Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

6g6 CAROLINA MICHAFJJS DE VASCONCELLOS,

die der alte Genealogiker diesem widmet, wird berichtet, wie ein

Makel an seiner Geburt haftete, weil die Mutter D. Sancha Martinz,

nach Aussage Böswilliger, ihn im Ehebruch gezeugt hatte, nach

Aussage Wohlmeinender hingegen nur in geheimer zweiter Ehe,

vor Ablauf der gesetzlich vorgeschriebnen Witwenfrist, in beiden

Fällen aber mit einer Art Erbfeind des ersten Gemahls. Und weiter, wie

er sich aus eigner Kraft in die Höhe bringen mufste; wie ihm

seine Herkunft von Gleichaltrigen vorgeworfen ward; wie er Einen

strafte, der ihn öffentlich im Königssaal beschimpfte: wie er als

Mann bei Alfons III. viel galt; wie er einer der Meirinhos- mores

wurde, sich später jedoch in seiner Amtsführung mifsliebig machte,^

das Land verliefs, von Alfons dem Weisen mit offnen Armen

aufgenommen, ihm im Kampfe gegen den rebellischen Sohn

half, und schliefslich, wie schon in den genealogischen Notizen

gesagt wurde, in einem Treffen bei Cordova tödlich verwundet

ward . . . gerade als D. Afonso Sanchez das Licht der Welt erblickte.

Dafs beide zu alt sind ^ und dafs darum bei beiden das Hauptrequisit

fehlt, — historischer Nachweis von Beziehungen zum Sohne

des D. Denis — bedarf keiner weiteren Darlegung.^

Obwohl die Liebesgedichte des Vasco Martinz de Resende

verloren sind, nennen die Literarhistoriker ihn mit Auszeichnung.

Ja sie rechnen ihn, auf Grund der Tenzone, als platonischen

Verherrlicher einer Toten, zu den nennenswerten Vorläufern Petrarcas.

Mir scheint dies Lob unmotiviert. Das Gedicht geht in der

schlichten Sanftmut der Affekte und der Sprache in keiner Weise

über das gewöhnliche konventionelle Mafs hinaus. Man hatte eben

seinen Siim im Anschlufs an den von Th. Braga verbreiteten unechten

Wortlaut falsch verstanden. Wie bei seinem Halbbruder, dem

Grafen von Barcellos, hat die tote Geliebte eine Nachfolgerin

gefunden.'» Beide Troubadours würde ich also zur nicht kleinen Gruppe

derer rechnen, denen der neue Lenz neue Liebe und neue Lieder

gebracht hat. Die eindringlichen Fragen des Senhor D. Afonso

scheinen mir mit leiser Ironie gewürzt; und die höflich ausweichenden

Antworten des Vasallen voll absichtlicher Zweideutigkeit.

A mois coui^erts — eticobcrtamente — gesteht Vasco Martinz, dafs

nicht mehr die einst besungene tote Schöne, sondern eine neue

lebendige, ebenso Preisenswerte ihm am Herzen liegt:

Albuquerque und Sohne des D. Afonso Sanchez, um sich schliefslich dem

Thronfolger Alfons IV anzuschliefsen. Und ward darob vom Knappen

Joan de Gaia verlacht. Vgl. hier im Anhang Lied No. 113 sowie CA

Investigagdes S. 468 u. 587.

• S. oben S. 690, Anm. 2.

"^ Sonst läge es näher, als Mitdichter von CV 27 den Grofsvater des

Vasco Martinz de Rasende und im Mitdichtcr von CV 1020 den Mospitaliter-

Komtur zu suchen.

8 Aus dem gleichen Grunde unterlasse ich es, von andren Homonymen

zu reden, wie z. B. von einem Va?co Martinz (da Cunha), der im Dienste des

Grafen von Barcellos st.md.

S. CV212.

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