Erfahrungsaustausch: Projekte zur regionalen ... - agrigate.ch

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Erfahrungsaustausch: Projekte zur regionalen ... - agrigate.ch

Es gibt mehr als zwei Erfolgsfaktoren für PRE’s - und viel Gesprächsstoff zu Knackpunkten beim Umsetzen

Zum dritten Mal sind Ende Mai

Coaches, Projektleiter, kantonale

Amtstellen, Berater und andere

Interessierte mit Jörg Amsler und

Gustav Munz vom BLW zusammen

gekommen, um sich über Ihre Erfahrungen

in der Ausarbeitung

und Umsetzung von PRE’s in Disentis

auszutauschen.

Dabei konnten die Teilnehmenden den

aktuellen Stand des «Center Sursilvan

d’Agricultura»- Projektes «mittendrin»

erleben. Dieser vom Bündner Architekten

Caminada entworfene Multifunktionsraum

war selbst als Teilprojekt

eines PRE’s konzipiert und diente als

Kursraum. Zusätzlich zum Gebäude und

zum angrenzenden landwirtschaftlichen

Betrieb, konnten die Kursteilnehmenden

ein zweites Teilprojekt «probieren»:

Der von Landwirten ins Leben gerufene

und geleitete Cateringservice AMAREN-

DA überzeugte mit feinen regionalen

Produkten. Auch die Teilprojekte «Käserei»

und «Obstbrennerei», die noch am

Anfang der Umsetzung stehen, wurden

besucht. Da stets engagierte Akteure vor

Ort waren, wurden wichtige Erfahrungen

ausgetauscht und angeregte Diskussionen

geführt.

Anschliessend präsentierten Aurelio Casanova

und Hanspeter Caduff vom Kanton

Graubünden und Curdin Foppa von der

kantonalen Beratung Plantahof Möglichkeiten

und Herausforderungen, die sich

ihnen bei der Betreuung des Projektes in

Disentis und bei den aktuell neun laufenden

Projekten in Graubünden boten. In

einem interessanten Beitrag empfahlen

sie, den Kanton möglichst bald in ein

Projekt mit einzubeziehen, um gemeinsam

zu realisierbaren Projektvorschlägen

zu kommen.

Vernetzung und Rollen

Am zweiten Tag wurden in den Workshops

noch drei weitere Projekte vorgestellt und

die Herausforderungen in den verschiedenen

Projektphasen gemeinsam besprochen.

Dabei stellte sich heraus, dass die

Vernetzung von Teilprojekten schwierig

sein kann. Weiterhin wurden die Rollen

der Coaches und der Projektleitung vor

und während der Umsetzungsphase und

die Abstimmung zwischen Bund, Kanton

und Projektleitung angesprochen.

Die gesamtschweizerische Sicht auf das

Instrument PRE lieferten die engagierten

Beiträge von Jörg Amsler und Gustav

Munz. Sie standen für Fragen der Kursteilnehmenden

im Plenum und in vielen

Einzelgesprächen zur Verfügung, was

sehr geschätzt wurde. Aktuell sind 159

Projektskizzen eingereicht, davon 61

mit der Ausrichtung auf ein PRE. In der

Umsetzung befinden sich aktuell, neben

den Pilotprojekten «Brontallo» und «Val

d’Hérens», vier weitere Projekte. Dies

zeigt bereits, dass das Instrument PRE

rege genutzt wird, die Ausarbeitung aber

oft sehr zeitintensiv ist.

Das Thema

Erfahrungsaustausch: Projekte zur regionalen Entwicklung (PRE)

Vielfalt diskutiert und erlebt

PRE-Info

Grundlage: Art. 93 Abs. 1c LwG

Ablauf: 1) Projektskizze für gemeinschaftliche

Projektinitiativen, nach

Bewilligung dieser Projektskizze ➜

Eintritt in 2) Vorabklärung, in der

das BLW ein Coaching finanziell unterstützt.

➜ 3) Grundlagenetappe mit

Abschluss einer Vereinbarung ➜ 4)

Umsetzung.

Links & Termine:

• BLW: http://www.blw.admin.ch/

themen/00233/00314/index.

html?lang=de

• Agrigate: http://www.agrigate.ch/

de/806/1018/1021/

• 4 Regionalseminare des SBV, am

21./22./28./29.10.2010

Über die zwei Kurstage zeigte sich: Das

Instrument PRE schafft hervorragende

Bedingungen für die Umsetzung eines

breiten Spektrums an Ideen im ländlichen

Raum. Dies gilt besonders für «klassische

Wertschöpfungsketten» wie Milch- und

Fleischverarbeitung, Wein- und Obstbau

bzw. -verarbeitung oder für innovative

Ideen, wie vernetzte agrotouristische

Angebote oder der Aufbau des Betriebszweiges

Fischzucht.

