Bruun Rasmussen

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Bruun Rasmussen

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n

Bruun

Rasmussen

Regina Voges

TRADITION UND MODERNE

Neuem darf man sich nicht verschließen,

gute Traditionen müssen

deshalb aber noch lange nicht aufgegeben

werden. Das Auktionshaus

Bruun Rasmussen in Kopenhagen ist

mit dieser Devise gut durch alle Zeiten

gekommen. Es ist eines der ältesten

Versteigerungshäuser Dänemarks

und zählt heute zu den Top

Ten in Westeuropa. Kunst und Sammelobjekte

im Wert von 500 Millionen

Kronen haben mit seiner Hilfe

2012 den Besitzer gewechselt, über

120 Mitarbeiter stehen auf der Gehaltsliste.

Edvard Munch (1863-1944) von einer

heiteren Seite: Die Szene auf der „Pro-

menade des Anglais” malte der Norwe-

ger 1891, nachdem er sich einige Zeit an

der Côte d’Azur von einer Krankheit er-

holt hatte. Eine neue Lebenslust spricht

aus diesem impressionistischen Gemäl-

de, es hat wenig gemein mit jenen Su-

jets, die Munch berühmt machten: den

Sterbenden, Gequälten und am Leben

Leidenden. Das 63 x 105 Zentimeter gro-

ße Gemälde wurde bei Bruun Rasmus-

sen 2006 für 6,9 Millionen Kronen (ca.

925.000 Euro) verkauft

Umgerechnet 37.500 Euro wurden im

vergangenen Jahr bei Bruun Rasmussen

für diesen Sessel von Frits Henningsen

(1869-1965) bewilligt. Das Möbel trug

noch seinen Original-Lederbezug, des-

sen wundervoller Patina der Käufer ver-

mutlich erlegen ist

Ein Möbel mit Geschichte wurde im

letzten Jahr von Bruun-Rasmussen an-

geboten: Dieses barocke Münzkabinett

mit Zinn-Einlagen gehörte einst dem

Botaniker Johann Heinrich Burckhardts

(1676-1738), der am fürstlichen Hof von

Braunschweig-Wolfenbüttel lebte und

wirkte. Dieses Exemplar ist eines von

fünfen, die der Wissenschaftler besaß.

Alle tragen sein Monogramm (210.000

Kronen/28.000 Euro)


Blick auf den Stammsitz des Auktions-

hauses Bruun Rasmussen in Kopenha-

gen. Rechts das Reiterstandbild von

Christian X.

Die eleganten Ausstellungsräume von

Bruun Rasmussen befinden sich im hi-

storischen Zentrum von Kopenhagen

Seit 2004 fährt man geschäftlich auf

zwei Schienen: Täglich können Suchende

aus aller Welt online Verbindung

mit Bruun Rasmussen aufnehmen

und ihre Gebote per Mausklick

abgeben. 100.000 Objekte – zumeist

aus dem Niedrigpreissektor – werden

auf diese Weise jährlich an den

Mann oder die Frau gebracht. Viermal

im Jahr jedoch wird an eleganter

Adresse im historischen Herzen der

Hauptstadt der elfenbeinerne Auktionshammer

nach alter Tradition

geschwungen. Alles, was das Sammlerherz

begehrt, wird hier in ausgesuchter

Qualität angeboten: Spitzengemälde

aus allen Epochen, erlesene

Antiquitäten und Silber, wertvoller

Schmuck, seltene Weine, histori-

sche Bücher und Manuskripte. Auch

wenn das Online-Geschäft inzwischen

weitaus einträglicher ist als

der althergebrachte Bietermodus,

möchte Jesper Bruun Rasmussen auf

die traditionellen Versteigerungen

nie verzichten. „Das Internet ist eine

fantastische Möglichkeit, Kunst von

jedem Punkt der Welt aus zu kaufen

und zu verkaufen, aber die Bieter

lernen wir fast nie kennen", sagt der

Chef des Hauses. Das Gespräch mit

Kunstfreunden und Sammlern ist

ihm wichtig. Die Besichtigungstage

vor den traditionellen Auktionen bieten

dazu regelmäßig Gelegenheit.

Bruun Rasmussen überwacht persönlich

die Gestaltung und Redaktion

der aufwändigen Kataloge, er

hält ein kritisches Auge auf das Arrangement

der Objekte in den gediegenen

Ausstellungsräumen. Es ist

ihm ein Anliegen, dass das Publikum

diese besondere Atmosphäre spürt

und dass der Besuch von Vorbesichtigung

und Auktion ein unvergessliches

Erlebnis wird.

