Jugendsalmpflege des jNicJcrlandisckcn Volksdienstes

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Jugendsalmpflege des jNicJcrlandisckcn Volksdienstes

Jugendsalmpflege

des

jNicJcrlandisckcn Volksdienstes

(N.V.D.)


JUGENDZAHNPFLEGE DES

NIEDERLANDLSCHEN

VOLKSDIENSTEiS (NV D.)

NSDAP. Arkeitskereick In den NieJerUJen, Amt fiir VolWoklfakrt.

Akt. GejunJkeit/Jugendzaknpflege.


Das Amt für Volkswohlfahrt im Arbeitsbercich der NSDAP. hat sich

zum Ziel gesetzt, durch praktische Arbeit in der Wohlfahrtspflege und

Gesundheitsfürsorge dem niedcrlandischen Volk zu helfcn. Neben der

Betreuung der Deutschen sind wir Helfer den Kameraden im NVD., die

sich zur Aufgabe gestellt haben, für die Gesundheit und Kraft des niedcr­

landischen Volkcs alle Niederlander einzusetzen, die gewillt sind, beim

Aufbau ihres Vaterlandes mitzuhelfen. Im Rahmcn dieses Auftragcs er-

folgte die Organisation der niedcrlandischen Schulzahnpflege und zwar

nicht, weil diese Schulzahnpflege unbedingt als Aufgabengebiet des Volks-

dienstes angesehen wird, sondern urn eine sofortige tatkraftige Hilfe und

Neuorganisation der Versorgung der niedcrlandischen Jugend sicherzu-

stellen.

Den Haag, den i. Juli 1943

Mö/Sd

Bereichsleiter.

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Ner Niedeiiandische Volksdienst (NVD.) hat zum crstcn Male die

c=~^_^Aufgaben der Jugendzahnpflege in den Niederlanden im grosseren

Rahmen angeregt. Dabei soll nicht vergessen werden, dass an zahlreichen

Orten in den Niederlanden, besonders in den grosseren Gemeinden, dicse

Anrcgung durch die Initiative von privater Seite der Zahnarzte erfolgt war.

Warum die Arbeit an den meisten Orten wieder cingeschlafen ist und aufgegeben

wurdc, untcrsteht nicht unsercr Kritik. Tatsache aber ist, dass eine

planmassige Sanierung des Gcbisses der Schulkindcr nicht durchgeführt

wurde und dass z. B. in Amsterdam seit 1933 die Arbeit völlig ruht,

wahrend sic in Rotterdam in bescheidenem Massc durchgeführt wurde. Dass

die weiten Landgemeinden, z.B. in Drenthe, Zeeland, aber auch in den

übrigen Provinzen, überhaupt keinc zahnarztliche Betrcuung erfuhren, ist

Fachkreisen sowie der staatlichen Gesundheitsführung kein Geheimnis. In

vielen dicser Provinzen ist die zahnarztliche Betrcuung auch der übrigen

Bevölkerung eine mehr als mangelhaftc. Die Ursache hierfür liegt im

wesentlichen in zwei Hauptgründen:

1. Die mangelhaftc Aufklarung der Bevölkerung,

2. Die mangelhaftc Bcreitschaft des Zabnarztes, sich in diesen Gemeinden

nieder7,ulassen.

Die Aufklarung der Bevölkerung aber schafft erst den Wunsch zur

zahnarztlichen Bchandlung und damit die Niederlassungsmöglichkeit. Die

etwa 1500 in den Niederlanden praktizierenden Zahnarzte würden in der

Lage sein, eine gesundheitliche Betrcuung des Volkes auf dicsem Gebiet

sicherzustellen, wenn nicht die Niederlassung in der zurückiiegenden Zeit

fast ausschliesslich zu Gunsten der Stadte, und zwar der wohlhabendcn

Grosstadte, erfolgt ware. Die Folge dicser Entwicklung ist der uns allen

dcutlich sichtbare Gebisszcrfall, der schon im jugendlichcr Alter erfolgt

und damit eine Bedrohung des sonst in den Niederlanden relativ sehr

guten Gesundheitszustandcs darstcllt, der im wesentlichen auf die günnigen

Lebcnsbedingungcn zurückzuführcn ist. Die Ursache des Gebisszerfalls,

der im wesentlichen auf Zivilisationsschaden beruht, wie die modernen

Forschungen des Norwegers Pctersen in Grönland und von Proell

in Afrika gezeigt haben, ist auf die Verfeinerung der Lebenswcise und


die damit verbundene Denaturalisierung der Nahrungsmittel zurückzuführen.

Diese Schaden sind aber heute in den Landgemcinden zumindest

ebenso stark vertreten, obschon das Land sonst gunstigere Lebensbedingungen

hat, als die Stadt. Die Erkenntnis dieser Tatsache war uns bei

der Errichtung einer umfassendcn Jugendzahnpflege in den Niederlanden

richtunggebend. Dabei zeigte sich zunachst die ausserordentlich grosse

Bedeutung, die der Organisation des NVD. als solcher zukam. Trager

der Aufklarung und Propaganda kann nur eine Organisation sein, die in

freier und volksnaher Form die Voraussetzungen zu einer Volkspflege

schafft. Niemals wird der einzelne Zahnarzt diese Aufklarung im grosseren

Rahmen durchführen können, da ihm diese Tatigkeit sehr leicht als

Werbung für seinc persönlichcn Interessen missdeutet werden kann.

Ebensowenig wird es staatlicherseits durch straffe Verordnungen oder

Anordnungen möglich sein, den Wunsch zur Behandlung zu fördern, sofcrn

nicht die Voraussetzungen dort geschaffen wurden, wo die Hilfe

ansctzen soll, beim Volk selbst und vor allem bei seiner Jugend.

Aus diesen Gedankengangen heraus entwickelten sich unsere ersten

Massnahmen. Diese hatten zum Ziel, zugleich mit der Aufklarung auch

die notwendige Betrcuung einzusetzen.

Der sichtbare Erfolg in den Provinzen Drenthe und Zeeland sowie

m Limburg und in Groningen haben die Richtigkeit dieser Massnahmen

bestatigt. Die Schnelligkeit, mit der es gelang, in der Bevölkerung Verstandnis

für die Arbeit zu wecken und mit der wir das ehrliche Vertrauen

mit dem Vertrauen der kleinen Patiënten gewannen, zeigt die Richtigkeit

des Weges, den wir einschlugen. Auf den Erfahrungen der vergangenen

Monate, die uns die Arbeit drausscn brachte, wurde die Basis einer Arbeitsplanung

für die kommende Zeit geschaffen.

Dieser Arbeitsplanung liegt die Auffassung zugrunde, die der gesamten

Volkspflege eigen ist, namlich die, dass eine Aufgabe an sich selbst

wachsen muss. Die Kraft der Tat ist der Lebensimpuls, den jedes wirkliche

grosse Werk braucht. Wir alle sind in diesem Sinne Propagandisten

der Tat. Nur die Tat überzeugt. Aus diesem Grunde haben wir stets

Verhandlungen mit den Gemeinden und Behörden im Sinne einer persönlichen

Rücksprache geführt und haben bisher immer vermieden, Anordnungen

oder Verordnungen zur Hilfe zu rufen. Im August letzten

Jahres bereits haben wir mit dem Direktor der zahnarztlichen Akademie

in Utrecht, als dem Fachkenner in den Niederlanden, persönlich Fühlung

genommen und ihm unsere Vorschlage unterbreitet, die er mit grossem

Interesse verfolgte und aufs warmste begrüsste, hatte er doch selbst sich

mit der Frage der Jugendzahnpflege in früheren Jahren sehr stark und

aktiv beschaftigt. Von dieser Stunde an ist Herr Direktor Coebergh uns

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mit Rat und Tat zur Seite gestandcn. Ich möchte an dieser Stelle nicht

versaumen, ihm aufrichtig für scinc Unterstützung zu danken.

Die Arbeitsplanung konnte erst in dem Augenblick unternommen

werden, wo die notwendigen Kenntnisse der Verhaltnisse drausscn in den

Provinzen gewonnen waren und zwar in den Provinzen, die sozial dieser

Betrcuung am vordringlichsten bedurften. Damit wurde vor allem vermieden,

dass eine überspitzte Zentralisation eintrat, die vom grünen Tisch

aus eine Planung schuf, die den Verhaltnissen draussen nicht gerecht

würde.

Um eine straffe Einheitlichkeit auf dem gesamten Gebiet der Betrcuung

zu schaffen, ist es sehr wesentlich, dass wir eine grösscre Anzah!

von festen Mittelpunkten für diese Arbeit gewinnen, weil hier besonders

die Ausbildung der jüngeren Zahnarzte, bevor sie die Arbeit draussen in

den Provinzen übernehmen, erfolgen soll. Ebenso ist es wichtig, dass wir

den halbamtlichen Kollegen die Möglichkeit schaffen, Einblick in unsere

Arbeit zu nehmen und sich besondere organisatorische und technische

Erfahrungen anzueignen.

Zu Bcginn unserer Tatigkeit wurde mit dem Herrn Hauptinspektor

Dr. Banning in persönlicher Aussprache folgendes klar festgelegt:

Die Jugendzahnpflege des NVD. untersteht in ihrer Gesamtheit dem

staatlichen Gesundheitsdienst und lokal seinen jeweiligen Organen, also

auch dem stadtischen Gesundheitsdienst.

Daraus ergeben sich folgende praktische Pflichten:

1. Aufsichtspflicht des staatlichen hzw. stadtischen Gcsundheitsdienstcs.

2. Meldungspf licht:

Sdmtliehe Erhebungen der Krankhcitsbejunde und der zahndrztlichcn

Leistungen gehen auf Verabredung dem Herrn Hauptinspektor für

Volksgesundheit, Dr. Banning, zu, ebenso den stadtischen Gesundheitsdirektoren.

Danach ist der NVD. lediglich durchführendes

Organ dieser Arbeit, -wdhrend staatliche und stddtische Bekorden die

Aufsichtsorgane darstellen.

Der Wunsch einer Einheitlichkeit bestand auf diesem Gebiet, wie uns

Direktor Coebergh mitteilte, schon immer in den Fachkreisen. Der NVD.

stelk eine Organisation dar, die eine Selbsthilfe des Volkes auf sozialem

Gcbicte anregen soll. Als solche ist die Jugendzahnpflege des NVD. eine

vorbcreitendc Pionierarbeit zur Lösung der Frage der zahnarztlichen

Betrcuung der Jugend.

Dass die zahnarztliche Betrcuung der Bevölkerung in den Niederlanden

in den Landgemeinden nicht ausreichend ist, zeigt unsere Erfah-

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ung in eincm grossen Teil der Provinzen. Die Niederlassung in diesen

Gebieten zu fördern, ist ebenfalls eine Aufgabe, die nur durch entsprechende

Aufklarung gelost werden kann. Somit geht mit unserer Arbeit

in der Provinz gemeinsam eine Aktion, die durch kein Gesetz besser zu

lösen ist, als durch diese Pionierarbeit, die unsere Zahnarzte untcr Verzicht

auf viele Bequemlichkeiten des persönlichen Lebens leisten.

Die Jugendzahnpflege kann und darf sich nicht lediglich auf die

konservierende Behandlung des Gebisses beschranken, sondern muss die

Wege zu vorbeugenden Massnahmen erschliessen. Ich denke hier an die

grossen Aufgaben, die sich überhaupt nur im Rahmen einer umfassenden

Aufklarung und Propaganda durchführen lassen.

1. Die Haufigkeit der Zahnfleischerkrankungen in bestimmten Distrikten.

2. Die Anzahl der Stellungsanomalien, die durch den vorzeitigen Zerfaü

des Milchgebisses entstehen oder durch rachitische Einflüsse bedingt

werden.

3. Die relativ grosse Haufigkeit der raehitischen Verdnderungen an

Kiefer und Zdhnen, die meist das einzige Symptom für diese Erkran-

kung darstellen, nachdem schwere Rachitisformen sehr selten gewor­

den sind, dank der therapeutischen Massnahmen.

Dass alle diese grossen Aufgaben nur im Rahmen der Gesamtheit

gesehen werden können, ist selbstverstandlich, Dass viele dieser Aufgaben

auf der anderen Seite nur im Rahmen der direkten Zusammenarbeit mit

den dazu bestimmten Behördcn durchführbar sind, ist aber ebenso klar.

Der Bliek auf das gesamte Ziel erfordert eine straffe Einheit der gesamten

Organisation. Dieses bedingt aber nicht die Ausschaltung der

Tatkraft der Gemeinden. Ich sehe im Gegenteil nur in der absoluten

Zusammenarbeit aller Krafte die Möglichkeit einer befriedigenden Lösung

zum Wohle der Gesunderhaltung der Jugend.

Die zahnarztliche Versorgung der Niederlande.

Die zahnarztliche Betreuung des niedcrlandischen Volkes liegt in der

Hand von 1520 Zahnbehandlern. Davon sind etwa 100 Zahnheilkundige,

denen das Recht zur Berufsausübung in freier Praxis von Staatsseite zuerkannt

ist (vergleichbar mit den deutschen Dentisten). Ausserdcm sind

in dieser Zahl etwa 180 jüdische Zahnarzte enthalten. Die Bevölkerungsziffer

für das gesamte Land liegt etwa bei 9.000.000 (genau 8.833.977).

Davon kommen Kleinkindcr bis zu drei Jahren und ein Prozentsatz von

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N.V.D. J^en.U.nUpileg,. - 1. S M>L-,„le.- 1942


Dor T,„„,,„„ Jer KI,„ik.


Der .lu 8,„J:.I,„.,:t tel ,1 ,-r A r t r i l


D.c Tra„.,p„rt„U,. Kl.o.k.

A„,„eII„„ g „S„ ;, al,>,„u s Je, Neue,, Zei,", D.ere,,,,,,,,, Den li,,;,*; VM')


Greisen für die zahnarztliche Betreuung nicht oder kaum in Frage. Dieser

Prozentsatz ist nach Schatzung etwa 10 bis 15 '"/< der Gesamtbevölkerung.

Es kommen also im Höchstfallc 8.000.000 für die zahnarztliche

Betreuung und Behandlung in Frage (dabei sind die Schulkinder eingerechnet).

Auf die Grosstadte Amsterdam, Rotterdam und Den Haag, die zusammen

eine Einwohnerzahl von 1.924.542 behcimaten, entfallen hiervon

556 zahnarztliche Praxen, also ein Drittel samtlicher in Holland praktizierender

Z,ihnbehandlcr. Es entfallen hier etwa 3.461 Einwohner auf

eine zahnarztliche Praxis. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass

auch ein Teil der direkten Umgebung von diescn Praxen miterfasst wird,

obwohl gerade diese Umgebung relativ gut mit Zahnarztcn versehen ist.

Auf das gesamte übrige Land mit einer Bevölkerung von 6.909.435 entfallen

964 zahnarztliche Praxen.

Diese 964 Zahnarzte verteilen sich auf die elf Provinzen mit ihren

grossen und mittleren Stadten.

Auf die Stadte von etwa 100.000 Einwohner und darüber entfallen

wiederum hiervon:

Utrecht 165,000 Einwohner 72 Zahnbchandler

Haarlem 140.000 ,, 48 ,,

Groningen 122.000 „ 34 „

Eindhoven 113.000 ,, 20 „

Enschede 91.500 „ 15 „

Nijmegen 95.000 „ 23 „

Arnhem 90.500 ,, 29 ,,

Tilburg 97.000 „ 13 „

Diese Stadte besitzen mit einer Einwohnerzahl von 914.000 Einwohnern

254 zahnarztliche Praxen. Es kommen in diesen Stadten im

Durchschnitt auf eine Praxis 3.398 Einwohner.

Das gesamte übrige Land mit seinen kleinen und mittleren Stadten

wird von einer Einwohnerzahl von 5.995.000 bevolken. Diese Bevölkerung

wird von 710 Zahnbehandlern versorgt. Auf eine zahnarztliche

Praxis kommen im Durchschnitt 8.445 Köpfe der Bevölkerung, also mehr

als das Doppelte der Belastung der Praxen der grossen Stadte. Bei genauerer

Betrachtung der einzelnen Provinzen, abgesehen von den Grossstadten

und den Stadten mit etwa 100.000 Einwohnern und darüber, zeigt

sich die ausserordentlich ungünstigc Versorgung des breken Landes in

seinen Landgemeinden. Die lockcre Bauwcise schaltet darüberhinaus in

weiten Bezirken die Möglichkeit zahnarztlichcr Hilfe überhaupt aus.

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In der Provinz Drenthe kommen auf einen Zahnarzt 14.588 Einwohner

in Noord-Brabant „ „ ( ) „ 11.775

in Groningen >( ! ; ^ 11.769

in Zeeland „ „ ; ( ; ) I 0. 6 o 4 ^

in Limburg „ „ „ ^ ,0.150

in Friesland „ „ > ; 9, 9 4 8

in Overijssel „ „ „ ( j 8. 4 7 S

in Zuid-Holland „ „ „ ^ 6.566

in Gelderland „ „ ; j t t 7-950

! n U t r c c n t

„ „ „ „ 4.303

in Noord-Holland „ „ ., ;> 4.210

Wenn man hierbei die flachenhaftc Ausdehnung dieser Provinzen in

Beziehung zu der Zahl der zahnarztlichen Praxen stellt — es kommen

zum Beispiel auf die gesamte Provinz Drenthe nur 17 Zahnarzte —

treten die Schwierigkeiten bei der Versorgung dieses Gebietes stark hervor.

Wichtig ist im Rahmen dieser Betrachtung die Feststellung, dass über

dreiviertel der Zahnhcilkundigen in den Grosstadten Praxis betreibt und

nicht etwa die Lücken in den weiten Landdistrikten schliesst, die im

Wesentlichen die Schaffung dieses Berufsstandes begründete.

Die jüdischen Praxen liegen fast ausschliesslich im Gebiet der Gross-

stadte, sodass besondere Lücken hier nicht auftreten werden.

Die Zahlen sind den Angaben des ncuesten zahnarztlichen Jahrbuches

1940 entnommen und auf die einzelnen Gebietsabschnitte übertragen.

An samtlichen Einwohnerzahlen pro Praxis ware ein Abzug von etwa

10 bis 15 % vorzunehmen, da, wie eingangs erwahnt, Kinder bis zu drei

Jahren _ und ein Prozentsatz an Greisen der Betrcuung nicht mehr

anheimfallt.

Diese Zahlen geben einen grossen Ueberblick über die augenblick-

hchen Möglichkeiten der zahnarztlichen Versorgung der Bevölkerung im

Ganzen gesehen, soweit das Zahlen überhaupt vermogen, Möglichkeiten,

die natürlich auch für die Aufgabe der Jugendzahnpflege berücksichtigt

werden müssen.

Die lockere Bauweise in den weiten Landdistrikten, besonders der

nördhehen Provinzen, bedingt besondere Schwierigkeiten bei der Durch-

führung der Zahnbehandlung, die auf irgendcine Weisc überbrückt werden

müssen bis zu dem Zeitpunkt, an dem die niederlandische Zahnarzte-

schaft in der Lage ist, diese Gebiete durch Praxisneugründungen aus-

reichend zu versorgen. Eine Frage, die in wesentlichem Masse von der

Aufklarung des Volkes abhangig ist. Ich komme im Abschnitt Propaganda

und Aufklarung auf diese Frage zu sprechen.

10


Gr.nse de s SckulJirtr.ktM Drent.

D R E N T E


Jedenfalls ist zur Zeit die relativ geringe Zahl von Zahnarzten in

diesen Kreiscn nicht in der Lage, die zusatzliche Arbeit einer umfassenden

Jugendzahnpflege im Sinne der Behandlung zu übernehmen. Die

Durchführung von Untersuchungen ist vergeblich, solange keine Möglichkeit

zur Behandlung besteht.

Die niederlandisclien Schalen.

Die Niederlande besitzen insgesamt 6.977 Schulen mit einer Schülerzahl

von 1.130.140 Kindern im Alter von 6 bis 12 Jahren durchschnittlich.

Die Höheren- und Mittelschulen sind dabei nicht berücksichtigt.

Diese Schülerzahl entspricht einem Prozentsatz von 12,74 r

/ r

Gesamtbevölkerung.

Diese Schulen legen ihrem Unterrichtswesen sehr verschiedene Erziehungsprinzipien

zu Grunde. Eine Frage, auf die ich im Abschnitt

Aufklarung und Propaganda naher eingehen muss.

Der Hauptdistrikt Nord-Ost mit den Provinzen Friesland, Groningen,

Drenthe und Overijssel umfasst 1.817 Schulen mit einer Schülerzahl von

insgesamt 222.507 Schülern im Alter von 6 bis 12 Jahren. Das sind

13,24 r

/r der gesamten Bevölkerung von 1.680.285.

In der Provinz Friesland sind 619 Schulen mit 62.390 Schülern.

Groningen besitzt 439 Schulen mit einer Schülerzahl von 53.612. Drenthe

305 Schulen und 36.473 Schulkindcr. Die Provinz Overijssel 453 Schulen

mit 70.032 SchulkinHern.

Der Hauptdistrikt Süd-Ost mit den Provinzen Noord-Brabant, Gelderland

und Limburg umfasst 2.172 Schulen mit einer Schülerzahl von

374.563. Das sind 14,5 % der Gesamtbevölkerung von 2.584.416. Die

Provinz Noord-Brabant hat davon 838 Schulen mit 159.197 Schülern.

Gelderland 802 Schulen und 124.124 Schulkinder. Limburg besitzt 532

Schulen mit einer Schülerzahl von insgesamt 91.242.

Der Hauptdistrikt West umfasst ohne die Grosstadte Amsterdam,

Rotterdam und Den Haag 2.033 Schulen mit 254.179 Schulkindern. Das

sind 11,7 '/< der Gesamtbevölkerung von 4.609.647. Davon besitzt die

Provinz Zeeland 268 Schulen mit 30.385 Schülern. Die Provinz Zuid-

Holland 845 Schulen mit cincr Schülerzahl von 254.179. Die Provinz

Noord-Holland hat 555 Schulen und 188.437 Schulkinder. Die Provinz

Utrecht besitzt 365 Schulen mit insgesamt 60.069 Schülern.

Die Stadt Amsterdam zahlt 366 Schulen mit einer Schülerzahl von

78.850 Schulkindern. Das sind 9,8 % der Gesamtbevölkerung von 803.073.

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Die Stadt Rotterdam hat 368 Schulen und eine Schülerzahl von 71.725.

Das sind 12,2 % der Gesamtbevölkerung von 588.000.

Die Stadt Den Haag besitzt mit 221 Schulen eine Schülerzahl von

52.676 Schulkindern im Alter von 6 bis 12 Jahren. Das sind 10,2 % der

Gesamtbevölkerung von 514.000.

Diese Zahlen zeigen die gewaltige Ausdehnung der Aufgabe, die zum

Ziele hat, eine vollstandige zahnarztliche Betreuung der Schulkinder zu

gewahrleisten. Dass diese Aufgabe bei ihrem Aufbau und ihrer Durchführung

nur im Bliek auf das Gesamte gesehen werden kann, wird schon

durch die Tatsache erhellt, dass fast alle lokal gerichteten Bestrebungen

mit Ausnahme weniger Stadte, noch nicht einmal lokal einen grosseren

Erfolg gezeigt haben und dass aus dieser Erkenntnis der Erfolglosigkeit

die meisten dieser Bestrebungen eingeschlafen sind oder doch'mit nur sehr

sehwaeher Kraft fortgesetzt wurden.

Selbstverstandlich ist diese Aufgabe nicht im Laufe eines Jahres zu

lösen, wohl aber wird ein planmassiger und zielsicherer organischer Aufbau,

der sich über das ganze Land erstreckt, in einigen Jahren die Voraussetzungen

zu einer gesunden und praktischen Jugendzahnpflege schaffen.

Dabei spielt gerade die Einheitlichkeit der Durchführung eine hervorragende

Rolle.

rung und* Propaganda.

Die Karies oder Zahnfaule und ihre Begleiterscheinungen an Zahnfleisch

und Kiefer ist heute eine der verbrcitesten Volksscuchen der zivilisierten

Welt. Sie ist eine Zivilisationskrankheit. Pctcrsen wies nach dass

beispielsweise in Grönland die Eingeborencn, sofern sie nicht mit der

Zivilisation in Berührung gekommen sind, nicht an Karies leiden, wahrend

in den Gebieten der zivilisatorischen Bcemflussung 50 % Zahnfaule auftritt.

Die gleichen Beobachtungen konnte Proell in Afrika an Eingeborenen

nachweisen.

Diese Tatsache ist für die Bekampfung der Erkrankung als Volksseuche

sehr wichtig, wenn unsere Massnahmen auf diesem Gebiete Erfolg

haben sollen.

Die Erforschung der ursachlichen Momente, die zu dieser ausgedchnten

Schadigung eines Organs geführt haben, geben uns die Möglichkcit,

diese Erkrankung erfolgreich zu bekampfen und durch zweckentsprechende

Massnahmen zu verhüten bzw. ihrer weiteren Ausdehnung Einhalt

zu gebieten. Die Vorbeugung aber ist in jedem Falie leichter als die

Heilung.


Somit erwachst der Aufklarung die vornehmliche Aufgabe,

1. Schaden, soweit sie schort bestehen, rechtzeitig einer Behandlung zazuführen

und

2. weitere Schaden zu verhitten.

Die Erkennung der Ursache dieser Erkrankung ist die Voraussetzung

für eine crfolgreiche Bckampfung. Die Ausschaltung dieser ursachtlichen

Momente ist Aufgabe einer umfassenden Aufklarung und Propaganda.

Viele derartige Volksseuchcn konnten auf diese Weisc völlig ausgeschaltet

werden, obwohl die Heilerfolge sehr gering waren.

Ich erinnere hierbei an die Malaria, die in dem Krankheitsübertrager

in Italien und in Gebietsteilen des Balkans erfolgreich bekampft wurde.

In Italien ist die Malaria eine Seltcnheit geworden. Andere Erkrankungen,

z.B. die Pocken, die enorme Menschenmassen hingerafft hatten, konnten

durch Schutzimpfungen im Westen Europas restlos ausgeschaltet werden.

Der Sieg der arztlichcn Kunst liegt auch hier in Massnahmen vorbeugender

Art.

Der Erfolg des arztlichen Handelns aber setzt überall eine umfassende

Aufklarung des Volkes voraus, damit die Notwendigkeit dieser Massnahmen

verstanden wird. Dieses Verstandnis wird dann den Wunsch zur

Behandlung einerseits, sowie die Mitarbeit zur Schaffung günstigerer

Voraussetzungen bei der kommenden Entwicklung fördern. Hierbei ist es

naturgemass wesentlich leichter, bei gefahrlichen Seuchen das Verstandnis

des Volkes zu gewinnen, als bei langsam. verlaufenden Schadigungen, wie

sie im Gebisszerfall zu Tage treten.

Die Schulzahnpflege in den Niederlanden, soweit sie in vereinzelten

Einrichtungcn bestand, war auch in ihrer Aufklarungsarbeit nur lokal

gerichtet gewesen und konntc naturgemass die breitere Schicht der Bevölkerung

nicht erfassen. Immerhin wurde die Notwendigkeit ejner Aufklarungsarbeit

auch von Seiten der niedcrlandischen Zahnarzteschaft erkannt

und brachtc verschiedentlich deutliche Versuche auf diesem Gebiet

zu Tage.

Allein die gewaltige Arbeit, die hier zu leisten war, konnte vom

einzelnen Zahnarzt nicht getragen werden.

In Deutschland gehen die Versuche der Aufklarungsarbeit zugleich mit

dem Bestreben einer Jugendzahnpflege auf das Jahr 1879 zurück. Die

erste Untersuchung der Schulkinder wurde in Kassei durchgeführt. Gleichzeitig

trat die Notwendigkeit einer zahnarztlichen Beratung im Sinne der

breiteren Aufklarung in den Vordergrund. 1883 wurde im Rahmen der

schularztlichen Tatigkeit eine zahnarztliche Untersuchung der Schulkin-

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der in Frankfurt durchgeführt. 1902 entstand in Strassburg die erste

Schulzahnklinik, der bis zum Ausbruch des Weltkricges etwa 200 weitere

Einrichtungen folgten. Wenn auch alle diese Bestrebungen nicht den

durchschlagenden Erfolg auf dem Gebiete der Zahnschadenverhütung

brachten, so war doch die Erkenntnis der Notwendigkeit einer Aufklarungsarbeit

damals wie heute gegeben.

Die Ansicht, dass diese Aufklarung heute im Rahmen der allgemeingesundheitlichen

und hygienischen Erziehung des Volkes und besonders

seiner Jugend in den Schulen erschöpfend erfolgt, muss ich bestreiten. Die

Erfahrungen, die der NVD. bei der Durchführung der Aufgabe der

Jugendzahnpflege gemacht hat, sind der beste Beweis, der gcgen diese

Ansicht spricht. Wahrend die meisten Schulhaupter die segensreiche

Arbeit, die hier im Rahmen der Erziehung des Kindes geleistet wird, voll

erkannten und uns ihre persönliche Unterstützung zuteil werden liesscn,

haben viele mit der Erziehung der Jugend beauftragte Schullciter den Sinn

dieser Massnahmen noch in keiner Weise begriffen und verschliessen somit

auch das von ihnen betreute Kind der gesundheitlichen Aufklarung. Diese

Erfahrungen konnten besonders bei konfessionell gerichteten Schulen

beobachtet werden. Dass es sich hierbei nicht um sogenannte politischc

Momente handelt, wird durch die Tatsache beleuchtet, dass es auch der

stadtischen Jugendzahnpflege in Delft nicht gelang, die konfessionell gerichteten

Schulen in ihren Behandlungsplan einzuschlicsscn.

Ich habe im Vorhergehenden über die Notwendigkeit der Aufklarung

gesprochen. Nun zu der Arbeit dieser Aufklarung selbst, wie wir sie im

Rahmen der Jugendzahnpflege des NVD. schen, über das Ziel und den

Weg dieser Aufgabe.

Die Ursachcn des Zahnzerfalls, wie sie heute im Lichte der wisscnschaftlichen

Forschung gesehen werden, liegen im veranderten Lebcnsablauf

des zivilisierten Menschen begründet, der in wesentlichen Punkten

von dem normalen Geschenen im Lebensablauf des Naturmenschen abweicht.

Die Ursachen sind einmal funktionell bedingt, zum anderen liegen

sie in der fehlerhaften Ernahrung begründet.

/. Die funktionellen Ursachcn:

Die mangelhafte funktionelle Beanspruchung des Gebisses führt zu

einer Widerstandsunfahigkeit des Organs, genauso, wie andere Organe

durch Inaktivitat verkümmern. Wir sind in der Lage, mit dem Kiefer

einen Kaudruck von etwa 77 kg auszuüben. Bei unserer früheren normalen

Ernahrung war dieser Kaudruck zur Zerkleinerung der Nahrung

notwendig. Heute gibt es wohl kaum ein Nahrungsmittel, das einen


höheren Kaudruck als 2 kg. zur Zcrkleinerung erfordert. Infolge der

Unterfunktion unsercs Kauorganes tritt eine mangelhafte Durchblutung

der Kiefergebiete und damit eine schlechte Ernahrung von Kiefer und

Zahnen ein. Diese schlcchten Funktions- und Ernahrungsbedingungen

treten bereits in der Ernahrung des Sauglings in Erscheinung. Die Unlust

der Mutter zur Stillung ihres Kindes bedingt geradezu die Erziehung des

Sauglings zur Kaufaulheit. Meist wird der Saugling viel zu früh von der

Brust abgesetzt und erhalt Flaschenkost. Damit wird dem Kinde der

naturgegebcne und naturgewollte Kampf, sich die Nahrung zu erringen,

erspart und ihm der erste triebhafte Instinkt geraubt, der den Daseinskampf

jedes Lebewesens bedingt.

Die Melkbewegung, die der Saugling an der Brust ausüben muss, ist

für die Entwicklung seines Kauapparates ebensowichtig, wie es die Körpergymnastik

für die Entwicklung seiner muskulösen Funktionen ist. Denn

gerade in diesen Zeitabschnitt fallt die Entwicklungsperiode seiner Zahnanlage.

Dieser erste Ernahrungsfehler in funktioneller Hinsicht setzt sich in

der Folgezeit durch die breiige und weiche Konsistenz der Nahrungsmittel,

wie sie die moderne Küche zubereitet, in der ferneren Entwicklungszeit

des Kindes fort. Der erste Erziehungsfehler, den das Kind unbewusst

erlebt, indem man ihm die natürliche Nahrung in der Muttermilch vorenthalt,

wird nun dem Kinde bewusst erziehungsmassig verankert, in dem

man ihm den Geschmack an künstlichen Nahrungsmitteln anerzieht und

ihm mit der Kaumöglichkeit die Kautüchtigkeit nimmt. Auf diese Weise

hat sich im Laufe von Generationen die Ernahrung des Menschen vom

Naturprodukt zum Kunstprodukt entwickelt.

2, Ernahrungsfehler:

Parallel dieser Entwicklung oder besser mit dieser Entwicklung der

tunktionellen Tragheit, die eine Verkrüppelung des Kauapparates bewirktc,

verlief die fortschreitende Denaturalisierung der Nahrungsmittel,

die eine fehlerhafte Ernahrung bewirkte.

Der Körper braucht zum Aufbau und Unterhalt seiner Funktionen

bestimmte Aufbaustoffe, die als Fett, Kohlehydrate und Eiweiss in der

Nahrung aufgenommen werden. Neben diesen Stoffen sind Mineralsalze

und Vitamine unentbehrliche Bestandteile unserer Nahrung, ohne die die

Aufbauvorgange und Stoffwechselvorgange im Körper nicht möglich sind.

Gerade diese letztgenannten Bestandteile unserer Nahrung, die im Naturprodukt

in sinnvoller Zusammensetzung dem Körper natürlich dargeboten

werden, werden durch die Kochvorgange bei der Zubereitung der Speisen

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im wesentlichen vernichtet und führen somit zu Stoffwechselstörungen,

die sich besonders im Kalkstoffwechsel deutlich zu erkennen geben und

die bei den Verkalkungsvorgangen an den Zahnen, in hochgradigen Fallen

auch am Knochen krankhafte Veranderungen hervorrufen. Im ganzen

gesehen bedingen diese Störungen die Minderwertigkeit und Widerstandsunfahigkeit

der Zahnsubstanz überhaupt.

Es ist nicht Aufgabe dieser Schrift, die Ernahrungsfrage anhand genauer

Ernahrungsvorschlage und Kochvorschriften zu erörtern, sondern

lediglich den Weg zu einer sinnvollen Umgestaltung unserer Ernahrung

im Rahmen der arztlichen Aufklarung aufzuzeigen. Diese Fragen können

nur am heimatlichen Herd von der Hausfrau gelost werden, die wiederum

ihre Anregungen praktischer Art von zustandiger Seite erhalten muss.

Was heute auf dem Wege über die arztliche Wissenschaft in der Ernahrungsfrage

rekonstruiert werden muss, ist der gesunde triebhafte Instinkt

des natürlichen Lebens, der uns im Laufe der zivilisatorischen Entwicklung

verloren gegangen ist. Wickinger, die lange vor Kolumbus den Ocean

überquerten, nahmen Sacke mit Zwiebeln an Bord, ohne dass sie wussten,

dass in dieser Frucht das Vitamin C enthalten ist. Es war ein naturhaftes

Wissen um diese Dinge. Von dem gleichen naturhaften Wissen zeugt der

Bericht einer Expedition, die in den Urwaldern Amerikas an Skorbutt

erkrankte, durch Eingeborene durch einen Absud von Fichtennadeln geheilt

wurde. Wir müssen die naturgegebenen Gesetze des Lebens erkennen

und verstehen, dass der gleiche Wille, der Rassen und Völker auf bestimmten

Abschnitten der Erde geschaffen hat, auf diesen Abschnitten

auch die Früchte des Feldes reifen liess, die gerade diese Völker ernahren,

die dort wohnen. Es ist nicht gleichgültig, wo die Nahrungsstoffe gedeihen,

mit denen wir uns ernahren. Der Mensch ist gebunden an die Umgebung,

der er entstammt.

Zu einer Zeit, als das alte Rom bereits in der Genussucht einer restlos

verkünstelten Atmosphare den Untergang in seiner Lebenshaltung zeigte,

ist der Satz des grossen Arztes des Altertums, Galen, ein Wort von prophetisch

weittragender Bedeutung: Mehr Menschen als das Schwert tötet

der Frass.

Zusammenfassend ist zu sagen: Die Widerstandsunfahigkeit des Kauorgans

des modernen zivilisierten Menschen wurde geschaffen durch die

Entwicklung seiner künstlichen Ernahrungsgrundlagen. Der Weg zur Beseitigung

dieses Zustandes liegt in der Ernahrungsfrage. Diese muss sich

vom Kunstprodukt zum Naturprodukt zurückentwickeln.

Die Frage einer hygienischen Zahnpflege verdient in diesem Zusammenhang

eine besondere Berücksichtigung. Im Laufe von Generationen

hat das Gebiss durch die fortschreitenden Fehlerquellen der Ernahrung

17


jcnc organische Minderwertigkeit erhalten. Es werden Generationen vergehen,

ehe die Funktionstüchtigkeit des Gebisses wieder gewonnen sein

wird. Aus diesem Grunde ist es wichtig, die Zerstörungsvorgange an den

Zahnen durch eine zweckentsprechende Zahrtpflege so gut als möglich zu

hemmen. Besondere Bedeutung gewinnt diese Zahnpflege, wenn bereits

Füllungen an den Zahnen bestehen. "Werden diese Füllungsrander nicht

taglich regelmassig gereinigt, so besteht die Gefahr, dass im Laufe der Zeit

die Zerstörungsvorgange von neuem einsetzen. Jede Behandlung hat deshalb

nur dann Sinn, wenn zugleich eine regelmassige Zahnpflege dem

Kinde anerzogen wird.

Diese Betrachtungen zeigen den Weg, den die Aufklarungsarbeit gehen

muss. Eine beratende Aufklarung wird dort ansetzen müssen, wo die

Fehlerquellen erstmalig auftreten, da dort die Ausschaltung sich am erfolgrcichsten

auswirkcn kann, bei der Mutter. Die Ernahrung der Mutter in

zweckmassiger Weise zu heraten, ist die erste Aufgabe dieser Arbeit. Nur

eine Mineral- und Vitamin-reiche Kost der Mutter kann dem entstehenden

Leben in seinen Forderungen an diesen Stoffen, die es zum Aufbau

seiner Lebensfunktionen dringend gebraucht, gerecht werden. Die Wichtigkeit

gerade dieser Aufklarungsarbeit wird durch die Tatsache begründet,

dass sich die Anlage der Zahnkeime und die Verkalkungsvorgange für das

Milchgebiss bereits intrauterin, also vor der Geburt vollziehen.

Diese Beratung ist mit eine der wichtigsten Aufgaben der Mütterberatungsstellen.

Daneben sind die Mütterschulen und Heime für werdende

Mütter Einrichtungen, die dieser Aufgabe sehr entgegenkommen und auch

von zahnarztlicher Seite entsprechende Anweisung und Schulung des Personals

erhalten müssen. Selbstverstandlich wird die Mutter auch bei unserer

Tatigkeit an den Schulen in die Aufklarungsarbeit eingeschlossen und der

Beratung auf diese Weise zugeführt. Die Beratung der Mutter hat besonders

deshalb eine sehr grosse Bedeutung, da sie die Erziehungsgrundlagen des

Kmdes schafft und sie damit selbst zur Tragerin der Aufklarung wird.

Ein weiteres sehr wichtiges Aufgabengebiet eröffnet sich dem Zahnarzt

in der Schulung und Aufklarung der m der Sauglingspflege Tatigen. Ferner

gewinnt die Erziehung der Kindergartnerin, der die Betreuung des Kleinkmdes

anheimfallt, im Rahmen dieser Arbeit eine besondere Bedeutung, da

hier die Grundlagen zur Zahnpflege überhaupt geschaffen werden. Die enge

Beziehung zwischen Mutter und Kindergartnerin erschliessen hier Möglichkeiten,

die der Pflege des Kindes im schönsten Sinne zu Gute kommen.

Die Erziehung des Schulkindes im Rahmen des Unterrichts zur Gesunderhaltung

ist eine Aufgabe, die sich bereits in der Körperpflege durch Sport

durchgesetzt hat. Die Einschaltung der zahnarztlichen Betreuung in den

Unterncht der Schule ist ein Erziehungsmoment von grösster Bedeutung.

18


Durch die transportable Klinik kann hier der Zahnarzt bei seiner Tatigkeit

seine Persönlichkeit in den Dienst der Erziehung stellen. Wieviel von dieser

ersten Begegnung zwischen Zahnarzt und Kind abhangt, weiss jeder, der

in der Betreuung der Jugend tatig ist. Die praktische Tatigkeit ist erzie-

hungsmassig die beste Propaganda. In den Aufklarungsvortrügen an den

Schulen werden aber auch Erzieher und Elternschaft auf die Bedeutung

dieser sozialen Aufgabe hingewiesen und können in dem Kinde das Gehorte

und Gesehene tiefer verankern. Im Anschluss an einem Lichtbildervortrag

wurden haufig von den Erziehern Aufsatze angeregt, die das Kind zu einer

eingehenderen Beschaftigung mit diesen Fragen veranlassen.

Die Umgestaltung der Ernahrungsgrundlagen können von zahnarzt-

licher Seite lediglich nach wissenschaftlichen Gesichtspunktcn angeregt

werden. Die praktische Durchführung dieser Aufgabe ist von den dafür

zustandigen Einrichtungen und Berufsstanden zu übernehmen, die der Er­

ziehung der Hausfrau dienen. Die Schulung dieser Berufsstande in zweck-

massiger Weise zu unterstützen, ist wiederum eine Aufgabe, die dem Zahn­

arzt in der Bestrebung der Schadenverhütung anheimfallt. Im Wesentlichen

wird diese Arbeit getragen werden müssen von den Haushalts- und Mütter-

schulen, von der Hauswirtschaftslehrerin und van der Diatassistentm.

Eine besondere Aufgabe sehe ich hierbei auch für den weiblichen Ar-

beitsdienst, der in seiner Arbeit der Hausfrau diese Gedankengange vcr-

mitteln kann. Dabei soll nicht vergessen werden, dass alle in der Volks­

pflege des N V D . stehenden Mitarbeiter im Rahmen der Schulungskurse mit

dieser Aufgabe vertraut werden müssen, um dann ihrerseits Trager dicser

Aufklarung zu werden.

Diese Betrachtungen zeigen, dass diese gewaltige Arbeit nicht etwa nur

vom Zahnarzt selbst getragen werden kann, sondern, dass eine Unzahl von

Menschen notwendig sind, die taglich diese Gcdanken im Volke verankern,

eine Tatsache, die gerade die Bedeutung dieser Arbeit als volkspflegerische

Aufgabe deutlich zum Ausdruck bringt.

Die Bedeutung der Presse im Rahmen der Jugendzahnpflege ist eine

untcrstützende Massnahme, die besonders durch kurzweilige Betrachtungen

und Erzahlungen sowie durch Bildmaterial einen erheblichen Beitrag leisten

kann.

Immer aber wird das gesprochcne Wort, das durch Lichtbilder ver-

anschaulicht wird, den entscheidenden Anteil der Aufklarungsarbeit dar­

stellen.

Gerade von den Teilen der Bevölkerung, die bisher gar nichts von diesen

Dingen vernommen hatten, wurde unserer Arbeit das grösste Interesse

entgegengebracht. Das zeigt die Tatsache, dass nach diesem Aufklarungs-

vortragen fast alle Kinder zur Behandlung gebracht wurden. Selbst dort,

19


wo die Unzulanglichkeit der Schuileiter sich unserer Arbeit verschlos.i

wurde eine grosser Teil der Kinder an die Nachbarschule zur Behandlung

gebracht. Dies ist wohl der schönste Beweis für die Richtigkeit der Behauptung,

dass die beste Propaganda in der Arbeit selbst liegt.

Die restlose Ueberwindung dieser hemmenden Momente, wie sie besonders

bei den konfessionell geleiteten Schulen in Erscheinung treten, werden

wohl erst im Laufe einer umfassenden Schulreform in den Niederlanden

möglich sein. Vorerst genügt uns die Feststellung der Elternschaft,

dass es kern besonderes Verdienst dieser Schulen ist, die Kinder der zahnarztlichen

Betreuung zu entziehen.

Die Jugendzahnpflege als Aufgabe der Volkspflege.

Die zahnarztliche Betreuung der niederlandischen Jugend im Sinne der

praktischen Durchführung der Behandlung wird von zwei Faktoren entscheidend

beeinflusst, die die Voraussetzungen zu einer erfolgreichen Arbeit

darstellen:

1. Der Wunsch zur Behandlung, d.h., das Verstandnis der breken Schicht

des Volkes für die durchzuführenden Massnahmen und

2. die Möglichkeit, diesem Wunsche gerecht zu werden.

Dass diese Voraussetzungen in den Niederlanden noch in keiner Weise

befnedigend gelost sind, können Sie aus dem vorher Gesagten entnehmen.

Soweit eine Schulzahnpflege in den Niederlanden betrieben wurde, hat sie

sich stets dort entwickelt, wo diese Voraussetzungen gegeben waren. Sie

bheb also rein örtlich gerichtet und konnte ihr Bestreben im Sinne einer

Ausdehnung und eines Aufbaues nicht erfüllen.

Zu Punkt i ist folgendes zu sagen:

Nichts ist in einem Volke so schwer durchzuführen als Massnahmen,

deren Sinn es nicht versteht und deren tiefere Bedeutung es im Rahmen

der Allgemeingesundheit nicht kennt.

Ich darf m diesem Zusammenhang an die gewaltigen Schwierigkeiten

ennnern, die die hollandische Gesundheitsführung bei der Errichtung des

schularztlichen Dienstes zu überwinden hatte, eine Frage, die bis zu diesem

Augenblick noch in keiner Weise befriedigend gelost ist. Dabei handelt es

sich hier lediglich urn Untersuchungsmassnahmen. Der beste Weg, die Aufgabe

der Jugendzahnpflege zum Scheitern zu verurteilen, ist der Weg über

eine straffe gesetzmassige Anordnung. Sollte hierbei auch eine generell

durchgeführte Untersuchung, wie sie im Rahmen des schularztlichen

20


Dienstes angestrebt wird, Erfolg haben, so werden doch bei der Durchführung

der Behandlung unüberbrückbare Schwierigkeiten bestehen, da ein

Behandlungszwang rechtmassig nicht ausgeübt werden kann. Die Lösung

dieser Schwierigkeiten ist eine Aufgabe der Aufklarung und Propaganda,

die ich im vorhergehenden Teil eingehend beschriebcn habe. Dabei bin ich

der Ansicht, dass viele anders gerichtete Bestrebungen gerade dieses Aufgabengebiet

arbeitsmassig weit unterschatzen. Es müssen bei dieser Arbeit

dem Zahnarzt eine grosse Anzahl Helfer zur Verfügung stehen, die mit ihm

diese Arbeit tragen. Diese Helfer stehen dem Zahnarzt in den ehrenamtlichen

und berufstatigen Mitarbeitern, sowie in den volkspflegerischen Einrichtungen

des NVD. zur Verfügung. Der Zahnarzt, der mit seinem ganzen

Einsatz der Arbeit selbst zur Verfügung steht, wird sich vorwiegend an

diese berufenen Mitarbeiter in seinen Aufklarungsvortragen wenden. Im

ganzen gesehen wird auf diese Weise die Auswirkung des gesprochenen

Wortes um ein Vielfaches gesteigert.

Gewisse Bestrebungen der Zahnarzteschaft und der Gemeinden, dem

einzelnen Zahnarzt diese Aufklarung zu überlassen, ist aus zweicrlei Grimden

schwer durchführbar.

1. Wird die Aufklarung und Propaganda auf zalmgesundheitlichem

Gebiet dem Privatzahnarzt sehr leicht als Werbung für seine persónlichen

Interessen missdeutet, besonders dann, wenn keine Kostentrdger

zur Verfügung stehen und

2. wird der stark beschdftigte Privatzabnarzt nicht die notwendige Zeit

für diese bedeutende Aufgabe finden, wenn er nicht über die in der

Volkspflege tdtigen Mitarbeiter verfügt, die ihm sehr viele rein organisatorische

Aufgaben abnehmen können.

Gerade auch mit Rücksicht auf dieses besondere Aufgabengebiet ist die

Schaffung einer grosseren Anzahl von hauptamtlichen Jugendzahnarzten,

die sich ausschliesslich mit der Jugendzahnpflege beschaftigen, von grösster

Wichtigkeit.

Zu Punkt 2 ist zu erwahnen:

Aufs engste verknüpft mit der Frage der Aufklarung ist die Frage der

Behandlungsmöglichkeiten, die nach unsern persönlichen Erfahrungen und

an Hand der Statistik für weite Gebietsteile sehr ungünstig sind. Gerade die

Gebiete, die einer sozialen Betreuung am dringensten bedürfen, .rerfügen

über eine so geringe Zahl von Zahnarzten, dass eine Behandlungsmöglichkeit

praktisch nicht besteht.

21


Die Niederlassung von Zahnarzten in diesen Notstandsgebieten hangt

von der Aufklarung in erheblichem Masse ab. Kein Zahnarzt wird von sich

aus seinem Patientenkreis durch Aufklarungsvortrage begründen können.

