Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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K. JABERG,

paraphraseiir. Auch epiloguer, anciennt. recapituler", jetzt „trouver

ä redire sur ce que qqn fait ou dit" mag hier verglichen werden. 1

Jgnare wird heute nur mehr familiär gebraucht. 2

Paterne „anciennt. paternel" > „qui montre une bienveillance

doucereuse."3

Von patrociner, afr. „exercer le melier d'avocat, plaider"*

dürfen wir wohl annehmen, dafs es zunächst seiner Form wegen

lächerlich geworden und dann erst in seiner Bedeutung verallgemeinert

worden ist zu „parier longuement et d'une fa^on importune

pour persuader." (Littr^, Dict).

Pccune, heute veraltet, war schon im 17. Jahrhundert familiär.5

Pudtbond, heute „qui pousse la pudeur ä l'ecces" finde ich

in gutem Sinne bei Godef. Compl. in einem Beispiele aus dem

16. Jahrhundert.

Redonder, „avoir un exces d'abondance, en parlant ou en

ecrivant" findet man bis ins 16. Jahrhundert in der dem lateinischen

redundare entsprechenden allgemeinen Bedeutung. 6

Die Entwicklung von rhekur, heute „orateur qui ne cherche

qu'ä faire de heiles phrases," ist jedenfalls vom Inhalte ausgegangen,

es mag aber auch die gelehrte Herkunft des Wortes mitgewirkt

haben.

Den familiären Anstrich hat rogaton (lat. rogaium, Bitte, Ansuchen)

gewifs seiner sonderbaren Form zu verdanken; diese hat

vielleicht auch die inhaltliche Entwicklung (Bittgesuch > Gegenstand

eines Bittgesuches > Speisereste >> werdose Sache) begünstigt.

Rubicond wirkt heute stets komisch, ^ ebenso sempiternel.^

Sequelle, dem lat. sequela entsprechend, bei Godef. mit Beispielen

aus dem 14.— 16. Jahrhundert = „suite de personnes, de choses,^

wird zu „quantite de personnes, de choses, qu'on voit ä regret

suivre une personne, une chose."

Mit einer volkstümlichen Übertragung eines in seiner Bedeutung

nicht genau erfafsten Wortes haben wir es vielleicht bei

sophisUquer zu tun. Das Wort bedeutete zunächst „subtiliser avec

exces" (Littre, Dict.) und wurde in Ausdrücken wie „sophisUquer

des argumenls, des pe?isees elc.^^ gebraucht und dann aufs Materielle

1 Zu der ganzen Gruppe siehe auch Zs. XXVII, 34 commentaire.

^ Das Wort scheint ina 15. Jahrhundert entlehnt worden zu sein. Beispiele

für indifferente Bedeutung s. Littrö, Dict.; Godef. Compl. und Marty-

Laveaux, Langue de la Flciade I, 136.

^ Vgl. Zs. XXVII, 65 f. die Gruppe beniti, debonnaire etc.

* Vgl. Ducange, patrocinari und Godef.

s Vgl. Beispiele mit indifferenter Bedeutung vom 13. biz zum 16. Jahr-

hundert bei Littr6, Hist. S. auch Marly-Lav. Langue de la Pl^iade I, 156.

« Vgl. Dict. gen.; Littre, Dict. und Maity-Lav., Langue de la Pldiade 1, 164.

' So schon seit dem 17. Jahrh. Indifferente Beispiele 14.— 16. Jahrh. s.

Dict. g6n. und Godef. Compl.

^ Indifferente Bedeutung s. Godef. Compl. und Marty-Lav. Langue de la

PI. I, 207.

* So noch bei Ronsard Ed. Marty-Lav., VI, 201 (M.-L., Langue de la

PI- 1, HD-