Bruun Rasmussen ist ein Familienunternehmen

– ja inzwischen so etwas

wie eine Auktionsdynastie. Arne

Jesper Bruun Rasmussen ist seit über

fünfzig Jahren im Kunstauktionsge-

schäft

Alexa Bruun Rasmussen ist Expertin für

Silber und verantwortlich für die Öffent-

lichkeitsarbeit

Frederik Bruun Rasmussen ist Experte

für moderne und zeitgenössische Kunst

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Häufig offeriert in den Auktionen von Bruun Rasmussen sind Werke von Asger Jorn

(1914-1973). Der wichtigste Vertreter des Informel in Dänemark und Mitglied der

Gruppe CoBrA wird von Sammlern sehr gesucht. „Tristesse Blanche”, laut Datierung

auf der Rückseite 1958 entstanden, wurde 2006 bei Bruun Rasmussen zu einem

Hammerpreis von 6,4 Millionen Kronen (ca. 850.000 Euro) verkauft

Die Künstler der Gruppe CoBrA haben leichtes Spiel bei den internationalen Auktio-

nen in Kopenhagen. Das gilt nicht nur für ihre Mitglieder aus Dänemark. Von dem

Niederländer Karel Appel wurde 2006 die „Parade der Tiere" aus dem Jahr 1951 für

2,2 Millionen Kronen (295.000 Euro) verkauft

Bruun Rasmussen, der Vater des heutigen

Chefs, gründete sie 1948. Mit

einer Million ererbter dänischer Kronen

konnte er den Firmensitz an der

Bredgade erwerben. Das Handwerk

des Kunstgeschäfts hatte er bei Winkel

& Magnussen erlernt, einer

renommierten Galerie, in der auch

versteigert wurde. Als sich die jüdische

Inhaberfamilie während der

Nazizeit auf einer entlegenen Insel

verstecken musste, führte Arne

Bruun Rasmussen die Geschäfte

weiter. Nach dem Krieg wurde ihm

die Teilhaberschaft angeboten, doch

die Konditionen behagten ihm nicht.

So kam es, dass sich der große Kunstliebhaber

auf eigene Füße stellte.

Das Auktionshaus wuchs kontinuierlich.

Neben dem wirtschaftlichen

Erfolg erfreute es sich bald auch

einer außerordentlichen Reputation.

Bruun Rasmussen wurde zu einer

Institution im kulturellen Leben der

Hauptstadt. Wenn heute der Staat

wertvolle Kunstgüter zu Ausstellungen

ins Ausland schickt, vertraut

man auf den Rat seiner Experten,

wenn es darum geht, die Versicherungswerte

der Leihgaben zu ermitteln.

Als Jesper Bruun Rasmussen 1961 mit

18 Jahren in das Geschäft eintrat,

zählte das Auktionshaus nur etwa

zehn Mitarbeiter. Der einzige Sohn

des Firmengründers hatte eigentlich

von einer Karriere als Möbeltischler

oder Designer geträumt. Während

eines Studienaufenthalts im englischen

Cambridge entdeckte er seine

Liebe zur Kunst und zur Kunstgeschichte.

Ein weiteres Jahr verbrachte

er in Frankreich, in Tours. Hier

erweiterte er seine Sprachkenntnisse,

stöberte aber auch bei jeder

Gelegenheit auf den Flohmärkten

und erstand von seinem Ersparten

die ersten Kunstgegenstände: Silber,

Porzellan und ein Gemälde, das der

Sieneser Schule zugeordnet wurde.

Sein Vater allerdings erkannte auf

den ersten Blick: Der Junge hatte sich

eine Fälschung eingehandelt. Seit

frühester Jugend schwärmt Jesper


Gesucht von Sammlern aus aller Welt

sind die stillen Interieurs von Vilhelm

Hammershøi. 2004 fand dieses Ge-

mälde mit der Rückenansicht der Frau

des Malers für 4,5 Millionen Kronen

(470.000 Euro) einen neuen Besitzer

C.W. Eckersberg war der bedeutendste

Maler im Goldenen Zeitalter Däne-

marks zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Seine brillante Ansicht auf die Kirche

Sankt Kosmas und Damian in Rom

wurde im vergangenen Jahr vom Me-

tropolitan Museum of Art in New York

ersteigert – für 3,4 Millionen Kronen

(450.000 Euro)

Bruun Rasmussen für klassische

Luxusautos. Den fast fünfzig Jahre

alten Bentley seines Vaters fährt er

noch immer. Für die Kopenhagener

ist die bordeauxrote Limousine so

etwas wie ein Erkennungszeichen.

