Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

752 BESPRECHUNGEN. WOLFG. V. WÜRZBACH,

mächtige Band an, von dessen 587 Seiten ca. zwei Drittel der Biographie des

Dichters gewidmet sind. Wie dies nicht anders möglich war, mufste sich

das Buch in der Hauptsache auf Barreras Arbeit stützen und die späteren

Forschungsergebnisse damit in Einklang zu bringen suchen. Rennert hat sich

dieser Aufgabe mit anerkennenswertem Fleifse und grofser Sorgfalt unterzogen.

Neue Tatsachen ergeben sich aus dem Buche allerdings kaum, und als ab-

schliefsend kann ein derartiges Werk nicht angesehen werden, da Lopes

Lebenslauf dem Biographen noch allzuviele Lücken bietet, und Konjekturen,

besonders solche auf Grund Lope'scher Dicta, nur als provisorischer Ersatz

für fehlende positive Nachrichten gelten können. Der Verfasser hat den für

die Biographie bisweilen sehr wichtigen, nicht -dramatischen Werken Lopes,

besondere Aufmerksamkeit geschenkt, und jede darin vorkommende Andeutung

sorgfältig auf ihren Wert geprüft, wie seine Deduktionen überhaupt an Gründ-

lichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Dagegen befremdet es sehr, dafs

er sich mit den Komödien, welchen Lope doch allein seine Berühmtheit ver-

dankt, fast gar nicht beschäftigt, sondern stets nur verzeichnet, wenn aus

irgend einem Jahre ein datiertes Komödien-Manuskript vorhanden ist. Aller-

dings gehört die Besprechung der Stücke streng genommen nicht in einen

Band des Titels „The life of L. de V.", aber dennoch wird jeder Leser sehr

erstaunt sein, die wichtigste Seite von Lopes dichterischem Schaffen so wenig

berücksichtigt zu finden. Dals andere Autoren es mit dem Titel ihrer Werke

nicht so haargenau nehmen, beweist z. B. Fitzmaurice-Kellys „Life of Miguel

de Cervantes", worin auch die Werke des Autors breite Würdigungen er-

fahren, und was würde wohl der deutsche Leser sagen, welcher in , Goethes'

oder (Schillers Leben' die dramatischen Werke nicht besprochen fände? Ab-

gesehen von „El castigo sin venganza", wo Rennert die Gelegenheit wahr-

nimmt, seinen eigenen Artikel zu zitieren (p. 339),

geht er auf den Inhalt

keines einzigen Stückes von Lope ein, und motiviert dies in der Vorrede

damit, dafs ihm der beschränkte Raum (!) dies nicht gestattet habe. Wir

dächten, dafs 587 Seiten zu einer eingehenden Würdigung auch des dramatischen

Schaffens hingereicht hätten. Das Fehlen derselben ist jedoch umso

bedauerlicher, als Rennert, wie er wiederholt bemerkt, eines der vollständigsten

Exemplare der Originalausgabe von Lopes Komödien besitzt, und mit der

von ihm verarbeiteten Stoffmasse daher besser vertraut sein dürfte als andere

Forscher. Auch in dem ausführlichen Kapitel (VI) über das Theaterwesen

zu Madrid und der 20 Seiten umfassenden Cbarakteiistik Lopes als Dramatiker

(am Schlüsse) werden kaum einige Titel von Komödien genannt. Wenn der

Leser nicht von anderwärts eine Vorstellung hat, welch' gewaltige Sloffmasse

Lope in dramatische Form umgegossen hat, aus dem vorliegenden Buche

wird er es nicht erfahren. Ebenso kurz werden leider auch Lopes Sprache

und Stil abgetan, die doch in so hohem Grade individuell und charakteristisch

sind. Lo])es Wissen und Bildungsniveau bleiben uneröitert, und .luch seine

Stellung in der Literaturgeschichte, sein Einflufs auf das spätere Drama werden

nicht besprochen.

Umso überraschender ist es daher, wenn die 150 letzten Seiten des

Buches einen Titel -Katalog der Komödien Lopes bringen, der an sich sehr

dankenswert ist, aber Werke verzeichnet, welche nach dem Gesagten nicht

Gegenstand des Buches sind. Übrigens ist nicht Herr Prof. Rennert der

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