Selbsthilfegruppe unkontrollierte Esser - H. Stemmler (PDF)

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Selbsthilfegruppe unkontrollierte Esser - H. Stemmler (PDF)

Gedanken zur Inklusion

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„Inklusion“

• Wörtliche Übersetzung: (lateinisch

inclusio, „Einschluss“) bedeutet auch

Einbeziehung, Einschluss,

Eingeschlossenheit, Dazugehörigkeit.

• Im pädagogischen Sinn: Wertschätzung

der Diversität (Vielfalt).

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„Inklusion“

• Soziologie: Die Forderung nach Sozialer

Inklusion ist verwirklicht, wenn jeder

Mensch in seiner Individualität von der

Gesellschaft akzeptiert wird und die

Möglichkeit hat, in vollem Umfang an ihr

teilzuhaben bzw. teilzunehmen.

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„Inklusion“

• Unterschiede und Abweichungen werden

im Rahmen der sozialen Inklusion bewusst

wahrgenommen. Ihr Vorhandensein wird

von der Gesellschaft weder in Frage

gestellt noch als Besonderheit gesehen.

• Das Recht zur Teilhabe wird sozialethisch

begründet und bezieht sich auf sämtliche

Lebensbereiche, in denen sich alle

barrierefrei bewegen können sollen.

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„Inklusion“

• Inklusion beschreibt die Gleichwertigkeit

eines Individuums, ohne dass dabei

Normalität vorausgesetzt wird. Normal ist

vielmehr die Vielfalt, das Vorhandensein

von Unterschieden.

• Die einzelne Person ist nicht mehr

gezwungen, nicht erreichbare Normen zu

erfüllen.

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„Inklusion“

• Vielmehr ist es die Gesellschaft, die

Strukturen schafft, in denen sich Personen

mit Besonderheiten einbringen und auf die

ihnen eigene Art wertvolle Leistungen

erbringen können.

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„Inklusion“

• Im psychiatrischen Kontext leben wir

überwiegend nicht in einer „inklusiven –“,

sondern in einer „exklusiven Gesellschaft“.

• Denn mit dem Aufbau „exklusiver

Versorgungs - Strukturen“ hat die

Gesellschaft verlernt, inklusiv zu denken /

zu fühlen und zu handeln.

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„Inklusion“

• Psychiatrische Inklusion – wie ich sie

verstehe – darf nicht darin enden, eine

möglichst koordinierte, kooperierende

psychiatrische Behandlung, Beratung und

Betreuung der Betroffenen und Ihrer

Angehörigen gemeindenah zu realisieren,

sondern ist auch Wegbereiter für eine

inklusive Gesellschaft - selbstverständlich.

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„Inklusion“

• die UN - Menschenrechtskonvention 2006

und deren legislative Umsetzung in der

BRD am 26. März 2009 motiviert nunmehr

alle professionellen, psychiatrischen Kräfte

Inklusion möglichst im Hau-Ruckverfahren

zu realisieren.

• Ich nenne das „Inklusion von oben“

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„Inklusion“

• Organisierte Selbsthilfe will durch

Kooperation mit psychiatrischen Diensten,

Kliniken und Einrichtungen zu einer

bedarfs- und bedürfnisgerechteren

Versorgung beitragen.

• Die sog. „Normalisierung der Hilfen“ kann

bei vielen PE nur mehr durch eine

„Brückenfunktion“ der Selbsthilfe gelingen.

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„Inklusion von unten“

• „Inklusion von unten“ meint Kooperation

auf gleicher Augenhöhe:

• Ihr (Profis) seid eingeladen mit uns zu

arbeiten:

• Aber dazu bedarf es zu vereinbarender

Spielregeln!

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„Die Zeit ist reif für

Veränderung?“

Eine Zukunftswerkstatt der

oberbayerischen Selbsthilfe für

Psychiatrie-Erfahrene

(OSPE)

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Tagungsschwerpunkte vom 24.02.2010

Das Thema

„Wunsch und Wirklichkeit (in) der

psychiatrischen Versorgung“ wird aus

Profi-Sicht und aus der Sicht der

Psychiatrie-Erfahrenen beleuchtet.

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Workshop Themen:

• Gleiche Augenhöhe – Chance oder Illusion

• Genesung als Auftrag an Patient und Profi –

Selbst- und / oder Fremd-Heilung

• Ist es gesund, normal zu sein?

Sinn und Werte einer menschenwürdigen

Gesellschaft

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Ausblick der Tagung vom 24. Febr. 2010:

• Die oberbayerische Selbsthilfe für

Psychiatrie-Erfahrene (OSPE), die Selbsthilfe

der Angehörigen psychisch Kranker (ApK) und

die anwesenden Psychiatrie-Profis wollen in

Zukunft einen verstärkten Dialog bzw. Trialog

„auf gleicher Augenhöhe“ anstreben.

• Durch eine intensivierte Kommunikation und

Erfahrungsaustausch soll das gegenseitige

Verständnis und Verstehen gefördert werden.

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Ziele:

Es sollen kleine, praktikable

Kooperationsprojekte zwischen Selbsthilfe und

psychiatrischen Einrichtungen und Diensten

„erfunden“ und umgesetzt werden,

• die leistbar sind,

• die die Haltung, das Wissen und die Erfahrung

des Anderen vertrauter macht und

• die dazu beitragen, die Lebensqualität der

Betroffenen zu verbessern.

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Aufgabenfelder / Arbeitsthemen

AT 1. Behandlung und Therapie (ambulant u. stationär).

AT 2. Beratung und Betreuung.

AT 3. Ausbildung, Beschäftigung, Bildung, Arbeit.

AT 4. Wohnen und häusliches Umfeld.

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Kooperation OSPE – SpDi Obb.

1. Kennen-lern-Treffen am 26. Oktober –

„Markt der Möglichkeiten“

2. Vereinbarungen:

• Z.B. SHG + TEAM vor Ort lernen sich

kennen;

• „PEER“ Mitarbeit bei Klienten denen

Selbsthilfe vielleicht „gut“ täte;

• Niederschwellige „Lotsendienste“ usw.

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…„Inklusion von unten“

Spielregel 1: Sprache

• sprecht bitte unsere Sprache, sonst

verstehen wir Euch nicht;

• sprecht bitte unsere Sprache deutlich,

sonst verstehen wir Euch falsch;

• sprecht bitte langsam, sonst verstehen wir

nur die Hälfte.

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„Inklusion von unten“

Spielregel 2: (Zu-)Hören

ich denke viel und spreche wenig oder

umgekehrt;

mehr Gesprächspausen;

Geduld – ich brauche manchmal etwas

länger, das Gehörte zu verstehen und

dann den Mut zu finden zu antworten

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„Inklusion von unten“

Spielregel 3: Zeit

• Vertrauen braucht Zeit zum Öffnen-

Lassen;

• Entschleunigung: Langsamer ist

nachhaltiger;

• Das Gefühl für den richtigen Zeitpunkt

kann nicht vorgedacht/geplant werden.

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„Inklusion von unten“

„Ohne ihn war nichts zu machen,

Keine Stunde hat er frei.

Als sie ihn zu Grabe trugen –

war er -richtig- auch dabei.“

Wilhelm Busch

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„Inklusion von unten“

Spielregel 4: Verantwortung/(Selbst-

/Fremd-) Bestimmung

• Am Anfang brauche ich persönliche und

unmittelbare Verantwortlichkeit des Profis;

• In der Zukunft möchte ich selbst (wieder)

für mich verantwortlich werden;

• Ich will ein mir zugestandenes „Recht auf

Risiko“ (Dörner) haben.

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„Inklusion von unten“

Spielregel 5: Normalität

„ich habe die Sehnsucht ganz normal in

meiner eigenen Welt zu leben“;

Es ist verrückt, normal zu sein oder

…ist es normal, verrückt zu sein?

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„Inklusion von unten“

• Spielregel 6: Distanz und Nähe, Empathie

• Versteckt Eure Persönlichkeit nicht hinter

Eurer Professionalität, wir spüren es;

• Habt Respekt vor unseren Erfahrungen,

sie sind für uns real existent.

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