Diese Aufklarung muss getragen werden von einer Organisation, die in

volkspflegerischem Sinne uneigennützig wirkt. Auch diese Tatsache zeigt

die Bedeutung und die Notwendigkeit des NVD. bei der Durchführung

dieser Aufgabe.

Die Fordcrung der Niederlassung von Zahnarzten und die Schaffung

von Behandlungsmöglichkeiten dort, wo sie am dringendsten benötigt

werden, wird an Hand der Erfahrungen unserer Zahnarzte, die diese Notstandsgebiete

mit transportablen Kliniken betreuen, in planmatiger Form

vorbereitet. In der Praxisgründung an diesen Orten sehe ich die Zukunft

einer grossen Zahl der Zahnarzte des NVD. die dann als halbamtliche

Schulzahnarzte der Arbeit des NVD. erhalten bleiben.

Ich habe versucht, in dieser knappen Form die Jugendzahnpflege als

Aufgabengebiet der Volkspflege des NVD. zu umreissen und zu begründen.

Ich weiss, dass von verschiedenen Seiten immer wieder der hartnackige

Widerspruch auftaucht, der die Jugendzahnpflege ausschliesslich als eine

Aufgabe der Gemeinde darstellt. Dazu will ich prinzipiell folgendes sagen:

Der ausschlaggebende Gesichtspunkt ist hierbei nicht die Frage des

Weges, sondern des Zieles. Die Betreuung der Jugend ist das Ziel, das wir

anstreben. Was liegt in diesem Zusammenhang naher als der Wunsch, alle

in dieser Arbeit tatigen Krafte in einer Form zusammenzuschliessen, die

die Möglichkeit eines wissenschaftlichen Austausches in der Vielseitigkeit

der Erfahrung gewahrleistet. Diese Möglichkeit aber ist gebunden an bestimmte

emheitliche organisatorische und arbeitsmassige Voraussetzungen,

ohnc die eine umfassende Jugendzahnpflege nicht aufgebaut werden kann.

Dass es natürlich wesentlich leichter ist, eine Grosstadt jugendzahnarztlich

zu versorgen, als die schwierigen weiten Landstriche der Provinzen Drenthe

und Zeeland, die der NVD. als Arbeitsbasis gewahlt hat, ist ohneweiteres

klar. Wir haben zum Unterschied der stadtisch gerichteten Schulzahnpflege

die Arbeit der Jugendzahnpflege des NVD. von vornherein auf die

breite Basis der Gesamtbetreuung gestellt. Diese Gesamtbetreuung der

niedcrlandischen Schuljugend schliesst selbstverstandlich die Mitarbcit

samtlicher Gemeinden ein. Sofern Einrichtungen bestehen, die fachlich als

gut zu beurteilen sind, — ein Urteil, das der Zahnarztekammer obliegt, —

ist unser persönlichster Wunsch eine enge Zusammenarbeit im Sinne der

Einheitlichkeit. Der aussere organisatorische Aufbau dieses grossen Arbeitsgebietes

aber fordert bestimmte Mittelpunkte, von denen aus die Leitung

d

, e r G e s a m t a u

fgabe erfolgt. Ausscrdem ist die Errichtung von wenigen

Kliniken, die die Möglichkeiten zur Durchführung grösserer Eingriffe und

21


esonders der spater zu erstrebenden kieferorthopadischen Behandlungsmassnahmen

bietet, eine Notwendigkeit, die über den Rahmen der Gemeindepolitik

bei weitem hinausgreift.

Der NVD. hat zum ersten Male die Jugendzahnpflege als Gesamtaufgabe

vorwartsgetrieben. Die Schaffung von Jugendzahnürztcn, die sich

ausschliesslich mit der Jugendzahnpflege befassen, ist ein Gedanke, der

ebenfalls aus dieser Organisation herausgewachsen ist. Wenn dieser Gedanke

heute von anderen Bestrebungen übernommen wurde, so nehmen

wir das als Bestatigung der Richtigkeit unseres Weges zur Kenntnis. Nur

mit halbamtlichen Zahnarzten ist jedenfalls eine so umfangreiche Aufgabe

nicht durchzuführen.

Beim Vergleich zu den Verhaltnissen im Reich ist folgendes zu sagen:

Die Einheitlichkeit ist auch dort fachlich wie organisatorisch gegeben durch

die Richtlinien des Reichszahnarzteführers, für hollandische Verhaltnisse

also durch den Vorsitzenden der Zahnarztekammer. Die Arbeitsüberwachung

liegt bei allen gesundheitspolitischen Massnahmen bei den

Acmtern für Volkagesundhcit T für hollandische Verhaltnisse also bei den

Inspekteuren und Direkteuren des Gesundheitsdienstes.

Die Anregungen zu einer umfassenden Jugendzahnpflege gingen auch

im Reich von der volkspflegerischen Organisation, der NSV., aus, die die

Voraussetzungen zu den heutigen Massnahmen schuf und über neun Jahre

die durchführende Organisation blieb. Durch die Kriegsverhaltnisse sind

diese Massnahmen augenblicklich eingeschrankt. Die Plane, die ihre Verwirklichung

nach dem Kriege finden sollen, übertragen das Aufgabengebiet

der Jugendzahnpflege in den Arbeitskreis der Aemtei' für Volks

gesundheit unter starker Heranzieh'ung der Privatzahnarzte. Die Kostentrager

sind die Krankenkassen und die Gemeinden im wesentlichen.

Wenn spater diese Frage im Reich von Seiten des Staates in die Hand

genommen werden kann, so darf man dabei nicht vergessen, dass erst

nach neun Jahren voikspflegerischer Arbeit dieses möglich ist. Dazu kommt

die Tatsache, dass eine umfassende Reichsversicherung seit Jahrzehnten

bestand, die als solche den Wunsch zur zahnarztlichen Behandlung in

erhcblichem Masse unterstützte.

Um in diesem Zusammenhang die Fcage der Stellung von Staat und

Partei zu beleuchten genügt es wohl darauf hinzuweisen, dass eine grosse

Anzahl von Gesetzen, die heute in straffer Form dem Volke dargeboten

werden können, erst durch die Organisationen der Partei dem Volke zum

Verstandnis gebracht wurden, ehe sie als selbstverstandliche Grundlagen

in den statischen Gesetzesformen in Erscheinung traten. Eine iihnliche Stellung

nimmt der NVD. als volkspflegerische Organisation bei der Durchführung

der Jugendzahnpflege ein.


Die ge.scliiclitlieke Entwicklung der

Jugendzaknpflege im Reicli.

Bevor ich aaf die praktische Durchführung zu sprechen komme, will

ich einen kurzen geschichtlichen Rückblick auf die Entwicklung des

Arbeitsgebietes im Reich geben.

Die ersten praktischen Versuche in dieser Richtung gehen auf das Jahr

1879 zurück. In diesem Jahre wurden zum ersten Male in Kassei zahn­

arztliche Untersuchungen der Schulkinder durchgeführt. 1883 folgte diese

gleiche Untersuchungsmassnahme in Frankfurt.

Aus den Namen der fachlichen Propagandisten auf diesem Gebiet ragt

der Name Dr. Röses, dem Leiter der Zentralstelle für Zahnhygiene. beson­

ders heraus. Dr. Rosé untersuchte selbst 14.000 Schulkinder und gab an

Hand seiner statistischen Feststellungen zum ersten Male einen Ueberblick

uber die verheerenden Auswirkungen dieser Volksseuche, die in manchen

Orten 99 % Karies ergab. Damit wurde diese gesundheitspolitische Frage

zum ersten Male in die arztliche Debatte geworfen.

Die erste praktische Tat, die diesen Feststellungen folgtc, war die

Grundung einer Schulzahnklinik in Strassburg, deren Gründer Prof. Jessen

war. Am 1. Oktober 1902 wurde mit dieser Ein richtung der erste Schritt

zur praktischen Bekampfung der Zahnschaden im Sinne der Behandlung

unternommen und die theoretische Arbeit der Untersuchung in die Praxis

ubertragen. Bereits am 2. Dezcmber 1902 folgtc Darmstadt diesem Beispiel,

das nun von pnvater Seite mit der Unterstützung der Gemeinden in

zahlreichen Orten weitergetrieben wurde. Die Krankenkassen beteiligten

sich an dieser Aufgabe mit erheblichen Beitragen in der Erkenntnis, dass

diese verheugende Arbeit eine Erleichterung der Belastung der Kassen dar-

stellte. Ein Grossteil der zur Entlassung kommenden Schulkinder der

Grundschulen stellt namlich den Nachwuchs in den gewerblichen Betneben

dar und wird damit versicherungspflichtig. Die Kassen hatten deshalb

naturgemass Interesse daran, dass diese jungen Menschen mit möglichst

gesunden Mundverhaltnissen in die Kasse eintraten.

Bis zum Ausbruch des Krieges bestanden 200 solcher schulzahnarzt-

lichen Emnchtungen, die in ihrer Arbeit völlig uneinheitlich vorgingen

und zum grossen Teil auf Untersuchung der Schulkinder beschrankt

blieben. Alle diese Bestrebungen, wie sie in kleineren und besonders grosse­

ren Gemeinden reale Formen annahmen, waren deshalb auch rein örtlich

gebunden und führten die Behandlungsmassnahmen, soweit solche vorge-

nommen wurden, in der Hauptsache im Kliniksystem durch.

2

4

Der erste, der die Nachteile dieses Behandlungssystems erkannte. war


wiederum Prof. Jessen. Diese Nachteile waren zum grössten Teil in der

Schwierigkeit zu sehen, die sich aus den Zeitverlusten des Weges der Kinder

zur Behandlungsstatte ergaben und eine erhebliche Störung des Unterrichts

darstellten. Prof. Jessen verlegte daher seine Arbeitsstatte in die Schulen

und wurde damit der Ideentrager des spater von Dr. Zink und Stuckenschmidt

sowie von Dr. Schaefer weiter entwickelten sogenannten Bonner

Systems.

1907 bereits wies Prof. Jessen auf die segensreichen Erfahrungen hin,

die er mit diesem Behandlungssystem gemacht hatte und zeigte damit den

Weg, der zu beschreiten war, um besonders der Betreuung der Landschulen

gerecht zu werden. Manche andere Autoren, unter ihnen Prof. Herrenknecht,

Freiburg, wiesen ebenfalls auf die Bedeutung dieser sogenannten

„Fliegenden Stationen" hin.

Im Jahre 1910 wurde von der Nauener Behörde die Betreuung der

Landkreise angeregt. Die Behörde Nauen beauftragte 1910 auf Anregung

des Amtsarztes einen halbamtlichen Zahnarzt, Dr. Erdmann, mit der Betreuung

von 75 Landschulen. So primitiv uns diese ersten Versuche auch

heute erscheinen, so bedeutend ist der Gedanke, der sich aus dieser neuen

Aufgabe ergab." Die Beweglichkeit der schulzahnarztlichen Behandlungsdurchführung."

Dieser Gedanke hat sich gerade von dieser Stelle aus in

praktischer Hinsicht sehr günstig entwickelt. Wahrend Erdmann mit einer

einfachen Instrumententasche ausgerüstet seine Arbeitsstatte in der Schule

aufsuchte, schuf sein hauptamtlicher Nachfolger, der Arzt und Zahnarzt

Dr. Zink, 1914 ein bewegliches und transportables Instrumentarium, das

mit der Kleinbahn und dem Handwagen zur Arbeitsstatte befördert wurde.

Dieses Instrumentarium war in einem grossen Eichenholzkoffer untergebracht

und enthielt neben den Instrumenten und Geraten auch die notwendigen

Medikamente sowie Wasche und Zubehör.

Dr. Zink hat in den Jahren 1914 bis 1924 in unermüdlicher Arbeit, die

er als Pionier der Gesundheitspflege der Jugend gegen unendliche Schwierigkeiten

leistete, das Verstandnis der Bevölkerung für die Bedeutung dieser

Aufgabe geweckt und die Voraussetzungen geschaffen, die dann sein Nachfolger

Dr. Stuckenschmidt im Sinne der Motorisierung ausbauen konnte.

Diese Motorisierung bestand darin, dass die Verpackung des Instrumentariums

in mehreren Koffern erfolgte, sodass eine Beförderung im einfachen

Personenkraftwagen möglich wurde. Diese Motorisierung brachte eine

erhebliche Zeitersparnis, die von der Behörde in erster Hinsicht aus wirtschaftlichen

Gesichtspunkten unterstützt wurde. Die Behandlung selbst

erfolgte wie vordem in einem Raum der Schule.