Auch das Reisen gehört zu seinen

Leidenschaften. Er kennt alle bedeutenden

Museen und Kollektionen

der Welt, hat unzählige Mäzene,

Museumsleute und Sammler kennengelernt.

Unter ihnen hat ihn der

französische Modeschöpfer Hubert

de Givenchy am meisten beeindruckt.

Auch wenn es zunächst nicht

der Traumberuf für Jesper Bruun Rasmussen

war, scheint ihm die Rolle

des Kunstkenners und -händlers auf

den Leib geschneidert. Der berühmte

dänische Filmregisseur Henning

Carlsen engagierte 1986 seinen gut

aussehenden Landsmann für „Oviri"

(deutscher Titel: „Die Augen des Wolfes"),

ein Filmdrama über den Maler

Paul Gauguin. An der Seite von Donald

Sutherland und Max von Sydow

war Jesper Bruun Rasmussen in einer

Nebenrolle zu sehen – natürlich

als Kunstauktionator.

FAMILIENUNTERNEHMEN

Seit 1985, nach dem Tod des Vaters,

führt Jesper Bruun Rasmussen das

Unternehmen. Inzwischen mischt

schon die dritte Generation des Familienunternehmens

mit. Die Kinder

Frederik (geb. 1971) und Alexa (geb.

1975) haben sich im Management

unentbehrlich gemacht. Beide sammelten

Erfahrungen in anderen Auktionshäusern,

unter anderem bei

Christie’s, Tajan und Neumeister. Jeder

hat seine Aufgaben und Schwerpunkte:

Frederiks Interesse gilt der

zeitgenössischen Kunst. Dänische

Fernsehzuschauer kennen ihn als Experten

der sehr populären Sendung

„Hvad er det værd" (Was ist es

wert?). Alexa hat mehrere Jahre in

Kalifornien für verschiedene Antiquitätenhändler

gearbeitet, hat an den

bedeutenden Kunstmessen in New

York, San Francisco und Los Angeles

teilgenommen. Ihr Spezialgebiet ist

Silber. In der Firma ist sie verantwortlich

für die Öffentlichkeitsarbeit.

Landesweit genießt sie als Dänemarks

bislang einziger weiblicher

Auktionator Bekanntheit. Während

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SPECIAL

sich die Inhaber vieler Familienunternehmen

um ihre Nachfolge sorgen

müssen, hat Jesper Bruun Rasmussen

also gleich zwei qualifizierte

Kandidaten zur Auswahl. Wer einmal

in seine Fußstapfen treten soll, hat er

noch nicht festgelegt. „Ich werde

immer gefragt, aber noch ist nichts

entschieden", erklärt der Senior

ebenso amüsiert wie geheimnisvoll.

Auch die Möglichkeit einer Teilung

will er nicht ausschließen. Für den

71-Jährigen gibt es derzeit keinen

Grund, das Ruder voll und ganz den

Jüngeren zu überlassen: „Ich bin in

der glücklichen Lage, dass mein Hobby

auch mein Beruf ist."

Wer mit Kunst zu tun hat, sollte auch

sammeln, meint der Chef des Hauses.

Er selbst hat in jungen Jahren

eine Sammlung chinesischen Porzellans

angelegt, die er später verkaufte,

um sich japanischer Keramik zuzuwenden.

„Sammeln ist der beste

Weg, um etwas zu lernen", sagt Jesper

Bruun Rasmussen. Seine besondere

Vorliebe gilt der Porträtmalerei

des 18. und 19. Jahrhunderts. Inzwischen

sind allerdings die privaten

Wohnräume gut bestückt, und wer

täglich mit Kunst zu tun hat, für den

werden die großen Aha-Erlebnisse

rar: „Heute stellt sich seltener das

Gefühl ein: Das musst du haben."

EXPANSION

Jesper Bruun Rasmussen hat in den

letzten Jahrzehnten durch stete Expansion

das Auktionshaus zu dem

gemacht, was es heute ist: ein modernes,

vielspartiges Unternehmen,

das im internationalen Konzert Beachtung

bei Sammlern und Kunstfreunden

in aller Welt findet. Am

wichtigsten sei es, den Markt genau

zu kennen und Trends zu spüren,

sagt er. Dabei hatte bereits sein Vater

Arne eine ausgesprochen glückliche

Hand, als er den Firmensitz 1947 erwarb.

