Talent im Land – Begabte Kinder mit Migrationshintergrund im ...
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<strong>Talent</strong> <strong>im</strong> <strong>Land</strong><br />
<strong>–</strong><br />
<strong>Begabte</strong> <strong>Kinder</strong> <strong>mit</strong> <strong>Migrationshintergrund</strong><br />
<strong>im</strong> Mathematikunterricht erkennen und fördern<br />
1<br />
Dr. Volker Ulm<br />
Zentrum zur Förderung des mathematisch-<br />
naturwissenschaftlichen Unterrichts<br />
Workshop <strong>im</strong> Rahmen des Symposiums „<strong>Talent</strong> <strong>im</strong> <strong>Land</strong> <strong>–</strong> Migration als Chance“<br />
Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung, Dillingen, 17.-18. März 2006<br />
1. Fallbeispiele: Drei Schüler<br />
Akira<br />
3. Klasse, Mannhe<strong>im</strong><br />
Japaner<br />
still, verhaltensunauffällig<br />
mathematisch begabt<br />
erkennt in Situationen mathematische<br />
Muster sehr rasch und nutzt sie für eigene<br />
Überlegungen<br />
sehr geringes Leistungsniveau in der Klasse<br />
(z.B. Addition bis 20 wird noch nicht<br />
von allen beherrscht)<br />
23 von 26 Schülern sprechen zuhause nicht<br />
Deutsch<br />
Begabungen erkennen und fördern?<br />
Stephan<br />
5. Klasse, Bamberg<br />
Rumäne, Aussiedler<br />
sehr extrovertiert, hyperaktiv<br />
aggressiv gegenüber Mitschülern<br />
mathematisch begabt<br />
nach Lehrplan werden Inhalte behandelt,<br />
die er aus seiner Schulzeit in Rumänien bereits<br />
sicher beherrscht<br />
Begabungen erkennen und fördern?<br />
Erkan<br />
11. Klasse, Forchhe<strong>im</strong><br />
Türke<br />
mathematisch begabt<br />
löst quadratische Gleichungen <strong>mit</strong> komplexen<br />
Lösungen (z.B. x² + 6x + 13 = 0) <strong>mit</strong><br />
dem Satz von Vieta <strong>im</strong> Kopf<br />
sieht komplizierten Termen das Grenzverhalten<br />
für x → ∞ bzw. 0 x x → an<br />
eher Außenseiter in der Klasse, sitzt alleine<br />
geringes Leistungsniveau in der Klasse<br />
Begabungen erkennen und fördern?<br />
In allen drei Fällen stellen sich die Fragen:<br />
Werden die Begabungen der Schüler zutreffend<br />
erkannt?<br />
Werden die Schüler entsprechend ihren<br />
Begabungen gefördert?<br />
Gehen die individuellen Begabungen der<br />
jungen Menschen <strong>im</strong> schulischen „Gleichschritt-Betrieb“<br />
nicht vielmehr unter?
2. Aspekte des Lernens<br />
Nürnberger<br />
Trichter<br />
Wie praktisch<br />
wäre doch ein<br />
Gerät wie der<br />
Nürnberger<br />
Trichter:<br />
Man setzt einen<br />
Trichter<br />
etwa in der Mitte des Kopfes oben an und<br />
kann dann dem Schüler eingießen, was gelernt<br />
werden soll.<br />
Diese Vorstellung ist etwa 500 Jahre alt, sie<br />
findet sich bereits in einer Sprichwörtersammlung<br />
aus dem Jahre 1541. Und sie hat<br />
sich bis heute halten können <strong>–</strong> nicht in dieser<br />
bildlichen Form, aber in der Ansicht, es sei<br />
vor allem Aufgabe des Lehrers, den „Geist“<br />
richtig zusammenzumixen und ihn dann als<br />
Wissen unverfälscht an die Schüler weiterzugeben.<br />
Lernen verläuft anders, einen solchen Trichter<br />
gibt es nicht <strong>–</strong> leider oder besser zum<br />
Glück.<br />
Werfen wir zunächst ein paar Schlaglichter<br />
auf das komplexe Phänomen des Lernens.<br />
a) Konstruktiver Prozess<br />
Lernen ist ein konstruktiver Prozess. Wissen<br />
kann nicht wie ein Gegenstand eins zu eins<br />
vom Lehrer an die Schüler weitergereicht<br />
werden (oder ihnen eingetrichtert werden),<br />
sondern jeder Schüler muss sein Wissen und<br />
sein Verständnis selbst konstruieren.<br />
Lernen ist der Aufbau und die Modifikation<br />
kognitiver Strukturen. Lernprozesse sind<br />
Konstruktionsprozesse <strong>im</strong> Kopf jedes Einzelnen.<br />
Diese Sichtweise lässt sich auch durch aktuelle<br />
Forschungen <strong>im</strong> Bereich der Neurobiologie<br />
stützen:<br />
Im menschlichen Gehirn befinden sich weit<br />
über 100 Milliarden Nervenzellen (Neuronen),<br />
davon etwa 20 Milliarden in der Großhirnrinde.<br />
Sie sind vielfach <strong>mit</strong>einander vernetzt.<br />
Jedes Neuron erhält Input von bis zu<br />
2<br />
10000 anderen Neuronen und sendet an etwa<br />
ebenso viele selbst Signale. Be<strong>im</strong> Lernen entstehen<br />
nun keine neuen Neuronen. Vielmehr<br />
ändern sich Stärken der Verbindungen zwischen<br />
Nervenzellen, also die Fähigkeiten von<br />
Neuronen, andere durch Aussendung elektrischer<br />
Signale zu erregen. Das neuronale<br />
Netz wird umkonstruiert.<br />
b) Individueller Prozess<br />
Da<strong>mit</strong> ist auch klar: Lernen ist ein individueller<br />
Prozess. Lernvorgänge laufen <strong>im</strong> Kopf<br />
jedes Einzelnen ab. Sie sind von außen nur<br />
bedingt beeinflussbar. Der Lernende generiert<br />
Wissen und Verständnis, indem er individuelle<br />
Erfahrungen vor dem Hintergrund<br />
seines persönlichen Vorwissens und seiner<br />
Vorerfahrungen interpretiert und verarbeitet.<br />
c) Aktiver Prozess<br />
Lernen ist so<strong>mit</strong> eine Aktivität. Die individuellen<br />
Konstruktionsprozesse erfolgen umso<br />
effektiver und dauerhafter,<br />
je intensiver sich der Einzelne <strong>mit</strong> den<br />
zu lernenden Inhalten beschäftigt,<br />
