Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

720 J. HADWIGER,

Klänge und Stämme ins Land hereindrangen, die von den Einheimischen

gleich an der Grenze aufgefangen und in ihrem Vormarsch

aufgehalten werden; langsam schreitet die Eroberung vor-

wärts, wie an der Bresche noch zu sehen, die das Kastilische bei

Enguera in diese Umrisse öffnete. Eine scharfe Grenze aber zu ziehen

zwischen dem Valencianischen und Katalanischen, ist eine absolute

Unmöglichkeit. Wissenschaftliche Berechtigung hat hier einzig und

allein die Absteckung der Zonen jeder einzelnen Erscheinung, wie

sie ohne Rücksicht auf die politische Grenze auftaucht, verschwindet,

wieder hervortritt und endlich ganz untergeht oder bis an die

Grenze gegen andere fremden Sprachen sich fortsetzt. Da es sich

mir hier aber blofs um das Valencianische handelt, so mufs ich

doch den Versuch machen, einen Überblick über die Verzahnungen

der beiden Mundarten zu gewinnen. Ich will also an je zwei oder

drei Fällen der Laut-, Formen- und Wortgeographie den allmählichen

Übergang aus der einen in die andere darlegen. Bei

der Auswahl der Erscheinungen lege ich Gewicht darauf, dafs es

typische, für eine der beiden Mundarten besonders karakteristische

Erscheinungen seien, sei es durch deren Ausbreitung oder durch

ihre den akustischen Eindruck der Mundart bestimmende Klangfarbe.

Bringt uns diese Wahl die Willkür in der Ausscheidung

zum Bewufstsein, so sind wir zu deren Heraushebung doch be-

müfsigt, um so das Verhalten zweier Schwestermundarten zu einander

beobachten zu können; und je mehr Merkmale, desto bestimmter

erscheinen die Grenzen.

Der Lautcharakter der beiden Mundarten wird uns an keiner

Stelle eine scharfe Grenze erkennen lassen; denn die Erscheinungen

kommen und gehen, genau wie oft auch im Innern eines Dialekt-

gebietes. Wir müssen uns hier auf wenige Lauterscheinungen beschränken,

die die beiden Mundarten in Gegensatz bringen, und

nach ihnen die Grenze abmessen. Weit mehr Anhaltspunkte

fliefsen uns aus der Morphologie, zum Teil auch der Wortgeographie.

Endungen und Stämme, die als besonders katalanisch oder valen-

cianisch gelten, tauchen in dem Grenzgebiete zum ersten INIal auf,

und die Unregelmäfsigkeit, mit der sie in der einen Ortschaft

auftreten, in der andern wieder fehlen, wie das Eindringen an un-

richtiger Stelle wird uns den Beginn der Mischzone anzeigen; in

anderen Fällen werden die Unvollständigkeit und die Mischung

der den beiden Mundarten angehörigen Endungen uns auf die

Grenze aufmerksam machen. Ich beginne mit diesem Teile.

In Torreblanca (oberhalb Castellon de Li Plana) wird noch

ein gutes Valencianisch gesprochen, wohl nicht das Valencianische

der Hauptstadt, sondern das Castellonische mit wenigen Lokaleigenheiten

versehen; z. B. lautet die i, sing. ind. praes. I. von

*podiare (= sp. siihir) in Valencia: pütse, in Castellon de la Plana:

püdze, in Torreblanca: ptidzck; das k ist noch gut valencianisch.

In Alcalä de Chisvert, der nächsten Station an der Küste,

begegnen wir zum ersten Mal kanio, sowohl im ind. als conj., so-

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