Am Puls der Natur - Biodiversitymonitoring.ch

biodiversitymonitoring.ch

Am Puls der Natur - Biodiversitymonitoring.ch

Eine Pioniertat 2

Die Schweiz erfasst ihre

biologische Vielfalt.

Unser Kapital 3

Natürlicher Reichtum in Gefahr.

Die Schweiz unter der Lupe 6

Das Biodiversitäts-Monitoring

Schweiz

Der Natur auf der Spur 10

Wie misst man Viefalt?

Die Daten 14

Das Programm liefert

erste Resultate

Die Indikatoren 16

Glossar 18

Literatur 19

Am Puls

der Natur


Bundesamt für

Umwelt, Wald und

Landschaft

BUWAL

IMPRESSUM

Diese Publikation ist eine Zusammenfassung

der bislang zum BDM

erschienenen Informationen, insbesondere

des Zwischenberichts

(erschienen in der Schriftenreihe

Umwelt des BUWAL) sowie der

Website des Programms.

Herausgeber

Koordinationstelle BDM

Hintermann & Weber AG

Locher, Schmill, Van Wezemael &

Partner AG

Text, Gestaltung

Locher, Schmill, Van Wezemael &

Partner AG

Bezug

Diese Zusammenfassung kann nur

als PDF über die Website des Biodiversitätsmonitoring

Schweiz BDM

heruntergeladen werden.

www.biodiversitymonitoring.ch

Kontakt

Urs Hintermann

Hintermann & Weber AG

4153 Reinach

hintermann@hintermannweber.ch

Tel. +41 (0) 61 717 88 88

Programmverantwortlicher

Dr. Erich Kohli

Sektion Biotop- und Artenschutz

BUWAL

3003 Bern

erich.kohli@buwal.admin.ch

Tel. +41 (0)31 322 68 66

2

Eine Pioniertat

Die biologische Vielfalt ist eine grosse Unbe-

kannte – weder Wissenschaft noch Öffentlich-

keit wissen viel darüber. Dabei ist sie unsere

Existenzgrundlage: So reinigen vielfältige Öko-

systeme das Trinkwasser oder produzieren die

Luft zum Atmen.

Im Jahr 2001 startete das Bundesamt für

Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL das

Biodiversitäts-Monitoring Schweiz (BDM).

Damit leistet die Schweiz Pionierarbeit: Welt-

weit zum ersten Mal richtet ein Land ein flä-

chendeckendes Biodiversitäts-Messnetz ein.

Im Fokus stehen nicht nur seltene, besonders

wertvolle Biotope, sondern vor allem die nor-

male Landschaft. Gerade dort ist die bio-

logische Vielfalt durch neue Nutzungsformen

und wachsende Siedlungen stark beeinflusst.

Das BDM wird zeigen, wie sich die Vielfalt

der Tiere, Pflanzen und Lebensräume in der

Schweiz entwickelt. Zudem lassen sich die

Umweltmassnahmen der letzten Jahre über-

prüfen. Und unser Land erhält ein wichtiges

Instrument, um seinen natürlichen Reichtum

für kommende Generationen zu erhalten.


Magerwiese:

Auch in der Schweiz gibt es

noch Orte höchster Vielfalt.

Safran-, Enten-, Stiel- und Henglibirne:

Über 400 Birnensorten

wachsen in der Schweiz.

Jede Sorte hat Eigenschaften, die

wir Menschen nutzen, sei es zum

Essen, Dörren oder Schnapsbrennen.

Diese Vielfalt kennen und

schätzen wir. Weniger bewusst

sind uns die über 200 Gräser und

7’000 Käferarten, die es in der

Schweiz gibt. Doch auch sie sind

Teil des verblüffenden biologischen

Reichtums unseres Landes.

Die heutige Vielfalt ist das Resultat

einer langen Evolution: Aus

einigen Urlebewesen hat sich in

den letzten 3,5 Milliarden Jahren

eine unüberschaubare Zahl von

Unser Kapital

Unermesslich viele Lebensformen umgeben

uns und ermöglichen unsere Existenz. Doch

die Ausdehnung des Siedlungsraums und die

Verschmutzung von Boden, Luft und Wasser

bedroht diese Lebensgrundlage.

Lebensformen entwickelt. Wissenschafter

schätzen, dass unser Planet

zwischen 10 und 100 Millionen

Arten beherbergt. Erst ein Teil davon

ist bis heute wissenschaftlich

beschrieben worden.

Leben heisst Vielfalt

Biologische Vielfalt prägt unser

Leben: Im Laufe der Jahrtausende

hat sich der Mensch zum Beispiel

von rund 7’000 verschiedenen

Pflanzen ernährt. Doch nicht nur

beim Essen sind wir auf Naturprodukte

angewiesen. Wir bauen unsere

Häuser mit Holz, verarbeiten

Leder zu Jacken und Baumwolle

zu Hemden. Auch unsere Medizin

verdankt der Natur viel: 90 Prozent

der meistverkauften Medikamente

basieren auf pflanzlichen Rohstoffen.

Biodiversität hat indes nicht

allein einen direkten materiellen

3


Rote Zahlen

4

Wert. Die Natur ist für viele Menschen

Quelle der Erholung, Entspannung

und Inspiration. Und

noch wichtiger: Biologische Vielfalt

sorgt dafür, dass die natürlichen

Kreisläufe unserer Erde im Lot bleiben.

Intakte Ökosysteme produzieren

und filtern die Luft zum Atmen,

reinigen das Wasser und schaffen

ein Klima, in dem wir angenehm

leben können.

Vielfalt auf allen Ebenen

Biodiversität gibt es auf drei

verschiedenen Ebenen: Zunächst

existieren die zahlreichen Arten

von Tieren, Pflanzen und anderen

Lebewesen. Diese so genannte Artenvielfalt

ist in der Natur am leichtesten

zu erkennen. Nun unterscheiden

sich aber auch alle Individuen

einer Art – wie wir Menschen

auch – genetisch voneinander. Die

zahllosen kleinen Unterschiede

im Erbgut nennen Fachleute die

genetische Vielfalt. Sie spielt eine

wichtige Rolle in der Evolution.

Schliesslich formieren sich die Lebewesen

je nach klimatischen und

geologischen Bedingungen in unterschiedlicher

Zusammensetzung.

Diese Lebensräume mit ihren diversen

Artenzusammensetzungen

stellen eine weitere Quelle der

Vielfalt dar.

Die Uhr tickt

Ungeachtet ihrer existenziellen

Bedeutung ist die biologische Vielfalt

heute vielerorts in Gefahr. Die

Menschheit breitet sich in rasendem

Tempo aus. Der Druck auf alle

anderen Lebewesen nimmt zu.

Die Uhr tickt: Pro Stunde

werden weltweit eine bis drei Arten

ausgerottet, sagen Biologen.

Im Jahr verschwinden zwischen

10’000 und 25’000 Arten für

immer von unserem Planeten.

Geht das globale Massensterben

«Trotz Anstrengungen des Naturschutzes

sind hierzulande manche Arten selten oder

bedroht.»

und die Vernichtung der Lebensräume

im gleichen Tempo weiter,

wird laut manchen Wissenschaftern

in Hundert Jahren die

Hälfte aller Arten ausgerottet sein.

Zum Teil werden Arten vernichtet,

bevor wir überhaupt ihre Existenz

wahrgenommen haben. Sogar in

der kleinen Schweiz entdeckt man

immer wieder Arten, die zuvor bei

uns unbekannt waren. Wie zum

Beispiel die Mückenfledermaus,

die 2002 zum ersten Mal in der

Schweiz gesehen wurde.

Trotz Anstrengungen des Naturschutzes

sind hierzulande manche

Arten selten oder bedroht. Einzelne

Tier- und Pflanzenarten sind auch

bei uns ausgestorben (siehe Grafik

unten). Allerdings ist noch zu wenig

klar, wie gefährdet unsere Tier- und

Pflanzenwelt insgesamt tatsächlich

ist. Eine der Aufgaben des BDM ist

es, die heutige Situation besser zu

verstehen.

In der Schweiz wachsen schätzungsweise 3’000 Pflanzenarten. Etwa ein Drittel davon sind auf der Roten Liste der gefährdeten

Farn- und Blütenpflanzen aufgeführt. 50 der Rote-Liste-Arten sind in der Schweiz ausgestorben. Weitere 180 sind kurz

davor.