je mehr er <strong>mit</strong> ihnen <strong>im</strong> Geist hantiert,<br />
je sorgfältiger er sie von verschiedenen<br />
Seiten betrachtet und<br />
je deutlicher er sie auf sein persönliches<br />
Vorwissen bezieht.<br />
d) Selbstgesteuerter Prozess<br />
Lernen ist ein selbstgesteuerter Prozess. Lernen<br />
erfordert eine bewusst organisierende<br />
und steuernde Aktivität des Individuums.<br />
Jetzt mag man einwenden: Inwieweit ist<br />
selbstgesteuertes Lernen in der Schule möglich,<br />
wenn doch Lehrpläne und Lehrkräfte<br />
Inhalte und Ziele festlegen und durch die<br />
Struktur der Schulorganisation Zeiten und<br />
Abläufe geregelt sind?<br />
Reine Selbststeuerung be<strong>im</strong> Lernen ist kaum<br />
realisierbar. Auch ein Autodidakt braucht in<br />
der Regel Medien, die andere erstellt haben.<br />
Aber kognitive Lernprozesse können auch<br />
nicht rein fremdgesteuert erfolgen.
Die Frage nach der Selbststeuerung von Lernen<br />
ist deshalb keine Frage, die pauschal <strong>mit</strong><br />
„Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann.<br />
Vielmehr kann man eher von verschiedenen<br />
Ausprägungen selbstgesteuerten Lernens<br />
sprechen, evtl. differenziert nach Graden der<br />
Selbststeuerung <strong>im</strong> Bereich der Zielsetzung,<br />
Planung, Durchführung, Reflexion und Bewertung<br />
eigener Lernprozesse. Für schulisches<br />
Lernen ist diese Sichtweise durchaus<br />
ertragreich, da sie einen Weg hin zu mehr<br />
Selbststeuerung weist.<br />
e) Situativer Prozess<br />
Lernen wird durch die jeweilige Lernsituation<br />
maßgeblich beeinflusst <strong>–</strong> sicher keine<br />
neue Erkenntnis. Ein sinnstiftender Kontext,<br />
eine anregende Geschichte, eine angenehme<br />
Atmosphäre, all das kann das Lernen fördern<br />
und ihm Bedeutung verleihen. Umgekehrt<br />
kann eine Angst erzeugende Situation Lernen<br />
hemmen. Unter Angst verengt sich das Denken,<br />
man sucht einen möglichst schnellen<br />
und direkten Ausweg aus der Angstsituation.<br />
Phantasie und Kreativität werden dadurch<br />
eingeschränkt.<br />
f) Sozialer Prozess<br />
Auch wenn Lernen ein individueller Vorgang<br />
ist, so ist es doch gleichzeitig ein sozialer<br />
Prozess <strong>–</strong> und zwar auf verschiedenen Ebenen:<br />
Schulisches Lernen wird zum einen<br />
durch den gesellschaftlichen Rahmen und<br />
das soziokulturelle Umfeld des Individuums<br />
maßgeblich best<strong>im</strong>mt.<br />
Zum anderen findet es <strong>im</strong> Klassenkontext<br />
statt. Die Mitschüler und die Lehrkraft sind<br />
in der Schule Partner <strong>im</strong> Lernprozess. Dies<br />
gilt es bei der Gestaltung von Unterrichtssituationen<br />
zu berücksichtigen und zu nutzen.<br />
g) Lernen an Beispielen<br />
Lernen erfolgt über Beispiele. Drei Beispiele<br />
mögen dies deutlich machen:<br />
Nahezu jeder erwachsene Deutsche verbindet<br />
<strong>mit</strong> dem Begriff „Apfel“ konkrete Vorstel-<br />
3<br />
lungen von Äpfeln. Er erkennt einen Apfel<br />
als solchen, auch wenn er das konkrete Stück<br />
Obst vorher noch nie gesehen hat. Als Erwachsener<br />
hatte man in seinem Leben vielleicht<br />
bereits Hunderte oder Tausende von<br />
Äpfeln vor Augen, kann sich an einzelne Äpfel<br />
wohl kaum mehr erinnern, hat aber aus<br />
den vielen Beispielen allgemeine Vorstellungen<br />
von Äpfeln gebildet. Die zugehörigen<br />
Lernprozesse beginnen bereits in den ersten<br />
Lebensjahren, denn schon die meisten Zweijährigen<br />
(er-)kennen Äpfel, obwohl ihnen<br />
niemand Regeln zum Aussehen von Äpfeln<br />
gegeben hat.<br />
Ein zweites Beispiel: Die deutsche Grammatik<br />
lässt sich als sehr komplexes Regelwerk<br />
<strong>mit</strong> vielfältigen Ausnahmen beschreiben.<br />
Verben bilden etwa ihr Partizip Perfekt in der<br />
Regel durch Voranstellung der Silbe „ge-“<br />
(z.B. schlafen <strong>–</strong> geschlafen, lesen <strong>–</strong> gelesen).<br />
Aber nicht bei allen Verben trifft dies zu: notieren<br />
<strong>–</strong> notiert, spazieren <strong>–</strong> spaziert, addieren<br />
<strong>–</strong> addiert, etc. Wem (außer Deutschlehrkräften)<br />
ist die Regel bewusst, dass Verben, die<br />
auf „-ieren“ enden, ihr Partizip Perfekt meist<br />
ohne die Vorsilbe „ge-“ bilden? Dennoch<br />
können wir diese Regel anwenden, ohne sie<br />
explizit zu kennen. Wir haben sie <strong>im</strong> Zuge<br />
des Erlernens der Muttersprache über Beispiele<br />
gelernt (vgl. Spitzer 2003).<br />
Diese Gedanken lassen sich auch auf den<br />
Mathematikunterricht übertragen. Eine Regel<br />
wie „Durch einen Bruch wird dividiert, indem<br />
man <strong>mit</strong> dem Kehrbruch multipliziert.“<br />
fasst prägnant zusammen, was über Beispiele<br />
gelernt werden sollte. Natürlich sollte jeder<br />
Schüler diese Regel in sein Heft notieren.<br />
Allerdings gewinnt man nur über Beispiele<br />
Verständnis zur Division von Brüchen <strong>–</strong> etwa,<br />
indem man 10 Liter Wasser (real oder in<br />
Gedanken) in 2-Liter-Krüge gießt und so fünf<br />
Krüge füllen kann, oder indem man dieselbe<br />
Menge Wasser in ¼-Liter-Gläser schüttet und<br />
so vierzig Gläser befüllt.<br />
Durch Beispiele entsteht Verständnis. Regeln<br />
sind Beschreibungen dessen, was über Beispiele<br />
gelernt wird.
