Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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K. JABERG,

eingeführten italienischen Fremdwörter eine Hebung des Gefühlswertes

erfahren, was besonders durch das Studium der einheimischen

Doppelformen klar wird, die teils von den vornehmer aussehenden

Ausländern verdrängt worden sind, teils neben ihnen als gemeiner

erscheinen. Man vergleiche castrer mit chdtrer, castrat mit chdire,

cantatrice mit chanteuse, einbusquer mit dem in seiner Bedeutung zuerst

beschränkten, dann veralteten embucher, escalade mit dem verschwundenen

eschelement , espi'on mit dem veralteten epie, esqutver

mit dem nach dem Dict. gen. noch von Oudin, Recherches italiennes

et fran^oises, genannten esrheve?- etc. Die Erklärung dieser Erscheinung

mufs man in dem im 1 6. Jahrhundert sehr bedeutenden politischen

und litterarischen Enflufs Italiens suchen.-

4. Deutsche Wörter.

Von Wörtern, die schon dem Altfranzösischen angehören, sind

zu nennen:

Bordel, abgeleitet von borde, Bretterbude, Hütte (ags. bord,

ahd. bort, Brett ^ , hiefs ursprünglich Hüttchen (nach Diez auch

fem. bördele, schlechte Hütte). Vgl. III. Teil.

Guetter (von germ. wählen, wachen), wird zu auflauern. Dazu

agnel, veraltet, „attention vigilante" > „embuscade".*

Lippe (ags. lippa)'^, im 13. Jahrhundert belegt, bedeutet „levre

inferieure trop cpaisse, qui avance trop". Vgl. lippie, = bouchee,

„flg. bon morceau, bonne aubaine", afr. lippeur = buveur, nfr.

lippu = dicklippig.

Lober, lobe, loberie etc. vgl. Zs. XXVII, 69.

Zu nique „fam. geste par lequel on hoche ia tete en signe

de bravade" (nur gebräuchlich in faire la niqne a qqn), das schon

Diez von nicken, ahd. hnicchan ableitet, weist Braune, Zs. XXI, 222 f.

ein Substantiv nick, das Nicken, nickende Kopf- oder Augenbewegung,

nndl. tiick nutus, mnd. nicke, Nicken, Blinzeln der Augen,

nach. Vgl. afr. niquer, niqueier.

Hieher dürfen wir wohl auch vaulrer, „rouler sur le sol, dans

la boue" ziehen, wenn wir es mit Braune Zs. XXII, 215 aus einem

germanischen * waltern ableiten.

Später sind entlehnt worden (ich gebe nach dem Dict. gen.

die Zeit des ältesten Belegs an): 15. Jahrb.: bHUre (nhd. Bettler,

umgestellt bleter, bliter ,^ liederlicher Bettler, Lumpenkerl, wobei

allerdings die Senkung sehr wohl unabhängig von dem fremden

Ursprung denkbar ist.ß Über die figürliche Verwendung („homme

nul, sans valeur") vgl. III. Teil.

Rosse (vgl. nhd. ross), Schindmähre. Huguenot, vgl. Zs.XXVIl,57.

1 Vgl. H. Estienne, Deux Dial. Ed. Ristelhuber, Introd. I, VI.

2 Vgl. Diez, Wb. borda.

^ Vgl. oben S. 67.

Vgl. Braune, Zs. XX, 371.

5 Vgl. Diez, Wb.

* Vgl. Zs. XXVII, 46: coquin, bribeur, vagabotui.

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