Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

6g8 CAROLINA MICHAELIS DE VASCONCELLOS,

machten es zu ihrer Grabstätte. i Die Geschichtschreiber bezeichnen

den Königsbastard, von dem nichts Unvorteilhaftes bekannt ist,

mit gelinder Übertreibung, als heldenhaften Heiligen oder heiligengleichen

Helden. Im 18. Jh. hat sogar einer der Chronisten des

Franziskanerordens Schritte getan, um seine Seligsprechung zu

erwirken, unter Hinweis natürlich auf sich an der Begräbnisstätte

vollziehende VVunder.2

Auch als Dichter wird der Königsbastard geschätzt,^ und verdient

das wie sein Halbbruder, weniger jedoch als der fruchtbare

und zartsinnige Dichterkönig. An dieses Vorbild lehnte er sich

natürlich an. Wie D. Denis versuchte er sich in den verschiedensten

Gattungen, schwierige Kunststücke wie die Aia-fiinda -Yorm. und

rimas equivocas nicht vermeidend. Wir besitzen von ihm 15 Lieder,

leider in arg verderbter Textgestalt-»: CV 17—27 = ("ß und LuUre

406—416 sowie CV 365—368 := 781— 784. Die meisten sind

cantigas de amor; sechs davon sind im höfischen oder limousinischen

Stil de mestria (17. 19. 21. 22. 23. 24),' sieben, wenn man die

Tenzone hier unterbringt (27); nur zwei, leichtfüfsigere, sind cantigas

de refrajn (18. 2o). Dazu kommen zwei zarte schlichte Mädchenlieder

im gallizischen Geschmack (367 und 368) und vier Scherzgedichte

(25. 26, 365. 366), von denen die eine Hälfte sich um

Männerangelegenheiten, die andre sich um Frauensachen dreht.^

Ob er sich in einem davon grober Worte bedient, wie sein

Vater sie niemals angewendet hat, mufs zunächst dahingestellt

bleiben. Derbe, populäre sprichwörtliche Redensarten vermeidet er

jedenfalls ebensowenig wie die konventionellen häretischen Übertreibungen

der Verliebten, die mit Gott -Vater und Gott -Sohn

hadern, und die Hölle dem Himmel vorziehen, falls die Geliebte

darinnen weilt.

In der Sprache ist eine Entwicklung nur in einem Punkte zu

bemerken. Gleichartige Vokale werden metrisch häufiger zu einer

1 In Arte e Natureza, Heft 16, findet sich eine Photographie der Grabmäler

und Inschriften. — Die ursprüngliche Vorhalle wurde später zu einer

mit dem Bau verbundnen Kapelle umgewandelt.

'* Frei Fernando da Soledade, der bereits erwähnte Fortsetzer der

Historia Serafica, schrieb die Memoria do lufante D. Affonso Sanches e D.

Thereza Martins, fundadores do real mosteiro de S. Clara de Villa do Conde,

Lisb. 1726.

^ S. Mcnendcz y Pthiyo, Antologia III, S. XIV; sowie CA InvestigOi^des,

besonders S. 103— iio und 208.

* Th. Braga erkl.ärt sie für die verderbtesten Stücke des Liederbuches:

{Canc. Vat. Rest. LXVIII: näo provieram de traslados feitos com perfeii;äo

per amanuense, mas de simples notas de memoria). Ist diese Erklärung nun

auch recht fraglich , so läfsi die vatikanische Abschrift in der Tat viel zu

wünschen übrig. Das dem Canc. Colocci - Ür.mcuti beigegebne Faksimile läfst

jedoch an No. 78 1 erkennen, dafs bei aller Übereinstimmung — und sie ist

erstaunlich grofs — manche Berichtigung möglich sein wird. Oxald que

veti/ia breve!

' Für die Klassifikation ist es nicht unwichtig, dafs nur die erste Sorte

unter den Cantigas de escarnho als joguete steht, die letztere hinj^egen unter

den Liebesliedern.

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