In ahnlicher Weise wirkte sich die Tatigkeit Dr. Kurt Schaefers aus,

der in einem Nachbarkreis diese Aufgabe erfüllte. 1934 wurde Dr. Kurt

25


Schaefer vom Reichszahnarzteführer mit der Leitung der Abteilung

Jugendzahnpflege beauftragt und wurde damit der Begründer der Jugendzahnpflege

der NSV., die sich nach diesen Prinzipien der motorisierten

Jugendzahnpflege entwickelte.

Parallel dieser Entwicklung verlief eine andere, deren Ideentrager

Dr. Scherer war. 1910 wurde von Dr. Scherer, Kreiszahnarzt im Kreise

Mühlhausen, der Gedanke der fahrbaren Klinikeinrichtungen erstmalig

veröffentlicht und dann in die Tat umgesetzt. Auch dieser Gedanke entsprang

dem Wunsche, die Schwierigkeiten bei der Betreuung der landlichen

Schuljugend zu beseitigen und die Behandlungsmöglichkeit an die Schule

direkt heranzubringen. Die erste Verwirklichung dieses Gedankens wurde

durch den Einbau einer zahnarztlichen Einrichtung in einen Wohnwagen

erreicht, der durch Pferde bewegt wurde. Die spatere Motorisierung dieser

Einrichtung durch Prof. Kantorowitz, Bonn, brachte eine Neuerung dieser

Einrichtung im Sinne der technischen Errungenschaften, wie sie besonders

in der Versorgung mit Strom und Warmwasser sehr zweckmassig erreicht

wurden.

Die grossen Nachteile, die diesem Kliniksystem leider nicht die nötigen

Entwicklungsmöglichkciten gaben, sind im wesentlichen in den Temperatureinflüssen

zu sehen, denen eine solche fahrbare Klinik stets ausgesetzt

ist. Dazu kommt, dass die Wirtschaftlichkeit durch den ziemlich umfangreichen

Apparat sinkt.

In wie grossem Massc aber gerade Scherer die Wichtigkeit der propagandistischen

Arbeit bei der Bekampfung von Zahnschaden erkannte,

zeigen seine Veröffentlichungen aus dem Jahre 1910:

„Wenn man Neuerungen einführen will, wclche tief in die Gewohnheiten

des Volkes eingreifen, wenn man alle Vorurteile bekampfen und

das Verstandnis für das Neue und Gute wecken will, dann darf man sich

nicht irgcndwo festsetzen und warten, bis die Leute kommen, nein, dann

muss man hinausgehen zu ihnen und unter ihnen werben und schaffen,

urn sie zu gewinnen. Deshalb wird auch die schulzahnarztliche Fürsorge

auf dem Lande nur dann einen vollen und bleibenden Erfolg haben, wenn

Gemeinde für Gemeinde aufgesucht und Schule für Schule untersucht und

behandelt wird. Dann kann es leicht geschehen, dass die Kreisschulzahnklinik

in ihren Leistungen deiïjcnigen der grossen Stadte gleichkommt,

sogar sie übertrifft, denn in Dörfern und kleinen Stadten werden die Vortrage

und Belehrungen des Schulzahnarztes nicht unter der Fülle des

Gebotenen verschwinden und wenig beachtct verhallen, wie es leider in

der Grosstadt nur zu oft geschieht. Im Gegenteil werden sie hier als

Abwechselung dankbar hingenommen werden und, wenn der Schulzahnarzt

für seine Aufgabe begeistert ist und einige Rednergabe besitzt, 'o

26


wird es ihm ein Leichtes sein, Ekern und Kinder für sich zu gewinnen.

Ich halte es deshalb für unbcdingt notwendig, dass die Zahnklinik eine

bewegliche ist."

Alle diese Bestrebungen, die so vielseitig den Weg zur Betreuung des

Kindes suchten, wurden durch den Ausbruch des Weltkricges 1914 jah

uriterbrochen und konnten dann infolge der wirtschaftlichen Notlage der

Nachkriegszeit nicht mit der notwendigen Kraft wiederaufgenommen und

vorangetrieben werden.

Eine entscheidende Wendung nahmen die Dinge erst im Verlaufe des

Jahres 1934. In diesem Jahre wurde die Aufgabe der Jugendzahnpflege

im Rahmen der Arbeit der volkspflegerischen Organisation, der NSV.,

vom Reichszahnarzteführer angeregt. Auf diese Weise wurden die Gedankengange

in den Arbeitskreis der gesundheitlichen Ertüchtigung der

Jugend nach nationalsozialistischen Gesichtspunkten ausgerichtet.

Die ersten Plane mit den von Dr. Schaefer entwickelten Instrumentarien

(Beförderung im Personenkraftwagen) fanden ihre Verwirklichung

in der Röhnaktion. Der sichtbare Erfolg dieser sozialen Tat brachte die

weitere Betreuung ausgedehnter Notstandsgebiete.

Aus dieser Betreuung der Notstandsgebiete wuchs dann auf breitester

Front die volkspflegerische Arbeit der Jugendzahnpflege der NSV., diebis

zu Beginn des Krieges über 176 hauptamtlichc Jugendzahnarzte und

88 Helferinnen verfügte. Auf dem Boden dieser Entwicklung entstanden

die grosszügigen Plane einer umfassenden Jugendzahnpflege, wie sie nach

Abschluss des Krieges in die Tat umgesetzt werden sollen.

Die früheren Bestrebungen, eine Gesundung des kindlichen Gebisses

vorzunehmen, gingen zum grossen Teil mehr oder wenigcr wahllos vor und

behandelten nach den Gesetzten der Vordringlichkeit. Im Laufe der Zeit

entwickelten sich bestimmte Richtlinien bei der Durchführung der Behandlung

im Sinne der Sanierung. Diese Sanierung besteht im Gesamten

gesehen in der Ausschaltung kleinster Schaden und in der Vorbeugung

ihrer weiteren Ausbreitung durch Beseitigung von Retentionsstellen. Ferner

gehort zu dieser Behandlung die gewissenhafte Kontrolle der Kiefer- und

Zahnentwicklung, von deren normalen Verlauf die Kaufunktion in erheblichem

Masse abhangt. Dieses Behandlungsprinzip, das sich erfahrungsmassig

geschichtlich entwickelt hat, wird heute der modernen Durchführung

der Jugendzahnpflege zugrunde gelegt.

*7


Die praktische Durchfülirung.

Verwaltung und Organisation der Jugendzahnpflege.

A. STAATSAUFSICHT:

Die Jugendzahnpflege untersteht der staatlichen Instanz des „Departement

van Sociale Zaken" und seiner staatlichen Gesundheitsführung

(Generaldirekteur für Volksgesundheit), sowie deren Organe (Hauptinspekteure

für Geneeskunde, Gesundheitsinspekteure und Direkteure).

B. ZAHNAERZTEKAMMER:

Die Zahnarztekammer errichtet eine Abteilung Jugendzahnpflege.

Diese betreur das Aufgabengebiet der gesamten Jugendzahnpflege in den

Niederlanden.

1. Facblich.

2. Organisatorisch.

3. Disziplinar.

C, DURCHFUEHRENDE ORGANE.

Die durchführenden Organe der Jugendzahnpflege handeln nach den

Richthmen der Zahnarztekammer im Auftrage des Staates nach ihrer Beauftragung

durch den Staat. Sie sind:

1. Der niederlandische Volksdienst.

2. Die Gemeinden und private Einrichtungen.

Bei Errichtung einer Einrichtung zum Zwecke der Jugendzahnpflege

ist von der durchführenden Organisation die Genehmigung bei dem „Departement

van Sociale Zaken" einzuholen. Dabei ist der zu beauftragende

Zahnarzt zu nennen. Dieser Vorschlag wird von dort zur Bearbeitung

dem Prasidenten der Zahnarztekammer vorgelegt. Dieser prüft die Art

der Durchführung und die Eignung des vorgeschlagenen Zahnarztes. Nach

dieser Prüfung erfolgt die Genehmigung durch den Staat (Departement

van Sociale Zaken). Die Beauftragung des Zahnarztes kann erst nach Einholung

dieser Genehmigung vom NVD. oder der Gemeinde vorgenommen

werden.

28


Die fackliche und organisatorische Führung der

Jugendzahnpfl ege.

Die Durchführung der gesamten Jugendzahnpflege (NVD., Gemeinden

und private Einrichtungen) liegt in Handen der niedcrlandischen Zahnarztekammer.

Der Prasident der Zahnarztekammer ist dem Staat für die

praktische Durchführung verantwortlich. Die Abteilung Jugendzahnpflege

der Zahnarztekammer übernimmt

r. die organisatorische und fachliche Arbeit der praktischen Durchführung,

2. sdmtliche Arbeitsmeldungcn werden an die Abteilung Jugendzahnpflege

der niederldndischen Zahnarztekammer gerichtet und werden von dort

an die staatliche Gesundheitsführung weitergeleitet.

Der organisatorische Aufbau

A. FUEHRUNG:

Der aussere organisatorische Rahmen ist der Jugendzahnpflege in der

Organisation des NVD. gegeben. Die besonderen Anforderungen des Aufgabengebietes

erfordern eine besondere Aufteilung des Landes, die der

Unterteilung der medizinalen Inspektionen etwa entspricht.

Die Niederlande werden in drei Hauptdistrikte aufgeteilt:

1. Hauptdistrikt Nord-Ost

2. Hauptdistrikt Süd-Ost

3. Hauptdistrikt West

a) Distrikt Friesland

b) Distrikt Groningen

c) Distrikt Drenthe

d) Distrikt Overijssel

a) Distrikt Noord-Brabant

b) Distrikt Gelderland

c) Distrikt Limburg

a) Distrikt Zeeland

b) Distrikt Zuid-Holland

c) Distrikt Noord-Holland

d) Distrikt Utrecht

2 9


Die Gesamtleitung der NVD.-Jugendzahnpflege hat ihren Sitz in

Den Haag.

Es ist vorgesehen, je nach den Möglichkeiten an den Orten, wo der

Sitz der Hauptdistnkts- oder Distriktszahnarzte liegt, sowie in grossen

Stadten, Jugendzahnpflegestatten beweglicher oder fester Form einzurichten,

die den jeweiligen Gegebenheiten am besten gerecht werden

Fur die Versorgung des breiten Landes in den ausgedehnten Land-emeuiden

sind hauptamtliche Zahnarzte mit beweglichen Kliniken vorgesehen.

In Gegenden, m denen die gedrangtere Bauweise es gestattet, wird

die Arbeit zum grössten Teil von halbamtlichen Jugendzahnarzten in der

Pnvatpraxis vorgenommen. Die Untersuchungen werden immer in der

bchule durchgeführt.

Ferner ist vorgesehen, eine feste Klinik einzurichten, die die Möglichkeiten

fur grössere Eingriffe gestattet und die spater als kieferorthopadische

Klinik ausgebaut werden kann. In dieser Klinik sollen Falie die

nut der beweglichen Einrichtung nicht behandelt werden können, zur

Behandlung kommen.

Diese Einrichtung dient im Besonderen auch der technischen und organisatoriscnen

Anleitung der Jugendzahnarzte, bevor sie die Arbeit draussen

in der Provinz übernehmen.

! s

.„^

Kostentrager {

^ Untersuchung und Behandlung wird vorerst der

NVD. eintreten.

B. DISZIPUNARGEWALT:

Die Diszipiinargewalt für die durchzuführenden Massnahmen und die

durchführenden Zahnarzte obliegt der Zahnarztekammer. Von dort aus

werden die Richthmen für die Arbeit erteilt.

Ein Zahnarzt wird mit dem Referat Jugendzahnpflege in der Zahnarztekammer

beauftragt und hat das Recht der Kontrolle samtlicher Einnentungen

die auf diesem Gebiet tatig sind. Auf diese Weise wird eine

Emheithchkm in der Arbeit und in der Statistik erreicht. Ausserdem

werden ungenugende Einrichtungen beseitigt. Vertrage der Gemeinden

kennen nur uber die Zahnarztekammer abgeschlossen werden nach Genehmigung

durch den Staat. Die Ueberwachung der gesamten Jugendzahnpflege

ob iegt den staatlichen Organen des Gesundheitsdienstes. Diese

erhalten uber die Zahnarztekammer laufende Berichte über die Arbeit.

Die Durchführung der Jugendzahnpflege des NVD.