Heute unfassbar: Das Gebäude

an der Bredgade (deutsch: Breite

Straße) sollte nach dem Krieg im Zuge

einer Stadtsanierung eigentlich

Der Blick nach China: Chu Teh-Chun,

1920 in der chinesischen Provinz Jiang-

su geboren, kam 1955 nach Paris und

nahm 1981 die französische Staatsbür-

gerschaft an. Seine „Komposition" aus

1959 erzielte bei Bruun Rasmussen im

Jahre 2004 einen Hammerpreis von

1,65 Millionen Kronen (221.000 Euro)

Die Kauffreude russischer Sammler

macht sich auch in Kopenhagen be-

merkbar. Ihnen hatte Bruun Rasmussen

im Jahre 2011 einen besonderen Lecker-

bissen zu bieten: eine Marktszene von

Alexander Vladimirovich Makowsky

(1869-1924). Für umgerechnet 135.000

Euro fand das 1918 entstandene Gemäl-

de einen Liebhaber

Andy Warhol nahm 1985 Königin Mar-

garethe II. von Dänemark in seinen Por-

trätzyklus „Regierende Königinnen" auf.

2011 wurde es – mutmaßlich von einem

Monarchisten – für 420.000 Kronen

(56.000 Euro) ersteigert. Für den stol-

zen Preis gab’s auch ein wenig Diaman-

tenstaub dazu

Dieses Bild ersetzt manche Telenovela:

Höchst dramatisch geht es zu auf dem

Gemälde „Feuer in Staalstræde in

Odense" von Erik Henningsen (1855-

1930) zu. Für 13.600 Euro wurde es in

der Februar-Auktion verkauft. Vorbesit-

zer war eine Feuerversicherung

abgerissen werden. Er erwarb es zu

einem äußerst günstigen Preis. Das

1794 im klassizistischen Stil errichtete

Gebäude ist seither Herz und Renommierstück

des Unternehmens.

Zwischen den königlichen Schlössern

Rosenborg und Amalienborg

gelegen, ist es ein gesellschaftlicher

Treffpunkt der kunstinteressierten

Gesellschaft. In den eleganten Räumen

wird die hochwertige Kunst

ausgestellt und versteigert, quasi

unter den Augen von Christian X.,

denn der König scheint auf der gegenüberliegenden

Straßenseite –

hoch zu Ross in Bronze gegossen –


Multikulti im Auktionssaal: Dieser

mannshohe Kronleuchter (1,52 Meter Ø)

aus der Sankt Petersburger Werkstatt

des gebürtigen Franzosen Felix Chopin

hat wahrscheinlich schon eine längere

Reise hinter sich, bevor er 2010 bei

Bruun Rasmussen angeboten und

schließlich für 1,2 Millionen Kronen

(160.000 Euro) zugeschlagen wurde. Er

wurde im späten 19. Jahrhundert aus

vergoldeter Bronze und japanischem

Porzellan gearbeitet. Die Tatsache, dass

ein vergleichbares Exemplar im Yuso-

pow Palast in Sankt Petersburg zu fin-

den ist, macht ihn nicht nur für russi-

sche Augen begehrenswert

geradewegs Kurs auf den Showroom

zu nehmen.

Die Adresse hat obendrein eine

kunstgeschichtlich interessante Vergangenheit:

Im 19. Jahrhundert gehörte

das dreistöckige Gebäude dem

Reeder H.P. Prior, der die Schifffahrtslinie

DFDS Seaways gründete. Prior

baute seinem Sohn Lauritz, einem

Bildhauer, im rückwärtigen Garten

ein Atelier. Im Laufe der Zeit arbeiteten

hier viele dänische Künstler,

deren Werke heute bei Bruun Rasmussen

immer wieder aufgerufen

werden: Carl Bloch, P.S. Krøyer, Laurits

Tuxen und Edvard Weie. 1999 wurde

die Dependance Havnen im nordöstlichen

Kopenhagener Stadtteil Østerbro

eröffnet. Hier, in einem alten

Hafen- und Gewerbegebiet, geht es

vor allem um moderne Möbel, Design

und Dekoratives. Die Objekte

decken ein deutlich niedrigeres

Preissegment ab als jene, die am

Stammsitz offeriert werden. Entsprechend

locker ist die Atmosphäre.

Junge Leute, ganze Familien und

erfahrene Sammler kommen nach

dem Brunch am Wochenende gern

vorbei, um Angebote zu prüfen, die

später in der Online-Auktion zu haben

sind. In Havnen ist auch die Verwaltung

des Auktionshauses untergebracht.