3. Ein Modell für Lehr-Lernprozesse<br />
Welche Folgerungen für schulischen Unterricht<br />
können aus den dargestellten Aspekten<br />
des Lernens gezogen werden?<br />
Erinnern wir uns zunächst an den Begriff des<br />
Modells:<br />
Ein Modell ist eine vereinfachte, strukturtreue<br />
Beschreibung eines komplexen Systems.<br />
Denken wir als Beispiele etwa an Holzmodelle<br />
pflanzlicher Blüten in der Biologiesammlung<br />
einer Schule oder an Atommodelle in<br />
der Physik. Modelle bilden ein System, das in<br />
allen Details kaum zu überschauen ist, idealisiert<br />
und abstrahiert ab. Dabei werden für die<br />
jeweilige Situation wichtige Elemente hervorgehoben<br />
und weniger wichtige unterdrückt.<br />
So wird Komplexes handhabbar und<br />
verstehbar.<br />
Gibt es auch Modelle für die komplexen Prozesse<br />
des Lehrens und Lernens in der Schule?<br />
Das eingangs erwähnte Modell <strong>mit</strong> dem<br />
Nürnberger Trichter ist wenig sinnvoll.<br />
Vor dem Hintergrund der beschriebenen Facetten<br />
von Lernprozessen erscheint folgendes<br />
Modell tragfähiger:<br />
Lehrender<br />
Design<br />
Lernumgebung<br />
Angebot<br />
Lernender<br />
Rückmeldung<br />
Bearbeitung<br />
Da eine Lehrkraft Schülern Wissen nicht direkt<br />
weitergeben kann, sie ihnen nichts eintrichtern<br />
kann, stellt eine Lernumgebung das<br />
Bindeglied zwischen allen Beteiligten her.<br />
Kernaufgabe der Lehrkraft ist es, die Lernumgebung<br />
zu entwerfen. Der Begriff<br />
„Lernumgebung“ beschränkt sich dabei nicht<br />
nur auf bloßes Material (z.B. Arbeitsblätter),<br />
sondern schließt das gesamte Arrangement<br />
von Medien, Unterrichtsmethoden und<br />
Unterrichtstechniken ein.<br />
Da<strong>mit</strong> schafft die Lehrkraft ein Angebot für<br />
die Schüler, eine Basis und ein Umfeld für<br />
Lernprozesse.<br />
Die Schüler arbeiten in und <strong>mit</strong> der Lernumgebung,<br />
sie beschäftigen sich <strong>mit</strong> den Inhalten.<br />
Dadurch gewinnt die Lehrkraft Rück-<br />
4<br />
meldungen über die Schüler, aber auch über<br />
die Lernumgebung.<br />
4. Folgerungen für die Gestaltung von<br />
Lernumgebungen<br />
Basierend auf den eingangs aufgezeigten<br />
Aspekten des Phänomens „Lernen“ ergeben<br />
sich fundamentale Forderungen an die Gestaltung<br />
von Lernumgebungen. Sie sind methodisch<br />
so zu konzipieren, dass sie<br />
eigenständiges, selbstgesteuertes Arbeiten<br />
der Schüler,<br />
individuelles, aktives Handeln,<br />
gemeinsames Forschen und Entdecken,<br />
Diskutieren und Präsentieren von<br />
Ideen,<br />
kooperatives Erarbeiten von gemeinsamen<br />
Ergebnissen<br />
erfordern und fördern.<br />
Inhaltlich sollten Lernumgebungen so gestaltet<br />
sein, dass sie<br />
sinnstiftende Kontexte bieten,<br />
sich an tragfähigen Beispielen orientieren,<br />
Problemsituationen unter verschiedenen<br />
Blickwinkeln beleuchten.<br />
5. Methodische Gestaltung des Unterrichts<br />
Wie kann Unterricht konkret organisiert<br />
werden, da<strong>mit</strong> den dargestellten Forderungen<br />
ausreichend gerecht wird? Wie können<br />
Lernumgebungen gestaltet werden, die Phasen<br />
individuellen Lernens <strong>mit</strong> Phasen der<br />
Kooperation <strong>im</strong> sozialen Kontext sinnvoll<br />
verbinden? Einen sehr natürlichen Weg zeigen<br />
die beiden Schweizer P. Gallin und U.<br />
Ruf <strong>mit</strong> ihrem methodischen Konzept „Ich,<br />
du, wir“ auf (vgl. Gallin, Ruf 1998):
ICH: Individuelles Arbeiten<br />
Jeder einzelne Schüler macht sich eigenständig<br />
<strong>mit</strong> einer Thematik oder Problemstellung<br />
vertraut, stellt Bezüge zum eigenen<br />
Ich, zum individuellen Vorwissen her und<br />
geht eigene Schritte in Richtung einer Lösung.<br />
DU: Lernen <strong>mit</strong> einem Partner<br />
Jeder Schüler tauscht sich <strong>mit</strong> einem Partner<br />
aus, erklärt seine Ideen, vollzieht die Gedanken<br />
des anderen nach und dringt so<br />
tiefer in das Themengebiet ein. In Partnerarbeit<br />
wird weiter an der Problemlösung<br />
gearbeitet.<br />
WIR: Kommunikation <strong>im</strong> Klassenteam<br />
Die Resultate der Arbeitsgruppen werden<br />