Die gewaltige Aufgabe dieses umfassenden Arbeitsgebietes ist nur

moglich durch den organisatorischen Zusammenschluss aller in dieser

30


Arbeit stehcnden Krafte. Aus diesem Grunde ist auch eine Einheitlichkeit

bei der Durchführung der Massnahmen sowohl als auch bei der statistischen

Auswertung dringend geboten. Die Leitung ist in enger Zusammenarbeit

zwischen der niederlandischen Zahnarztekammer und der durch

führenden Organisation, dem niederlandischen Volksdienst, gcgeben.

Die Aufgaben der Jugendzafmpflege.

Die praktische Arbeit zerfallt in zwei grundsatzliche Arbeitsgebiete:

1. Die Untersuchung und Kontrolle der Schulkinder und ihre beratende

Betreuung, sowie die Aufklarung der Jugend und der Erziehungsberechtigten.

2. Die Behandlung der Schulkinder, die nach den Anweisungcn der gegebenen

Richtlinien eine Sanierung des Gebisses, einschliesslich der

Behandlung von Zahnfleisch- und Kiefererkrankungen anstrebt.

Der h auptamtliclie J ugendzalinarzt.

Für die organisatorische Leitung sowie zur Leitung der Klinik und

Jugendzahnpflegestatten in den Grosstadten sind hauptamtliche Jugendzahnarzte

erforderlich, die neben der Behandlungstatigkeit die Arbeits

planung für die ihnen unterstellten Abschnitte durchführen sowie die

Kontrolle über die geleistete Arbeit übernehmen. Ferner obliegt ihnen die

Aufgabe der statistischen Auswertung. Ausserdem sind für die Gebietsteile,

die infolge der lockeren Bauweise schlechte Behandlungsmöglichkeitcn

bieten, transportable Kliniken vorgesehen und auch bereits eingesetzt, die

von hauptamtlichcn Zahnarzten geleitet werden.

Der Iialhamtliclie Jugendzahnarzt.

In Wohngegenden, wo die gedrangtere Bauweise es gestattet, also vorwiegend

in kleineren und mittleren Stadten und grosseren Landgemeinden,

werden halbamtliche Jugendzahnarzte mit der Durchführung der Aufgabe

betraut. Diese führen die Untersuchungen ebenfalls an der Schule durch,

wiihrend sie die Behandlung in der Privatpraxis vollziehen.

Die Notwendigkeit der Betciligung von Privatzahnarzten (wie sie im

Reich für die kommende Durchführung geplant ist) ist deshalb gegeben,

da die Ausdehnung der Arbeit es unmöglich macht, eine ausreichende

Anzahl hauptamtlicher Zahnarzte ledichlich zur Betreuung der Jugend einzusetzen,

ohne damit die Versorgung der übrigen Bevölkerung in erheb-

3i


lichem Masse zu gefahrden. Ferner wird hierdurch dem Privatzahnarzt

die Möglichkeit gegeben, an diesem grossen sozialen Werk mitzuarbeiten.

In den grosseren Stadten wird die Einrichtung mehrerer Behandlungsmöglichkeiten

an Jugendzahnpflegestatten erfolgen, die der Mitarbeit einer

grossen Anzahl von Privatzahnarzten gerecht werden.

Von besonderer Wichtigkeit für die Tatigkeit des halbamtlichen

Jugendzahnarztes ist es, ihn möglichst von der organisatorischen Arbeit

zu entlasten, damit sein Einsatz in der Behandlung voll erfolgen kann.

Mit dem Einsatz einer grosseren Anzahl beweglicher Instrumentarien kann

darüber hinaus die Wirkung des halbamtlichen Jugendzahnarztes in der

kommenden Zeit auch auf die Umgebung seines Wirkungskreises ausgedehnt

werden.

Die Fragen organisatorische Art werden im wesentlichen von den

hauptamtlichen Jugendzahnarzten und dem Helferpersonal übernommen.

Die E-inricIitung der Jugendzahnpflege.

A. DIE BEWEGLICHE KLINIKE IN RICHTUNG:

Die bewegliche Klinikeinrichtung ist transportabel und gestattet somit

die Behandlungsmögliehkeit direkt in die Schule oder in unmittelbare Nahe

der Schule zu verlegen. Das Instrumentarium und die notwendigen Gerate

sind den jeweiligen Stromverhaltnissen angepasst und können infolgedessen

in jeder Schule aufgebaut werden. Auf die Bedeutung des erzieherischen

Wertes im Rahmen des Unterrichts bei diesem Behandlungssystem habe ich

schon vorher hingewiesen.

Der Einsatz dieser transportablen Kliniken erfolgt vordringlich in den

weiten Landgemeindcn, deren lockcre Bauweise Schwierigkeiten bei der

Betreuung bereitet. Die Leitung dieser Klinik obliegt einem hauptamtlichen

Jugendzahnarzt, der von einer Helferin begleitet wird.

B. DIE 1ESTF KLINIKEINRICHTUNG

(JUGENDZAHNPFLEGESTAETTEN):

In Grosstadten und in grosseren Stadten ist die Einrichtung einer

Jugendzahnpflegestatte vorgesehen, wie sie in Haarlem und Leiden bereits

eingerichtet wird. Der dichtbesiedelte Raum dieser Stadte beheimatet eine

sehr grosse Anzahl von Schulkindern, deren Behandlung am zweckmassigsten

von zentraler Stelle aus erfolgt. In diesen Stadten sind die Verkehrsbedingungen

meist so gut, dass das An- und Wegbringen der Kinder durch

Helferpersonal keine allzugrossen Schwierigkeiten verursacht. Der stete

Umbau der Einrichtung von einer Schule zur anderen verursacht jedenfalls

in diesen Orten einen unnötigen Zeitverlust.

3*


Die Leitung dieser Jugendzahnpflegestatten wird durch einen hauptaratlichen

oder nebenamtlichen Jugendzahnarzt des NVD. übernommen.

Je nach Grosse der Stadt sind mchrere Behandlungsmöglichkeiten vorgesehen,

die der Mitarbeit halbamtlicher Jugendzahnarzte gerecht werden.

Nach Möglichkeit ist eines dieser Instrumentarien beweglich zu gestalten,

um entlegenere .Schulen direkt zu erfassen. Bei diesen Einrichtungcn soll

stcts ein hauptamtlieher Jugendzahnarzt tatig sein, sofern die Grosse der

Stadt dieses erfordert. Ausserdem ist für das Anbringen und Wegbringen

der Kinder ausreichendes Helferpersonal vorzusehen.

Ferner soll eine Jugendzahnpflege-Klinik eingerichtet werden, die

die Möglichkeit zu grosseren Eingriffen bietet und spater kieferorthopadische

Behandlung ermöglichen soll. Daneben können dort Jugendzahnarzte

eine fachlichc Weiterbildung im Rahmen der Universitatsarbeit

erhalten.

C. JUGENDZAHNAERZTLICHE BETREUUNG

IN DER PRIVATPRAXIS:

Kleinere und mittlere Stadte und grössere Dorfgemeinschaften werden

haufig ausreichend durch einen halbamtlichen Jugendzahnarzt in der

Privatpraxis versorgt werden können. Auch hier muss allerdings dem

Zahnarzt in den meisten Fallen Helferpersonal zum An- und Wegbringen

der Kinder zur Verfügung stehen. Diese Lösung ist im Augenblick deshalb

notwendig, da bewegliche Instrumentarien nicht in ausreichender Menge

zur Verfügung stehen. Die Untersuchung und Aufklarung hat in jedem

Falie in der Schule zu erfolgen.

D. FUERSORGLICHE MASSNAHMEN DER BETREUUNG

NACH DER BEHANDLUNG.

Wahrend Untersuchung und Aufklarungsvortrage vor Kindern, Eltern

und Erziehern die Behandlung jeweils einleiten, ist am Ende der Behandlung

eine Anweisung zur Zahnpflege zu geben. Diese Erziehungsmassnahme

wird am besten in der Schule durchgeführt. Dann wird den Kindern durch

Zahnarzt und Helferin eine zweckmassige Zahnpflege gezeigt und anerzogen.

Das Beliancllungsprinzip.

Die Jugendzahnpflege strebt eine zahnarztliche Behandlung und Betreuung

der schulpflichtigen Kinder an, also der Kinder im Alter von 6 bis

12 Jahren.

Beim Aufbau der Arbeit ist es zweckmassig, zunachst den jüngsten

33


Jahrgang der Behandlung zuzuführen und die Arbeit in diesem Sinne in

den folgenden Jahren aufzubauen, indem der behandelte Jahrgang kontrolliert

und die Schulneuzugange miterfasst werden. Dieses Behandlungssystem,

das sogenannte Bonner System, hat den grossen Vorteil, dass

kleinste Schaden behandelt werden können. Damit werden Wurzelerkrankungen

und die damit zusammenhangenden Gefahrenquellen ausgeschaltet

(Fokalinfektion). Ausscrdem ist das Kind in diesem Alter erziehungsmassjg

am besten zu beeinflussen. Es fallen also folgende Erwagungen besonders

ins Gewicht:

i. Die frühzeitige Erziehung zur Zahnpflege,

z. die damit verhundene Einschrdnkung weiterer Scheiden,

3. die Beseitigung kleinster Schaden,

4. die dadurch gegehene Vermeidung der Wurzelerkrankung und ihrer

Begleiterschcinungen,

5. die Möglichkeit der Kontrolle über die fernere Schulzeit,

6. das langsame Anlaufen der Arbeit bis zur völligen Durchführung der

Aufgabe.

7. das gleichzeitige Absinken des Arbeitsausmasses bei den bereits durch

frühzeitige Behandlung und Erziehung betreuten Kindern.

Das Behandlungsziel ist in der völligen Sanierung des Gcbisses zu sehen.

Die Sanierung des kindlichen Gebisses wird erreicht durch:

1. Die Frühbehandlung der Dauerzdhne,

2. die Beseitigung von Retentionsstellen, soweit sie im Milchgebiss %egeben

sind,

3. die Ausschaltung von Krankheitsherden im Milchgebiss,

4. die Behandlung von Zahnfleischcrkrankungen.

Die Friilineliandlung der Dauerzaline.

Die Füllung des Dauerzahnes soll naturgemass eine dauerhafte sein.

Dazu gehort, dass nicht lediglich die erkrankte Stelle beseitigt wird, sondern,

dass der Zahn gegen weitere Einflüsse weitgehend geschützt wird.

Sanierung des einzelnen Zahnes. Das breite Aufschleifen der Fissur ist in

icdem Falie durchzuführen. Es ist ein Selbstbetrug, die Zahl der Füllungen

mit der Stopuhr festzulegen, wie es bei verschicdenen bestehenden Einrichtungen

der Fall ist, um dann jedes Jahr diese Füllungen zu erneuern.

Ganz davon abgesehen, dass diese Arbeitsweise jedem arztlichen Denken

widerspricht, ist eine derartige Statistik ein offener Betrug.

34


TABELLE 1

N Q

am: Woonplaats: School:

Voornaam: Straat:

Klasse •

'. ,

A l Vader Moeder I Br

z° er

i

s

(

Geboren: Provincie: ,

Leert.

*"

n

Geneesk. Insp.: Schoolinspectie:

A'

6

I 194 ; KI. O.T. j 194 KI. O.T.

i • 1

- - ; ' ~

194 i KI. i O.T. 194 KI. O.T.

194 | KI. | O.T. "Ï94 KL ~

194 , KI. : O.T. 194 KL~~ O.T.

194 KI. I O.T. ~L94 KT OJ.

^94 KI. : O.T. Opmerkingen ,

Gecomprimeerde kaak

B e e t k i e z e n

Rachitis ~ | r

I I

neutraal Beet snijt.-prognath.

Gedrongen snijtanden : distaal (. -progen.

_ Ruimte tuss. snijtanden mesiaal M\ an

D { - — ... ." " '* " diep

_ Diastemen ^ Hypoplasien ir it open

Verschuiv. d. middellijn |

- - —- - : - Tandvleesch-ontsfeking -op eikaar

Tandsteen * J J ^ r a i ging. i Deze kaart is eigendom '

V ! i i , • van den N.V.D. Kruisbeet voor, links, rechts

Kaart schoon houden I Niet vouwen I


Die Beliandlung des .Malcligebisses.

Die Behandlung des Milchgebisses ist im wesentlichen auf den Erhalt

der Platzhalter zu beschranken, also der Milchmahlzahne.

1. Beseitigung der Retentionsstellen durch weites Aufschleifen der Kavit'dtenrdnder,

sofern die Pulpa bereits zerfallen ist.