Rote Zahlen auch bei den rund 40’000 Tierarten: 44 Prozent der 195 in der Schweiz brütenden Vogelarten stehen auf der

Roten Liste. Sechs davon sind ausgestorben. Sieben sind vom Aussterben bedroht. 54 Prozent der Säugetiere, 78 Prozent

der Fische, 87 Prozent der Reptilien und 95 Prozent der Amphibien sind hierzulande gefährdet.

Säugetiere Vögel Reptilien Amphibien

Fische und

Rundmäuler Insekten

Schnecken und

Muscheln Blütenpflanzen

verschwunden gefährdet selten nicht gefährdet


Denn dass Pflanzen und Tiere

bedroht werden, dafür kann es

verschiedene Gründe geben. So ist

der Einfluss des Menschen zum

Beispiel nicht an sich schädlich. Im

Gegenteil: Erst die Siedler verwandelten

Europa im Laufe der Jahrhunderte

in eine Kulturlandschaft

und schufen ein Mosaik neuer Lebensräume

in der zuvor mit Wald

bedeckten Landschaft. Äcker und

Wiesen, Hecken und Waldränder,

Rebberge und Obstgärten boten

Hunderten von Arten einen neuen

Lebensraum. Doch seit Mitte des

19. Jahrhunderts hat sich mit dem

Siegeszug der Technik die mitteleuropäische

Kulturlandschaft stark

verändert: In der Schweiz sind in

diesem Zeitraum 90 Prozent aller

Trockenrasen, Feuchtgebiete und

Auenlandschaften zerstört worden.

Der Verlust der naturnahen

Lebensräume hat der einheimischen

Flora und Fauna stark zugesetzt

(siehe Randspalte rechts).

Vielfalt auf verschiedenen Ebenen

Lebensraumvielfalt.

Die Lebensraumvielfalt

hängt von der

Zusammensetzung

einer Landschaft ab. In

den Alpen findet man

Lebensräume wie Felsen,

Gletscher, Lärchenwälder

oder Magerwiesen.

Lebensraumvielfalt

ist schwierig zu erfassen,

denn die Übergänge

zwischen den

Lebensräumen sind

meistens fliessend und

die Landschaft verändert

sich dauernd.

Artenvielfalt.

Im allgemeinen

Sprachgebrauch wird

Biodiversität oft mit

Artenvielfalt gleichgesetzt.

Arten kann man

gut voneinander unterscheiden

und sie sind

einfach zu erfassen.

Internationale

Verpflichtung

Beim Erdgipfel 1992 in Rio

unterzeichneten die Umweltminister

der meisten Länder das

«Übereinkommen über die biologische

Vielfalt». Die so genannte

Biodiversitätskonvention trat

im Dezember 1993 in Kraft. Die

bis heute von 180 Staaten ratifizierte

Konvention bezeichnet

drei Hauptziele:

1. Erhalt der biologischen Vielfalt

2. Nachhaltige Nutzung der biologischen

Ressourcen

3. Gerechtere Verteilung der

wirtschaftlichen Vorteile aus

der Nutzung von biologischen

Ressourcen

Auch die Schweiz hat die Biodiversitätskonventionunterzeichnet

und sich verpflichtet, ihre

natürliche Vielfalt zu beobachten

und zu erhalten.

Genetische Vielfalt.

Kein Lebewesen ist

gleich wie das andere:

Innerhalb von Arten

gibt es genetische

Unterschiede. Genetisch

vielfältige Populationen

werden seltener

von Krankheiten

befallen und können

sich eher an veränderte

Umweltbedingungen

anpassen. Genetische

Vielfalt zu messen, ist

aufwändig und teuer.

Zerstörung

der Vielfalt

Verschiedene Faktoren sind

dafür verantwortlich, dass auch

in der Schweiz Tiere und Pflanzen

bedroht sind, insbesondere

durch:

• Industrialisierung der

Landwirtschaft. Die Rolle

der Landwirtschaft hat sich

gewandelt. Vor der Industrialisierung

gliederte sie

die Landschaft und schuf

Lebensräume für viele Tiere

und Pflanzen. In den letzten

zweihundert Jahren setzten

die Bauern dagegen immer

mehr Dünger, Spritzmittel

und Maschinen ein. Seither

gibt es keine Hungersnöte

mehr, doch Lebensräume wie

Hecken, Büsche, Bäche und

Tümpel mussten der rationellen

Produktion weichen.

• Zerstückelung von Lebensräumen.

In der Schweiz

sind Baumaschinen ununterbrochen

im Einsatz: Pro

Sekunde werden 0,86 Quadratmeter

Boden überbaut.

Strassen, Siedlungen und

Industriezonen zerschneiden

einst zusammenhängende

Lebensräume. Allein das

Nationalstrassennetz hat sich

in den vergangenen 30 Jahren

fast verdreifacht. In unserem

kleinen, dicht bevölkerten

Land fehlen deshalb oft naturnahe

Lebensräume, die gross

genug sind für langfristig

funktionierende Ökosysteme.

• Schadstoffe. Wie Inseln ragen

naturnahe Lebensräume aus

der intensiv genutzten Umgebung.

Schadstoffe aus der

Luft dringen aber auch auf

diese Inseln vor und beeinflussen

die natürliche Artenzusammensetzung.

Pro Jahr

und Hektare gelangen zum

Beispiel etwa 30 Kilogramm

Stickstoff in die Böden. Der

Nährstoff verändert das natürliche

Artengefüge grundlegend.

5


Genau hingeschaut: Die Bestimmung

von Moosen erfordert meistens eine

Lupe, manchmal ein Mikroskop.

6

Die Schweiz

unter der Lupe

Die Schweiz erfasst ihre Biodiversität: Ein

Langzeit-Beobachtungsprogramm wird in

einigen Jahren zeigen, wie es hierzulande

um die biologische Vielfalt steht.

Die Schweiz hat sich durch

internationale Abkommen

wie der Biodiversitäts-Konvention

verpflichtet, die biologische

Vielfalt zu erhalten und zu fördern.

Doch bis heute gibt es keine umfassenden

Zahlen zur Biodiversität.

Damit fehlt eine wichtige Grundlage,

um Pflanzen und Tiere effizient zu

schützen. Allerdings ist es aufwändig,

die Daten zu ermitteln – selbst in einem

kleinen Land wie der Schweiz.

Denn um die ganze Bandbreite des

Lebens abzudecken, müsste man

jeden Winkel des Landes über Jahre

hinweg beobachten.

Dies ist zwar nicht möglich.

Trotzdem lassen sich mit den richtigen

Methoden Zustand und Veränderung

der biologischen Vielfalt

erkennen. Das Biodiversitäts-Monitoring

(BDM) des Bundesamts

für Umwelt, Wald und Landschaft

BUWAL soll solche Zahlen liefern

und die wichtigsten Faktoren erfassen,

die die natürliche Vielfalt be-

einflussen. Das BDM zeichnet dabei

nicht etwa nur negative Trends auf,

sondern erfasst alle Entwicklungen

– auch positive. Denn das Leben ist

dynamisch und komplex, Arten verschwinden,

wandern, passen sich

an, entstehen. Das BDM soll helfen,

diese Prozesse zu verstehen, damit

unser Land rechtzeitig auf Veränderungen

der biologischen Vielfalt

reagieren kann. Das BDM ist somit

auch ein Frühwarnsystem für die Naturschutzpolitik.

Heute investiert die Schweiz

jährlich mehrere Millionen Franken

in den Erhalt der Biodiversität, zum

Beispiel in Form von Ökobeiträgen

an die Landwirtschaft. Weil man

aber über die Biodiversität noch wenig

weiss, setzt der Bund möglicherweise

das Geld nicht genau dort ein,


Umweltpolitik (Ziele,

Rahmenbedingungen)

Projekte, Programme

Was heisst Monitoring?

wo es am meisten bewirken könnte.

Das BDM liefert nun eine verlässliche

Datengrundlage und schafft damit

eine solide Basis, um zukünftige

Schutzziele und -massnahmen

festzulegen. Wissenschafter können

zum Beispiel dank dem BDM dereinst

die Artenvielfalt von Buntbrachen

mit normalen Wiesen vergleichen.

Aufgrund dieses Vergleichs

können sie konkrete und realistische

Schutzziele formulieren wie:

«Die Artenvielfalt auf bewirtschafteten

Flächen soll in den nächsten 10

Jahren um 10 Prozent zunehmen.»