<strong>im</strong> Klassenplenum präsentiert und diskutiert.<br />
Aus den Beiträgen aller wird ein gemeinsames<br />
Ergebnis erarbeitet.<br />
6. Begabungen erkennen und fördern<br />
Ein derartiges Beschäftigen <strong>mit</strong> Mathematik,<br />
das auf individuelle Lernwege, eigenständiges<br />
Exper<strong>im</strong>entieren, Forschen und Entdecken<br />
Wert legt, kommt begabten Schülern in<br />
besonderer Weise entgegen:<br />
Die eröffneten Freiräume für eigenständiges<br />
Arbeiten gestatten es überhaupt<br />
erst, individuelle Begabungen zu<br />
zeigen. (Wenn alle <strong>im</strong> „Gleichschritt“<br />
laufen müssen, geht individuelle Kreativität<br />
unter.)<br />
Die Freiheit, eigene Lernwege zu gehen,<br />
fördert die Entfaltung mathematischer<br />
Begabungen: Schüler sind gefordert,<br />
mathematisch kreativ zu sein, mathematische<br />
Phantasie zu entwickeln,<br />
eigene Ideen zu verfolgen und aufzuschreiben.<br />
Da<strong>mit</strong> wird eine tragfähige Leistungsdiagnose<br />
überhaupt erst möglich.<br />
Die sozialen Aspekte des Lernens in der<br />
Du- und der Wir-Phase fördern Schlüsselqualifikationen<br />
wie Kommunikationsfähigkeit<br />
und Kooperationsfähig-<br />
5<br />
keit: Die Schüler müssen einander zuhören,<br />
zusammenarbeiten, sich wechselseitig<br />
unterstützen, eigene Ideen verständlich<br />
darstellen, <strong>mit</strong>einander diskutieren,<br />
<strong>mit</strong> diskrepanten Ansichten umgehen<br />
und Kompromisse schließen.<br />
7. Das Konzept der Lernumgebungen am<br />
eigenen Leib erleben<br />
The best way to learn is to do, to ask and to do.<br />
The best way to teach is to make students ask<br />
and do.<br />
Don’t preach facts <strong>–</strong> st<strong>im</strong>ulate acts.<br />
(Paul Halmos)<br />
Nachfolgend finden sich sechs Beispiele von<br />
Lernumgebungen. Die Workshopteilnehmer<br />
sind eingeladen, da<strong>mit</strong> individuell und kooperativ<br />
„Mathematik zu betreiben“.<br />
Auf welche Aspekte kommt es bei dem<br />
Workshop an?<br />
Gemäß obigem Zitat des amerikanischen<br />
Mathematikers Paul Halmos<br />
können alle Teilnehmer des Workshops<br />
das Konzept der Lernumgebungen<br />
durch eigenes Tun selbst hautnah erfahren.<br />
Stichwort „Offenheit“: Jeder, der Aufträge<br />
formuliert, steht vor der Frage,<br />
wie offen er die Aufgaben gestaltet.<br />
Man kann Situationen und Arbeitsaufträge<br />
sehr offen beschreiben, um da<strong>mit</strong><br />
freies Forschen und Entdecken anzuregen.<br />
Man kann Aufgaben aber auch<br />
sehr detailliert fassen, um so den Lernweg<br />
einzuschränken bzw. <strong>–</strong> positiv<br />
formuliert <strong>–</strong> um Hilfen und Anleitungen<br />
zu geben. Die Lernumgebungen<br />
sollen für diese Problematik etwas sensibilisieren.<br />
Drittens sollen die Lernumgebungen<br />
auch fachliche Anregungen geben. Die<br />
mathematischen Inhalte stammen alle
aus der Sekundarstufe I. Da<strong>mit</strong> aber<br />
kein Missverständnis entsteht: Die<br />
Formulierungen der Aufträge sind in<br />
der vorliegenden Art nicht an „durchschnittliche“<br />
Schüler gerichtet, sondern<br />
an mathematisch besonders begabte<br />
Schüler bzw. an die Workshopteilnehmer<br />
als Mathematiklehrkräfte.<br />
Stichwort „Lerntagebuch“: Hierbei geht<br />
es um die Frage: Welche Funktion hat<br />
das Heft der Schüler?<br />
Nach dem Konzept von P. Gallin und<br />
U. Ruf wird das Heft der Schüler nicht<br />
als makelloses Exzerpt eines Lehrbuchs<br />
gesehen, sondern als Medium, in dem<br />
das gesamte Denken und Arbeiten der<br />
Schüler dokumentiert wird. Das Heft ist<br />
eine „Werkstatt des geistigen Tuns“.<br />
Die Schüler schreiben alles, was sie sich<br />
zu einem Auftrag überlegen, in ihr Heft<br />
<strong>–</strong> also nicht nur Endergebnisse, sondern<br />
auch Wege und Irrwege, sogar Gefühle<br />
be<strong>im</strong> Arbeiten. Das Heft begleitet die<br />
Schüler bei ihrem Tun wie ein Tagebuch,<br />
deshalb der Begriff „Lerntagebuch“.<br />
Darüber könnte man viel erzählen. Eindrucksvoller<br />
ist es aber, wenn man<br />
dieses Konzept am eigenen Leib erlebt.<br />