Neu in den PRE’s ist die verstärkte Unterstützung

einer branchenübergreifenden

Zusammenarbeit. Wertschöpfungsketten

können effizienter aufgebaut und genutzt

werden. Dadurch kann die regionale Anbindung

der Landwirtschaft an die erste

Verarbeitungsstufe so gestärkt werden,

dass beide Partner davon profitieren.

Die Diskussionen zwischen den Parteien

sind oft anspruchsvoll und brauchen Zeit

und Geduld, da die Verhandlungen häufig

von Vorurteilen geprägt sind. Gerade hier

braucht es das Gespür der Projektleitung

oder des Coaches und die Bereitschaft,

viele Gespräche zu führen. Von den direkt

beteiligten Akteuren fordert es Offenheit

und den Mut alte Grenzen zu überschreiten,

um sich bietende Chancen auch nutzen

zu können.

Win-win Situation

Doch welche Chancen bietet ein PRE? Für

Betriebe, die sich in einem PRE engagieren

besteht die Möglichkeit, die üblichen

Einschränkungen der SVV an manchen

Stellen zu überwinden. So können besonders

kleine Betriebe, die unter 1.25

SAK liegen vom PRE profitieren, wenn sie

sich mit anderen Betrieben organisieren

und ein gemeinschaftliches Projekt auf

die Beine stellen. Durch innovative Ideen

kann wiederum der Gewerbebetrieb profitieren,

wenn die Landwirtschaft entsprechend

am Projekt beteiligt ist. So entsteht

langfristig eine «win-win-Situation» für

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Fotos: Silke Hein, AGRIDEA

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agil 07/10


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Das Thema

Umfrage

Wodurch gedeihen Projekte zur regionalen Entwicklung (PRE)?

?

Wer am besten zusammenspielt,

punktet.

«Die gemeinschaftliche

Zusammenarbeit ist anspruchsvoll.

Wie beim

Fussballspiel reüssiert

nicht die Mannschaft,

welche die besten Einzelspieler hat,

sondern die Mannschaft, die am besten

zusammenspielt. Meine persönliche Erfahrung:

Es braucht drei, vier Leute, die

am Seil ziehen und vorwärts stampfen,

flankiert von einem Projektleiter /einer

Projektleiterin, die integrierend wirkt.

Die Mehrheit schwimmt mit, unterstützend,

abwartend, neugierig, erwartungsvoll,

skeptisch. Die Projektgegner sind

vorwiegend erfolgreiche Einzelkämpfer.

Man muss sie ernst nehmen, − wichtiger

sind aber die Leute, die das Projekt

mittragen.»

Wendelin Hinder, Landwirtschaftsamt

Schaffhausen

die beteiligten Partner. Falls diese «Offenheit»

einmal zu Verunsicherungen

führt, hilft oft: reden, reden, reden… und

zwar mit allen Anspruchgruppen, mit den

Gemeinden, den kantonalen Amtstellen

und mit dem BLW.

Herausforderung Businessplan

Die Leitung eines solchen Projektes ist

eine besondere Herausforderung. Die Projektidee,

das Projektziel und einzelne

Etappenziele, sowie die Wirtschaftlichkeit

und Tragbarkeit eines Teilprojektes

in einem PRE müssen durch einen

Businessplan und entsprechende Berechnungen

dargelegt werden. Hier sind

Projektleitung und Coach gefordert, denn

die Projektträgerschaften brauchen für

Kommentar

Initiativ starten, kommunikativ

agieren und

gut im Detail planen.

«Ein wichtiger Aspekt

ist sicher, dass die Initiative

von Landwirten und

interessierten Personen

kommt, so dass ein Projekt zur regionalen

Entwicklung auch von diesen getragen

wird. Diesbezüglich gilt es, auf

kantonaler Ebene die «Strategie PRE»

bekannt zu machen. Von Projektbeginn

an ist die Kommunikation von zentraler

Bedeutung und der Faktor Zeit darf nicht

unterschätzt werden. Speziell ist auf die

detaillierte Ausarbeitung der einzelnen

Teilprojekte, die so genannte Grundlagenetappe,

Wert zu legen.»

Susanne Konrad, Dept. Volkswirtschaft

und Inneres des Kantons Glarus, Abt.

