Zeitschrift für romanische Philologie

scans.library.utoronto.ca

Zeitschrift für romanische Philologie

HUGO ALBERT RENNERT, THE LIFE OF LOPE DE VEGA. 75 I

Familienereignis sogleich zum poetischen Vorwurf umgestaltete. Lopes älteslei

Biograph ist sein Schüler und Freund der Doktor Juan Perez de Montalban.

Da dieser jedoch um volle 40 Jahre jünger war als der Meister, konnte er

über dessen Lebensgang, besonders über die Jugendzeit Lopes nur sehr

mangelhaft unterrichtet sein, und als verläfslich kann er schon deshalb nicht

gelten, weil er kaum zwei Jahre nach Abfassung der „Fama pöstuma" (1638)

im Irrenhause starb. Übrigens ist seine Absicht, Lope in jeder Hinsicht als

Muster hinzustellen, deutlich erkennbar, und er übergeht daher was seinen

Glanz verdunkeln könnte, gerne mit Stillschweigen. In anderen Fällen ent-

stellt er vorsätzlich den wahren Sachverhalt. Als sichere Tatsachen der Bio-

graphie können nur jene gelten, welche sich aus Dokumenten, Gerichtsakten

und aus den zahlreichen Briefen Lopes an seinen Gönner, den Herzog von

Sessa ergeben. Sie genügen indes um zu beweisen, dafs das Leben dieses

wahrhaft einzigen Genies von der frühesten Jugend bis in sein spätestes Alter

von Skandalen mannigfacher Art begleitet war. Spaniens gröfster Dramatiker

war zugleich eines der übelstbeleumundeten Subjekte, und blieb es, von der

Zeit da er als Jüngling wegen verschiedener Pamphlete gegen eine Schau-

spielerin Landes verwiesen wurde bis zu dem letzten skandalösen Ehe-

bruchsprozefs, in welchen er als alternder Franziskaner wegen seiner Be-

ziehungen zu Dona Marta de Nevares (Amarilis) verwickelt wurde. Was an

biographischen Werken über Lope vor Publikation dieser Dokumente erschien,

ist heute naturgemäfs völlig veraltet. Von den einschlägigen Abschnitten

gröfserer Kompendien, wie Ticknor und Schack abgesehen, gehören hierher

die Bücher von Lord Holland (London 181 7) und Ernest Lafond (Paris 1857).

Die erste zusammenfassende, wissenschaftlichen Anforderungen genügende Biographie

Lopes auf Grund archivalischer Forschungen vollendete 1864 Don

C. A. de la Barrera, der rühmlichst bekannte Verfasser des ,,Catälogo del

teatro antiguo espanol". Seine ,,Nueva biografia de Lope de Vega" erschien

jedoch erst 1890, durch Zusätze vermehrt als I. Band der heute bis zum

XIII. Band gediehenen Gesamtausgabe der Werke Lopes, herausgegeben von

der Königl. Akademie zu Madrid. Barreras Werk, ein mächtiger Band

in Kirchenväterfolio, ist als kolossale Materialsammlung äufserst wertvoll.

Scharfe Kritik und jene Beschränkung, in welcher sich erst der Meister

zeigt, waren Barreras starke Seiten allerdings nicht. 1876 gab Jose Ibero

Rivas y Canfranc (Francisco Asenjo Barbieri) unter dem Titel „Ultimos

amores de Lope de Vega" 48 Briefe, betreffend Lopes Beziehungen zu Dona

Marta heraus und in jüngster Zeit verbreiteten Perez Pastors „Datos des-

conocidos para la vida de L. de V." (in ,,Homenaje d Menendez y Pelayo"

1900) neues Licht über verschiedene Phasen der Biographie, speziell über

Lopes Verhältnis zu Elena Osorio (= Dorotea, Filis) sowie über seine erste

Ehe mit Isabel de Urbina, seine Beziehungen zu der Schauspielerin Micaela

de Luxan (Camila Lucinda), welche ihm vier uneheliche Kinder schenkte,

über die zweite Ehe mit Juana de Guardo u. a. m. Mit dem Pamphletprozefs

beschäftigten sich Perez Pastor und A. Tomillo noch in einem besonderen

Buche (Madrid 1901), und auch in den allerletzten Jahren ist das Interesse

für Lope in Spanien und anderwärts lebendig geblieben, wovon verschiedene

Publikationen Zeugnis ablegen.

Diesen Veröffentlichungen schliefst sich als jüngste der vorliegende

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine