Daten Schweine Ausgabe 2004.indd - agrigate.ch

agrigate.ch

Daten Schweine Ausgabe 2004.indd - agrigate.ch

Rassen und Schweinezucht Daten Schweine

3.2 Die Organisation der Zucht

Das Herdebuch umfasst die beiden Stufen Kernzucht und Vermehrungszucht. Die Mastferkelproduktion

mit dem grossen Teil der Muttersauen ist nicht im Herdebuch.

Abbildung 4: Zuchtpyramide mit 3 Zuchtstufen und den Remontierungspfaden für weibliche und

männliche Zuchttiere mit den angestrebten Zahlen.

Kernz.

3'000 S.

Vermehrung

12'000 Sauen

Produktion

105'000 Sauen

Die beiden Herdbuch-Stufen haben folgende Aufgaben:

Kernzucht: Erarbeitung des Zuchtfortschrittes durch intensive Prüftätigkeit in der Prüfstation sowie

im Feld, Bereitstellung von Zuchttieren für die KB und die Vermehrungszucht.

Vermehrungszucht: Vermehrung der Zuchttiere für die Mastferkelproduktion, Lieferung von qualitativ

hochstehenden Daten vor allem im Reproduktionsbereich in den Herdebuch-Datenpool, Reserve

für die Kernzucht.

Tabelle 4: Anzahl Herdebuch Sauen am 1.7.2003, aufgeteilt nach Rasse und Zuchtstufe

Zuchtstufe ES ESV SL Duroc Total HB*

HB-

Betriebe

HB-Sauen

/Betrieb

Kernzucht 2’625 320 412 50 3’409 49 70

Vermehrung 10’366 72 904 106 11’463 196 58

Total 12’991 392 1’316 156 14’872 245 61

* inklusive Hampshire

Zuchtprogramm

Vor der Definition des Zuchtzieles für eine Zuchtpopulation muss festgelegt werden, mit welchen

Rassen oder Zuchtpopulationen gearbeitet werden soll. Neben der Reinzucht mit einer Rasse stehen

verschiedene Kreuzungsschemas zur Auswahl.

Abbildung 5: Schema der 2-, 3- oder 4- Rassenkreuzung

A B

A B

A B A B C

AB

C

Rasse

A

Rasse

B

A B C D

8 2004, LBL

AC

BD

Rasse

C

Rasse

D


Daten Schweine Rassen und Schweinezucht

Bei der Reinzucht müssen im selben Tier sowohl gute Mast- und Schlachtleistungen sowie gute Reproduktionsleistungen

genetisch verankert werden. Die gleichzeitige weitere Verbesserung von Produktions-

und Reproduktionsleistung wird jedoch mit steigendem Leistungsniveau unserer Populationen

immer schwieriger.

Bei der 2-Rassen-Kreuzung werden die Kreuzungstiere gemästet und geschlachtet. Der Heterosiseffekt

führt zu robusteren Tieren und somit geringeren Abgängen vor allem während der Aufzucht.

Der bedeutendere Heterosiseffekt bei den Reproduktionsmerkmalen kann jedoch nicht genutzt werden.

Erst der Einsatz von gekreuzten Muttertieren für die Mastferkelproduktion nutzt den Heterosiseffekt

auf die Reproduktionsmerkmale. Diese gekreuzten Muttertiere kommen in der 3- und in der 4-Rassenkreuzung

zum Einsatz. Diese beiden Kreuzungschemas haben sich im Ausland schon lange

durchgesetzt. In der Schweiz ist der Anteil an Kreuzungssauen in der Mastferkelproduktion immer

noch gering aber steigend.

In einer 3- oder 4-Rassen-Kreuzung werden gewisse Zuchtpopulationen ausschliesslich zur Erzeugung

von Vatertieren der Mastendprodukte (Vaterlinien) und andere ausschliesslich zur Erzeugung

der Muttertiere der Mastendprodukte (Mutterlinien) gezüchtet. Abbildung 2 zeigt das in der Schweiz

angestrebte Zuchtprogramm. Als Vaterlinien (VL) kommt in erster Linie die Rasse Edelschwein Vaterlinie

(ESV) oder eine andere Endproduktelinie in Frage. Bei den Mutterlinien (ML1 und ML2) sind

unsere beiden einheimischen Rassen Edelschwein in Richtung Mutterlinie gezüchtet oder die Landrasse

bestens geeignet. Dank dem Einsatz einer F1-Kreuzungssau (z. B. ES x VLS) in der Mastferkelproduktion

kann so der Heterosiseffekt genutzt werden.

