vgl. QK Investigacoes S. 217.

2 Canc. Vat. Rest. p. LXVIII.

ä Ib. p. LXIX: Pela tencäo com trovador Vaasco Martins (No. 27)

vemos que D. Affonso Sanches era ahida novel na maestria, porque admirando-se

d' aquelle trovador continnar a fazer cancoes depois de Ihe ter

morrido a sua dama, este Ihe responde, „apoz que trobe sabeio-edes."

* Liederbuch des Königs Denis von Portugal S. XLI, Anm. 7. ,. [Vaasco

Martins] Tenzoniert V. 27 mit D. AfFonso Sanchez und scheint nach den Anspielungen

des letzteren (?) schon ein älterer Dichter gewesen zu sein. Ein

V. M. Comendador do Crato (1279) und lugar tenente do gräo Comendador

1297 wird Älon. Lus. V. 46 — 47 genannt." — Vielleicht schliefst er auf

hohes Alter daraus, dafs dem Vaasco Martinz die erste Geliebte gestorben war?

^ Ib. S. XL, 14. Wie aber kann ein 1283 Gestorbener zum dionysischen

Hofkreise gehört haben? — Da übrigens Lang nicht angibt, welches Lied

oder welche Lieder er dem Vasco Martinz Pimentel zuschreibt, bleibt dahingestellt,

ob er wirklich an den Partner des D. Afonso Sanchez denkt, oder

an den mit Pero Martinz dichtenden D. Vaasco, dessen Tenzone in das

Liederheft des D. Joan Soärez Coelho geraten ist (CV 1020). — Schon früher

in Randglosse II S. 144 habe ich die Vermutung ausgesprochen, dafs

wir in ihm den viel älteren D. Vaasco Git zu erkennen haben, nicht nur

wegen des Platzes, den er im Liederbuche einnimmt, sondern weil von den

Persönlichkeiten, die in der betreffenden Satire an den Pranger gestellt werden,

eine, D. Rodrigo Gil, tatsächlich 1233— 1244 im Hospitaliteiorden die Würde

eines Priors bekleidete. — Vgl. CA JI, 354 und 369, woselbst ich auf Herculano

II, 495, Nova Malta 256 und 295 sowie Leges I, 627 und 630 hinweise,

sowie hier im Anhang, Lied No. 98.

6 Script. 228 s. und 314 s. Titulo XXXV: Do Böo D. Vasco Martins

Pimentel. — Mon. Lus. XVI c 33 und XV c. 3. — Nebenbei sei bemerkt,

dafs einer der Söhne dieses D. Vasco — Feruan Vaasquez Pimentel — im

Liederbuche vorkommt, doch nicht als Dichtender sondern als Bedichteter.

Das Beispiel des Vaters nachahmend wechselte er nämlich den Herren , doch

nicht aus Not oder dem Zorne weichend, sondern um des lieben Goldes willen,

und zwar mit solcher Leichtigkeit, dafs er in sechs Monden drei portugiesischen

Magnaten diente: zuerst dem Grafen von Barcellos, der den Ruf halte seinen

Vasallen glänzendsten Sold zu zahlen; dann dem jugendlichen Erben von