Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

DR. BERNHARD DIMAND, ZUR RUM. MODUSLEHRE. 733

Die alten Texte sind in sehr ausgiebiger Weise herangezogen, so dafs die

Darstellung nicht einfach deskriptiv ist, sondern auch den sprachgeschichtlichen

Entwicklungen soweit möglich gerecht wird. Ferner werden sämtliche ru-

mänische Sprachzweige untersucht. Es wäre vielleicht am besten gewesen,

diese nicht als , Dialekte' zu bezeichnen, weil dies zur Verwechslung mit den

dakorumänischen Dialekten führen kann; es ist z. B. unklar, wenn es S. 12

heifst, dafs nach , befehlen' neben sä auch cum sä, ca sä, de sä „und dia-

lektisch tra (tea) sä" vorkommen, denn ti'a sä ist ja nicht in den d.-r. Dia-

lekten, sondern im Aromunischen (wofür der Verf. bei der alten Bezeichnung

„Makedonisch" beharrt) zu finden. — Ist dann die Abhandlung eine erschöpfende,

mit der man sich für alle möglichen Einzelfälle der rum. Modus-

lehre beraten können wird? Schon der Titel zeigt, dafs solches nicht erzielt

ist, und der Eindruck der Vollständigkeit, den sie beim ersten Anblick ge-

währt, bestätigt sich bei genauerem Studium nicht. Der Verf. hätte gut daran

getan, öfters als es geschehen ist ein ,u. s. w.' hinzuzufügen, wo nicht alle

gefundene Beispiele mitgenommen sind, denn wenn durchgehends viele Bei-

spiele gegeben sind, wird der Leser leicht aus wenigen Beispielen den Schlufs

ziehen, dafs die betreffende Erscheinung selten ist, was nicht immer der Fall

ist. Speziell die heutige Sprache ist zuweilen der alten gegenüber etwas stief-

mütterlich behandelt.

In einer längeren Einleitung (S. i—43) werden zunächst die Konjunktion

sä und seine Verbindungen untersucht. Dafs im Frührumänischen cä und sä

unterschiedslos neben einander bestanden haben, wird man wohl ohnehin annehmen

können. Weshalb aber diese Konjunktionen in einer nicht näher zu

bestimmenden Zeit sich so verteilt haben, dafs die erste indikativische, die

zweite konjunktivische Sätze einleitet, ist eine Frage, zu deren Lösung das

Rumänische nicht allein ausreicht. Die Bemerkungen hierüber sowie über sä

als finale Konjunktion schweben daher in der Luft. Schon der Umstand,

dafs Bulgarisch, Albanesisch und Neugriechisch eine in allen Einzelheiten ent-

sprechende Verteilung von Konjunktionen aufweisen, zeigt, dafs die Erklärung

aufserhalb des Rumänischen zu suchen ist, und wie ich in meinen .Rumsenske

Studier' (Kopenhagen 1900, im folgenden als RSt. zitiert) nachzuweisen ver-

sucht habe, ist das Griechische hier mafsgebend gewesen (vgl. auch Weigands

Jahresber. IX, S. 120— 122).

Mit den folgenden Erörterungen über cum sä, ca sä, de sä u. s. w. wird

ein überaus schwieriges Gebiet betreten. Die Bemerkungen des Verf. sind

oft gut und feinsinnig, zu sicheren Resultaten gelangt er aber m. E. nicht

immer. Es gilt vorerst über den Wert solcher Texte wie Cod. Vor. einig zu

werden. Die Weise, in der sie vom Verf. benutzt worden sind, gewährt den

Eindruck, dafs er sie als zuverlässige Quellen ansieht. Verhältnismäfsig selten

wird erwähnt, dafs der rumänische Ausdruck vom fremden Vorlage beeintlufst

sein könnte. Wenn z. B. S. 80 gesagt wird, dafs der Schwund des Infinitivs

nach se cade namentlich vom 18. Jahrh. an zu beobachten ist, ist es gar nicht

ausgeschlossen, dafs die häufigere Verwendung des Infinitivs in den alten

Texten auf die Rechnung der Übersetzung zu schreiben ist, so dafs die angenommene

Entwicklung nur scheinbar sein kann. Es ist durchaus verwerflich,

die rumänische Sprachgeschichte mit den ältesten Denkmälern anfangen zu

lassen, und ich möchte sogar, was syntaktische Erscheinungen betrifft, be-

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