Landwirtschaft

die Erstellung solcher Dokumente meist

tatkräftige Unterstützung. Die kritischen

Punkte zur Erstellung eines solchen Dokumentes

wie auch Knackpunkte in den

einzelnen Phasen eines PRE wurden am

Kurs beleuchtet. Dabei wurde herausgestellt,

dass der Inhalt des Businessplans

vor allem den Projektträgern zur Einschätzung

ihres Projekterfolges dient.

Noch während der Umsetzungsphase können

bei Veränderungen Anpassungen

vorgenommen werden, um das Projektziel

dennoch zu erreichen.

Eine grosse Herausforderung für den

Coach ist die Einhaltung der Rollen. Gross

ist die Verlockung, eine tolle Idee zu

lancieren, die von den Akteuren vor Ort

nicht wirklich getragen wird. Das ist ein

Verantwortung bei Basis lassen, Synergien ermöglichen

Während der Grundlagenetappe in einem

PRE müssen in der Geschäftsleitung − neben

fachlichen Kompetenzen − Personen

sein, die das Engagement aller Beteiligten

fördern und dabei selbst nicht

ihre Rolle als Zugpferd überbewerten.

In dieser Etappe ist die Nutzung von

Synergien wichtig, sehr anspruchsvoll

und erfordert ein hohes Mass an Kooperationsbereitschaft.

Die meist unterschiedlichen

Teilprojekte sind bezüglich

zeitgleicher Umsetzung herausfordernd.

Durch den Einbezug von Akteuren vor

Ort, welche in enger, partizipativer Zu-

sammenarbeit mit der Geschäftsleitung

agieren, entsteht eine breite Basis für

die Umsetzungsphase. Eine Verteilung

der Aufgaben und ein frühzeitiger Einbezug

von Direktbetroffenen, in der Regel

Landwirte, ermöglicht eine erfolgreiche

Umsetzung. Es ist eine spannende, aber

auch äusserst schwierige Aufgabe, die

PRE’s in der Region zu verankern und

die Verantwortung für ein gutes Gelingen

gemeinsam, mit Unterstüzung eines

Coaches, zu tragen.

Angelika Abderhalden, Fundaziun Pro

Terra Engiadina

Gemeinsame Sichtweise

entwickeln, Akteure

vernetzen.

«Einer der bedeutendsten

Erfolgsfaktoren eines

regionalen Projektes ist,

dass die wichtigen Akteure

der Region gut zusammen arbeiten

und von der Zukunft der Region eine

gemeinsame Sichtweise entwickelt haben.

Die Ziele des regionalen Projektes

müssen mit den Zielen der gesamten

Region und denen der zentralen Akteure

vereinbar sein, damit das Projekt

mitgetragen wird. Entscheidend für den

Erfolg eines regionalen Projektes sind die

notwendigen personellen Ressourcen.

Es braucht jemanden, der das Projekt

mitzieht und es auch führen kann. Diese

Person muss eng mit den verschiedenen

Akteuren der Region vernetzt sein.»

Regula Bollier-Bettler, Engadin Scuol

Tourismus AG

Weg in die Sackgasse, denn Projekte, die

von Personen gezogen werden, die nicht

direkt beteiligt sind, haben langfristig

keine Chance. Der Weg zurück kostet Zeit

und Energie ist oft mit schmerzlichen

persönlichen Erfahrungen verbunden.

PRE schafft Vielfalt

Am Ende beeindruckte die Vielfalt der

Projekte, die das Instrument PRE hervorbringt.

Von «klein» bis «gross», von

«thematisch fokussiert» bis «breit gefächert»

ist alles vertreten. Jede Region hat

ihren eigenen, individuellen Ansatz ein

PRE anzugehen und in die Umsetzung zu

bringen. Allen gemeinsam sind engagierte

Bauernfamilien, Gewerbetreibende und

Behörden – und dass es kein Diktat von

oben gibt! Angesichts der Vielzahl der

eingereichten Projekte können wir uns

in Zukunft bestimmt auf abwechslungsreiche

Erlebnisse mit Auge, Mund und

Ohr freuen, die in den nächsten Jahren

in den unterschiedlichen ländlichen Räumen

entstehen werden.

Silke Hein

Zur Autorin

Silke Hein, arbeitete in

verschiedenen Projekten zur

Entwicklung des ländlichen

Raums (LEADERplus, NRP,

PRE). Bei AGRIDEA, in der

Gruppe «Entwicklung des

ländlichen Raums», engagiert

sie sich als Coach und Projektleiterin

in verschiedenen

Projekten zur Regionalen Entwicklung. Schwerpunkte

sind vernetzte Projekte im Bereich

Agrotourismus, Ökologie sowie der Aufbau und

die Vermarktung von regionalen Wertschöpfungsketten.


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