Bühne - Berliner Zeitung

berliner.zeitung.online.de

Bühne - Berliner Zeitung

mein erstes mal

Barrie Kosky über seine

liebe zu Gustav mahler

Verlagsbeilage März 2013

Bühne

auGenBlicK mal!

Das große Kinder- und

Jugendtheater-Festival

FRühlIng 2013

La Diva

Volksbühnen-Star Sophie Rois

spielt in Castorfs neuer

Inszenierung „Das Duell“

Vorschau

Die wichtigsten Premieren

von März bis September


Den tip Berlin lesen und

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Foto: Wonge Bergmann for Troubleyn / Jan Fabre Vorhang

auf!

Fernsehen macht dumm und hässlich, Theater und Oper machen

glücklich – zumindest ab und zu. Zum Beispiel in Barrie Koskys

zauberhafter „Zauberflöte” an der Komischen Oper. Wir haben den

Intendanten der Komischen Oper nach seinem ersten Mal gefragt –

und er hat uns erzählt, wie er mit 15 Jahren seine Liebe zur Musik

Gustav Mahlers entdeckt hat. Ein anderes zuverlässiges Antidepressivum

sind die Bühnenauftritte von Sophie Rois an der Volksbühne.

Es soll Menschen geben, die sich in Notlagen und Krisensituationen

überlegen, was Sophie Rois jetzt wohl an ihrer Stelle machen würde.

Das hilft. Christine Wahl hat Sophie Rois für diese Beilage porträtiert

und ehrlicherweise erst gar nicht versucht, ihre Verehrung hinter

scheinbarer Objektivität zu verstecken.

Was Berlins Bühnen in den nächsten Monaten zu bieten haben, können

Sie in diesem Heft entdecken – und alle 14 Tage im tip.

InhalT

PorTräT Seite 4

Sophie Rois

orTSBESIChTIGUnG Seite 6

The English Theatre

KIndErThEaTEr Seite 7

Das Festival „Augenblick mal!“

UnSErE hIGhlIGhTS Seite 8

Jochen Sandig und Folkert Uhde

hIGhlIGhTS Seite 9

Ausgewählte Bühnen-Ereignisse im Überblick

VorSChaU Seite 16

Premieren von März bis September

MEIn ErSTES Mal Seite 22

Barrie Kosky

IMPrESSUM VErlaGSSondErBEIlaGE TIP BÜhnE

tip Verlag GmbH & Co. KG

Karl-Liebknecht-Straße 29, 10178 Berlin

Redaktion Stefanie Dörre, Robert Weixlbaumer

(V.i.S.d.P.), Peter Laudenbach

Termine Ronald Klein, Dirk Teuber (Ltg.)

Produktion & Layout Raufeld Medien GmbH,

Paul-Lincke-Ufer 42/43, 10999 Berlin

Grafik Caroline Reichardt, Anna Trautmann

07·13 tip Bühne

Anzeigenleitung Martin Stedler

Anzeigenverkauf Kristina Lorenz,

Susann Rack, Michelle Thiede, Valérie Wesp

Geschäftsführung Robert Rischke,

Michael Braun, Stefan Hilscher

Druck Frank Druck GmbH & Co. KG

Titelfoto Gunnar Geller

Intro 3

Stiftung Schloss Neuhardenberg

Thema Theater

PROGRAMM | EINE AUSWAHL

MäRz – JUNI

15.–17. März, 20 Uhr / 22.–24. März, 20 Uhr

Schinkel-Kirche

Samuel Beckett

Das letzte Band

mit Klaus Maria Brandauer

Regie: Peter Stein

6. April, 17 Uhr, Großer Saal

Madame Bovary

Sophie Rois liest Gustave Flaubert

7. April, 17 Uhr, Großer Saal

Dracula

Matthias Brandt liest Bram Stoker

Jens Thomas, Klavier

27. April, 20 Uhr, Schinkel-Kirche

Avishai Cohen Trio

Seven Seas

28. April, 19 Uhr, Schinkel-Kirche

Parlami d’amore

Geschichten, Lieder und

Gedichte über die Liebe

mit Etta Scollo, Joachim Król,

Hinrich Dageför, Susanne Paul

und Cathrin Pfeifer

4. Mai, 17 Uhr, Großer Saal

Ja, wie jetzt?

Wolfgang Trepper solo

5. Mai, 20 Uhr, Schinkel-Kirche

The Touré-Raichel Collective

Desert Blues meets Middle East

9. Mai, 15 Uhr Fußball

18 Uhr Lesung und Gespräch

Anstoß! Leder rollt.

50 Jahre Bundesliga

u.a. mit Uli Borowka, Dieter Burdenski,

Klaus Döring, Wolfram Eilenberger,

Dieter Eilts, Matthias Herget,

Norbert Kron, Peter Lohmeyer,

Ingo Metzmacher, Moritz Rinke,

Michael Schulz und Norbert Seitz

26. Mai, 19 Uhr, Schinkel-Kirche

Reinhardt Repkes

Club der toten Dichter und

Dirk Darmstaedter

Freude schöner Götterfunken

Friedrich Schiller neu vertont

29. Juni, 20 Uhr, Schinkel-Kirche

L’Orchestre

d’Hommes-Orchestres

performs Tom Waits

Information und Verkauf

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3

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Foto: © Lucille Reyboz


Porträt Sophie Rois


Foto: Antje Berghäuser / laif

Garantiert keine

authentische Kuh

Wenn ein Schauspieler – „relativ schlecht bezahlt“ – auf der Bühne

steht und sagt: „Jetzt zeige ich euch etwas über Wirtschaft, Liebe,

Leben und Geld“, dann stelle sich bei ihr reflexartig Skepsis ein, hat

Sophie Rois mit ihrer legendär kratzigen Stimme mal gesagt. Und

zwar völlig zu Recht! Denn wer erleben durfte,

wie sich die Schauspielerin in Frank Castorfs

Dostojewski-Adaption „Der Spieler“ an einem

Roulettetisch binnen weniger Minuten mit steigendem

Erregungsgrad in den Ruin hyperventiliert,

hat in aller Beiläufigkeit mehr über Zockermentalitäten,

Bankencrashs und Wirtschaftskrisen

erfahren als aus sämtlichen redlichen Bühnenversuchen

andernorts zusammen. Und über

das Theater sowieso!

Undenkbar, dass sich Sophie Rois – 1961 in

Österreich geboren und seit zwanzig Jahren Protagonistin

im Castorf-Ensemble an der Berliner

Volksbühne – je zur Erfüllungsgehilfin unterkomplexer

Regie- oder Autorenfantasien machte!

Spielen kann die Ausnahme-Akteurin zwar wirklich alles – von Genets

„Zofen“ in einer eher unschrägen Luc-Bondy-Inszenierung bis

zur dreiecksbeziehungsbeflügelten Kulturjournalistin Hanna in Tom

Tykwers Film „Drei“. Und wenn Sophie Rois im Brandenburger „Polizeiruf“

die angestammte Kommissarin vertritt, gelingt es ihr selbst

noch beim ausdauernden Spreewaldgurkenkauen, lässig jedes Klischee

auszuhebeln. Von welcher anderen Schauspielerin ließe sich

das, mit Verlaub, ernsthaft behaupten? Aber eines ist Sophie Rois

tatsächlich völlig unmöglich: sich ihren Figuren naiv anzudienen.

Oder, um mit dem Autor und Regisseur René Pollesch zu sprechen,

der nicht umsonst zu ihren bevorzugten Arbeitspartnern gehört: die

„authentische Kuh“ zu geben.

„Wenn sie einen Satz nicht sagen will, sagt sie ihn nicht“, wissen

wir von Rois’ ehemaligem Ensemble-Kollegen, dem Regisseur Herbert

Fritsch, aus den Proben zur „(S)panischen Fliege“. In diesem rechtmäßig

zur Kultveranstaltung avancierten Volksbühnen-Schwank brilliert

Rois als sittenstrenge Gattin des Senffabrikanten Ludwig Klinke,

der seinerseits eine außereheliche Frühaffäre unter den Teppich zu

kehren versucht. „Etwas so Banales so speziell machen“, schwärmt

Fritsch, „kann nur sie!“

Geradezu zwingend, dass dieses „Spezielle“ Anfang der 90er-

Jahre nirgends anders als an der Berliner Volksbühne seinen Platz

findet, wo Frank Castorf justament das Theater neu erfindet. „Ich

dachte: Ach so, so kann Theater sein, jetzt macht diese Live-Veranstaltung

Sinn“, hat Sophie Rois diesen persönlichen „Befreiungs-

Sophie Rois Porträt

Sophie Rois ist keine Theaterdienstleisterin – sondern eine Berliner Diva aus

eigenem Recht. Wir überreichen ihr ein paar Blumen der Verehrung

»Etwas Banales so

speziell machen,

das kann nur sie«

Rois-Fan und Regisseur

Herbert Fritsch über

Sophie Rois

schlag“ einmal auf den Punkt gebracht. Sie ist einunddreißig, als sie

ins Castorf-Ensemble kommt. Hinter ihr liegen eigenen Bekundungen

zufolge absolut stilprägende Kindertheater-Jahre in Linz („Manche

werfen mir heute noch vor, ich hätte das nicht so ganz abgelegt“) und

eine grundsolide Schauspielausbildung am renommierten

Max-Reinhardt-Seminar in Wien.

Heute gehört Rois zu den wenigen der Branche,

die ihren Figuren völlig selbstverständlich Größe

verleihen; das ist bei ihr quasi ein organischer

Vorgang. „Ich mag einfach diese Küchenpsychologie

nicht, die sich überall breitmacht“, hat die

Schauspielerin unlängst dem „Kulturspiegel“

erklärt. „Im Theater bringt man damit alles zum

Schrumpfen, weil man damit immer Erklärungen

abliefert.“

Komplett erklärungsbedarfsfrei war denn

auch die Entscheidung der betreffenden Jury,

Sophie Rois mit dem Berliner Theaterpreis 2012

auszuzeichnen. Jetzt steht sie endlich in einer

neuen Frank-Castorf-Inszenierung auf der Bühne: „Das Duell“ nach

einer Erzählung von Anton Tschechow. Aneinandergeraten dort ein

schwermütiger arbeitsscheuer Kognak-Liebhaber und ein Zoologe mit

dem interessanten Forschungsschwerpunkt „Embryologie der Quallen“.

Klingt überaus speziell. Nach Rois eben. 1 Christine Wahl

2 Das Duell

Volksbühne, 27.3. (Premiere), 30.3., 5., 13. und 20.4., 19.30 uhr,

Karten-Tel. 240 65 777

SoPhie RoiS

Sophie Rois, Jahrgang 1961, gehört seit 1993 zum Ensemble

der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und spielte in

vielen großen Inszenierungen von Frank Castorf, Christoph

Schlingensief, Christoph Marthaler und René Pollesch.

1998 spielte sie die Buhlschaft im „Jedermann“ bei den

Salzburger Festspielen.

2012 war sie als Kriminalhauptkommissarin Tamara Rusch im

„Polizeiruf 110“ zu sehen.

07·13 tip Bühne Porträt 5


Ortsbesichtigung The English Theatre

„Es gibt mittlerweile viele Viertel in Berlin“,

stellt Günther Grosser fest, „in denen Englisch

die Erstsprache zu sein scheint.“ In der

Gegend rund ums Schlesische Tor beispielsweise

höre man nicht mehr viel Deutsch.

Nach Schätzungen leben rund 150 000 englische

Muttersprachler in der Hauptstadt,

dazu kommt noch mal eine enorme Zahl von

spanischen oder italienischen Expats, die

sich ebenfalls auf Englisch verständigen.

Grosser kann die fortschreitende Internationalisierung

Berlins nur recht sein. Er ist

künstlerischer Leiter des English Theatre in

der Kreuzberger Fidicinstraße, wo Native

Speaker für ihresgleichen und den Pool anglophiler

Zuschauer Theater machen. Pionierarbeit

für die Globalisierung – bereits

seit 20 Jahren.

Grosser hat ursprünglich Philosophie in

Tübingen studiert, dann verschlug es ihn zu

einer Theatertruppe in die Off-Off-Szene

New Yorks, wo jeder für alles verantwortlich

war: „vom Kartenabreißen bis zum Regieführen“.

Ende der 80er kehrte er zurück nach

Deutschland und dockte in Berlin bei einer

Company namens Berlin Play Actors an.

Mit dem Mauerfall sahen Grosser und

sein Mitstreiter Bernd Hoffmeister die Chance

gekommen, einen festen Spielort für die

englische Community zu etablieren. So entstand

1990 in einem Hinterhof der Fidicinstraße

40 eine Offbühne mit dem charman-

STEcKBriEf

6 Ortsbesichtigung

Native Speakers

Theater zu entdecken – das English Theatre Berlin hält, was der Name

verspricht: Hier wird auf der Bühne nur englisch gesprochen

Gegründet:

1990 als Friends of the Italian Opera

Künstlerische Leitung:

Günther Grosser

Besondere Kennzeichen:

English only

Starker Auftritt

Ten-Minute Play Contest

Sitzplätze:

150, Studiobühne: 60

Eintrittspreise:

14, ermäßigt 8 Euro

Adresse:

Fidicinstraße 40, 10965 Berlin,

www.etberlin.de, Karten-Tel. 691 12 11

ten Namen Friends of Italian Opera – der

Deckbezeichnung für die Mafia aus Billy

Wilders Komödie „Manche mögen’s heiß“

entlehnt. Aus nachvollziehbaren Gründen

wurde das Haus 1993 allerdings zum unverfänglicheren

English Theatre Berlin (ETB)

umgetauft. Seit 2006 bespielen die Künstler

eine barrierefreie Halle auf dem gleichen

Gelände – zusammen mit dem Theater

Thikwa.

Der Schwerpunkt der Eigenproduktionen

und internationalen Gastspiele lag am ETB

dabei stets auf der klassischen Moderne:

Tennessee Williams, Eugene O’Neill, Harold

Pinter. Auf straightem Storytelling. Mit Erfolg.

Das schwarzhumorige Monolog-Stück „Talking

Heads“ des Briten Alan Bennett hält

sich in der Regie von Grosser bereits seit vier

Jahren auf dem Spielplan. Darüber hinaus

steht das ETB für konsequente Förderung

junger Autoren. Zum Beispiel mit der Reihe

„Lab“, die bislang unproduzierte „Schubladen-Stücke“

in szenischer Lesung vorstellt.

Manche davon schaffen es auf die ETB-Bühne.

Wie die Groteske „How Klaus Found His

Blackness and Outlived the Nazis“ des afroamerikanischen

Autors Alexander Thomas,

die im kommenden Jahr produziert wird.

Eine tolle Newcomer-Plattform ist auch

der alljährliche Ten-Minute Play Contest:

Fünf höchstens zehnminütige Stücke werden

unter einer Vielzahl von Einsendungen

für die szenische Einrichtung ausgewählt.

In diesem Jahr unter dem Motto „Berlin

Was Yesterday: Expatriate Traffic From the

Kaiser to Kotti“. Inszenieren wird die Berliner

Performance-Truppe Shakespeare im

Park. Was gleich auf zwei Neuheiten verweist:

Zum einen wird das ETB sich in den

kommenden Jahren erstmals einen Themenschwerpunkt

setzen und die Situation

der Expats als Migranten eigener Art bespiegeln.

Zum anderen will Grosser – der

jüngst den 33-jährigen Amerikaner Daniel

Brunet ins Leitungsteam berufen hat – sein

Haus theatral verjüngen: „Wir bleiben den

alten Stärken treu. Und öffnen uns zugleich

einer neuen Performer-Generation.“ 1

Patrick Wildermann

2 Ten-MinuTe Play ConTesT

Do 14. u. sa 16. März, 20 uhr

2 Berlin sofa

lesung des neuseeländischen Botschafters

Peter rider und der neuseeländischen schriftstellerin

Paula Morris

Mo 8. april

2 Talking HeaDs

Do 11. + fr 12. april

2 THe full irisH. Ten Days of CoMTeM-

Porary irisH THeaTre anD PerforManCe

9. bis 18. Mai

tip Bühne 07·13

Foto: Anya Kinneavy


Fotos: Michael Coester (links), Knut Klaßen (rechts oben), Christian Brachwitz (rechts unten)

„Liquids – Ein Lehrstück

über Flüssigkeiten“ (links),

„Weiße Magie“ (oben),

„Radau“ (unten)

07·13 tip Bühne

Radau um Kasper

Das festival Augenblick mal! präsentiert vom 23. bis zum 28. April die

bemerkenswertesten inszenierungen des Kinder- und Jugendtheaters

„Soll der Teufel doch daraus klug werden“,

mault Herr Rundfunk-Sprecher Maulschmidt

pikiert. Im dichten Morgennebel ist er gerade

mit einem „Nachbarn“ kollidiert. Doch das

schemenhafte Gegenüber will seine Identität

nicht einfach preisgeben und lässt ihn raten.

Hilfestellung: „Nachname SPER, Vorname:

KA.“ Der Teufel war Walter Benjamin natürlich

ziemlich egal. Aber wie Kinder klug werden,

damit hat sich der Philosoph und Literaturkritiker

Benjamin nicht nur theoretisch

in seinem „Entwurf für ein Proletarisches

Kindertheater“ beschäftigt. 1932 realisierte

er das erste experimentelle und interaktive

Radio-Hörspiel für Kinder, „Radau um Kasper“.

In der Bühnenadaption von Thomas

Fiedler wurde „Radau“ letztes Jahr mit dem

Berliner Ikarus-Preis ausgezeichnet und jetzt

zum Festival Augenblick mal! eingeladen,

der wichtigsten deutschen Plattform für Kinder-

und Jugendtheater.

Alle zwei Jahre lenkt Augenblick mal!

die Aufmerksamkeit auf neue, herausragende

Theaterarbeiten. Aus rund 200 gesichteten

Aufführungen deutschlandweit hat

die Jury des Berliner Theatertreffens

für Kinder und Jugendliche die zehn bemerkenswertesten

ausgewählt. Drei internationale

Gastspiele aus Irland, Ungarn und

Kroatien ergänzen das Festivalprogramm

unter dem Motto „Facing Reality“. Wichti-

ger noch als der Wirklichkeitsbezug der

ausgewählten Theaterarbeiten war für die

Jury, dass die Künstler „neue künstlerische

Ausdrucksmittel und Erzählweisen“ für das

Kinder- und Jugendtheater gefunden haben.

Das Fundus-Theater aus Hamburg etwa findet

Impulse, indem es Kinder auf Recherche

schickt. Kinder, Künstler und Wissenschaftler

haben nämlich eines gemeinsam – sie

sind Forscher. Zum Krisenthema Geld hat

das Forschungstheater in der vergangenen

Spielzeit in Kooperation mit der HafenCity

Universität Hamburg und Läden aus der

Umgebung eine eigene Währung erfunden

und in Umlauf gebracht – nur für Kinder.

Zum Festival Augenblick Mal! ist jetzt

„Liquids – Ein Lehrstück über Flüssigkeiten“

eingeladen, das mit vielen gängigen Vorurteilen

aufräumt. Beispielsweise, dass man

auf Wasser nicht laufen kann oder Flüssigkeiten

immer nach unten fließen. Oder

wussten Sie, dass es Flüssigkeiten gibt, die

man wie einen Gummiball an die Wand

werfen kann?

Natürlich kann man Magie im Alltag

nicht nur durch Forschung (neu) entdecken,

sondern auch, indem man die Perspektive

wechselt. Seit Jahren verwirrt das Regieduo

Gintersdorfer/Klaßen gemeinsam mit seinen

ivorischen Performern das europäische

Denken. Am Theater Bremen ist nun unter

Festival Kindertheater

der Regie von Gintersdorfer/Klaßen auch

„Weiße Magie“ aufgetaucht: eine Tanz-Theaterarbeit

für Jugendliche ab 15. Darin

nimmt der ivorische Tänzer Gotta Depri die

geheimnisvollen Gegenstände unter die

Lupe, mit denen Weiße ihre Magie ausüben:

Computer, Internet und Handys. Alle nutzen

sie, keiner weiß, wie sie funktionieren.

Kurz: eine magische Beziehung. Das ungarische

Gastspiel „Die Priesterin“ erscheint

in Sachen Magie allerdings nur dem Titel

nach anschlussfähig. Die aktuelle Inszenierung

der berühmten Theatergruppe Krétakör

aus Budapest, die Regisseur Árpád

Schilling im Jahr 2008 erst aufgelöst und

dann mit pädagogischem Schwerpunkt neu

gegründet hatte, war letzten Sommer bei

den Wiener Festwochen zu sehen. „Die

Priesterin“ ist ein semidokumentarisches

Theaterprojekt über das Lebensgefühl von

Jugendlichen aus einem kleinen Dorf in

Transsylvanien. Der fiktionale Plot überschneidet

sich mit den realen Zukunftswünschen

der Jugendlichen. Doch die Zukunftswünsche

speisen sich auch in einer

geografischen Randzone aus dem „europäischen

Traum“. 1 Anja Quickert

2 augenBliCk Mal!

grips Theater, Theater an der Parkaue,

23.–28.4., Tickets: 55 77 52/51

Weitere infos unter: augenblickmal.de

Kindertheater 7


Unsere Highlights

Was empfehlen Jochen Sandig und folkert Uhde, die Künstlerischen Leiter des radialsystems?

Mich interessiert die Ausstellung

1 „Kultur:Stadt“ in der Akademie der

Küns te. Sie geht am Beispiel von 37 internationalen

Architekturprojekten der Frage nach,

welchen Einfluss kulturelle Interventionen

auf ihr urbanes Umfeld haben – im Positiven

wie im Negativen. Ich habe die Hoffnung

noch nicht aufgegeben, dass Berlin nicht dieselben

Fehler wie andere Städte wiederholt,

hierzu ist ein Umdenken in der Liegenschaftspolitik

vonnöten. Die Ausstellung könn te

dazu einige Anregungen bieten. Jochen Sandig

2 kulTur:sTaDT

akademie der künste, Hanseatenweg 10,

Tiergarten, ab 14.3.

Ich liebe die Atmosphäre von Kirchen für

2 besondere Konzerte: Am 16. März möchte

ich mir die choreografische A-cappella-Oper

„Das stille Band“ in der St.Jo hannes-Evangelist-Kirche

in der Auguststraße in Mitte ansehen.

Die junge Choreografin Magda Korsinsky

ist für das Konzept und die Choreografie verantwortlich,

Ruth Wiesenfeld leitet das Projekt

musikalisch. Schon lange interessiert

mich die Verbindung von Musik, Bewegung

und Raum, und dieses außergewöhnliche

kleine Projekt, das mit Inklusion und Exklusion,

mit sich verändernden Konstellationen

und Beziehungen spielt, scheint mir absolut

sehens- und hörenswert. Folkert Uhde

2 Das sTille BanD

st. Johannes-evangelist-kirche, auguststraße 90,

Mitte, fr 15. + sa 16.3., 20 uhr

8 Meine Highlights

Der RIAS Kammerchor und einer der

3 ältesten Chöre der Welt, die Thomaner

aus Leipzig, treffen im Kraftwerk Berlin aufeinander.

Die beiden weltberühmten Vocalensembles

singen Werke von Palestrina,

Schütz, Fissinger, Scelsi, Messiaen. Die Kombination

von Atmosphäre und Akustik des

riesigen Innenraums ist gerade für Vokalensembles

einzigartig, wir waren dort vor

zwei Jahren an der Produktion „Klang.

Raum.Stille“ des RIAS Kammerchors beteiligt,

die ungemein beeindruckend war.

Letztendlich geht es immer wieder darum,

sich für eine veränderte Wahrnehmung zu

öffnen, anders und neu zu hören und zu

sehen. Folkert Uhde

2 Begegnung

kraftwerk Berlin, köpenicker straße 70, kreuzberg,

Di 19.3., 20 uhr, karten-Tel. 20 29 87 25

An diesem Abend von Bernadette La

4 Hengst wird in den Sophiensaelen

bedingungslos gesungen. Der Chor des

Bedingungslosen Grundeinsingens setzt sich

zusammen aus Arbeitslosen, Workaholics,

alleinerziehenden Eltern, Reinigungskräften,

jugendlichen Rumhängern und erschöpften

Managerinnen. Die ehemalige Berliner Kultursenatorin

ist auch an Bord dieser verschworenen

Gemeinschaft. Jochen Sandig

2 BeDingungsloses grunDeinsingen

sophiensaele, sophienstraße 18, Mitte,

Premiere: Do 28.3., 20 uhr

fOLKErT UHDE

Folkert Uhde studierte Musikwissenschaft an der

TU Berlin und Barockvioline an der Akademie für Alte

Musik Bremen. Bis 1995 war er freiberuflicher Musiker,

von 1997 bis 2008 Manager und Dramaturg der

Akademie für Alte Musik Berlin. Er initiierte und

programmierte mehrere Festivals, u. a. seit 2002 die

Biennale Alter Musik Zeitfenster in Zusammen arbeit

mit dem Konzerthaus Berlin.

2005 gründete er gemeinsam mit Jochen Sandig

als Künstlerischer Leiter und Geschäftsführer das

Radialsystem.

JOcHEN SANDiG

Jochen Sandig gründete 1993 gemeinsam mit Sasha

Waltz die Tanzcompagnie Sasha Waltz & Guests,

1996 gründete er die Sophiensaele als freie

Produktionsstätte für Tanz und Theater. 2000 bis

2004 war er Mitglied der Künstlerischen Leitung der

Schaubühne. Seit 2004 ist er Direktor der

unabhängigen Compagnie Sasha Waltz & Guests.

2005 gründete er gemeinsam mit Folkert Uhde

als Künstlerischer Leiter und Geschäftsführer das

Radialsystem.

Bei der Musiktheaterproduktion „Votre

5 Faust“ des belgischen Komponisten

Henri Pousseur, die Ende März zum ersten

Mal überhaupt in Berlin bei uns im Radialsystem

gezeigt wird, ist die Variabilität Teil

des Konzepts. Der junge Komponist Henri

geht einen Pakt mit einem diabolischen

Theaterdirektor ein. Das Publikum entscheidet

an bestimmten Weggabelungen der

Handlung, wie es weitergeht – rettet es die

Kunst oder den Künstler? Die Künstler müssen

dann entsprechend darauf reagieren.

Beteiligt ist auch das wunderbare Vocalconsort

Berlin. Jochen Sandig und Folkert Uhde

2 VoTre fausT

radialsystem V, Holzmarktstraße 33,

friedrichshain, Premiere: sa 30.3., 19 uhr

Unbedingt möchte ich mir die Ausstel-

6 lung „Im weißen Licht“ in der Neuen

Nationalgalerie ansehen: Die Skulpturen

von Johann Gottfried Schadow und Christian

Daniel Rauch sind aus der Friedrichswerderschen

Kirche in die Neue Nationalgalerie

überführt worden. Es ist eine wunderbare

Chance, die klassizistischen Skulpturen

einer ganzen Bildhauergeneration im Lichte

eines berühmten Architekten, Mies van der

Rohe, in der Neuen Nationalgalerie zu

betrachten. Folkert Uhde

2 iM Weissen liCHT

neue nationalgalerie, Potsdamer straße 50,

Tiergarten, bis 28.7.

tip Bühne 07·13

Foto: André Rival


Foto: Thomas Aurin

Highlights

Ausgewählte Opern- und Theater-Inszenierungen der kommenden Monate

Ein Höhepunkt des Theatertreffens:

„Murmel Murmel“

Die Top Ten

Das Berliner Theatertreffen im Mai serviert die Highlights

der Spielzeit

Wenn es eine Konstante in 50 Jahren Festivalgeschichte des Berliner

Theatertreffens gibt, dann die, dass erstens die Entscheidungen der

Jury und zweitens das Festival selbst regelmäßig infrage gestellt

werden. „Lohnen drei gute Aufführungen einen so großen Aufwand?“,

fragte die „Zeit“ im Jahre 1966, als das Theatertreffen zum

ersten Mal „Treffen“ und nicht mehr „Wettbewerb“ hieß.

Insgesamt 423 Inszenierungen hat die tapfere Kritiker-Jury zwischen

Februar 2012 und Januar 2013 in 69 Städten gesichtet; auf jeden

Theaterreisenden im Auftrag der Festspiele entfielen zwischen 85

und 117 Besuche. Auch der Verdienst der Theatertreffen-Jurys um die

deutsche Sprache sei hier lobend erwähnt. Ihnen ist es zu verdanken,

dass die Vokabel „bemerkenswert“ noch im Sprachgebrauch verankert

ist.

Und eben jedes Jahr zehn bemerkenswerte Inszenierungen im Berliner

Theater-Mai zu sehen sind. Dabei sticht in diesem Jahr vor allem

das „Disabled Theater“ hervor, in dem Choreograf Jérôme Bel den

Auftritt von Schauspielern mit Downsyndrom oder Lernschwäche

eindrücklich inszeniert. Aber auch „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“

von Bertolt Brecht in der Züricher Version von Sebastian

Baumgarten. Sprache und Fabel erscheinen darin so antiquiert, dass

sie die ungebrochene Aktualität des Inhalts wieder freigeben: Angebot

und Nachfrage, Interessenwahrung. Sebastian Hartmann ist am

Schauspiel Leipzig die bemerkenswerte Anstrengung gelungen,

knapp 2 000 Romanseiten von Lew Tolstois „Krieg und Frieden“ in

Tableaus und Szenen zu übersetzen. Aber vor allem den Berlinbesuchern

sei Herbert Fritschs Volksbühnen-Inszenierung „Murmel

Murmel“ nach Dieter Roth ans Herz gelegt. Die besteht bemerkenswerterweise

nur aus dem titelgebenden Wort und ist ein psychedelischer,

musikalischer Kunstspaß.

2 TheATerTreFFeN BerliN

3.–20.5., haus der Berliner Festspiele u. a., Karten-Tel. 254 89 10,

www.berlinerfestspiele.de

Junges Staatstheater Berlin

Uraufführung Premiere 31. Mai, 19 Uhr

Wahrheit ist die Erfindung

eines Lügners

Heinz von Foerster und Bernhard Pörksen

Regie: Carlos Manuel

www.parkaue.de | 030 – 55 77 52 52

07·13 tip Bühne Highlights 9


10 Highlights

Wien ohne

Wiener

Tim Fischer singt Georg Kreisler in der

BAR JEDER VERNUNFT

Wer kennt sie nicht, die Hits von Georg

Kreisler, beliebt ob ihrer charmanten Direktheit:

„Wie schön wäre Wien ohne Wiener“

oder „Tauben vergiften“.

Den viel jüngeren Chansonisten Tim Fischer

hat der schwarze Humor Kreislers geprägt.

Schon bevor sie sich persönlich kannten,

bestimmte Kreislers Werk Fischers Repertoire.

Dann begegneten sich die beiden und

Kreisler wurde zum Freund und Lehrer. „Das

ist gut“, der neue Liederabend, der im April

seine Berlin-Premiere feiert, ist Tim Fischers

tiefe Verneigung vor dem 2011 verstorbenen

Kreisler.

Doch für allzu viele Sentimentalitäten ist bei

einem Abend, der dem König des schwarzen

Humors gewidmet ist, natürlich kein Platz.

Was sagte einst Kreisler über Tim Fischer?

„Er besticht hochmusikalische Zeitungskritiker,

die Geld brauchen und dann tränenüberströmt

ein paar freundliche Worte über

ihn schreiben, bevor sie beichten gehen. Das

Geld hat Tim Fischer von seinem Vater, einem

Bankräuber.“

2 Tim Fischer

BAr JeDer VerNUNFT, Premiere: Di 16.4.,

Karten-Tel. 883 15 82

Faust ohne

Grenzen

Das Radialsystem V zeigt die variable

Oper Votre Faust

„Votre Faust“, Henri Pousseurs experimentelles

Musiktheater aus dem Jahr 1968 (Libretto

Michel Butor), wurde bislang noch nie

in der ursprünglich konzipierten Form – als

variable Oper – aufgeführt. Variabel meint,

dass das Publikum entscheiden kann, welchen

Verlauf Handlung und Musik nehmen.

Ein schier uferloses Experiment also.

Dass Dirigent Gerhardt Müller-Goldboom,

das ensemble für gegenwartsmusik work in

progress und das Vocalconsort Berlin am

Radialsystem V schon erfolgreich zusammengearbeitet

haben, ist da von Vorteil. Hauptfiguren

des Stücks sind ein Theaterdirektor

(Mephisto) und ein in Betriebsamkeit erstarrter

Komponist, der den Auftrag zu einer

Opernkomposition rund ums Faust-Sujet

erhält.

Das Konzept von Pousseur wirft aktuelle Fragen

in Echtzeit auf, zum Beispiel nach dem

Einfluss des Publikumsgeschmacks auf künstlerische

Entscheidungen in Zeiten ökonomischer

Zwangslagen. Kein Wunder, dass sich

alle auf dem Jahrmarkt begegnen, dem Ort

der ultimativen Unterhaltung. Zwölf Musiker,

ein Sängerquartett, fünf Schauspieler und ihr

Regisseur: das Publikum.

2 VoTre FAUsT

radialsystem V, Premiere: sa 30.3.,

Karten-Tel. 288 78 85 88

tip Bühne 07·13

Fotos: Stefan Malzkorn / www.malzkornfoto.de (links), Sebastian Bolesch


Foto: Arno Declair

Die Uraufführung der „Hedda Gabler“ von

Henrik Ibsen am Münchner Residenztheater

1891 war kein echter Erfolg. „Es findet dies

seine Begründung vielleicht in dem seltsam

räthselhaften Charakter der Heldin, die sich

mit den lächerlichsten Kleinigkeiten ernsthaft

beschäftigt und mit dem Fürchterlichsten lächelnd

spielt; sie ist schwer verständlich, diese

Frau mit der verdorbenen Phantasie, dem

Durst nach Lebensgenuß und der Feigheit vor

jedem Schritt, der über die Alltäglichkeit hinausführt“,

meint der Kritiker in der „Vossischen

Zeitung“.

Doch das Drama um die norwegische Generalstochter

liest sich nicht nur als Psychogramm

der hysterischen Frau oder alternativ

07·13 tip Bühne

des Opfers männlicher Dominanz, das sich

nicht aus seinem Puppenheim befreit. In seiner

ersten großen Arbeit am Deutschen Theater

nach der Inszenierung von Stephen Belbers

„Tape“ in den Kammerspielen 2011 und

nach ansonsten längerer Berlin-Abstinenz

wird sich Stefan Pucher jetzt mit dem Hedda-

Gabler-Komplex beschäftigen. Und das gleich

vor mehreren zeitlichen Hintergründen. Dafür

will Barbara Ehnes die Drehbühne in drei Zeit-

Räume aufteilen, die nebeneinander stehen:

die Entstehungszeit des Dramas um 1890, die

1920er und 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts.

Heddas Probleme sind keine privaten. Sie sind

auch deshalb an ihre Zeit gebunden, weil jeder

Zeit bestimmte Freiheitspotenziale und Mög-

Figuren im Absturz

Stefan Pucher beschäftigt sich in seiner ersten großen

Inszenierung am DT mit Hedda Gabler

lichkeitsräume eigen sind. Und damit die

Chance, offene Auswege zu finden. Stefan

Pucher wird auch für „Hedda Gabler“ nach der

perfekten Verbindung zwischen Bilder- und

Schauspielertheater, analytischem Textumgang

und Video stills suchen – und die Zusammenarbeit

mit alten Bekannten pflegen: den

Schauspielern Nina Hoss und Felix Goeser, mit

Christopher Uhe (Musik) und Chris Kondek

(Video). Stefan Pucher hat einmal gesagt, ihn

interessieren im Theater „Figuren, die im Absturz

begriffen sind“ – Scheitern als Chance.

2 heDDA GABler

Deutsches Theater, Premiere: mi 15. mai,

Karten-Tel. 28 44 12 21

Precarious

Bodies

Tanz, Performance, Körperpolitik

Jan Fabre, Markus Öhrn, Panaibra Gabriel Canda,

Young Jean Lee’sTheater Company,NormalLoveu.a.

8.–14.4.2013

www.hebbel-am-ufer.de


Performance-Klassiker: „This Is Theatre“

Spektakel des Prekären

Ein Festival im HAU beschäftigt sich mit prekären Körpern im Theater und zeigt zwei bahnbrechende Bühnenarbeiten

von Jan Fabre aus den 80er-Jahren

„At 26, Belgian artist Jan Fabre has not only

taken performance into mainstream, but revolutionised

our notion of theatre“, jubelte

das Londoner Magazin „Time out“ 1986 anlässlich

des Gastspiels von „The Power of

Theatrical Madness“ in der altehrwürdigen

Royal Albert Hall. „‚Theatrical Madness‘ is a

Gesamtkunstwerk (total artwork) on a Wagnerian

scale that (...) seduces its audience

with striking visual poetry (...) tortures them

with acts of meanness and triviality, confuses

them with its cruel sensuality (...) or transports

them into the realms of romantic terrorism.“

Was Pina Bausch oder Richard

Schechner für das europäische Theater der

70er-Jahre begonnen hatten, setzten die

Wooster Group in New York oder Jan Fabre in

Belgien während der 80er fort: Jenseits der

Stadt- und Repertoiretheater entwickelten sie

völlig neue Ästhetiken, die das Theater und

das Nachdenken darüber völlig verändert haben.

Neu entdeckt haben sie dabei vor allem

den Körper. Sie machten ihn in bis dato unerhörter

Weise zum Protagonisten ihrer

Theater sprachen.

Mit dem Festival Precarious Bodies rückt das

HAU vom 8. bis 14. April dem Körper zu Leibe.

Ein Höhepunkt: die Wiederaufnahme zweier

legendärer Arbeiten Jan Fabres aus den

80ern. Dass Fabres Marathon-Performances

auch als „Re-Enactment-Creation“ noch publikumswirksam

sind und bei allen Beteiligten

die Grenzen des physisch Erträglichen ausloten,

beweist ihr erster Wieder-Auftritt in der

12 Highlights

Wiener Burg 2012: Das Publikum verließ teilweise

empört das Theater. Fabres Klassiker

der internationalen Performancekunst – „This

Is Theatre Like It Was to Be Expected And

Foreseen“ (1982/2012) und „The Power of

Theatrical Madness“ (1984/2012) mit der

grandiosen Musik des Minimalisten Wim Mertens

– erzeugen ebenso drastische wie poetische

Bilder der Verletzlichkeit des Körpers.

Und verhandeln die Macht, Körper zu verletzen,

sie zu disziplinieren. Dabei geht es auch,

wie Fabre sagt, „um die Intensität der körperlichen

und mentalen Energieübertragung“.

Das Maß der Einfühlung zwischen Akteuren

und Publikum entspricht ungefähr dem Maß

an Erschöpfung, das beide Seiten miteinander

verbindet – nach viereinhalb Stunden bei

„Theatrical Madness“, nach acht bei „This Is

Theatre“.

Fabre polarisiert. Das hat er mit dem schwedischen

Regisseur und Videokünstler Markus

Öhrn gemeinsam, der sich gerade in Paris mit

Fabres prekären Körpern auf der Bühne auseinandergesetzt

hat. Bekannt ist Öhrn durch

seine Arbeiten mit den schwedischen/finnischen

Kollektiven Institutet und Nya Rampen.

2011 wurde die Arbeit „Conte d’amour“, eine

verstörende Theater-Installation über sexuellen

Missbrauch in der Familie, mit dem

Impulse- Festivalpreis als bestes Off-Theaterstück

prämiert. Nun hat Öhrn „Étant donnés“

inszeniert, nach Marcel Duchamps brutalem,

voyeuristischen Frauenakt. Und dem Solo, das

Jan Fabre für seine Lieblingsschauspielerin

Els Deceukelier entwickelt hat. In kritischem

Abstand setzt Markus Öhrn seine Schauspieler

Jakob Öhrman und Nadine Dubois auf die

„Casting Couch“. In der Allgegenwart von

Pornografie in unserer Gesellschaft spürt er

Momente von Intimität auf.

Die in New York lebende Koreanerin Young

Jean Lee pflegt mit ihrer Theater Company

eine enge Verbundenheit zur bunten feministischen

Bewegung. Ohne selbst erklären zu

wollen, was Feminismus bedeutet. Eher mit

dem Konzept, ein Theater zu erfinden, das

Erfahrungen jenseits der etablierten Körper-

und Gendergrenzen möglich macht. Ihr aktuellstes

Experiment „Untitled Feminist Show“

hat die New Yorker Presse zu Liebeserklärungen

verleitet und war in Europa bereits auf

dem Kunstenfestivaldesarts und beim steirischen

herbst zu sehen. Sechs charismatische

Stars aus dem New Yorker Theater-, Tanz- und

Neo-Burleske-Untergrund hat Young Jean Lee

weitab vom Broadway gecastet. In einer Show

zwischen „militantem Happening, befreiender

Choreografie und Cabaret“ treten fünf unbekleidete

Frauen und „gender non-conforming“

Becca Blackwell auf.

2 The Power oF TheATricAl mADNess

Di 9.4.

2 This is TheATre

Fr 12.4.

2 FesTiVAl PrecArioUs BoDies

8. bis 14.4., alles im hAU,

Karten-Tel. 25 90 04 27

tip Bühne 07·13

Foto: Wonge Bergmann


Fotos: Matthias Horn (links), Arno Declair

Wert und

Verwertung

Armin Petras inszeniert am Maxim

Gorki Theater Leben des Galilei

„Sollen wir die menschliche Gesellschaft auf

Zweifel begründen und nicht mehr auf den

Glauben?“ Irgendwie kann man die Kirchenmänner

im päpstlichen Collegium Romanum

verstehen. Schließlich war es im 17. Jahrhundert

kein kleiner Schritt, sich von einem Physiker

gleich das ganze Weltbild über den Haufen

werfen zu lassen. Gerade war der Mensch

noch Gottes höchstgeschätztes Geschöpf,

alles drehte sich um ihn, auch im Weltall, und

jetzt kommt Galileo Galilei (Peter Kurth) und

mit ihm eine Zeit der Erneuerung, des Umbruchs.

Mit Bertolt Brechts „Leben des Galilei“ (Musik

Hanns Eisler) verhandelt Armin Petras gleich

zwei prinzipielle Fragen, die sich durch die

15 Lebensstationen des Weltenveränderers

ziehen. Die eine betrifft den Umgang mit der

Macht (damals: der Kirche), die andere – und

aus heutiger Sicht vielleicht interessantere –

stellt die Frage nach dem Wert des Wissens

im Verhältnis zu Verwertbarkeit und Missbrauch.

Denn eingeschrieben hat Brecht während

der Entstehungszeit seines Dramas

1938/39 auch die Planung der Atombombe:

„Ihr mögt mit der Zeit alles entdecken, was

es zu entdecken gibt, und euer Fortschritt

wird doch nur ein Fortschritt von der Menschheit

weg sein.“

2 leBeN Des GAlilei

maxim Gorki Theater, Premiere: sa 25.5.,

Karten-Tel. 20 22 11 15

Dunkle

Ahnungen

Ulrich Matthes inszeniert an den

DT-Kammerspielen Wastwater

„Wastwater“ ist der tiefste See in England,

teilweise verdeckt von Geröll. Der englische

Erfolgsdramatiker Simon Stephens hat ihn

zum Titel eines Stücks gemacht und zur Metapher

für das Verhältnis, das die Figuren

zueinander und zum Leben haben: tiefgründig,

abgründig, dunkel. „Er sieht still aus,

Lisa, aber du müsstest mal sehen, wie viele

Leichen da unten versteckt sind.“

In drei Szenen, die alle am selben Abend in

der Nähe des Flughafens Heathrow spielen,

begegnen sich jeweils zwei Menschen. Ihre

Geschichten sind lose verknüpft, bleiben

rätselhaft, das Eigentliche unausgesprochen.

Ein Stück voll dunkler Ahnungen.

In seiner zweiten Regie am Deutschen Theater

inszeniert Ulrich Matthes seine Kollegen

Susanne Wolff, Moritz Grove, Bernd Stempel,

Barbara Schnitzler, Thorsten Hierse und Elisabeth

Müller in rätselhaften Momenten, in

denen sich Zukunft entscheidet: „Glaubst du

an gute Menschen und schlechte Menschen?“

2 wAsTwATer

Deutsches Theater Kammerspiele,

Premiere: sa 27.4., Karten-Tel. 28 44 12 21

KULTURBRAUEREI

Jeden Mittwoch // Maschinenhaus // 20 h

IMPROTHEATER PATERNOSTER

3 für 49 – Knack den Jackpot

24., 25., 26., 28.03. // Maschinenh. // 20 h

razzz.BEATBOXMUSICAL

Das erste Beatboxmusical der Welt

präs. von kulturnews

13.04. // Maschinenhaus // 20 h

TAIYE SELASI LIEST AUS

„DIE DINGE GESCHEHEN

NICHT EINFACH SO“

Lesung

7., 8. & 15., 16.04. // Maschinenh. // 20 h

DREI – EIN MUSICAL

FÜR ZWEI

Theaterstück der

Stammzellenformation

19. & 20.04. // Kesselhaus // 20 h

JAN PLEWKA

SINGT RIO REISER

präs. von Antenne Brandenburg

VORSCHAU: 31.08. // Kulturbrauerei // 16 h

BERLINER

BÜCHERNACHT 2013

in der Kulturbrauerei

TICKETS 030-44 31 51 00

WWW.KESSELHAUS.NET

07·13 tip Bühne Highlights 13


Rollenspiele mit

Shakespeare

Lars Eidinger zeigt mit Romeo und Julia seine zweite

Regiearbeit an der Schaubühne

Liebe ist nicht voraussetzungslos und in der Beziehung zweier Menschen

spielen viele andere eine Rolle. In Maren Ades Film „Alle anderen“,

der auf der Berlinale 2009 den Silbernen Bären gewann,

kann man den Schauspielern Lars Eidinger und Birgit Minichmayr

zwei Stunden lang dabei zuschauen, wie Liebende scheitern. In Großaufnahme.

In seiner zweiten Regiearbeit an der Berliner Schaubühne (nach „Die

Räuber“ 2009) beschäftigt sich Lars Eidinger nun noch einmal intensiv

mit der kleinsten sozialen Einheit: der Paarbeziehung. Und

mit den Gründen ihres Scheiterns, für das der Shakespeare-Stoff

„Romeo und Julia“ fast paradigmatisch steht. In Eidingers Zugriff wird

das Liebesdrama um Romeo (Moritz Gottwald) und Julia (Iris Becher)

zum Laboratorium, das die Mechanismen untersucht, denen Leidenschaft,

Sehnsucht und Liebe folgen. Wie stark erliegen wir der romantischen

Verklärung der Liebe? Verdankt sich die Liebe zwischen

Romeo und Julia nicht zuletzt ihrer Unmöglichkeit? Liebe ist wie

Theater: Rollenspiele und Rollensehnsüchte.

2 romeo UND JUliA

schaubühne am lehniner Platz, Premiere: mi 17.4., Karten-Tel. 89 00 23

14 Highlights

Großes

Kino

Philipp Stölzl inszeniert

Wagner an der Staatsoper

Bei Jacques Offenbachs Operette

„Orpheus in der Unterwelt“, seiner

ersten Regiearbeit an der

Berliner Staatsoper, setzte Regisseur

Philipp Stölzl auf viel Bühnenaktualität

und singende

Schauspieler wie Ben Becker,

Hans-Michael Rehberg und Stefan

Kurt. Derzeit dürfte man

beim Namen Stölzl aber eher an

großes Kino und Leinwand denken.

Gerade hat er nämlich Noah

Gordons Historien-Bestseller

„Der Medicus“ verfilmt, Kinostart

erst Ende Dezember 2013.

Bis dahin kann man sich allerdings

mit der zweiten Regiearbeit

von Philipp Stölzl an der

Staatsoper trösten, Richard Wagners

„Fliegender Holländer“. Die

ist zwar nicht direkt großes Kino,

aber eine große romantische

Oper in drei Aufzügen unter der

musikalischen Leitung von Daniel

Harding.

2 Der FlieGeNDe holläNDer

staatsoper im schiller Theater,

Premiere: so 28.4.,

Karten-Tel. 20 35 45 55

Sie will

alles

Bei Georgette Dee kriegt

die Sehnsucht Flügel

„Sie will alles – sie gibt alles. Das

Paradies vor den Pforten der

Hölle.“ Anstelle einer Programmankündigung

haben die

Veranstalter vom TIPI derzeit

noch dieses Zitat aus der französischen

Zeitschrift „Le Monde“

gepostet. Aber was gibt es auch

zu sagen oder zu erklären, wenn

die Queen der Diseusen einen

neuen Musikabend performt, der

zudem noch den Titel „Bei ihr

kriegt die Sehnsucht Flügel!“

trägt?

Georgette Dee & Musiker lassen

völlig offen, was sie an diesem

Abend zu Gehör bringen werden:

sehnsuchtsvoll dahin -

geschmachtete Balladen, wunderbare

Chansons, neues Liedgut

oder alte Songperlen? Einen

musikalischen Walk on the

Broad Lane of Memory?

Georgette Dee ist Georgette

Dee. Damit ist alles gesagt.

2 Bei ihr KrieGT Die sehNsUchT

FlüGel!

Georgette Dee & musiker

TiPi am Kanzleramt, Premiere:

sa 27.4., Karten-Tel. 883 15 82

tip Bühne 07·13

Fotos: von links nach rechts: Arno Declair, Tanja Dorendorf / T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf, Arnold Morascher / Bilderberg


Foto: Gunnar Geller / Gestaltung: Blotto Design

Tanz das Operetten-

Känguruh

Barrie Kosky feiert an der Komischen Oper den

Ball im Savoy

„Während im Realfilm-Studio in Hamburg-Wandsbek die letzte Klappe

zu Geza von Cziffras neuer Filmoperette ‚Blume von Hawai‘ fiel,

fegte der Komponist der Operette und damit auch des Films gerade

unlustig das Treppenhaus eines Hospitals für Geisteskranke in Long

Island bei New York“, schrieb der „Spiegel“ im Dezember 1953. Der

viel benutzte „Opern- und Operettenführer“ von Otto Schumann

verzeichnete damals sogar als Lebensdauer von Paul Abraham lapidar:

1892 bis 1951. Tatsächlich starb der österreichisch-ungarische

Jude Paul Abraham, erfolgreichster Operettenkomponist vor Machtübernahme

der Nazis in Berlin, erst 1960 im Hamburg, geistig verwirrt.

Eine Initiative des in Hamburg gegründeten Paul-Abraham-

Komitees hatte ihm die Rückkehr nach Deutschland überhaupt erst

ermöglicht.

Jetzt aber kehrt das Werk des gefeierten, dann vergessenen Komponisten,

eine der spektakulärsten Jazz-Operetten der späten Weimarer

Republik, nach gut 80 Jahren an ihren Ursprungsort zurück. Für

die 1932 in Berlin (mit dem Orchester des Metropol-Theaters) uraufgeführte

Operette „Ball im Savoy“ hatte sich Abraham mit den damals

führenden Librettisten Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda

zusammengetan. Sie taucht ein in das ausgelassene Lebensgefühl

ihrer Zeit, eine schillernde Revue rund um Liebe, Sex und natürlich

Tanz.

Im Hotel Savoy sind alle tierisch in Bewegung. „Denn der neue Modetanz

heißt Känguruh.“ Aber ebenso sprunghaft wie der neue Tanzschritt

sind die Liebeshändel der internationalen Ballbesucher, die

zwischen ehelicher Treue und offener Promiskuität schwanken. Gleiches

Recht für alle, egal welchen Geschlechts. Mit den glänzenden

Shownummern ist „Ball im Savoy“ ein Meisterwerk, das derzeit in

Berlin niemand besser wiederentdecken könnte als Regisseur Barrie

Kosky.

2 BAll im sAVoY

Komische oper, Premiere: Di 9.7., Karten-Tel. 47 99 74 00

John von

Düffel

Alle

sechzehn

Jahre im

Sommer

performing at HAU

25.4.–8.5.2013

Jérôme Bel, Laurent Chétouane,

Clédat &Petitpierre, Grand Magasin,

Ivana Müller,Maria Muhle, Philippe Quesne /

Vivarium Studio, Belinda Annaloro,

Antoine Defoort, Julien Fournet,

Halory Goerger, Sébastien Vial

Ein Projekt im Rahmen

von TRANSFABRIK

www.hebbel-am-ufer.de

07·13 tip Bühne Highlights 15


Premierenvorschau

Ausgewählte Premieren, Gastspiele und Klassik-Konzerte von märz bis September 2013

Meg Stuarts Choreografie „Built To Last“ im HAU (Mai)

Festivals

APril

Augenblick mal!

Festival für Kinder- und Jugendtheater.

Fünf Stücke richten sich an das

jüngste Publikum, fünf weitere an

jugendliche Zuschauer. In Zusammenarbeit

mit dem Grips-Theater.

23.–28.4., Theater an der

Park aue

5. lange Nacht der Opern und

Theater

Knapp 60 Bühnen der Stadt laden

zu Repertoire-Ausschnitten

27.4., div. Orte

mAi

Theatertreffen

Vorstellung der besten zehn Stücke

aus dem deutschsprachigen Raum.

3.–19.5., Haus der Berliner

Festspiele

Theatertreffen der Jugend

Nachwuchs-Äquivalent zum etablierten

Theatertreffen.

24.5.–1.6., Haus der Berliner

Festspiele

JuNi

Autorentheatertage

Festival internationaler Dramatik.

4.–15.6., Deutsches Theater

16 Premierenvorschau

iNFEKTiON!

Festival für Neues Musiktheater,

u.a. mit Werken von Helmut

Oehring und Georges Aperghis

(siehe Stücke).

16.–30.6., Staatsoper im

Schiller-Theater

Foreign Affairs

Festival internationaler Dramatik.

27.6.–14.7., Haus der Berliner

Festspiele

AuGuST

Tanz im August

25. Ausgabe des Festivals des

zeitgenössischen Tanzes.

August, div. Orte

Stücke

bAllhAuS

NAuNyNSTrASSE

N.N.

Neue Inszenierung Neco Çeliks

zum Thema Fußball.

9.5.

bAllhAuS OST

Peep Now

Die Inszenierung untersucht anhand

einer performativen Installa-

tion das Lebensgefühl urbaner

Ballungsräume.

31.5.

Schwawarma

Die Schwarmtheorie und die

Ergebnisse der Erforschung kollektiven

Verhaltens sind derzeit in

aller Munde. Die Inszenierung setzt

sich mit möglichen Organisationsszenarien

auseinander.

14.6.

bErliNEr ENSEmblE

Peter Pan

Star-Regisseur Robert Wilson setzt

seine Interpretation des Mythos

um ein nicht alterndes Kind in Szene.

April

brOTFAbriK

Ein eigenes Zimmer

Schauspiel nach dem Hörspiel „Iranian

Voices – Republik der Verrückten“

über das historische und

das heutige Iran.

9.4.

Die Orestie

Zum zweiten Mal wird der Mirbachplatz

zur Open-Air-Theaterbühne,

auf der Aischylos’ Tragödie

um die Auslöschung einer Familie

zu sehen sein wird.

1.8.

DEuTSchE OPEr

ring um den ring

Opus Magnum des Choreografen

Maurice Béjart, der zehn Jahre an

seinem „Kommentar zu Wagners

Ring des Nibelungen“, bestehend

aus Soli, Pas de deux und Corpsde-ballet-Szenen,

arbeitete. Wiederaufnahme

des 1990 uraufgeführten

Stückes anlässlich des

Wagner-Jahres.

28.3.

rigoletto

Jan Bosse inszeniert nach Monteverdis’

„L’Orfeo“ (2008) und „La

Calisto“ (2010) zum dritten Mal

eine Oper. Verdis 1851 uraufgeführtes

Werk stellt ein Hybrid aus

Tragödie und romantischem

Schauermärchen dar.

21.4.

Der ring des Nibelungen

Wiederaufnahme von Götz Friedrichs

klassischer Inszenierung im

Wagner-Jahr. Das Orchester der

Deutschen Oper Berlin spielt unter

Leitung Simon Rattles’.

21.9.

DEuTSchES ThEATEr

Geschichten aus dem Wiener

Wald

Michael Thalheimer setzt Ödön

von Horváths beklemmendes

Porträt der kleinbürgerlichen Ge-

tip Bühne 07·13

Foto: Julian Röder


sellschaft in Szene. „Eine Zwangsjacke.

Keiner darf, wie er will. –

Und keiner will, wie er darf“, lässt

der Autor seine Protagonisten

das Dilemma zusammenfassen.

29.3.

Wolf unter Wölfen

Auch wenn sich Plautus’ geflügeltes

Wort „Homo homini lupus“

als falsche Einschätzung der

Natur des Wolfes erwies, funktioniert

der Spruch gerade in Krisenzeiten.

Denn dann entschwindet

die Solidarität, was

Hans Fallada in seinem 1923 veröffentlichten,

gleichnamigen Roman

vor dem Hintergrund Berlins

in Zeiten der Inflation sehr

gut beschrieb. Roger Vontobel

adaptiert die literarische Vorlage

für die Bühne.

19.4.

hedda Gabler

Ibsen-Klassiker in der Regie von

Stefan Pucher.

15.5.

DT-KAmmErSPiElE

Sklaven

Andreas Kriegenburg inszeniert

das Stück des französischen Dramatikers

Georges Courteline

(1858 bis 1929), das wie die meisten

seiner Werke eine Satire auf

die Bigotterie des Bürgertums

darstellt.

28.3.

Wastwater

Ulrich Matthes inszeniert Simon

Stephens’ Stück um drei Paare,

die, ohne einander zu kennen,

schicksalshaft miteinander verknüpft

sind.

27.4.

ENGliSh ThEATrE

Talking heads

Der Regisseur Günther Grosser

wählte für die Inszenierung drei

preisgekrönte Monologe Alan Bennetts,

in denen sich im Leben der

Protagonisten ein plötzlicher Abgrund

auftut.

11.4.

hAu

Ganesh Versus The Third reich

Bereits 1987 wurde das australische

Ensemble Back To Back Theatre

von Schauspielern mit Behinderung

gegründet. In der aktuellen

Farce wird der Hindu-Gott Ganesh

ins Nazi-Deutschland geschickt,

um Hitler das heilige Hakenkreuz

wegzunehmen.

18.–20.4.

07·13 tip Bühne

built To last

Koproduktion mit den Münchner

Kammerspielen, in der Meg Stuart

mittels fünf Performern die Verbindung

von Musik und sozialer

Utopie untersuchen lässt.

27.–29.5.

hEimAThAFEN

NEuKöllN

und jetzt bitte direkt in die

Kamera

Dritter Teil der Reihe „Lila Risiko

Schachmatt“, die junge Dramatik

aus dem arabischsprachigen

Raum auf die Bühne bringt: Eine

junge syrische Frau dokumentiert

mit einer Handkamera das Willkür-Regime

ihrer Heimat.

Juni

KOmiSchE OPEr

ball im Savoy

1932 wurde mit dem Orchester

des Metropol-Theaters die Jazz-

Operette des jüdisch-ungarischen

Komponisten Paul Abraham uraufgeführt,

die die Bigotterie der

bürgerlichen Gesellschaft bissig

dekonstruiert. Der Ball Savoy erweist

sich als Tanz auf dem Vulkan.

9.6.

KOmöDiE

Paarungen

Deutschsprachige Erstaufführung

des Stücks von Éric Assous über

zwei Paare, die beide vorgeben,

etwas anderes zu sein, als sie tatsächlich

darstellen, mit u.a. Katja

Weitzenböck.

14.4.

mAxim GOrKi ThEATEr

Das leben des Galilei

Brechts Stück über das Leben des

Forschers und die Unabhängigkeit

der Wissenschaft und moralischer

Prinzipien von der Tagespolitik

stellt die letzte Regie-Arbeit des

scheidenden Intendanten Armin

Petras am Haus dar. Das Bühnenbild

entwirft Carsten Nicolai, der

Fans der elektronischen Musik

unter dem Namen Alva Noto ein

Begriff sein dürfte.

25.5.

Ein Abschlussspektakel

Anlässlich des Aufstandes am 17.

Juni 1953 arbeiten die vier Hausregisseure

des MGT (Jorinde Dröse,

Jan Bosse, Antú Romero

Nunes und Armin Petras, der im

Sommer nach Stuttgart wechselt)

sowie Gäste (wie z.B. Sebastian

Baumgarten, Sebastian Hart-

schaubühne

F.I.N.D.

Festival Internationale

Neue Dramatik

> 16.–24. März 2013

Tickets: 030.890023 | www.schaubuehne.de


Einlass: 17:30 Uhr

Beginn: 19:00 Uhr

Tickets ab 23,50 €

zzgl. Gebühren inkl. IFA Messe Ticket.

18 Premierenvorschau

mann, Peter Kastenmüller, Jan

Neumann) mit literarischem, musikalischem

und dokumentarischem

Material zum Thema Aufstand

und laden zu einem einwöchigen

Spektakel.

Juni

NEuKöllNEr OPEr

brennero crash

Auf dem Brennerpass befindet sich

ein italienischer Autofahrer zusammen

mit seiner deutschen Frau

auf dem Weg in die Ferien. Doch

ein Auffahrunfall sorgt für stundenlangen

Stillstand. Porträt einer

multinationalen Gesellschaft am

Rande der Krise.

16.+.17.8.

Airossini

Satirisches Musiktheater über führende

Wirtschaftskräfte.

24.+25.8.

rADiAlSySTEm V

Travelogue i – Twenty To Eight

Sasha Waltz’ frühe Choreografie

kehrt nach Berlin zurück.

18.–21.4.

human requiem

Die Compagnie Sasha Waltz &

Guests entwickelte zu Brahms’

„Ein deutsches Requiem“ eine

Choreografie, bei der Text, Klang,

Körper und Raum miteinander in

Beziehung gesetzt werden. Die

Trennung von Zuschauern und

Chor wird komplett aufgehoben,

beide werden bewegt und in Szene

gesetzt.

18.–25.5.

SchAubühNE

romeo und Julia

Nach Schillers „Räuber“ setzt Lars

Eidinger den Shakespeare-Klassiker

in Szene. Das Stück dient als

Laboratorium, das die Konstituierung

der Gefühle und das Zusammenleben

in der Gesellschaft

untersucht.

April

baal

Frühwerk Brechts aus dem Jahr

1918, in den Augen des Autors

über„ein a-soziales Künstlersubjekt,

dessen Anarchismus die bürgerliche

Gesellschaft und ihre

Moral herausfordert“. Regie: Nicholas

Mockridge.

Mai

For The Disconnected child

Einerseits leben wir im Zeitalter

der Individualität, aber gleichzeitig

in der Mausefalle, da sich auch

Individuen danach sehnen, Teil

eines Kollektivs zu sein. Die Suche

nach dem Sinn thematisiert Falk

Richter in seinem neuen Projekt,

das er zusammen mit dem isländischen

Komponisten und Musiker

Helgi Hrafn Jonsson realisiert.

Eine Koproduktion mit der

Staatsoper Berlin.

14.6.

SchlOSSPArK

ThEATEr

Der alte mann und das meer

Horst Janson verkörpert in der auf

Hemingways Roman basierenden

Inszenierung von Jens Hasselmann

den alten Fischer.

11.4.

Konkursmasse

Uraufführung der Komödie von

Peter Buchholz, die das Leben

zweier Paare in den Mittelpunkt

rückt, in deren Leben sich alles nur

um Geld dreht.

27.4.

SOPhiENSAElE

rechtsradikal

Christoph Winkler untersucht die

Schnittstellen von Ästhetik und

Politik, insbesondere rechte Strategien,

die Codes von Jugendkulturen

für ihre eigenen Zwecke zu

missbrauchen.

2.–5.5.

cadenza – Die Stadt im Klavier

Prozesshafte Begegnung der in

Berlin lebenden Komponistin Yui

Kawaguchi und der Tänzerin Aki

Takase, die gemeinsam Freiheit in

Kunst und Stadt ausloten.

9.–12.5.

Doppelhamlet

Alles oder nichts: Ophelia okkupiert

Königin Gertruds Körper

und erpresst damit Hamlet um

dessen Liebe, sonst ginge sie ins

Wasser. Jedoch gibt es zwei Prinzen

von Dänemark, die sich zu

komplett unterschiedlichen Entscheidungen

hinreißen lassen.

Eine Performance von Bösediva.

1.6.

ThEATEr rAmbA-

ZAmbA

Nur ein Wimpernschlag

Mit Musik, szenischem Spiel und

Elementen des Ausdruckstanzes

erkundet Kay Langstengels Stück

die Grenzen der Wahrheit und der

Menschlichkeit. „Auch wenn ich

tot schweige, so tötet mein

Schweigen die Wahrheit.“

20.6.

VAGANTENbühNE

büchner: Danton, Freies Feld

Martin Jürgens setzt sich in einer

eigens eingerichteten Bühnenfassung

mit Büchner, Danton und der

Revolution auseinander. Gerechtigkeit

wird darin als Voraussetzung

für die Freiheit definiert.

29.8.

VOlKSbühNE

Villa Verdi

Eine Altersresidenz für Künstler

ist von der Kürzung finanzieller

Mittel bedroht. Regisseur Johann

Kresnik feiert mit dem Stück die

Rückkehr an das Haus, an dem er

vor allem in den 90er-Jahren mit

seinem unkonventionellen Tanztheater

große Erfolge feierte. Es

tanzen Studenten der Staatlichen

Ballettschule Berlin. Mit dabei

sind u.a. die Schauspielerinnen

Hildegard Alex und Annekathrin

Bürger, die als Grandes Dames in

den 70er- und 80er-Jahren das

Ensemble prägten.

24.4.

Herbert Fritsch inszeniert „Frau Luna“

in der Volksbühne

Ein neues Eingreifwerk

Neues Stück von René Pollesch.

23.5.

Frau luna

Als Schauspieler gehörte Herbert

Fritsch lange zum Ensemble der

Volksbühne. Als Regisseur stellt

er den (einzigen) Dauergast beim

jährlichen Theatertreffen dar. Er

inszeniert mit „Frau Luna“ eine

burlesk-phantastische Operette.

Darin interessiert sich Protagonist

Fritz Steppke vor mehr als

100 Jahren für das Fliegen und

Außerirdische. Er bastelt an einem

Ballon, der ihn zum Mond

bringen soll. Auch wenn die Reise

tip Bühne 07·13

Foto: Sabrina Zwach


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Zwei Stunden Spaß

mit Deutschlands bekanntester Stand-Up-Comedy-Show,

dem "CLUB MIX".

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Hermanns' Quatsch Comedy Club.

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07·13 tip Bühne

KulturScheck

Ursel, ab 6 Jahren

Kay Wuscheks Inszenierung von Guy Krnetas Text widmet

sich einem ernsten Thema: Ursel ist sechs und

Einzelkind. Ihr Bruder war drei. Sie kennt ihn nicht, wird

aber immer wieder an ihn erinnert. Ursel soll so sein wie

er. In ihr wächst der Wunsch, genauso geliebt zu werden wie ihr Bruder. Endlich

einmal im Mittelpunkt stehen. Dazu hat sie einen besonderen Einfall …

2 Karten zum halben Preis

Gültig für alle Vorstellungen von „Ursel“ – Parkaue 29, 10367 Berlin.

Um Reservierung wird gebeten – Telefon (030) 55 77 52 52.

Coupon bitte an der Kasse abgeben.

Elefantenkopfgott

THEATER AN DER PARKAUE

Das australische Back to Back Theatre ist eine der

außergewöhnlichsten Gruppen der zeitgenössischen

Theaterszene. Ihre aktuelle Arbeit „Ganesh Versus

the Third Reich“ ist ein Holocaust-Märchen:

ein sarkastisches Kaleidoskop über Machtfragen.

2 Karten zum halben Preis

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KulturScheck

HAU Hebbel Am Ufer

Gültig für Back to Back Theatre / Bruce Gladwin: Ganesh Versus the Third Reich

Fr 19.04.2013, 20:00 / HAU1 – Stresemannstr. 29, 10963 Berlin

Reservierung unbedingt erforderlich,

begrenztes Kontingent: T. +49 (0)30.259 004 -36/27 Sparen mit dem

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QUATSCH COMEDY CLUB

Gültig vom 13.03. bis 31.08.2013 für die CLUB MIX-Show am Donnerstag um 20 Uhr nach

Verfügbarkeit an der Abendkasse. Nicht kombinierbar mit anderen Ermäßigungen.

QUATSCH Comedy Club.

Friedrichstraße 107, 10117 Berlin

www.quatsch-comedy-club.de

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Nicht echt, aber echt gut

Erleben Sie im Estrel Berlin die größten Musikstars in

einer Show. Dem Original täuschend ähnlich in Optik und

Stimme, entführen die weltbesten Doppelgänger u.a. von

Madonna, Freddie Mercury und Robbie Williams Sie in die

glamouröse Welt legendärer Stars von damals und heute.

Alle sechzehn Jahre im Sommer

Während über die TV-Bildschirme die Fußball-WM

von 1974, 1990 und 2006 flimmern, spielt sich in der

Charlottenburger WG das wirkliche Leben ab. — Eine

Gegenwartskomödie von John von Düffel!

Premiere: 5. April, Termine: 13./14./22./24. April

2 Karten zum halben Preis

CAVEMAN am 18.04.2013

Männer sind Jäger und Frauen sind Sammlerinnen. Eine

Tatsache, die die menschliche Evolution bis heute nicht

hat ändern können. Die Theater-Comedy für alle, die eine

Beziehung führen, führten oder führen wollen!

20 Prozent Ermäßigung

KulturScheck

Hans OttO tHeater

Gültig für alle Vorstellungen „Alle sechzehn Jahre im Sommer“ (außer Premiere),

Hans Otto Theater, Schiffbauergasse 11, 14467 Potsdam

Um Reservierung wird gebeten: 0331-98 11 8

Coupon bitte an der Kasse abgeben

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DUMMY am 16. und 23.03.13

jeweils um 22.15 Uhr

Geben Sie den Kulturscheck bei Abholung der Karten

an der Theaterkasse des CHAMÄLEON Theaters ab und

zahlen Sie nur

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StarS in ConCert

20 Prozent Ermäßigung auf Showtickets

Tickets Euro 20,– bis 48,50 zzgl. VVK- und Ticket-Gebühr

Mehr unter www.stars-in-concert.de sowie 030 6831 6831

Gültig bis 23. Juni 2013 für alle Tage und Kategorien

Stichwort: „Kulturscheck“

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Chamäleon

25 € auf allen Plätzen (Sie sparen bis zu 24 €)

Das Angebot gilt nach Verfügbarkeit freier Plätze, es können pro Buchung

bis zu vier Karten zu dem Kulturscheck-Preis gekauft werden.

Telefonische Reservierungen sind mit dem Stichwort „tip Berlin“ unter der

Tickethotline 030-4000 590 möglich.

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AdmirAlspAlAst studio

Der Kulturscheck ist einlösbar an der ADMIRALSPALAST Theaterkasse.

Das Angebot gilt nach Verfügbarkeit freier Plätze, es können pro Buchung

bis zu 2 Karten zu dem Kulturscheck-Preis gekauft werden.

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Foto: HL Böhme/HOT


Foto: Udo Leitner

dorthin wohl nur einen Traum

darstellt (begleitet von Songs wie

„Das macht die Berliner Luft,

Luft“), lebt er am Ende seine Leidenschaft

doch aus – mit einer

Anstellung beim Luftschiffskapitän

Graf Zeppelin.

19.6.

cabaret

ADmirAlSPAlAST

Eddie izzard

Der international renommierte

Stand-up-Comedian begeistert

sein Publikum mit einer mal feinen,

mal derben Balance aus Drama

und Komik. Dabei keilt er

gegen sämtliche Nationen und

Religionen, frei nach dem Motto:

Diskriminiert wird, wen Izzard

nicht bespöttelt.

5.4.

Die Schöne und das biest

Es ist die bekannte Geschichte

von der Allmacht der Liebe, die

letztlich sogar das Böse zu überwinden

vermag: In einem verwunschenen

Schloss lebt ein Prinz,

der einst wegen seiner Unmenschlichkeit

von einer Fee in

ein Biest verwandelt wurde. Kann

ein junges Mädchen den verwunschenen

Prinzen im letzten Moment

von seinem Fluch erlösen?

21.4.

Der österreichische Chef-Grantler mit

neuem Programm in den Wühlmäusen:

„Hader spielt Hader“

les ballets Trockadero de monte

carlo

Klassiker der Ballettgeschichte werden

von männlichen Primadiven

augenzwinkernd, aber nicht minder

virtuos auf die Bühne gebracht.

ab 6.8.

20 Premierenvorschau

bAr JEDEr VErNuNFT

muttis Kinder

Die virtuose Bühnenshow voll

akustischer Überraschungsangriffe

kommt gänzlich ohne Instrumente

aus. Die viereiigen

Drillinge Claudia Graue, Christopher

Nell und Marcus Melzwig

setzen ganz und gar auf ihre Stimmen,

mit denen sie Instrumente

imitieren und Jazziges sowie Rockiges

zum Besten geben.

8.4.

Tim Fischer

In „Das war gut!“ widmet sich der

Chansonnier dem Werk Georg

Kreislers. Der österreichische

Meister des schwarzen Humors

wurde zum Förderer von Tim Fischer

und sagte über diesen: „Er

besticht hochmusikalische Zeitungskritiker,

die Geld brauchen

und dann tränenüberströmt ein

paar freundliche Worte über ihn

schrei ben, bevor sie beichten gehen.

Das Geld hat Tim Fischer

von seinem Vater, einem Bankräuber.“

16.–19.4.

TEmPODrOm

Dieter Nuhr

Der Gymnasiallehrer erscheint omnipräsent.

Er löste Mathias Richling

beim „Satiregipfel“ ab, kommentiert

für das Privatfernsehen spitzzüngig

das Fußballgeschehen, beackert

das Radio mit eigener Show

und macht sich mittlerweile auch

als Fotograf einen Namen. Kein

Wunder, dass auch sein aktuelles

Programm ein Sammelsurium alltäglicher

Themenkreise wie

Schwarze Löcher, Staulöcher und

das Paarungsverhalten von Rotbuchunken

darstellt.

12.4.

TiPi Am KANZlErAmT

cabaret

Ein Musical im Dauerlauf, welches

auf Christopher Isherwood beruht,

der seine Erfahrungen im

Berlin der frühen 30-Jahre niederschrieb.

Eine Geschichte, die

an der Spree entstand und nun

erneut an dieser Stelle in der Inszenierung

von Vincent Paterson

zur Aufführung kommt. Und damit

die Atmosphäre stimmig

scheint, wurde mit dem Tipi –

dem Ursprung entsprechend – eine

Cabaretbühne als Aufführungsort

gewählt.

27.6.–1.9.