Dank dem BDM wird die Schweiz

Gelder für den Naturschutz fortan

gezielter einsetzen können.

Integrierende Umweltberichterstattung

Monitoring (Umweltbeobachtung)

Erfolgskontrolle (der

Projekte u. Programme)

«Monitoring» ist englisch und bedeutet soviel wie Dauerbeobachtung. Im

Falle des Biodiversitäts-Monitoring Schweiz (BDM) ist damit die langfristige

Beobachtung der Schweizer Landschaft gemeint. Über Jahrzehnte bestimmen

und zählen Biologen auf ausgewählten Standorten die Pflanzen- und

Tierarten. Exakt definierte und strikt eingehaltene Erhebungsmethoden stellen

sicher, dass die Daten auch in vielen Jahren noch vergleichbar sind. Ziel

der Dauerbeobachtung ist es, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Dies

unterscheidet das Monitoring von der Erfolgskontrolle, welche die Wirkung

von konkreten Massnahmen untersucht. Anders als das Monitoring sagen

Erfolgskontrollen jedoch nichts über eine langfristige Entwicklungen aus.

Dreigleisiges Verfahren

Das Monitoringprogramm arbeitet

mit dem so genannten «Pressure-State-Response»-Modell

(PSR,

siehe Randtext), einem international

anerkannten Konzept, das von

der Organisation für wirtschaftliche

Entwicklung und Zusammenarbeit

OECD entwickelt wurde. «Pressure-

State-Response» heisst auf Deutsch

«Einfluss-Zustand-Massnahme».

Das PSR-Modell geht davon aus,

dass wirtschaftliche oder natürliche

Prozesse kompliziert ablaufen,

weshalb verschiedene Faktoren

berücksichtigt werden müssen,

um diese Prozesse darzustellen.

Bei der Biodiversität müssen wir

erstens wissen, wie es um die Artenvielfalt

in unserem Land zurzeit

steht. Darüber geben die Zustands-

Das international

anerkannte PSR-

Modell

Die Abkürzung «PSR» steht für

das englische «Pressure–State–

Response», was soviel heisst wie

«Einfluss–Zustand–Massnahme».

Das Modell arbeitet mit drei

Indikatortypen:

Einfluss-Indikatoren (E1 bis

E15, vgl. Anhang) beschreiben

Faktoren, die die Artenvielfalt

positiv oder negativ beeinflussen.

Beispiel: Nutzungs- und

Bedeckungsvielfalt.

Zustands-Indikatoren (Z1 bis

Z11) beschreiben den Zustand

der biologischen Vielfalt direkt.

Sie geben den heutigen Zustand

wieder und werden in einigen

Jahren zeigen, wie sich die biologische

Vielfalt verändert hat.

Erhoben werden die Vielfalt der

Arten sowie die genetische und

landschaftliche Vielfalt. Beispiel:

Anzahl wildlebender Arten in der

Schweiz.

Massnahmen-Indikatoren erfassen

Massnahmen, die zum Erhalt

der Artenvielfalt beitragen (M1

bis M7). Beispiel: Ökologische

Ausgleichsfläche in der Schweiz.

«Wie der Dow Jones Index in

der Wirtschaft widerspiegeln

die Indikatoren des Biodiversitäts-Monitoring,

wie sich das

natürliche Kapital der Schweiz

entwickelt.»

7


Was ist ein Indikator?

Die Luftqualität können Fachleute

relativ einfach messen, indem

sie einige wichtige Schadstoffe

mit ihren Messgeräten erfassen.

Die biologische Vielfalt ist

ungleich schwieriger zu bestimmen.

Es gibt ja Tausende von

Tier- und Pflanzenarten, die sich

auch noch genetisch voneinander

unterscheiden. Das BDM

behilft sich angesichts dieser

unübersichtlichen Situation mit

einer Auswahl von Kennzahlen,

den so genannten Indikatoren,

die wichtige Aspekte der biologischen

Vielfalt repräsentieren.

Es gibt keine Möglichkeit, die

Biodiversität eines Landes vollständig

zu erfassen. Aber mit

8

Indikatoren Aufschluss. Zweitens

erfassen Fachleute Faktoren, die die

Biodiversität beeinflussen könnten.

Zum Beispiel der Einsatz von Mineraldünger.

Dazu dienen ihnen Einfluss-Indikatoren.

Und drittens interessiert,

welche Schutzmassnahmen

bereits getroffen wurden. Diese Information

sollen die Massnahmen-

Indikatoren liefern.

Dow-Jones-Index der

biologischen Vielfalt

Das BDM erfasst die biologische

Vielfalt der Schweiz mittels 32 Indikatoren.

Während der Dow-Jones-

Index wirtschaftliche Entwicklungen

widerspiegelt, zeigen die Indikatoren,

wie das natürliche Kapital der

Schweiz wächst oder schrumpft.

Trends lassen sich frühzeitig erkennen

und Massnahmen können ergriffen

werden.

Denn obwohl die Biodiversität

unsere Lebensgrundlage ist, wissen

selbst Fachleute nicht genau, wie

sich die Artenvielfalt im Laufe der

Zeit verändert hat und ob sie sich

weiter verändert. Im Gegensatz zu

anderen Umweltbereichen gibt es

keine Richtlinien für die Biodiversi-

einem Set von 32 Indikatoren

gelingt es dem BDM, das biologische

Kapital unseres Landes

so zu beschreiben, das wichtige

Rückschlüsse für unser langfristiges

Handeln gezogen werden

können.

Achtung: Biologen verstehen

oftmals unter «Indikatorarten»

Tiere oder Pflanzen, die sehr

spezifische Lebensraumansprüche

besitzen und dementsprechend

Umweltzustände

anzeigen können. Der Baumpieper

beispielsweise gilt als

Indikatorart für strukturreiche

Kulturlandschaften, weil er auf

solche vielfältigen Landschaften

angewiesen ist. Sein Bestand

tät, wie beispielsweise Schadstoffgrenzwerte

für die Luft. Das BDM

wird in einigen Jahren diese Lücke

schliessen und Zielvorgaben und

Richtlinien liefern können.

Normal aber wertvoll

Die Fachleute und Politiker sind

sich einig: Wir müssen mehr über

die biologische Vielfalt wissen. Zwar

existieren bereits Datenbanken zu

bestimmten Tier- und Pflanzenarten;

diese konzentrieren sich oft

aber auf seltene oder bedrohte Arten.

Solche Arten leben meistens in

speziellen Lebensräumen, etwa in

Auenwäldern oder Hochmooren.

Sie sind daher nicht repräsentativ

für die gesamte Schweiz. Das BDM

will hingegen die Artenvielfalt in der

«normalen» Schweizer Landschaft

mit ihrer typischen Flora und Fauna

beobachten – auch in Siedlungsund

Landwirtschaftsgebieten. Denn

gerade die Zahlen häufiger Arten haben

sich in den vergangenen Jahren

verändert: Das einst verbreitete Rebhuhn

sieht man heute zum Beispiel

nur noch selten.

Um Veränderung in der Landschaft

zu erkennen, greifen Biolo-

ist in den letzten Jahren massiv

zurückgegangen. 1996 lebten

zum Beispiel im Kanton Aargau

noch rund 100 Paare. Bei einer

angenommenen Reviergrösse

von 3 Hektaren nutzt der Baumpieper

heute somit noch ganze

0,13 Prozent des aargauischen

Kulturlandes. Er kann also für

maximal ein Promille der landwirtschaftlichen

Nutzfläche

repräsentativ sein. Das BDM will

indes Aussagen über möglichst

grosse Flächen machen, insbesondere

auch über die Normallandschaft,

und verzichtet daher

bewusst auf Verwendung von

solchen Indikatorarten.

gen häufig auf so genannte «Indikatorarten»

zurück. Der Vogelschutz

wendet zum Beispiel diese Methode

bei regionalen Schutz- und Aufwertungsprojekten

an: Der Baumpieper

(siehe Randtext unten) gilt etwa als

Indikator für eine vielfältige Kulturlandschaft.

Dieser Landschaftstypus

stellt aber nur einen Bruchteil der

schweizerischen Landschaft dar. Für

Aussagen, die das ganze Land betreffen,

sind solche Indikatorarten

darum wenig geeignet. Das BDM

soll ein möglichst breites Spektrum

an Arten, Lebensräumen und Umweltzuständen

erfassen. Es stellt daher

nicht auf Indikatorarten ab, sondern

auf ganze Artengruppen: Zur

Zeit sind dies das vor allem Gefässpflanzen,

Moose, Brutvögel, Tagfalter

und Schnecken. Diese Artengruppen

sind besonders interessant, weil sie

in vielen verschiedenen Lebensräumen

vorkommen, zum Beispiel

gleichzeitig in Wäldern, Siedlungen

und Wiesen.


«Obwohl die Biodiversität unsere

Lebensgrundlage ist, wissen

selbst Fachleute nicht genau,

wie sich die Artenvielfalt im

Laufe der Zeit verändert hat

und ob sie sich weiter verändert.»

Diversitätniveaus

γ

β

α

Widersprüchliche Entwicklung erfassen

Im selben Gebiet und im gleichen Zeitraum können ganz unterschiedliche

Entwicklungen der Artenvielfalt stattfinden, die teilweise

sogar widersprüchlich verlaufen. Dies liegt daran, dass die Anzahl der

seltenen, der verbreiteten oder der häufigen Arten von unterschiedlichen

Faktoren bestimmt wird und von verschiedenartigen (menschlichen)

Einwirkungen beeinflusst werden kann. Die Zahlen in der

Tabelle belegen, dass die Gesamtartenzahl der Brutvögel und die Zahl

der natürlicherweise seltenen Arten in der Schweiz in den letzten

hundert Jahren zugenommen hat. Gleichzeitig hat aber die Zahl der

verbreiteten Brutvogelarten um über ein Drittel abgenommen. Um

die Artenvielfalt möglichst breit zu erfassen, beschreibt das Biodiversitätsmonitoring

die Entwicklung auf verschiedenen Massstäben.

Brutvogelarten in der Schweiz 1890 1990 Veränderung

Zahl der Brutvogelarten insgesamt 172 196 +14%

Zahl der verbreiteten Brutvogelarten 69 42 -39%

Zahl der natürlicherweise seltenen Brutvogelarten 15 32 +113%

Unterschiedliche Niveaus der Artenvielfalt

Das BDM unterscheidet die Artenvielfalt in drei verschiedenen Grössenordnungen:

Vielfalt innerhalt eines Lebensraums (α-Diversität) Vielfalt innerhalt eines Landschaft (β

-Diversität) und Vielfalt in einer biogeografischen Region (γ-Diversität). Die Entwicklung

kann auf jeder Ebene unabhängig verlaufen. Die Resultate müssen einzeln interpretiert

werden. So hätte eine landesweit zunehmende Biodiversität in bioeografischen Regionen

andere Ursachen und Folgen, als wenn die Biodiversität in kleinflächigen Biotopen

steigt.

Definition Vielfalt innerhalb eines

Lebensraumes

(α-Diversität)

Einflüsse • Nährstoffe

• Struktur

• Nutzungstechnik

• Pflege

Wichtigste Schutzstrategie

Vermutliche Entwicklung

in den

90er-Jahren

• Nutzungstechniken

entwickeln bzw. optimieren

• Abnahme (ausser

eventuell in Siedlungen

und im Wald)

Sensitive Arten • häufige, weit verbreitete

Arten

Vielfalt innerhalb eines

Lebensraummosaiks

(β-Diversität)

• Heterogenität

• Grenzlinienlänge

• Grösse der Nutzflächeneinheiten

• Biotopschutz

• Ausgleichsflächen

• Biotopvernetzung

• Abnahme (ausser

eventuell in Siedlungen

und im Wald)

• weit verbreitete, nicht

häufige Arten

(RL-3-Arten*)

Vielfalt in einer biogeografischen

Region

(γ-Diversität)

• Arealverschiebungen

• Artenbildung

• Artensterben

• Artenschutz

• Wiedereinbürgerung

• grossräumige

Korridore

• evtl. Isolation

• Abnahme (ausser

eventuell in Siedlungen

und im Wald)

• seltene Arten

(RL-0/1/2-Arten*)

Zeitliche Dynamik • mittel • schnell • langsam

Sinnvoller Bezugsraum

• Nutzungseinheiten • Regionen

• Höhenstufen

Indikator im BDM Z9 Z7 Z3

• Biogeografische

Regionen

• Land

9


10

Der Natur

auf der Spur

Um verbreitete Arten zu beobachten, hat das BDM

zwei Stichprobennetze über die Schweiz gelegt.

Biologen erfassen auf über 2´000 Flächen

die Tier- und Pflanzenvielfalt unseres Landes.

Die Grundlagen zur Berechnung

der BDM-Indikatoren

stammen aus verschiedenen

Quellen: Für die Einfluss- und

Massnahmen-Indikatoren (siehe

Randspalte Seite 7) greift das BDM

weitgehend auf bereits existierende

Datensammlungen zurück, zum

Beispiel auf andere BUWAL-Programme,

auf Angaben des Bundesamtes

für Statistik oder Erhebungen

der Vogelwarte Sempach. Neue

BDM-Untersuchungen ergänzen

diese Daten gezielt. Sie konzentrieren

sich auf die Zustandsindika-

toren, die Stand und Entwicklung

der Artenvielfalt messen. Völlig neu

ist die Erhebung der Artenvielfalt in

der Normallandschaft.

Rund 2´100 Probeflächen

Um repräsentative Aussagen

über die Biodiversität in der Normallandschaft

machen zu können, hat

das BDM zwei Stichprobennetze

über die Schweiz gelegt. Auf den

Knotenpunkten der Stichprobennetze

befinden sich die insgesamt

rund 2´100 Probeflächen. Jedes

Jahr untersuchen die BDM-Mitar-

Bestimmung von Pflanzen:

Die Feldbiologinnen und -biologen müssen

die Arten genau unterscheiden.

beitenden einen Fünftel aller Probeflächen,

womit nach fünf Jahren

die ersten Daten für alle Probeflächen

vorliegen. Nach zehn Jahren

– erstmals im Jahr 2011 – werden

sämtliche Flächen zweimal untersucht

worden sein. Ab diesem Zeitpunk

wird man erkennen, wie sich

die Artenvielfalt hierzulande langfristig

entwickelt.

So wird gemessen

Die Probeflächen können überall

liegen, in einer Stadt genauso wie in

unwegsamem Gelände in den Bergen.

Oft müssen Feldmitarbeitende

lange Märsche im Gelände in Kauf

nehmen, um eine Stichprobenfläche

zu erreichen, wo sie alle Arten nach

einer standardisierten Methode zählen.

Um die Artenvielfalt eines Lebensraums

(Z9 – siehe Kasten vorhergehende

Seite) aufzunehmen,

arbeiten die Biologen auf zehn Quadratmeter

grossen Flächen. Dort bestimmen

sie sämtliche Gefässpflanzen

und sammeln alle Moose, die


Die beiden neuen Stichprobennetze des BDM

Die Artenvielfalt wird mit Hilfe von zwei unterschiedlichen Stichprobennetzen erfasst.

Messnetz Z7. Messnetz Z9.

Stichprobenfläche Z7. Stichprobenfläche Z9.

Artenvielfalt in Landschaften Z7

Das weitmaschigere Netz umfasst rund 500 Probeflächen

mit einer Ausdehnung von einem Quadratkilometer.

Auf diesen ausgedehnten Probeflächen

wird die Artenvielfalt in der Landschaft ermittelt.

Feldbiologen bestimmen Tiere und Pflanzen, die zu

den Artengruppen des BDM gehören, zum Beispiel

Brutvögel, Schmetterlinge und Blütenpflanzen.

Damit Arten, die nur saisonal vorkommen, nicht

vergessen gehen, müssen die Probeflächen mehrmals

pro Jahr untersucht werden.

«Die Probeflächen können überall

liegen, in einer Stadt genauso wie

in unwegsamem Gelände in den

Bergen.»

Artenvielfalt in Lebensräumen Z9

Das feinmaschigere Messnetz besteht aus 1600

Messpunkten, die je bloss zehn Quadratmeter

gross sind. Die Biologen bestimmen auf der

ganzen Fläche Tiere und Pflanzen, die zu den

Artengruppen des BDM gehören, zum Beispiel

Mollusken, Moose und Blütenpflanzen. Die Resultate

dieses Messnetzes wiederspiegeln die Vielfalt

innerhalb von Lebensräumen (Biotopen): Alle Messpunkte

auf einem Acker zum Beispiel repräsentieren

die Vielfalt auf landwirtschaftlich genutzten

Feldern.