Deshalb ist jeder Workshopteilnehmer<br />
eingeladen, bei seinem Arbeiten die<br />
ausliegenden Hefte wie Lerntagebücher<br />
zu benutzen. Es ist kein weiteres<br />
Schmierpapier nötig!<br />
6<br />
8. Abschließende Präsentation, Reflexion<br />
und Diskussion<br />
In der letzten Phase des Workshops findet<br />
zweierlei statt: Zum einen stellen die Arbeitsgruppen<br />
ihre mathematischen Ergebnisse<br />
<strong>im</strong> Plenum vor. Zum anderen wird das<br />
Konzept der Lernumgebungen vor dem Hintergrund<br />
der bei der individuellen und kooperativen<br />
Beschäftigung <strong>mit</strong> den ausgewählten<br />
Themen gewonnenen persönlichen<br />
Erfahrungen reflektiert. Dabei wird insbesondere<br />
die Frage diskutiert, wie da<strong>mit</strong> Wege<br />
zur adäquaten Förderung begabter Schüler<br />
<strong>mit</strong> <strong>Migrationshintergrund</strong> gegangen werden<br />
können.<br />
Literatur<br />
Gallin, P., Ruf, U. (1998): Dialogisches Lernen in<br />
Sprache und Mathematik, Kallmeyer, Seelze<br />
Miller, C., Ulm, V. (2006): Exper<strong>im</strong>entieren und<br />
Entdecken <strong>mit</strong> dynamischen Arbeitsblättern, Buch<br />
und CD, Friedrich Verlag, Seelze<br />
Spitzer, M. (2003): Lernen, Spektrum Akademischer<br />
Verlag, Heidelberg<br />
Ulm, V. (2005): Mathematikunterricht für individuelle<br />
Lernwege öffnen, Kallmeyer, Seelze<br />
Wittmann, E. Ch. (1995): Mathematics Education<br />
as a “Design Science”, Educational Studies in<br />
Mathematics 29, S. 355-374
Muster fortsetzen<br />
1. Muster aus Quadraten<br />
Mit Quadraten wird eine Folge von Mustern erzeugt: Ausgehend von einem großen Quadrat werden jeweils<br />
an freie Ecken kleinere Quadrate angesetzt. Von Schritt zu Schritt werden die Seitenlängen der Quadrate um<br />
den konstanten Faktor k kleiner.<br />
a) Überlege dir zu dieser Folge von Figuren möglichst vielfältige mathematische Fragestellungen und<br />
schreibe diese auf.<br />
b) Löse einige deiner Probleme aus a).<br />
c) Wie kann der Verkleinerungsfaktor k gewählt werden, wenn sich die einzelnen Quadrate nicht überlappen<br />
sollen?<br />
2. Muster aus Dreiecken<br />
Statt Quadraten werden nun als Variation gleichseitige Dreiecke betrachtet.<br />
a) Überlege dir zu dieser Folge von Figuren wie in Aufgabe 1 vielfältige mathematische Fragestellungen<br />
und notiere diese.<br />
b) Bearbeite die von dir gestellten Probleme.<br />
b) Wie kann der Verkleinerungsfaktor k gewählt werden, wenn sich die einzelnen Dreiecke nicht überlappen<br />
sollen?<br />
3. Bauwerke aus Würfeln, …<br />
Variiere deine Überlegungen weiter, z. B. indem du Würfel statt Quadraten betrachtest.<br />
7
Turm von Hanoi<br />
1. Eine Geschichte von Edouard Lucas<br />
Im Jahr 1883 erfand der französische Mathematiker Edouard Lucas (1842-1891) folgende<br />
Geschichte:<br />
Im Großen Tempel von Benares unter dem Dom, der die Mitte der Welt markiert, ruht eine Messingplatte.<br />
In dieser sind drei Diamantnadeln befestigt, jede eine Elle hoch und so stark wie der Körper einer<br />
Biene. Bei der Erschaffung der Welt hat Gott vierundsechzig Scheiben aus purem Gold auf eine<br />
der Nadeln gesteckt: Die größte Scheibe ruht unten direkt auf der Messingplatte und alle übrigen sind,<br />
<strong>im</strong>mer kleiner werdend, darüber geschichtet. Das ist der Turm von Brahma.<br />
Tag und Nacht sind die Priester unablässig da<strong>mit</strong> beschäftigt, den festgeschriebenen und unveränderlichen<br />
Gesetzen von Brahma folgend, die Scheiben von einer Diamantnadel auf eine andere zu setzen.<br />
Dabei darf der oberste Priester nur jeweils eine Scheibe auf einmal umsetzen, und zwar so, dass<br />
sich nie eine größere Scheibe auf einer kleineren befindet. Sobald dereinst alle vierundsechzig Scheiben<br />
von der Nadel, auf die Gott sie bei der Erschaffung der Welt gesetzt hat, auf eine der anderen<br />
Nadeln gebracht sein werden, werden der Turm samt dem Tempel und allen Brahmanen zu Staub<br />
zerfallen und die Welt wird <strong>mit</strong> einem Donnerschlag untergehen.<br />
2. Das Spiel von Edouard Lucas<br />
Verbunden <strong>mit</strong> der Geschichte erschien 1883 auch ein Spiel:<br />
