Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

7 1 8 J. HADWIGER,

Valencianische Worte in bunter Reihenfolge bringen, die einen unverstümmelt,

andere wieder nach obigen Mustern verunstaltet:

quiero decir -{ vul' dir gibt kiero dir,

los piatos los iengo bruios statt bruts oder sucios.

voy ä llevar los cäntaros ä la fuen qiie los iengo biiidios für

buits oder vacios.

tänka la puertä y irae la klau statt cirra und llave.

melo va traer statt vielo irajo.

Daraus ergibt sich nun etwa folgendes: sahen wir im Süden

spanische Worte über die Grenze wandern und dort durch Lautangleichung

oder Suffixwechsel sich dem Valencianischen annähern,

so bemerken wir in der canal bereits die Übergewalt des Kastilischen;

denn die numerisch zum ganzen Wortschatz geringen

Valencianischen Stämme werden bereits kastilisch behandelt. Diese

gemischten Wortgruppen wurden offenbar von den an der Grenze

wohnenden Bilinguen aufgebracht, haben aber bereits rein einsprachige

Kreise erfafst. Im Laufe der Zeit wurden und w^erden

die Durchbrechungen der kastilischen Rede aber immer seltener.

Von Geschlecht zu Geschlecht bekommen die Kinder immer weniger

solcher Mischphrasen zu Gehör, weil die (ielegenheit zu deren

Anwendung mangeln mag oder die Eltern dieselben aus Vorliebe

für das Spanische ausmerzen; zweitens erhält das Kastilische als

Staats- und Unterrichtssprache stets neuen Nachschub aus der

Schriftsprache, wogegen valencianische Rede und Schrift vollständig

vernachlässigt und verachtetet werden, selbst von Valencianern.

Schon heute darf man Knguera mit seinem Gefolge nicht mehr

zum Valencianischen Besitzstande zählen; wohl ist das Kastilische

in den untersten Schichten noch nicht ganz gesichert, aber der

Reinigungsprozefs ist nur eine Frage der Zeit: die Umgangssprache

der Gebildeten ist ja heute schon das Kastilische. Wenn wir nun

diese friedliche Eroberung sich vor unseren Augen abspielen sehen,

wie ein Volk nach und nach eine fremde Sprache erlernt, wie das

Valencianische langsam aber sicher vom Kastilischen verdrängt

wird, so darf ich dies wohl als Einwendung gegen Morel Fatio

erheben, der 1. c. behauptet, die Westgrenze habe sich wohl im

ganzen Laufe der Geschichte nie geändert.

Auf der ganzen Grenze finden sich solche Sprachmischungen,

auf einer Strecke mehr, auf der anderen wieder weniger. In Fanfara

hört man: /esolos, sigronos, el' te la klave, wogegen die Sprachgrenze

in Castellon wieder ziemlich rein ist, da der Verkehr der

beiden Völkerschaften durch die Pena golosa im Süden fast abgesperrt,

im Norden durch die beschwerlichen Bergketten auf den

allernötigsten Verkehr beschränkt bleibt. Erst in den valencianischen

Ortschaften im Gebiete Aragons zeigt sich wieder der

kastilische Einflufs stärker und zeitigt noch interessantere Mischerscheinungen

als früher.

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