11


12

Stichprobenfläche

lokalisieren (mit

GPS).

Bodenprobe für spätere

Laboranalyse

stechen.

Pflanzen bestimmen

und Moose

sammeln.

Befunde digital

erfassen.

sie finden. Zusätzlich nehmen sie

Bodenproben mit ins Labor, um unter

dem Mikroskop Schnecken jeder

Grösse zu erkennen.

500 weitere, je einen Quadratkilometer

grosse Probflächen

geben Aufschluss über die Vielfalt

von Tieren und Pflanzen in einer bestimmten

Region (Z7). Weil es zu

aufwändig wäre, einen ganzen Quadratkilometer

akribisch abzusuchen,

gehen die Feldmitarbeitenden eine

vorgegebene, 2,5 Kilometer lange

Strecke ab, einen so genannten

Transekt. Entlang des Transekts, der

meistens bestehenden Wegen folgt,

bestimmen die Biologen sämtliche

Pflanzen und notieren alle Brutvögel

und Tagfalter. Dann geben sie die

Artenzahlen in Taschencomputern

ein, womit sich zuhause das Übertragen

vom Feldbuch in den Computer

erübrigt. Im Durchschnitt werden

entlang des Transekts über 220

Pflanzenarten gezählt..

Entscheidend ist bei grossen

wie bei kleinen Probeflächen, dass

die Biologen bei jeder ihrer Untersuchungen

immer die exakt gleiche

Stelle absuchen. Nur so erhält das

BDM vergleichbare Resultate. Die

Feldmitarbeitenden orten deshalb

die 10 Quadratmeter-Probeflächen

mit einem GPS-Gerät (Global Positioning

System). Zusätzlich vergraben

sie im Zentrum der Probflächen

einen Magneten in 60 Zentimeter

Tiefe. Mit einem Magnetsuchgerät

kann so der Standort noch in Jahrzehnten

auf Zentimeter genau lokalisiert

werden.

Einkalkulierte Fehler

Damit die Erhebungen, die fünf

oder zehn Jahre auseinander liegen,

vergleichbar bleiben, müssen

nicht bloss stets die gleichen Orte

besucht, sondern auch immer dieselben

Methoden angewendet werden.

Ohne Kontinuität gibt es keine

verlässlichen Daten.

Ebenso wichtig ist es, die Qualität

der Daten laufend zu überprüfen,

um Fehler schnell aufzudecken.

Die Feldarbeit wird mit Doppel-Blinderhebungen

kontrolliert. «Doppel»


heisst: Zwei von einander unabhängige

Mitarbeitende untersuchen eine

Untersuchungsfläche zweimal kurz

hintereinander auf die gleiche Art

und Weise. «Blind» bedeutet, dass

die Feldmitarbeitenden bei der ersten

Aufnahme nicht wissen, ob eine

zweite erfolgen wird.

Eine weitere Kontrolltechnik ist

die so genannte Sättigungsmethode:

Externe Experten versuchen, sämtliche

Arten einer Untersuchungsfläche

zu finden. Sie sind nicht an die

standardisierten BDM-Methoden

gebunden, sondern arbeiten nach

eigenem Verfahren. Die Koordinationsstelle

des BDM vergleicht dann

das Ergebnis mit den Erhebungen

der BDM-Mitarbeitenden.

Mit diesen Techniken überprüft

die BDM-Koordinationsstelle die

Tauglichkeit der Erhebungsmethoden

und ermittelt die Fehlerrate der

Mitarbeitenden. Da es nämlich fast

unmöglich ist, auf einer Probfläche

sämtliche Pflanzen und Tiere aufzuspüren,

übersehen die Biologen

fast immer etwas. Ist die Fehlerrate

jedoch bekannt, kann sie in der Auswertung

berücksichtigt werden und

verfälscht nicht die Resultate.

«Im BDM wird die Qualität der

Daten laufend überprüft, um Fehler

in den Feldaufnahmen schnell aufzudecken.»

Untersuchte Artengruppen

Taxon Z7 Z9

Gefässpflanzen

Moose

Mollusken (o. Nacktschnecken)

Brutvögel

Tagfalter (ohne Dickkopffalter)

Heuschrecken

Eintagsfliegen, Steinfliegen, Köcherfliegen

Amphibien (ohne Alpensalamander)

Säugetiere (ohne Fledermäuse)

Fische

Fliessgewässerinvertebraten

erhoben

noch in Abklärung

Ein Fünftel der Flächen pro Jahr

Die insgesamt über 2’100 Stichprobenflächen werden nicht jedes Jahr

untersucht. Dafür fehlen die nötigen Gelder und Mitarbeitenden. Bloss

ein Fünftel der Flächen wird pro Jahr erhoben. Anders gesagt: Erst nach

fünf Jahren sind alle Stichprobenflächen einmal erfasst. Nach zehn Jahren

ist ein Vergleich aller Flächen möglich. Dies wird im Jahr 2011 der Fall

sein.

Aufnahmejahr 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

1. Teilerhebung

2. Teilerhebung

3. Teilerhebung

4. Teilerhebung

5. Teilerhebung

13


Daten auf Knopfdruck: Eine Fülle

von aktuellen Informationen lassen

sich auf dem Internet abrufen.

«Informationen zu den Massnahme-

und Einfluss-Indikatoren

werden so weit wie möglich aus

bestehenden Statistiken übernommen.»

14

Organisation

Feldmitarbeitende

Z7, Z9, (Z8)

BUWAL

Koordinationsstelle

BDM

Datenlieferanten

Z3, Z4, (Z6)

Die Daten

Seit 2001 werden in der ganzen

Schweiz Daten gesammelt. Die

ersten Resultate stehen jetzt der

Öffentlichkeit zur Verfügung.

Das Biodiversitäts-Monitoring

ist zwar vom Bundesamt für

Umwelt, Wald und Landschaft

BUWAL lanciert worden, die

Projektdurchführung liegt aber bei

einer externen Koordinationsstelle

(siehe untenstehende Grafik). Alle

Daten zum BDM laufen bei dieser

Koordinationsstelle zusammen, werden

ausgewertet und anschliessend

publiziert. Ausserdem ist die Koordinationsstelle

auch für die Qualitätssicherung

zuständig: Sie kontrolliert

die Datenerfassung und die Auswertungsmethoden.

Die vom BUWAL beauftragte Koordinationsstelle ist für die Datenbeschaffung

und -auswertung sowie die Berichterstattung und Qualitätssicherung

zuständig.

Kontaktgruppe

Diverse Datenlieferanten

Z-, E- und M-Indikatoren


Informationen für alle

Die BDM-Koordinationsstelle

sammelt die Rohdaten, zum Beispiel

die Artenliste, die ein Feldmitarbeiter

auf einem Stichprobenstandort

erstellt hat. Diese Rohdaten werden

nicht veröffentlicht. Fachleute,

die sich dafür interessieren, können

sie aber bei Bedarf einsehen. Regelmässig

publik gemacht werden dafür

die Basisdaten. Basisdaten sind

zu Statistiken aufbereitete Rohdaten.

Interessierte können die Basisdaten

bei der Koordinationsstelle

(Adresse im Impressum) beziehen

oder rund um die Uhr auf der BDM-

Website (www.biodiversitymonitorin

g.ch) abrufen. Die Basisdaten sind

vor allem für kantonale Fachstellen,

Planungsbüros, Bundesstellen und

Forschungsanstalten interessant.

Für ein breiteres Publikum liefern

verschiedene Broschüren und

Berichte grundlegende Informationen

zum Programm. Diese Unterlagen

sind ebenfalls bei der Koordinationsstelle

erhältlich. Viele der

Dokumente sind als PDF-Download

auf der BDM-Website verfügbar.

Eine weitere gute Informationsmöglichkeit

ist das Newsletter «Hotspot»,

das vom Forum Biodiversität

zweimal pro Jahr herausgegeben

wird. «Hotspot» berichtet über die

wichtigsten Erkenntnisse und den

Projektstand des BDM und kann

kostenlos abonniert werden (Adresse

im Anhang).

www.biodiversitymonitoring.ch

Die Website des BDM enthält wichtige Informationen

über die Biodiversität und das Monitoring-Programm.

In leicht verständlicher Form beantwortet

die Website grundlegende Fragen: Was ist Biodiversität?