Tabelle 5: Heterosiseffekt nach Literaturangaben

Merkmal

individuelle

Heterosis %

maternale

Heterosis %

Fruchtbarkeit 3-5 5-10

Überlebensrate bis zum Absetzen 7-15 3-8

Wurfgewicht beim Absetzen 8-15 15-20

Mastleistung 5-10 0

Abbildung 6: Angestrebtes Zuchtprogramm mit einer Edelschwein (ES) und Landrasse (SL)

Mutterlinie (ML1 und ML2) und einer ES Vaterlinie (VL).

Kernzucht

Vermehrung

Mastferkelprod.

VL VL

VL

ML ML11 ML ML11 ML ML22 ML ML22

Mast Mast

ML1

ML ML22

LBL, 2004 9

F1 F1

SGD AR

SGD AR

SGD A


Rassen und Schweinezucht Daten Schweine

Auf der Stufe der Mastferkelproduktion steht die grosse Mehrheit der Muttersauen und Mastschweine.

Die Festlegung der Zuchtziele in den Ausgangslinien hat sich somit vor allem auf die Auswirkung

der Zuchtarbeit in der Mastferkelproduktionsstufe auszurichten.

Bei der Vaterlinie ist vor allem eine gute Mast- und Schlachtleistung sowie gute Fleisch- und Fettqualität

gefragt. Die Reproduktionsleistung weiblicher Tiere ist in der Vaterlinie von untergeordneter Bedeutung

und wird deshalb meistens nicht ins Zuchtziel integriert.

In der Mutterlinie ist vor allem eine gute Reproduktionsleistung gefragt. Doch auch die Mast- und

Schlachtleistung darf nicht ganz vernachlässigt werden, da die Masttiere in der Mastferkelproduktion

50 % ihrer Gene von den Mutterlinien erhalten.

Die lineare Beschreibung, die im Frühjahr 2000 eingeführt wurde, wird bei allen stationsgeprüften

Tieren und den Zuchtkandidaten im Feld bei Prüfende durchgeführt. Um den Aufwand dieser Prüfung

im Rahmen zu halten, werden im Feld nur die allerwichtigsten Merkmale erhoben (4 Merkmale

der Hintergliedmassen und 4 Merkmale der Zitzen). In der Prüfstation werden zusätzliche Merkmale

beschrieben bzw. gemessen (Vordergliedmassen und Gang, 2 Typmerkmale).

Kernzuchtbetriebe sind verpflichtet, die lineare Beschreibung bei sämtlichen aufgezogenen Zuchtkandidaten

durchzuführen. Vermehrungsbetriebe können sich auf freiwilliger Basis ebenfalls an dieser

Prüfung beteiligen.

Im Frühjahr 2000 wurden die Gesamtzuchtwerte neu getrennt für Vater- und Mutterlinie definiert, auf

den 1. Juli 2001 erfolgte die Integration der Exterieurmerkmale. In Vaterlinien werden dann nur die

Produktions- und Exterieurmerkmale berücksichtigt. In den Mutterlinien werden alle 3 Merkmalskomplexe

Reproduktion, Produktion und Exterieur berücksichtigt.

Gesamtzuchtwerte sind die mathematische Umsetzung der Zuchtziele. Gesamtzuchtwerte definieren,

wie stark die Zuchtwerte in den einzelnen Merkmalen gewichtet werden. Die Gewichtung der

Merkmale sollte aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung erfolgen.

KB in der Schweinezucht

Die künstliche Besamung ist eine wirkungsvolle Reproduktionsmethode und heute als modernes

Hilfsmittel aus dem Schweinezuchtbetrieb nicht mehr wegzudenken. Beim Schwein wird mit Frischsperma,

welches bei richtiger Lagerung mindestens 3-4 Tage haltbar ist, gearbeitet.

Abbildung 7: Entwicklung der Schweine-KB in der Schweiz, absolut und mit dem Anteil KB in %

400'000

300'000

200'000

100'000

0

20

22

Blisterverkauf

Anteil KB%

27

33

1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002

36

Der Anteil der künstlichen Besamung hat sich in den letzten 10 Jahren von 20 % auf 45 % mehr als

verdoppelt. Absolut gesehen werden heute dreimal mehr Samenportionen abgesetzt als 1994. Die

beachtliche Grenze von 300’000 wurde bei einem Sauenbestand von rund 120’000 im Jahr 2002

überschritten. Die Preise sind seit 1993 um ein Drittel gesunken.

10 2004, LBL

37

42

45

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine