Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

PEJORATIVE BEDEUTÜNGSENTWICKLUNG IM FRANZÖS. 6l

helUre (Bettler) einen liederlichen Bettler, einen Lumpenkerl, ^ Das

anrüchige Wort gleicht einem Kleide, das alt und schmutzig geworden,

oder aus der Mode gekommen ist. Leute, die etwas auf

sich halten, tragen es nicht mehr; es ist gerade noch gut genug

für einen armen Schlucker oder einen Vagabunden.

I. Pejorative Entwicklung von gelehrten Wörtern.

(Lehnwörtern griechiselien und lateinischen Ursprungs).

Die Erscheinung, dafs gelehrt aussehende Wörter in der Volkssprache

sich oft pejorativ entwickeln, charakterisiert Darmesteter

mit folgenden Worten: „On saisit encore sur le fait l'action de

l'esprit populaire quand il deforme le sens de mots re9us et

consacres dans certains usages. On voit avec surprise des mots

de formation savante, ayant dans la langue scientifique leur pleine

et entiere valeur, descendre dans l'usage populaire a des emplois

ridicules ou degradants."^ Und weiterhin 3; Une ironie grossiere

semble prendre plaisir a degrader ces mots mal compris et ä

venger, sur la langue des lettr^s, l'ignorance populaire. 11 est vrai

que, par un sentiment plus genereux et plus general aussi, la

langue populaire, mieux inspiree, cherche ä saisir ces mots savants,

ä se les approprier, pensant par lä gagner en noblesse et

eldgance ;...."

Gewifs haben wir es bei einer derartigen Degradierung von

gelehrten Wörtern (es handelt sich ausschliefslich um Lehnwörter

lateinischen oder griechischen Ursprungs, die oft gewissen Berufsprachen,

so der Gerichtssprache oder der Sprache der Mediziner

angehören) häufig mit einer willkürlichen Verzerrung des Sinnes

zu tun: Der Ungebildete rächt sich gleichsam für seine Unwissenheit

an dem Eigentum des Gebildeten, wie sich Darmesteter ausdrückt.-*

In anderen Fällen wählt er für eine Metapher, für eine Anspielung

etc. ein gelehrtes Wort, um durch dessen sonderbare Form den

komischen Effekt zu erhöhen S: Die Degradierung des Fremdwortes

ist ein Mittel des Volkswitzes. Desselben Mittels bedienen sich

(und zwar wohl in weit höherem Mafse als das Volk) auch ge-

bildete Stände, vor allem Studenten, Journalisten, Schauspieler u.s. f. ^

Häufig wird dabei einzig auf die komische Wirkung der Versetzung

1 Vgl. unten die sehr charakteristische Bedeutungsentwicklung von bicoque:

„place fortifiee de faible importance > place mal fortifiee >> maison

chetive."

2 Vie des mots S. 105 f.

3 S. 106 f.

* Vgl. z. B. espece, quolibet, Vie des mots S. 106.

^ Vgl. Nitzsche S. 29 cataplasme in der Bedeutung „dicke Suppe",

hydropique = schwanger. (Aus Villatte, Parisismen).

ß Vgl. Nitzsche S. 29 z. B. e'o/e = pet. ctiptJon = Lumpensammler. Vgl.

occ. z.B. estival, Faguet, Debats 27./ VII. 03: Alors, c'est tout de meme un

peu, je ne dirai pas inferieur, je ne dirai pas secondaire; mais enfin, un peu

estival. (Nämlich das Stück, das Faguet bespricht.)

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