Auf dem ersten Pfosten befindet sich ein Turm aus Scheiben, die in der Mitte ein Loch haben. Am Ende des<br />
Spiels soll sich der Turm in gleicher Anordnung auf dem zweiten Pfosten befinden. Dabei sind zwei Spielregeln<br />
zu beachten:<br />
(1) Man darf <strong>im</strong>mer nur eine Scheibe von einem Pfosten nehmen und auf einen anderen stecken.<br />
(2) Man darf eine Scheibe nicht auf eine kleinere legen.<br />
Spiele dieses Spiel <strong>mit</strong> 2, 3, 4, 5 Scheiben. Wie viele Spielzüge brauchst du mindestens?<br />
Versuche, Gesetzmäßigkeiten zu erkennen.<br />
3. Das Spiel <strong>mit</strong> n Scheiben<br />
Suche nach Wegen, wie du die min<strong>im</strong>ale Zahl der Spielzüge bei n Scheiben best<strong>im</strong>men kannst.<br />
4. Wie lange brauchen die Priester?<br />
In der Geschichte von Edouard Lucas haben die Priester 64 Scheiben. Angenommen, die Priester arbeiten<br />
Tag und Nacht und legen pro Sekunde eine Scheibe um. Wie lange dauert es dann, bis „die Welt <strong>mit</strong> einem<br />
Donnerschlag untergeht“? Vergleiche dies <strong>mit</strong> dem aktuellen Alter der Erde.<br />
5. Der Turm von Hanoi <strong>im</strong> Internet<br />
Suche <strong>im</strong> Internet zum Stichwort „Turm von Hanoi“ Materialien. Es gibt Seiten, auf denen du das Spiel am<br />
Bildschirm spielen kannst.<br />
6. Vier Pfosten<br />
Variiere das Spiel, indem du vier Pfosten verwendest.<br />
8
Fibonacci-Zahlen<br />
Der italienische Mathematiker Leonardo von Pisa (ca. 1170-1240), bekannter unter dem Namen Fibonacci<br />
(Sohn des Bonaccio), war der wohl bekannteste europäische Mathematiker des Mittelalters. Er erhielt seine<br />
Ausbildung in Bugia (Algerien) und erweiterte seine mathematischen Kenntnisse durch Reisen in den östlichen<br />
Mittelmeerraum. In seinem 1202 erschienenen Rechenbuch „Liber abaci“ warf er folgendes Problem<br />
auf:<br />
1. Fortpflanzung von Kaninchen<br />
Ein junges Kaninchenpaar wird in ein allseitig ummauertes Gehege gesperrt. Das<br />
Paar und alle seine Nachkommen vermehren sich folgendermaßen:<br />
Jedes Kaninchenpaar bringt <strong>im</strong> Alter von zwei Monaten erstmals ein<br />
weiteres Paar zur Welt.<br />
Jedes Paar hat von da an jeden Monat ein neues Paar als Nachkommen.<br />
Wie entwickelt sich die Zahl der Kaninchenpaare <strong>im</strong> Lauf der Zeit?<br />
2. Fibonacci-Zahlen<br />
Die oben gefundene Zahlenfolge heißt Folge der Fibonacci-Zahlen:<br />
F1 = 1; F2 = 1; F3 = 2; F4 = 3; F5 = 5; …<br />
Stelle eine Formel zur rekursiven Beschreibung dieser Zahlenfolge auf.<br />
3. Ein Muster aus Quadraten<br />
a) Untersuche das nebenstehende Muster aus Quadraten. Wie setzt es<br />
sich fort?<br />
b) Die beiden kleinsten Quadrate haben die Seitenlänge 1. Best<strong>im</strong>me<br />
die Seitenlängen der größeren Quadrate.<br />
c) Begründe anhand des Quadratemusters, dass für die Fibonacci-<br />
2<br />
Zahlen gilt: F 1<br />
2<br />
2<br />
+ F2<br />
+ ... + Fn<br />
= Fn<br />
⋅ Fn+<br />
1<br />
d) Beweise diese Formel auch <strong>mit</strong> vollständiger Induktion.<br />
4. Eine seltsame Flächenverwandlung<br />
a) Ein Quadrat wird in vier Teile zerschnitten und diese werden wie skizziert zu einem Rechteck zusammengesetzt.<br />
3<br />
5<br />
3<br />
5<br />
5 3<br />
Berechne den Flächeninhalt des Quadrats und des Rechtecks.<br />
Kläre den scheinbar ergebenden Widerspruch auf!<br />
9<br />
3<br />
3<br />
5 8<br />
5
) Das Puzzle ist verallgemeinerungsfähig. Statt 3, 5 und 8 werden drei beliebige aufeinander folgende<br />
Fibonacci-Zahlen Fn-2, Fn-1 und Fn verwendet. Das Quadrat wird wiederum in vier Teile zerschnitten<br />
und diese werden zu einem Rechteck zusammengesetzt:<br />
Fn-2<br />
Fn-1<br />
Zeige, dass der Unterschied zwischen der Rechtecksfläche und der Quadratfläche<br />
F + ⋅ F −<br />
2<br />
− F ist. Berechne diesen Unterschied in einigen Beispielen<br />
n 1 n 1 n<br />
c) Zeige <strong>mit</strong> vollständiger Induktion die sog. S<strong>im</strong>pson-Identität:<br />
F + ⋅ F −<br />
2<br />
− F =<br />
n<br />
( −1)<br />
für alle n ≥ 2<br />
n 1<br />
n 1<br />
n<br />
5. Rampe: Eine perfekte Flächenverwandlung<br />
