Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

PEJORATIVE HEDKUTLNGSüNTWTCKLUNG IM FRANZÖS. 67

Manchmal bleibt es bei der Senkung des Gefühlswertes • und

diese kann zur Folge haben, dafs ein Wort veraltet; 2 oft aber

schreitet die Gefühlssenkung zu einer Begriffssenkung weiter, oder

der ungünstige Gefühlswert macht die Fremdwörter besonders

geeignet für eine ironische oder spöttisch übertragene Verwendung.

3

Äufsert sich auch in dem Gefühlswert der Fremdwörter gewissermafsen

ein Urteil über die Völker, deren Sprache sie entnommen

sind, so darf man doch mit Rückschlüssen nicht zu vor-

eilig sein. Oft ist dieser Gefühlswert nicht, oder doch nicht ausschliefslich

der fremden Sprache auf Rechnung zu setzen, sondern

der Klasse, die die Fremdwörter entlehnt hat. So waren die im

16. Jahrhundert aus Italien eingeführten Wörter zuerst aristokratischen

Kreisen geläufig, konnten also hier ihren vornehmen Anstrich erhalten

haben. Umgekehrt werden deutsche Wörter oft nur von

niederen Ständen verwendet und haben schon deshalb einen geringen

Gelühlswert.^ Berechtigt scheint mir dagegen die Annahme,

dafs die geringe Anzahl von Beispielen pejorativer Entwicklung bei

altgermanischen Lehnwörtern sich durch die politischen Verhältnisse

erklärt: Die Germanen kamen als Eroberer ins Land und blieben

als Herren darin.

Zum Schlüsse darf nicht übersehen werden, dafs die pejorative

Entwicklung von gewissen Fremdwörtern auch ganz unabhängig

von ihrer Herkunft denkbar ist. Sehr wahrscheinlich ist mir dies

z.B. bei guetter^, wenn ich aliaqtier, afr. aerdre, accueillir, afr. assembler^

daneben stelle. Einige der unten anzuführenden Wörter "^ sind

bereits bei der vom Bedeutungsinhalt ausgehenden Bedeutungsverschiebung

genannt worden. Bei ihnen halte ich die fremde

Herkunft für ein sekundäres Moment. ^

I. Provenzalische Wörter.-'

Baladin (prov. baladifi, abgeleitet von balar) vgl. Zs. XXVII, 53.

Bourrique (mod. prov. bourrico), Eselin, ist familiärer als äne.

schmutzig werden. Vgl. die feinen Beobachtungen von Erdmann a. a. O.

S. 5 ff. über französische Fremdwörter im Deutschen. — Bemerkensweit ist

ferner, dafs die Senkung des Gefühlswertes bei einer ganzen Schicht von

Fremdwörtern latent sein kann, also während einer gewissen Zeit gar nicht

zum Bewufstsein kommt, um dann plötzlich in irgend einer Verwendung hervorzutreten.

Vgl. oben rosbif.

^ Vgl. unten S. 68 paraguante.

2 Vgl. unten S. 69 bourle.

3 Näheres darüber im dritten Teil.

* Vgl. Zs. XXV, 591.

5 Unten S. 70.

« Vgl. Zs. XXVII, 60 f.

^ baladin, capelan, accaparer, soldatesque, trafic, lober, huguenot,

8 Bemerkenswert ist, dafs die Zahl der pejorativ entwickelten Fremdwörter,

die dauernd im Sprachschatz bleiben, gegenüber dtr Flut der

Entlehnungen gering ist. Sehr häufig verschwinden Fremdwörter eben wegen

ihres geringen Gefühlswertes schon nach kurzer Zeit wieder.

" Vgl. im III. Teil: adiusias, aubade etc.

5*

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