Alles, nur nicht die Gobelins! - Welcker-online.de

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fangt jener ob der Größe an zu lärmen.

O Welt, die niemals zu der Quelle dringt,

durch die sie lebt — an jedem Tage neuer

empfängt der Geist sie und das Werk gelingt!

Dich Gnadenvolle fühl' ich ungeheuer,

der meine Seele in Äonen singt.

Ich stürze mich in deine Abenteuer!

Vom Zuspätkommen

DER VORLESER AN DAS PUBLIKUM

Vor den Prager Vorlesungen hat sich ein Jux abgespielt, der einem

Wohlgelaunten einen ernstgemeinten Hinauswurf erspart hat und der sich

noch steigern sollte, als er diesen förmlich reklamierte. Der Kritiker der Bohemia

war, wie aus Nr. 546 — 550 der Fackel erinnerlich sein dürfte, dafür vorgemerkt

und zwar mit Beziehung auf das Recht des Saalmieters und in der

billigen Erwägung, daß man, wenn man schon die Preßfreiheit des schwachen

Verstandes und des bösen Willens gewähren lassen muß, doch nicht gezwungen

ist, in dem Raum, in dem man zu eindrucksbereiten Menschen spricht,

einen Fremdkörper zu dulden, und daß die unberufene und von mir nicht berufene

Instanz ihr Vorurteil, das sie ja vor der Darbietung fertig hat und das

durch keinen gegenteiligen Eindruck zu erschüttern wäre, auch in Druck geben

kann, ohne ihr leiblich anzuwohnen. Daß so etwas, dessen Existenz im

Weltraum doch mein Problem ist, ausgerechnet mit mir denselben Saalraurn

teilen und sich erdreisten soll, am nächsten Tag die Zuhörer über ihre, ja über

seine eigenen Eindrücke irrezuführen, ist absurd; und kann ich einem, der mir

seine Lyrik angetragen und vergebens gehofft hat, sie mir durch Verehrung

schmackhaft zu machen, schon nicht das Recht nehmen, die Abrechnung mit

mir mit dem Saldo zu beschließen, daß ich zwar ein »hinreißender Essayist«

aber ein »miserabler Lyriker« sei, und keinem gesunden Jungen, der sich

journalistisch ausleben kann, es verwehren, meine Gedichte eine »Alterserscheinung«

zu nennen, so ist es doch unerträglich, daß so etwas behaupten

soll, es habe diesen Eindruck von der unmittelbaren Empfängnis meiner Wirkung

nach Hause getragen. Ich werde in keinem Falle dulden, daß sich die

Lust an der Wahrheitswidrigkeit, die ich als ein journalistisches Element erkannt

habe, und die Ranküne, in die sich die hysterische Befangenheit einer

unbefriedigten Anbetung flüchtet, an der Gelegenheit meines persönlichen

Auftretens betätigen. Die Aufregung darüber, daß ich den Angestellten einer

Zeitung, die mir etliche Fußtritte zu verdanken hat, auch den »Bediensteten

einer Journalrache« genannt habe, mag immerhin insofern nicht unberechtigt

sein, als ja wirklich schon seine persönliche Enttäuschung vollauf zur Erklärung

des Falles ausreicht und ja dort wo der ehrliche Mangel an Überzeugung

keineswegs zu bestreiten ist, das Motiv der Zeitung eben nur in der Möglichkeit

zum Vorschein kommt, daß ein Urteil in Druck gelegt wird, welches

selbst von meinem Todfeind als der Exzeß eines Gereizten gewertet würde.

Denn daß das anerkannte Unvermögen darauf besteht, mich »von der fixen

Idee meines Lyrikertums zu befreien« und als letzte Kapazität »den Fall hoff-

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