Bei den obigen Zerteilungen des Quadrats ließ sich die Quadratfläche nie in eine exakt gleich große Rechtecksfläche<br />
verwandeln. Das Verhältnis, in dem die Quadratseiten geteilt wurden, hat jeweils nicht gepasst.<br />
Prüfe, ob man dennoch die Quadratseiten so in Teile a und b zerlegen kann, dass sich das Quadrat wie skizziert<br />
in ein flächengleiches Rechteck verwandeln lässt!<br />
a<br />
b<br />
a<br />
Fn-1<br />
b<br />
Fn-1 Fn-1<br />
b<br />
Fn-2<br />
a<br />
6. Rampe: Explizite Darstellung der Fibonacci-Folge<br />
In Aufgabe 2 wurde die Fibonacci-Folge rekursiv beschrieben. Sie lässt sich auch explizit darstellen (sog.<br />
Binet-Formel):<br />
Fn<br />
=<br />
1<br />
⎡⎛<br />
1+<br />
5 ⎞<br />
⎢⎜<br />
⎟<br />
5 ⎢⎜<br />
⎟<br />
⎣⎝<br />
2 ⎠<br />
10<br />
n<br />
n<br />
⎛1 − 5 ⎞ ⎤<br />
− ⎜ ⎟ ⎥<br />
⎜ ⎟<br />
⎝ 2 ⎠ ⎥<br />
⎦<br />
Weise nach, dass dies tatsächlich eine Darstellung der Fibonacci-Folge ist.<br />
Fn-1<br />
a<br />
Fn<br />
b a+b<br />
a<br />
b
1. Dreieckszahlen<br />
Figurierte Zahlen<br />
Setze das Muster fort. Welche Zusammenhänge erkennst du? Die Zahl der Punkte <strong>im</strong> n-ten Dreieck heißt<br />
Dreieckszahl Dn.<br />
2. Quadratzahlen<br />
Setze das Muster fort. Welche Zusammenhänge erkennst du? Die Zahl der Punkte <strong>im</strong> n-ten Quadrat heißt<br />
Quadratzahl Qn.<br />
Stelle eine Beziehung zwischen Dreieckszahlen und Quadratzahlen her.<br />
Beweise: Für die Summe der ersten n ungeraden Zahlen gilt<br />
1 + 3 + 5 + 7 + … + (2n-1) = n².<br />
3. Rechteckszahlen<br />
Setze das Muster fort. Welche Zusammenhänge erkennst du? Die Zahl der Punkte <strong>im</strong> n-ten Rechteck heißt<br />
Rechteckszahl Rn.<br />
Stelle eine Beziehung zwischen Dreieckszahlen und Rechteckszahlen her.<br />
Beweise: Die n-te Dreieckszahl ist Dn = ½ n·(n+1).<br />
Für die Summe der ersten n natürlichen Zahlen gilt<br />
1 + 2 + 3 + 4 + … + n = ½ n·(n+1).<br />
Für die Summe der ersten n geraden Zahlen gilt<br />
2 + 4 + 6 + 8 + … + 2n = n·(n+1).<br />
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4. Tetraederzahlen<br />
a) Setze das Muster fort. Welche Zusammenhänge erkennst du? Die Zahl der Bälle in der n-ten Pyramide<br />
heißt Tetraederzahl Tn.<br />
Stelle eine Beziehung zwischen Dreieckszahlen und Tetraederzahlen her.<br />
b) Überlege dir zu den Ballpyramiden möglichst vielfältige mathematische Fragestellungen und schreibe<br />
diese auf. Löse (einige) deine(r) Probleme.<br />
c) Kopfgeometrie: Untersuche, wie viele Kugeln bei den Pyramiden <strong>im</strong> Inneren liegen, also von außen<br />
nicht sichtbar sind.<br />
5. Pascalsches Dreieck<br />
Im Pascalschen Dreieck stehen außen Einsen, jede Zahl <strong>im</strong> Inneren ist die Summe der beiden direkt darüber<br />
stehenden Zahlen.<br />
1<br />
1 1<br />
1 2 1<br />
1 3 3 1<br />
1 4 6 4 1<br />
1 5 10 10 5 1<br />
1 6 15 20 15 6 1<br />
1 7 21 35 35 21 7 1<br />
1 8 28 56 70 56 28 8 1<br />
1 9 36 84 126 126 84 36 9 1<br />
1 10 45 120 210 252 210 120 45 10 1<br />
a) Betrachte die schräg verlaufenden Zahlenreihen. Welche Entdeckungen kannst du hier machen? Stelle<br />
Bezüge zwischen dem Pascalschen Dreieck und den Ballpyramiden her.<br />
b) Im Pascalschen Dreieck steht in der n-ten Zeile an k-ter Stelle die Zahl ⎛ n⎞<br />
n!<br />
⎜ ⎟ = ,<br />
⎝k<br />
⎠ k!<br />
( n − k)!<br />
wobei die Zählung jeweils bei 0 begonnen wird.<br />
Folgere daraus eine Darstellung der Dreieckszahlen Dn und der Tetraederzahlen Tn. Vergleiche deine<br />
Ergebnisse <strong>mit</strong> Ihren anderen Resultaten aus 4).<br />
6. Fünfeckszahlen, Sechseckszahlen, …<br />
Erweitere deine bisherigen Untersuchungen von Dreiecks- und Quadratzahlen auf Fünfeckszahlen, Sechseckszahlen,<br />
etc. Welche Muster und Zusammenhänge findest du?<br />
Literatur: Die Idee und die Abbildung <strong>mit</strong> den Ballpyramiden wurde entnommen aus:<br />
Schmidt, Günter: Heuristische Strategien <strong>im</strong> Mathematikunterricht, in: Glatfeld, M. (Hrsg.): Finden, Erfinden, Lernen <strong>–</strong> Zum Umgang<br />
<strong>mit</strong> Mathematik unter heuristischem Aspekt, Europäische Hochschulschriften, Frankfurt a. M. 1990<br />
12
1. Treppen<br />
Treppen und Türme<br />