2. Abfüllen kleiner Stellen mit Zement oder Amalgam.

3. Beseitigung von Krankheitsherden durch Extraktion.

Die Behandlung von Milchzahnen zur Zeit des bereits eingetretenen

Zahnwechsels ist nicht mehr so dringend geboten, wie beim Kleinkind, und

wird sich demnach auf mehr behelfsmassige Massnahmen stützen. Die

Frage der Kleinkinderbetreuung ware in diesem Zusammenhang eine Frage

von grösster Bedeutung. Die Kleinkinderbehandlung stellt sicher die Ideallösung

der Jugendzahnpflege dar und würde uns sehr viele und schwierige

spatere Arbeit ersparen. Besonders mit Rücksicht auf die weite Verbreitung

der Stellungsanomalicn verdient dieses Arbeitsgebiet grösste Beachtung.

Leider ist nur ein kleiner Prozentsatz von diesen Kindern im Kindergarten

erfasst. Die Lösung dieser Frage wird mit ein Aufgabengebiet der

Aufklarung sein.

Zahn- und .Alund-Hygiene.

Die Sanierung ist mit einer allgemeinen Zahnreinigung abzuschliessen,

die nach Ausschaltung von Retentionsstellen den ersten Schritt zur Zahnpflege

darstellt. Im Anschluss daran erfolgt die Anweisung zur Zahnpflege,

die das Kind in der Folgezeit dann selbst übernimmt.

Reeistratur und Meld ewesen.

Die Behandlungskarte:

Die Behandlungskarte soll das Kind auf dem Wege seiner Schulzeit

begleiten. Demgemass sind ausreichende Rubriken zum Eintrag der Behandlungsbefunde

für die kommenden Jahrc auf der Karte vorgesehen.

Die Vorderseite der Karte enthalt: (Tabelle 1)

36


A. Die personellen Angaben über das behandelte Kind.

Ai Diese Rubrik dient dem Eintrag organisatorisch-technischer Bemer

kungen:

1. Privatbehandlung PB

2. Behandlungsverweigerung BV

3. Keine Behandlungsindikation KBI. s. Seite 38

4. Abwesend A (Kinder, die z. Zt. der Behandlung

abwesend sind)

Diese Bemerkungen werden mit dem Untersuchungsdatum eingetragen.

B. Die Rubriken für den Zahnuntersuchungsbefund enthalten:

1. Datum der Untersuchung

2. Klasse des untersuchten Kindes

3. Name des untersuchenden Zahnarztes

4. Zahnuntersuchungsbefund (Kreuzschema)

Die Untersuchungszeichen sind:

Bleibende Zdhne: Milch-Zahne:

g gesund jgc

kariös , c

z zerstört ,2—

f gefüllt Jrfc

gefüllt u, kariös Jc

O fehlt

ex extrahiert

D Durchbruch

b beschadigt

Es sind alle sieben Zahne zu kennzeichnen; fchlende Zahne werden

mit O angegeben. Aenderungen am Untersuchungsbefund sind zu vermeiden,

werden sie dennoch notwendig, so ist eine neue Eintragung in

die folgende Sparte zu machen.

C. Die Rubrik' Bemerkungen dient dem Eintrag allgemeiner Feststellungen:

1. Rachitis R

2. Zahnpflege mangelhaft Zm

Nicht jede Hypoplasie ist als Rachitis zu wertcn; sind alle 6er oder

alle Schneidezahne hypoplasisch verandert, so ist die zahnarztliche

Diagnose „Rachitis" gegeben.

37


D. Die Rubriken für den Gebissuntersuchungsbefimd dienen dem Eintrag

von:

1. Kieferanomalien

2. Stellungsanomalicn der Zahne

3. Hypoplasicn der Zahne

Die Zahne werden nach Zahn-Ziffer in das Kreuzschema einge-

tragen, z.B.:

4. Zahnflcischbehandlungen

j . Zahnsteinablagerungen.

6 21 | 12 6

6 | 6

Stellungsanomalicn können bei 6-jahrigcn Kindern meist nicht einwand-

Irei diagnotisiert werden und sind demgemass erst z. Zt. der Diagnose-

möglichkeit einzutragen.

Zahnfleischerkrankungen und Zahnsteinablagerungen sind mit Bleistift

einzutragen, da sie bei der folgenden Kontrolluntersuchung neu festgestellt

werden müssen.

Keine Behandlungsindikation trotz Erkrankung des Gebisses ist gegeben,

wenn ausschliesslich erkrankte Milchzahne vorhanden sind (Sehmerzfalle

ausgeschlossen). Die Behandlungsindikation ist bedingt durch die Vordring-

lichkeit, da die Jugendzahnpflege eine soziale Massnahme darstellt.

Die Rückseite der Karte enthalt: (Tabelle 2)

Ein weit aufgeteiltcs Schema des Gebisses nach dem Kreuzschema.

A. Das bleibende Gebiss ist hierbei mit arabischen,

B. das Milchgebiss mit römischen Ziffern gekennzcichnet.

Die einzelnen Behandlungssitzungen werden mit Angabe des Datums

und der jeweiligen zahnarztlichen Verrichtung genau registriert in der

Rubrik des betreffenden Zahnes.

1. E üllungen:

3S

Am Amalgamfüllung

Si Silicatfüüung

Zm Zementfüllung

Uf Unterfüllung •

W'f Wurzelfüllung (rot unterstreichen)


B

TABELLE 2

--— -- " 6 -

8

7

V 5 v

' V

- - " 4 | v

'" - ' 3 ^

, ~ - ; 1—

1 I A M A - H

!•

[ 1 I

I ] !

M

s

- :

- - 2 . " ' • ||

6

7

l.

111

c


a) Lokalisation der Füllung ist in Klammern anzugeben:

zentr. zentral

pal. palatinal

buc. buccal

ling. lingua!

lab. labial

mes. mesial

dist. distal

coel. cotcal

b) Politur = pol.

i. Divitalisation:

As Arsen

Dev. Devidon (rot unterstreichen)

3. W urzelbehandlung: Medikament wird abgekürzt angegeben

4. Operative Handlungcn:

Ex Extraktion

KoE kleiner operativcr Eingriff

MoE mittlerer „ „

GoE grosser „ „

Loc Localanasthesie

Ltg Leitungsanasthesie

V Vereisung

Wh Wundbehandlung

Bstr. Bestrahlung

5. Sonstiges:

Tir Tiranalbehandlung

Trep Trepanation

Besch Beschleifung

A Zahnhals- oder Milchzahnatzung

Rö Röntgcnaufnahme

C. Mundbchandlungseintrag.

Der freibleibendc Raum auf der Karte unten dient dem Eintrag von

Mundbehandlungsmassnahmcn:

40

1. Zahnreinigung ZR

Zahnsteinentfernung

2. Mundbehandlung (Zahnfleisch) MB

3. Orthodontischc Beratung OBer

4. Beratung Ber.


So kompliziert sich diese Dinge in der Beschreibung ansehen, so einfach

hat sich die praktische Handhabung erwiesen.

Die Behandlungskarte ist die Grundlage der Statistik. Sie ist Eigcntum

der Zentralstelle für Jugendzahnpflege und wird bei der jeweiligen Schule

aufbewahrt. Bei Versetzung des Kindes an eine andere Schule wird sie an

die neue Schule gegeben.

Die Karte steht zur Einsichtnahme den von der Zahnarztekammer

beauftragten Zahnarzten zur Verfügung.

Das MelJeformular.

Das Meldeformular gibt Aufschluss über: (Tabelle 3)

1. Die Untersuchungsbefunde

2. Die Arbeitsleistung

Es kann verwandt werden zu:

1. Tagesmeldungen

2. Monatsmeldungen

3. Schulabschlussmeldung.

Die Kennzeichnung erfolgt jeweils durch Stempelaufdruck.

Die wichtigste Voraussetzung, die ein solches Formular haben muss, ist

die Vollstandigkeit. Samtliche Eintragc, die in der Karte vorgesehen sind,

wurden auch in das Meldeformular aufgenommen. Ich selbst bin kein

Statistiker und habe deshalb alle bemerkenswerten Eintragc der Karte auf

das Meldeformular übertragen. Nicht alle diese Eintragc werden statistische

Bedeutung gewinnen. Ich glaube aber, dass das Formular auf diese

Weise die Vielseitigkeit in der Vcrwcndung besitzt, die ihm zukommen

soll, da jede Eintragungsmögliehkeit vorgesehen ist. Ferner ist dadurch eine

Vereinfachung des bürotechnischen Arbeitsteils gegeben, da der arbeitende

Praktiker draussen nicht mit mehreren Formularen belastet ist und sich

arbeitsmassig mit dem einen Formular in relativ kurzer Zcit vertraut

machen kann.

A. Der Kopf des Formulares enthdlt:

1. Angabe über Ort und Zeit der Tatigkeit, sowie die Anschrift der Schule

und Angabe der behandelten Altersklasscn.

2. Nummer der Klinik und Name des Zahnarztes und der Helferin.

3. Die Kennzeichnung Tages-, Monats- oder Schulabschlussmeldung, die

durch Stempelaufdruck vorgenommen wird.

4i


B. Die obere Rubrik ist zur Aufnahmc der Untersuchungsbefunde vorgesehen

und enthalt ausserdem technische und hygiënische Feststellungen.

Ausserdem ist in die letzte Sparte die Zahl der behandelten Kinder einzutragen.

C. Die untere Rubrik dient dem Eintrag der Arbeitsleistung, der auch die

Aufklarungstatigkeit zugerechnet wird. Die Sparte „Behandlungsfalle" ist

für den Eintrag der Behandlungssitzungen vorgesehen.

D. Der Raum für Bemerkungen dient dem Eintrag besonderer Verrichtungen

oder der Begründung des Arbeitsausfalles.

Hier werden eingetragen:

1. Arbeitsleistungen, die in der unter en Rubrik unter Sparte „Sonstigcs"

aufgeführt werden.

2. Ergdnzende Bemerkungen zu der Sparte „Vortrdge" und „Demonstrationen":

a) Thema des Vortrages „Filmvortrag" usf.

b) Zahl der Vortrage.

c) Dauer des Vortrags.

3. Begründung des Arbeitsausfalles:

a) . Erkrankung

b) Verlegung der Klinik

c) Sonstige Abhaltungen.

E. Die Angaben zum Wagen wurden für die spaterc Motorisierung der

transportablen Kliniken vorgesehen.

F. Unter schrift. Die Unterschrift des leitenden Zahnarztes gibt den Meldungen

den Wert eines Dokumentes, das den statistischen Erhebungen zu

Grunde gelegt wird.

Jeder Arbeitstag im Dienste der Jugendzahnpflege ist von dem leitenden

Zahnarzt durch eine Tagesmcldung zu belegen, also auch die Tage,

an denen aus technischen oder sonstigen Gründen nicht gearbeitet oder

nicht voll gearbeitet werden konnte.

Werden Kinder verschiedener Schulen an einem Tage behandelt, so

sind für jede Schule getrennte Tagesmeldungen anzufertigen. Die Zusammenstellung

der Tagesmeldungen einer Schule ergeben die Schulabschluss-

43


meldung; die Zusammenfassung samtlicher Tagesmeldungen die Monatsmeldungen.

Die statistischen Erfassungsformulare.

Nach dem gleichen Prinzip, das der Tagesmeldung zugrunde liegt,

wurden die statistischen Formulare entworfcn.

Die Statistik gewahrt die Möglichkeit einer umfassenden Uebersicht,

Sie ist die Zusammenfassung der Erfahrungen und Feststellungen all der

vielen schaffenden Hande, die oft auf einsamen Posten draussen in den

entlegenen Provinzen sich urn das Wohl der Jugend bemühen.

Diese Zahlen, die von manchen Gegenden überhaupt die ersten Nachrichten

über die Gebisszustande der Jugend übermitteln, werden uns Wegweiser

für die zu lösenden Aufgaben sein. Sie werden uns eine Unzahl

neuer Aufgaben stellen, die wir heute noch gar nicht kennen. Die Statistik

ist eine hervorragende Unterstützung unserer eigenen Arbeitskontrolle und

Arbeitsplanung. Das Ziel der statistischen Arbeit ist die Schaffung realer

Grundlagen. Aus diesen realen Grundlagen vielfaltiger Erfahrungen wird

die wissenschaftliche Arbeit neue Erkenntnisse in den Dienst der Aufgabe

stellen können. Diese Erkenntnisse wieder in die Tat umzusetzen und damit

die Aufgabe weiterzutreiben ist das Ziel, zu dem uns die kommenden Jahre

verhelfen mögen.

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