Was bringt sie uns und weshalb muss

sie geschützt werden? Die Site informiert über

die Ziele und Methoden des BDM-Programms.

Die Rubrik «Projekt» zeigt den aktuellen Stand

des BDM. Die Website führt zudem eine Liste mit

ausführlichen und aktuellen Beschreibungen aller

Indikatoren.

Daten werden in Form von Statistiken auf der Website

präsentiert. Sie werden laufend auf den neusten

Stand gebracht. Abgerundet wird die BDM-

Website durch einen ausführlichen Serviceteil mit

zahlreichen Links, Adressen und Berichten.

Kosten

Etwa 3 Millionen Franken kostet das BDM in der

Betriebsphase jährlich.

Datenbeschaffung

Z7 und Z9 2´200´000

Restliche Indikatoren 200´000

Spezifische Untersuchungen

Koordinationsstelle

100´000

Personal, Sachkosten 350´000

Berichterstattung 150´000

Kosten Total pro Jahr (inkl. MWST) 3´000´000

15


Anhang

Die Indikatoren*

Zustands-Indikatoren

Z1. Anzahl

Nutzrassen und -sorten

Veränderung der Zahl der Nutztierrassen

und Nutzpflanzensorten

in der Schweiz.

Der Indikator gibt einen Überblick

über die Anzahl Nutztierrassen

und Nutzpflanzensorten

in der Schweiz. Zudem erfasst

der Indikator Rassen und Sorten,

die durchchtung neu

entstehen.

Z2. Anteil der

Nutzrassen und -sorten

Veränderung des Anteils der

verschiedenen Nutztierrassen

und Kulturpflanzensorten am

Gesamtbestand aller Nutztierrassen

und Kulturpflanzensorten.

Gemessen wird auch der

Anteil, den die einzelnen Nutztierrassen

und Kulturpflanzensorten

zur Gesamtproduktion

aller Nutztiere und Kulturpflanzen

beitragen.

Der Indikator zeigt die Bedeutung

der verschiednen Nutztiere

und Kulturpflanzen für die Nahrungsmittelproduktion.

In der

Landwirtschaft werden heute

gewisse Rassen und Sorten auf

Kosten anderer bevorzugt, weil

sie mehr eintragen. Diese Konzentration

hat Nachteile, denn

dadurch bietet sich Schädlingen

und Krankheiten eine breite Angriffsfläche.

Z3. Artenvielfalt in der

Schweiz und in den Regionen

Veränderung der Summe aller

wildlebenden Arten. Die Summe

verändert sich, wenn Arten

aussterben oder neue Arten zuwandern

respektive angesiedelt

werden.

Der Indikator erfasst alle in der

Schweiz wildlebenden Arten,

die während mindestens 9 der

letzten 10 Jahre nachgewiesen

werden konnten.

Z4. Weltweit bedrohte

Arten in der Schweiz

Veränderung der Summe aller

Arten, die weltweit gefährdet

16

sind und in der Schweiz leben.

Der Indikator zeigt, ob weltweit

bedrohte Arten auf Schweizer

Territorium erfolgreich geschützt

werden.

Z5. Gefährdungsbilanzen

Gefährdungsbilanz: Zahl der Arten,

deren Gefährdung in der

Schweiz abgenommen hat, minus

Zahl der Arten, deren Gefährdung

zugenommen hat.

Der Indikator zeigt, ob sich

die Artengefährdung allgemein

eher verschärft oder entspannt.

Alle wildlebenden Arten der

Schweiz werden in so genannten

Roten Listen einer Gefährdungskategorie

zugeordnet.

Die Kategorien sind: «geringes

Risiko», «verletzlich», «gefährdet»,

«kritisch gefährdet»,

«regional ausgestorben» und

«ungenügend bekannt». Die

Gefährdungsbilanz wird auf

der Basis dieser Kategorien

erstellt.

Z6. Bestand bedrohter Arten

Veränderung der Bestandsgrössen

der Arten, die in der Schweiz

bedroht sind. Wie Z5 widerspiegelt

Z6 die Zu- oder Abnahme

gefährdeter Pflanzen und Tiere.

Im Gegensatz zu Z6 erfasst Z5

aber nur einige charakteristische

Arten.

Da nur einige ausgewählte Arten

beobachtet werden, ist der

Indikator relativ willkürlich. Er

dient vor allem dazu, allgemeine

Entwicklungen anhand von

ausgewählten «Flaggschiffarten»,

zu beschreiben.

Z7. Artenvielfalt

in Landschaften

Veränderung des durchschnittlichen

Artenreichtums auf einem

Quadratkilometer.

Dies ist einer der wichtigsten

Indikatoren des BDM. Er erfasst

Fauna und Flora in der schweizerischen

Normallandschaft.

Der Artenreichtum in Landschaften

ist abhängig von der

Vielfalt und Qualität der vorhandenen

Lebensräume. In monotonen

Landschaften ist die Ar-

tenzahl klein, weil viele Tiere

und Pflanzen vielfältige Gebiete

bevorzugen mit langen und

breiten Übergangsbereichen

zwischen unterschiedlichen

Lebensräumen (zum Beispiel

Waldränder).

Z8. Bestand häufiger Arten

Veränderung der Bestandesgrössen

häufiger Arten in der

Schweiz.

Dieser Indikator reagiert auf

Qualitätsveränderungen der

«normalen» Landschaft, in der

häufige Arten leben. Analog zu

Z6, das allgemeine Entwicklugen

anhand seltener Arten beschreibt,

zeigt Z8 Veränderungen

exemplarisch am Beispiel

häufiger Arten.

Z9. Artenvielfalt in Lebensräumen

Veränderung des durchschnittlichen

Artenreichtums ausgewählter

Arten auf 10 Quadratmeter

grossen Flächen.

Dies ist einer der zentralen Indikatoren

des BDM. Er erfasst

den Artenreichtum in den Lebensräumen.

Die Art der Nutzung und ihre

Intensität beeinflussen die Artenvielfalt

in den einzelnen

Lebensräumen. Angepasste,

rücksichtsvolle Nutzungen zum

Beispiel im Wald, auf Äckern

oder in Siedlungen führen zu

einem hohen Indikatorwert

Z10. Fläche der

wertvollen Biotope

Veränderung der Fläche der

wertvollen Biotope von nationaler

Bedeutung.

Biotope von nationaler Bedeutung

sind Lebensräume, die für

die Erhaltung der Artenvielfalt in

der Schweiz besonders wichtig

sind. Biotoptypen: Hochmoore,

Flachmoore, Auengebiete, Trockenstandorte

und wertvolle

Wälder.

Z11. Qualität der

wertvollen Biotope

Veränderung der durchschnittlichen

Qualität der wertvollen

Biotoptypen.

Nicht nur die Fläche sondern

auch die Qualität der Biotope

*Ausführliche Informationen zu den Indikatoren finden sich auf der BDM-Website.

ist wichtig, damit möglichst viele

Arten dort leben können.

Einfluss-Indikatoren

E1. Fläche der

wertvollen Biotope

Veränderung der Fläche der

wertvollen Biotope von nationaler

Bedeutung. (Entspricht der

selben Definition wie Z10).

Die «Fläche der wertvollen Biotope»

kann sowohl Zustandswie

Einflussindikator sein: Der

Indikator zeigt den Zustand

der wertvollen Biotope (Lebensräume).

Deshalb ist er ein

Zustandindikator (Z10). Die Veränderung

der Biotopflächen beeinflusst

die Artenvielfalt. Deshalb

ist der Indikator auch als

Einflussindikator aufgeführt.

E2. Flächennutzung

Veränderung der Gesamtfläche

verschiedener Nutzflächen in

der Schweiz.

Die Existenz vieler Arten hängt

von der Nutzungsform ihrer Lebensräume

ab. Wenn die Nutzungsform

einer Fläche sich

verändert (wenn zum Beispiel

Wald gerodet wird, um einen

Acker anzulegen), verändert

sich auch die Zusammensetzung

der Tier- und Pflanzenwelt.

Die Veränderung der Gesamtfläche,

die auf eine bestimmte

Weise genutzt wird, gibt einen

Hinweis auf die Gefährdung von

Arten. Nimmt zum Beispiel die

Gesamtfläche der Magerwiesen

ab, geht die Zahl der Orchideen

zurück.