Baue Treppen aus Würfeln und best<strong>im</strong>me die Anzahl der verwendeten Würfel.<br />
Wie wächst die Anzahl der Würfel? Beschreibe deine Beobachtungen.<br />
2. Doppeltreppen<br />
Baue Doppeltreppen aus Würfeln und best<strong>im</strong>me die Anzahl der verwendeten Würfel.<br />
Wie wächst die Anzahl Würfel? Beschreibe deine Beobachtungen.<br />
Kannst du Zusammenhänge zwischen den Doppeltreppen und den einfachen Treppen feststellen?<br />
3. Würfeltürme<br />
Baue vor dir auf dem Tisch Türme aus Würfeln.<br />
Einige Seiten der Würfel sind sichtbar, andere sind unsichtbar.<br />
Erkennst du Gesetzmäßigkeiten? Erkläre diese.<br />
Wie best<strong>im</strong>mst du die Zahlen, wenn das Abzählen zu mühsam wird?<br />
4. Würfelschlangen<br />
Baue nun Würfelschlangen. Einige Seiten der Würfel sind sichtbar, andere sind unsichtbar.<br />
Welche Gesetzmäßigkeiten erkennst du? Erkläre diese.<br />
Wie best<strong>im</strong>mst du die Zahlen, wenn das Abzählen zu mühsam wird?<br />
13
5. Würfelmauern<br />
a) Stelle gleiche Untersuchungen über sichtbare und unsichtbare Quadrate bei zweistöckigen Mauern an.<br />
b) Baue Mauern nach eigenen Regeln und suche Gesetzmäßigkeiten.<br />
6. Spielwürfel<br />
Die Türme werden nun aus Spielwürfeln gebaut. Die einzelnen Würfelseiten zeigen wie üblich die Augenzahlen<br />
1 bis 6. Alle sichtbaren Augenzahlen des Turmes werden zusammengezählt.<br />
a) Welches ist die größte mögliche Augensumme, welches ist die kleinste mögliche Augensumme? Finde<br />
dazu Gesetzmäßigkeiten.<br />
b) Verändere die Aufgabe, indem du Würfelschlangen, Würfelmauern oder andere Würfelbauten betrachtest.<br />
Welches ist jeweils die größtmögliche bzw. kleinstmögliche Augensumme?<br />
Literatur: Die Idee und die Bilder wurden entnommen aus:<br />
Affolter, W. u. a.: mathbu.ch 7, Mathematik <strong>im</strong> 7. Schuljahr, Klett und Balmer Verlag, Zug 2004<br />
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1. Zahl und Spiegelzahl<br />
Zahlenmuster <strong>im</strong> Dez<strong>im</strong>alsystem<br />
Wenn man die Ziffern einer Zahl in umgekehrter Reihenfolge aufschreibt, erhält man die Spiegelzahl. Beispiele:<br />
Die Spiegelzahl zu 51 ist 15, die Spiegelzahl zu 6543 ist 3456.<br />
a) Wähle eine beliebige dreistellige Zahl und ihre Spiegelzahl. Berechne den Unterschied zwischen beiden<br />
Zahlen.<br />
b) Führe die Rechnung in a) für verschiedene dreistellige Zahlen aus. Welche Beobachtungen machst du?<br />
Schreibe alle deine Beobachtungen auf.<br />
c) Versuche deine, Beobachtungen zu begründen. Wie nutzt du dabei das Stellenwertsystem?<br />
2. ANNA-Zahlen<br />
ANNA-Zahlen sind vierstellige Zahlen, die wie das Wort ANNA aufgebaut sind; also z.B. 3773, 1991 oder<br />
8448. Zu zwei verschiedenen Ziffern lassen sich genau zwei ANNA-Zahlen bilden (z.B. 3773 und 7337).<br />
a) Bilde zu zwei verschiedenen Ziffern die beiden ANNA-Zahlen und subtrahiere die kleinere von der<br />
größeren.<br />
b) Führe deine Rechnung in a) für verschiedene solcher Paare von ANNA-Zahlen aus. Welche Ergebnisse<br />
kannst du erhalten?<br />
c) Finde zu einem Ergebnis möglichst viele Aufgaben nach dem Muster aus a).<br />
d) Dividiere alle deine Ergebnisse durch 891. Was fällt dir auf?<br />
e) Versuche, deine Beobachtungen zu begründen. Wie nutzt du dabei das Stellenwertsystem?<br />
f) Übertrage alle deine bisherigen Überlegungen auf „NANA-Zahlen“.<br />
3. ABABAB-Zahlen<br />
N<strong>im</strong>m eine beliebige zweistellige Zahl und schreibe diese dre<strong>im</strong>al hintereinander. So entsteht eine Zahl der<br />
Form ABABAB.<br />
a) Warum sind solche Zahlen <strong>im</strong>mer durch 3 teilbar?<br />
b) Warum sind sie <strong>im</strong>mer durch 7 und durch 37 teilbar?<br />
(Tipp: Schreibe die Zahl ABABAB als Produkt.)<br />
c) Durch welche weiteren Zahlen sind sie noch stets teilbar?<br />
4. Besondere Quadrate<br />
a) Berechne: 11 ⋅11 =<br />
111 ⋅111 =<br />
1111 ⋅1111 =<br />
11111 ⋅11111 = etc.<br />
b) Welches Muster erkennst du? Versuche, deine Beobachtungen zu begründen.<br />
(Nach: Enzensberger, H. M.: Der Zahlenteufel, Carl Hanser Verlag, München Wien 1997, S. 23)<br />
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