Les Ballets Trockadero de Monte Carlo im Admiralspalast (August)

uFAFAbriK

Pianotainment

Vierhändig jonglieren die klassisch

ausgebildeten Musiker am

Klavier. Ob „Pour Elise“ als

Lounge-Version, der „Hummelflug“

in einer High-Speed-Variante

oder Stücke rückwärts gespielt:

Die beiden experimentieren gern,

vermischen Klassik, Jazz und Pop

und schrecken auch nicht davor

zurück, das Instrument mit Tennisbällen

zu bedienen.

1.–11.5.

WühlmäuSE

Josef hader

Der österreichische Grantler

schlüpft in verschiedene Rollen.

So gaukelt er vor, die „Grenzen

der Philosophie“ auszuloten.

Auch das morbide Moment

kommt nicht zu kurz. Dem Wiener

Klischee entsprechend mit dem

Tod auf Du und Du, sinniert er

über die Vorzüge der Urnenbestattung

und landet schließlich

irgendwann im „Humanistischem

Block“ – im Hades.

17.4.

Klassik

The Ten Tenors

Ihre Ausbildung verwenden sie,

um Chartmusik und Rockhits in ein

klassisches Gewand zu packen.

Eindeutig eine Frage des Geschmacks.

Tempodrom, 9.4., 20 Uhr

rudolf buchbinder: beethoven

Der Pianist gilt als einer der weltweit

besten Experten für das Klavierwerk

von Beethoven. Im Rahmen

seiner Abende stellt er dessen

Sonaten vor.

Philharmonie/KMS,

15.4., 26.4., 10.6., 20 Uhr

ludovico Einaudi

Klanglandschaften auf dem Klavier

entwirft der italienische

Weltstar.

Tempodrom, 10.4., 20 Uhr

Atos Trio




Eines der markantesten Kammermusiktrios

der Welt mit ihrer

„Russland“-Konzertreihe.

Heimathafen Neukölln,

26.4., 20 Uhr

Philharmonischer chor berlin,

berliner Singakademie

Unter Leitung von Jörg-Peter Weigle

erklingt Walter Braunfels’ „Große

Messe“.

Philharmonie, 1.5., 20 Uhr

Anne-Sophie mutter, Dresdner

Philharmonie

Die Star-Violinistin intoniert mit

den Dresdner Philharmonikern

unter Leitung von Rafael Frühbeck

de Burgos Werke von Beethoven.

Philharmonie, 3.5., 20 Uhr

tip Bühne 07·13

Foto: Sascha Vaughn


Foto: Peter Adamik

rolando Villazon

Nach der Stimmband-Operation ist

der Star-Tenor wieder im Besitz

seiner stimmlichen Kräfte.

Philharmonie, 5.5., 20 Uhr

Arcadi Volodos, Oslo Philharmonic

Orchestra

Der Pianist hat sich vor allem mit

der klanglich-lyrischen Interpretation

von Werken einen Namen

gemacht. Jukka-Pekka Saraste dirigiert

den Abend, bei dem das

Klavierkonzert Nr. 2 von Brahms

und die Sinfonie Nr. 5 Es-Dur von

Sibelius gespielt werden.

Philharmonie, 7.5., 20 Uhr

richard Goode

Der mit dem Grammy ausgezeichnete

Pianist widmet sich bei seinem

Gastspiel den Sonaten von

Beethoven

Konzerthaus, 7.5., 20 Uhr

Schlüterhof-Konzerte

Kurz vor Saisonende gastiert das

RSO-Berlin unter Leitung von Jean-

Christophe Spinosi im Schlüterhof

des Deutschen Historischen Museums.

Solisten sind Clara Dent

(Oboe, 9.5.) und Sung Kwon You

(Fagott, 12.5.).

DHM Berlin, 9., 11.+12.5., 19 Uhr

New york Philharmonic

Die Dresdner Musikfestspiele gastieren

in Berlin. Das New York

Philharmonic Orchestra und Alan

Gilbert spielen Mozarts Konzert für

Klavier und Orchester KV 503 und

Tschaikowskys „Pathétique“.

Konzerthaus, 11.5., 20 Uhr

Kurz vor Saisonende: Die Konzerte des

Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin im

Mai im Schlüterhof des Deutschen

Historischen Museums (Mai)

Orchester, chor, Extrachor des

braunschweiger Staatstheaters

Vor 100 Jahren erlebten Schönbergs

„Gurrelieder“ ihre Uraufführung.

Berliner Dom, 15.5., 20 Uhr

Academy of St. martin in the

Fields

Zusammen mit dem Pianisten Murray

Perahia spielte das Orchester

in 35-jähriger Zusammenarbeit das

gesamte Klavierwerk von Beethoven

ein.

Konzerthaus, 29.5., 20 Uhr

Artemis Quartett

Vineta Sareika komplementiert

den Weggang von Natalia Prishepenko

– Das Artemis Quartett somit

in etwas neuer Besetzung mit

Kammermusiken von Mendelssohn-Bartholdy,

Bach und Piazolla

Philharmonie/KMS, 30.5., 20 Uhr

Grigorij Sokolov

Der Pianist gilt als Nachfolger der

russischen Virtuosenschule, spielt

bei seinem Gastspiel aber Werke

von Schubert und Beethoven.

Philharmonie, 5.6., 20 Uhr

musikfestspiele Potsdam

Sanssouci

Konzerte in Schlössern, Gärten, in

Häusern und auf Schiffen – sogar

bei einem Fahrradkonzert begibt

man sich auf musikalische Entdeckungsreise

nach Skandinavien.

Sanssouci, 7.6.–23.6., 20 Uhr

Staatsoper für alle

Immer noch mitten in der Generalsanierung

– dennoch spielt die

Staatskapelle neben ihrer Heimatstätte

das Open Air unter Führung

von Daniel Barenboim bei freiem

Eintritt.

Bebelplatz, 16.6., 13 Uhr

lindsey Stirling

Eine Kombination, die ungewöhnlich

klingt und sehr erfolgreich

ist: Klassische Violine trifft

auf tiefe Dubstep-Töne.

Huxleys Neue Welt, 19.6., 20 Uhr

berliner Philharmoniker

Saisonabschlusskonzert unter

Leitung von Sir Simon Rattle und

Violinist Christian Tetzlaff. Picknickkorb

nicht vergessen.

Waldbühne, 22.6., 20.15 Uhr

hoppegarten Klassik

Viertägiges Festival mit Konzerten

des Rundfunks-Sinfonieorchesters,

des Deutschen Filmorchesters Babelsbergs

und mit Auftritten von

Pop- und Rockgrößen.

Galopprennbahn Hoppegarten,

21.–23.6., 20 Uhr

In Kooperation mit

Der Klassiker.

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07·13 tip Bühne Premierenvorschau 21


Mein erstes Mal Barrie Kosky

56 Takte lang Streichersurren

in Oktaven. Eine Klanglandschaft,

weitläufig, voll von

Möglichkeiten, grenzenlos.

Eine entfernte Bläserfanfare

unterbricht das Surren wie

ein Ruf aus der Vergangenheit,

herausfordernd und mutig,

aus einem längst vergessenen

Turm einer längst

vergessenen Burg. Ein Kuckuck

ruft, durchdringt die

Luft. Eine hinterhältige, sich

windende chromatische

Phrase für Streicher schlängelt

sich durch die Landschaft,

verführerisch und

zugleich bedrohlich. Und

immer wieder diese traurigen,

fallenden Quarten, die

wie seufzende Geister über

die Welt verstreut sind.

Ich war fünfzehn, als ich

Mahler zum ersten Mal hörte.

Niemand und nichts hatten

mich darauf vorbereitet. Was

war das für eine Musik? Was für Klänge? Und warum hatte ich trotz

ihrer Fremdheit das Gefühl, sie schon einmal gehört zu haben? Irgendwo,

auf irgendeine Weise in einem halb vergessenen Traum.

Machte mich das musikalische Vokabular des ersten Satzes von

Mahlers erster Sinfonie bereits sprachlos, so verstummte ich bei den

Klängen des dritten Satzes vollkommen. Bum, bum. Bum, bum. Der

Trauermarsch beginnt. Bum, bum. Die Pauken, kaum wahrnehmbar.

Wie in Watte eingehüllte Riesenfüße. Ein Kontrabass beginnt, „Frère

Jacques“ in Moll zu spielen. Ein Kontrabasssolo? „Frère Jacques“? Als

22 Mein erstes Mal

»Was war das für

eine Musik?«

Bum, bum. Bum, bum: Barrie Kosky, der Intendant der Komischen Oper,

erinnert sich an seine erste Begegnung mit der Musik Gustav Mahlers

BARRIE KOSKY

Barrie Kosky, 46, Australier, Enkel jüdischer Einwanderer aus

Russland, Polen und Ungarn, macht seit dieser Spielzeit als Intendant

die Komische Oper zur aufregendsten Bühne Berlins. Seine

„Zauberflöte“ in Stummfilmästhetik ist die beste frei verkäufliche

Glücksdroge, die in der Stadt derzeit erhältlich ist. Wer glaubt, Oper

sei eine ehrwürdige, feierliche und etwas langweilige Angelegenheit

für ältere Herrschaften, war noch nie in einer Opern-Inszenierung von

Barrie Kosky.

Trauermarsch? Ein Kinderlied,

in dem die Frage gestellt

wird: „Bruder Jakob, schläfst

du noch?“ Als schwermütiger

Trauerkanon? Ich war

baff. Als das Orchester weiterspielte,

sah ich, wie ein

Leichenwagen mit einem

Kind die leere, schlammige

Straße hinunterfuhr. Und

dann gibt Mahler dem Ganzen

eine der wundersamsten

Wendungen innerhalb der

Musikgeschichte: In der Mitte

des Trauermarsches taucht

auf einmal eine Klezmer-

Band auf. Ja, Onkel Mauries

Bar-Mizwa-Band erscheint

im Orchester, als ob sich eine

Gruppe von Musikern einfach

zur Hauptverkehrszeit in die

Mitte einer mehrspurigen

Straße gestellt hätte.

Was für ein Komponist

kombiniert einen Trauermarsch

mit einem Kinderlied

und einer schwungvollen Klezmer-Band auf der gleichen Seite einer

sinfonischen Partitur? Diese Musik verführte mich. Sie packte, erschütterte

und überflutete mich. Sie drosselte mich. Sie war umwerfend,

abstoßend, erschreckend. Sie hat mir einen Riesenschreck

eingejagt. Und sie tut es nach wie vor. Bum, bum. Bum, bum. „Frère

Jacques, Frère Jacques, dormez-vous, dormez-vous?“ Und diese jüdische

Band, dieses kratzende, hohe Kontrabasssolo am Anfang des

Satzes. So verkehrt und doch so richtig. Ein alter Mann mit einem

Lungenemphysem auf dem Spielplatz. 1

tip Bühne 07·13

Foto: David von Becker


20·12 tip Bühne

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