E3. Fläche der

naturnahen Gebiete

Veränderung der Summe aller

naturnahen Flächen der

Schweiz.

Als «naturnahe Flächen« gelten

Flächen, die in ihrer Entwicklung

nicht oder kaum durch den

Menschen beeinflusst werden.

E4. Länge linearer

Landschaftselemente

Veränderung der Länge von

Flüssen, Bächen, Hecken und

Waldrändern pro Quadratkilometer.


Die Länge von Flüssen, Hecken

und Waldrändern ist wichtig für

die Wanderungen vieler Tierarten.

Über die Qualität dieser

Landschaftselemente sagt der

Indikator allerdings nichts aus.

Auch bei der quantitativen Beurteilung

ist Vorsicht geboten:

Länger muss nicht unbedingt

besser sein. So nimmt beispielsweise

die Waldrandlänge durch

den Bau neuer Strassen zu.

E5. Nutzungs- und Bedeckungsvielfalt

des Bodens

Veränderung der Häufigkeit

der Übergänge von einem Nutzungstyp

zu einem anderen

Nutzungstyp innerhalb eines

Quadratkilometers.

Die Vielfalt und räumliche Anordnung

von Lebensräumen

in der Landschaft beeinflussen

die Biodiversität. Strukturierte

Landschaften bieten mehr

Arten einen Lebensraum als

einförmige. Arten, die für Nahrungssuche,

Aufzucht der Jungen

oder Ruhephasen verschiedene

Lebensräume benötigen,

sind auf solche Landschaften

angewiesen.

E6. Stickstoffangebot

im Boden

Ab- oder Zunahme der Pflanzenarten,

die von Stickstoff (Dünger)

profitieren auf 10 Quadratmeter

Beobachtungsfläche.

Die Zusammensetzung von

Pflanzenarten zeigt den Stickstoffgehalt

des Bodens an.

Pflanzen, die stickstofftolerant

sind (zum Beispiel Brennnesseln),

werden durch Düngen

auf Kosten jener Arten gefördert,

die nährstoffarme Bedingungen

bevorzugen.

E7. Ertragsmenge

pro Flächeneinheit

Veränderung der Produktionsmenge

der Landwirtschaft pro

Hektare.

Der Indikator erlaubt es, die Intensität

der Nutzung landwirtschaftlicher

Nutzflächen abzuschätzen.

E8. Florenfremde Wildfläche

Veränderung des Waldanteils,

der von nicht einheimischen

Baumarten (Exoten) dominiert

wird.

Florenfremde Büsche und Bäume

sind der Vielfalt abträglich,

weil sie von vielen Tieren nicht

gefressen werden, so dass keine

Nahrungskette entstehen

kann. Auch für Pilze, die mit

heimischen Baumarten Symbiosen

eingehen, sind Exoten

unbrauchbar.

E9. Künstlich verjüngte

Jungwaldfläche

Veränderung des Flächenanteils

der künstlich verjüngten Wälder

an der gesamten (künstlichen

und natürlichen) Verjüngungsfläche

des betrachteten Raums.

Im Gegensatz zur künstlichen

werden bei der natürlichen

Verjüngung keine Sprösslinge

aus Baumschulen gepflanzt;

die jungen Bäume wachsen

von selber heran.

E10. Waldfläche mit

speziellen Nutzungsformen

Veränderung des Anteils der

speziell genutzten Waldflächen

an der Gesamtfläche des Waldes

in einem bestimmten Gebiet.

Sondernutzungsformen sind

Nieder- und Mittelwald, Kastanienwälder

und seit mindestens

50 Jahren nicht mehr

bewirtschafteter Wald. Speziell

genutzte Wälder beherbergen

häufig mehr oder andere Tiere

und Pflanzen als «normale»

Wälder.

E11. Wasserentnahmen

aus Gewässern

Wasserentnahmen von über 20

Prozent aus Fliessgewässern

bei durchschnittlichen Niedrigwasserbedingungen.

Ein grosser Teil der Schweizer

che und Flüsse wird von

Kraftwerken genutzt. Hohe

Wasserentnahmen sind grundsätzlich

negativ, weil viele Arten

bei zu tiefem Wasserstand ihren

Lebensraum verlieren.

E12. Anteil beeinträchtigter

Fliessgewässerabschnitte

Verhältnis naturbelassener zu

verbauten Fluss- und Bachläufen.

Durch Begradigung und Hochwasserschutzbauten

sind heute

viele Flüsse stark eingeengt.

Künstliche Ufer bedeuten einen

Verlust an Lebensräumen, weil

Unterschlüpfe für Kleinlebewesen

und Fische fehlen.

E13. Wasserqualität der

Fliess- und Stehgewässer

Veränderung des Gehalts an

anorganischen und organischen

Stoffen sowie der Wassertemperatur

in Schweizer

Gewässern.

Der Indikator macht Aussagen

über die Entwicklung der Wasserqualität.

Heute stellen vor

allem stickstoff- und phosphorhaltige

Verbindungen sowie die

erhöhte Wassertemperatur ein

Problem dar.

E14. Anteil

belasteter Gewässer

Veränderung des Anteils der

Gewässer, die gesetzliche Grenzwerte

unterschreiten oder bis

maximal um 50 Prozent überschreiten.

Der Indikator ergänzt Indikator

E13 und vervollständigt das Bild

über die Wasserqualität in der

Schweiz. Der Indikator zeigt,

ob die Schweizer Gewässervorschriften

umgesetzt werden.

E15. Erschliessungsdichte

Veränderung der Anzahl und

Länge von Erschliessungsstrukturen,

aufgeteilt nach Naturräumen

und den Bereichen Siedlung,

Wald und Landwirtschaft.

Strassen, Wege oder Skilifte erleichtern

den Zugang zu einem

Gebiet. Die verkehrstechnische

Erschliessung führt zu einer

vermehrten Beanspruchung der

Natur; der Druck auf die Lebewesen

nimmt zu. Neu- oder Ausbauten

wirken sich negativ aus,

vor allem weil sie Lebensräume

zerstückeln.

Massnahmen-

Indikatoren

M1. Fläche der Schutzgebiete

Veränderung der Fläche gesetzlich

verankerter Naturschutzgebiete.

Rechtlich verbindliche Schutzgebiete

sind ein wichtiges Instrument

des Naturschutzes.

Allerdings genügen Schutzgebiete

allein nicht, um das Über-

Anhang

leben aller bedrohten Arten zu

sichern.

M2. Fläche der

sicheren Schutzgebiete

Veränderung der Fläche von

Gebieten nationaler Bedeutung,

die von Kantonsgesetzen

geschützt werden und wo die

Schutzmassnahmen eingehalten

werden.

Auf dem Papier ausgewiesene

Schutzgebiete (M1) garantieren

noch keine Umsetzung vor Ort.

Erst wenn die Schutzmassnahmen

auch tatsächlich ergriffen

werden, sind Fauna und Flora

erfolgreich geschützt.

M3. Gefährdete Arten

in Schutzgebieten

Veränderung der Summe jener

Arten, deren Lebensraum zu

über 50 Prozent in Schutzgebieten

liegt, im Verhältnis zur

Summe aller in der Schweiz bedrohten

Arten.

Naturschutzgebiete machen

nur dann wirklich Sinn, wenn

die bedrohten Arten tatsächlich

dort leben. Der Indikator zeigt,

ob bedrohte Arten von Schutzgebieten

profitieren, respektive

ob genügend geschützte Lebensräume

für bedrohte Arten

zu Verfügung stehen.

M4. Ökologische

Ausgleichsfläche

Veränderung der Summe aller

Flächen, die die Arten- und

Lebensraumvielfalt in der Landwirtschaft

fördern und deren

Nutzung vertraglich festgelegt

ist.

Per Gesetz geschützte Gebiete

sind viel zu klein, um Arten allein

schützen zu können. Deshalb

fördert der Bund zum Beispiel

im Landwirtschaftsgebiet

ökologische Ausgleichsflächen,

die der Natur überlassen, extensiv

genutzt oder gezielt vielfältig

angesät werden.

M5. Biologisch

bewirtschaftete Fläche

Veränderung der Gesamtfläche

der biologisch bewirtschafteten

Fläche in der Schweiz.

Vom Biolandbau erhofft man

sich eine vielfältige, artenreiche

Umwelt.

17


Anhang

M6. Vollzug der

Umweltvorschriften

Genaue Definition noch ausstehend

Zur Zeit ist im Bundesamt für

Umwelt, Wald und Landschaft

BUWAL ein Projekt in Bearbeitung,

das zeigen soll, wie die

Auflagen des BUWAL in der

Praxis auch tatsächlich befolgt

werden. Nur der vollständige

Vollzug der Umweltvorschriften

kann das Erreichen der Schweizer

Naturschutzziele gewährleisten.

M7. Finanzen für Natur- und

Landschaftsschutz

Veränderung der Summe der

Gelder, die von der öffentlichen

Hand bei Bund, Kantonen

und Gemeinden für Natur- und

Landschaftsschutz ausgegeben

werden.

Naturschutzausgaben können

als Hinweis für die Bemühungen

eines Landes gesehen werden,

seine Natur zu schützen. Die

Höhe der Ausgaben sagt aber

nichts aus über die Effizienz,

mit der die Mittel eingesetzt

werden. Dennoch kann davon

ausgegangen werden, dass

mehr Mittel bessere Voraussetzungen

für den Naturschutz

schaffen.

18

Glossar

Art/Spezies: Alle Individuen, die

sich auf natürliche Weise untereinander

fortpflanzen können

und in allen typischen Merkmalen

untereinander und mit ihren

Nachkommen übereinstimmen,

bilden eine Art beziehungsweise

Spezies.

Biodiversität: Biodiversität

heisst soviel wie „biologische

Vielfalt“ und umfasst die Artenvielfalt,

den genetischen

Reichtum der Arten aber auch

die Fülle an verschiedenen Lebensräumen.

Biotop: siehe Lebensraum

Buntbrachen: Buntbrachen sind

drei bis sechs Meter breite, ökologische

Ausgleichsflächen, die

landwirtschaftlich nicht genutzt

werden. Vielfältige Pflanzen werden

am Rand einer Ackerfläche

oder innerhalb des Felds ausgesät.

Buntbrachen bleiben zwei

bis sechs Jahre am selben Ort.

Evolution: Evolution nennt man

die Entwicklung von ursprünglichen,

einfachen Lebewesen zu

hoch entwickelten Arten. Triebfeder

der Evolution sind sich

ändernde Lebensbedingungen.

Lebewesen, die sich nicht anpassen

können, sterben früher

oder später aus.

Flaggschiff-Arten (Flagship-species):

Arten, die aufgrund ihrer

Grösse oder Auffälligkeit die

Unterstützung eines breiten Publikums

geniessen, nennt man

Flaggschiff-Arten. Dazu gehören

zum Beispiel Storch und Luchs.

GPS-Gerät: GPS steht für Global

Positioning System. Mit Hilfe von

Satelliten können GPS-Geräte einen

exakten Standort im Gelände

anpeilen.

Indikator: Bedeutet im BDM

eine Kennzahl, die, stellvertretend

für die gesamte Wirklichkeit,

wichtige Aspekte der biologischen

Vielfalt im Zeitverlauf

darstellt.

KARCH: Koordinationsstelle für

Amphibien- und Reptilienschutz

in der Schweiz.

Kulturlandschaft: Die vom

Menschen durch Nutzung

geprägte Landschaft. In der

Schweiz gibt es praktisch keine

Naturlandschaft mehr.

Lebensraum: Ein Lebensraum

oder Biotop zeichnet sich durch

spezifische Umweltbedingungen

aus und beherbergt eine

typische Lebensgemeinschaft

von Pflanzen und Tieren. Umgekehrt

ist jede Art mehr oder

weniger an ein bestimmtes Biotop

gebunden: der Biber an

Auen von stehenden oder langsam

fliessenden Gewässer, das

Murmeltier an Bergmatten über

der Baumgrenze.

Normallandschaft: Eine für die

Schweiz typische Landschaft

mit ihrer Fauna und Flora. In

unserem kleinen Land bedeutet

Normallandschaft, dass sie

oft landwirtschaftlich oder für

Siedlungen genutzt wird.

OECD: Organisation für wirtschaftliche

Entwicklung und

Zusammenarbeit. Sie will die

Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten

im Bereich der Wirtschafts-,

Finanz-, Bildungs-,

Wissenschafts-, Sozial-, Umwelt-

und Entwicklungspolitik verbessern

und fördern. Die Schweiz

ist Mitglied der OECD.

Ökosystem: Ein Ökosystem ist

eine funktionelle Einheit von

Lebewesen und ihrem Lebensraum.

Die Lebewesen stehen in

Wechselwirkung mit ihrer belebten

und unbelebten Umwelt

und tauschen Energie, Stoffe

und Informationen aus. Vielfältige

Wechselwirkungen sorgen

für Stabilität von Ökosystemen.

Seen stellen zum Beispiel ein

Ökosystem dar.

Population: Fortpflanzungsgemeinschaft.

Alle Individuen einer

Art in einem bestimmten

Raum, die sich untereinander

fortpflanzen.

PSR-Modell: Das «Pressure

State Response»-Modell hilft

komplexe Entwicklungen zu

beobachten. Pressure, State,

Response heisst auf Deutsch

Einfluss, Zustand, Massnahme.

Gemäss diesem Modell benutzt

das BDM Einfluss-, Zustands-

und Massnahme-Indikatoren,

die die Entwicklung der biologischen

Vielfalt wiederspiegeln.

Rote Liste: Der Bund führt Rote

Listen mit gefährdeten Pflanzen-

und Tierarten. Sie stellt manche

Arten direkt unter Schutz, zum

Beispiel durch ein Jagdverbot.

Andere Rote-Liste-Arten geniessen

indirekten Schutz, indem

ihre Lebensräume geschützt

werden.

Schutzgebiet: Schutzgebiete

sind rechtlich festgesetzte Gebiete,

in denen ein besonderer

Schutz von Natur und Landschaft

gelten. Schutzgebiete sollen Lebensgemeinschaften

oder Lebensräume

bestimmter Pflanzen-

oder Tierarten erhalten.

Grund für die Massnahme kann

die Seltenheit, eine besondere

Eigenart einer Art oder der Erholungswert

eines Gebietes sein.

Zeigerart: Arten, die sich durch

eine geringe Reaktionsbreite

auszeichnen und sehr spezifische

Lebensbedingungen benötigen,

können als Zeigerart für

bestimmte Umweltbedingungen

beigezogen werden. So gilt zum

Beispiel der Wiesen-Sauerampfer

als Zeiger für überdüngte

Wiesen.


Literatur

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Aargau 2001: Mehr Artenvielfalt

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www.biodiversitymonitoring.

ch

Die Website des Biodiversitäts-

Monitorings Schweiz (BDM)

www.umwelt-schweiz.ch

Offizielle Informationen des

Bundesamtes für Umwelt,

Wald und Landschaft BUWAL

nicht nur zur Biodiversität, sondern

auch zu vielen anderen

Umweltthemen.

www.buwal.ch/nachh/chm/

d/index.htm

Die Informations- und Kommunikationsplattform

der Schweiz

zur Umsetzung der Konvention

über die biologische Vielfalt

(Vermittlungsmechanismus Biodiversität).

www.biodiversity.ch

Informationsplattform des Forums

Biodiversität Schweiz zum

Thema Biodiversität mit zahlreichen

nationalen und internationalen

Links.

www.botanik.ch

Botanisches Webportal mit

Schwerpunkt Schweiz.

www.biodiv.org

Umfangreiche Website der internationalen

Biodiversitäts-

Konvention (Convention on

Biological Diversity).

www.cscf.ch

Umfangreiche Datensammlung

des CSCF zur Fauna der Schweiz.

Verbreitungskarten der Fauna.

www.cjb.unige.ch/rsf

Umfangreiche Datensammlung

des CRSF zur Flora der Schweiz.

Verbreitungskarten der Flora.

www.vogelwarte.ch

Auf der Webseite der Schweizerischen

Vogelwarte Sempach

finden sich alle wichtigen Angaben

zu den häufigsten Vogelarten

der Schweiz.

Anhang

www.nmbe.ch/~karch/

Eine Liste mit allen Reptilien

und Amphibien der Schweiz

ist auf dieser Website ebenso

verfügbar, wie Informationen

zu Reptilien- und Amphibienprojekten.

Betrieben von der

Koordinationsstelle für Amphibien-

und Reptilienschutz in

der Schweiz KARCH.

www.bryolich.ch

Zusatzinformationen und Links

zu Moosen und Flechten.

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SANW

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