Ein paar Straßen weiter ist

die Abteilung für Bücher und Manuskripte,

Briefmarken, Postkarten,

Münzen, Medaillen, Papiergeld und

Weine zu finden. Sie wird von Thomas

Høiland geleitet, dessen eigenes

Auktionshaus für Briefmarken und

Münzen 2011 von Bruun Rasmussen

übernommen wurde. Eine weitere

Niederlassung unterhält das Versteigerungshaus

in Aarhus, der zweitgrößten

Stadt Dänemarks. Von hier

aus werden auch die deutschen Kunden

betreut. Im Ausland kümmern

sich Repräsentanten in Frankreich,

Spanien, Italien und den Vereinigten

Staaten um die Akquise wertvoller

Objekte.

Auch für das dänische Auktionshaus

gewinnt der Handel mit China eine

zunehmende Bedeutung. Das Interesse

chinesischer Sammler an

Kunstobjekten ihrer eigenen Kultur,

aber auch an europäischer Kunst, an

nordischem Design und vor allem an

erlesenen alten Weinen wächst stetig.

Bruun Rasmussen ist in Hongkong

präsent, gibt Empfänge, hält

Kontakt zu Kunsthändlern und ist

auf den wichtigen Messen vertreten.

Gemeinsam mit bekannten Unternehmen

der Lifestyle-Branche wie

Georg Jensen, Bang & Olufsen, Fritz

Hansen startete das Auktionshaus

im letzten Jahr eine Art Kultur-Offensive

im fernen Osten während der

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Mit Tapio Wirkkalas Vase „Kantarelli"

bot Bruun Rasmussen im vorigen Jahr

ein bedeutendes Stück skandinavischer

Designgeschichte an. Der Finne hatte

damit großes Aufsehen auf der Mailän-

der Triennale von 1951 erregt. Das von

der Natur inspirierte Stück war einem

Bieter 440.000 Kronen (59.000 Euro)

wert

Auch wenn im hohen Norden keine

Rebstöcke gedeihen, wissen Skandina-

vier umso mehr gute Tropfen aus Frank-

reich zu schätzen. Ein Premier Cru Clas-

sé des Château Latour in Pauillac aus

dem Jahre 1945 war im vergangenen

Jahr erst für 23.400 Euro zu haben


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SPECIAL

Seltene Vase in Fruchtform aus Axel Sal-

tos „sprießender" Phase, 33 Zentimeter

hoch (2012 verkauft für 500.000 Kronen

(67.000 Euro)

Monumentale Vase in schwarzer Olivin-

glasur von Axel Salto, verkauft in der

letzten März-Auktion für umgerechnet

160.000 Euro

Messe „Business of Design Week" in

Hongkong. Als besonderer Service

für die chinesische Klientel werden

in Kopenhagen erstandene Kunstobjekte

kostenfrei zu ihren neuen

Besitzern versandt.

NORDISCHE MALEREI

Bruun Rasmussen ist eine erste Adresse

für Sammler der nordischen

Malerei. Zahlreiche Höchstpreise

wurden in den vergangenen Jahren

auf diesem Gebiet erzielt. Eines

der spektakulärsten Angebote war

2006 „La Promenade des Anglais,

Nice" von Edvard Munch (1863-

1944). Der norwegische Maler zeigt

die Strandpromenade von Nizza in

gleißendem, südlichem Licht, skizzenhaft

und in einer impressionistischen

Auffassung. Es wird vermutet,

dass er – zur Zeit der Entstehung

1891 von einer längeren Krankheit

genesend – seine neue Lebensfreude

zum Ausdruck brachte. 6,9 Millionen

dänische Kronen (etwa 930.000

Euro) war das Gemälde im Jahre

2006 einem Liebhaber wert. Er erwarb

damit das heitere Zeugnis

einer Lebensstation jenes Malers,

der wenig später zum bedeutendsten

Exponenten des Expressionismus

wurde, indem er Krankheit, Tod

und Seelenqual thematisierte.

Gesucht von Sammlern in aller Welt

sind die stillen, verhaltenen Interieurs

von Vilhelm Hammershøi

(1864-1916). Schon zu seinen Lebzeiten

wurde er in Deutschland bewundert,

in dem Berliner Kunsthändler

Paul Cassirer fand er hierzulande

seinen größten Förderer. Der

Dichter Rainer Maria Rilke machte

sich 1904 sogar eigens nach Kopenhagen

auf, um ihn kennenzulernen.

Wegen der zurückgenommenen

Farbigkeit seiner Bilder wird er gern

als „dänischer Vermeer" bezeichnet.

Dem deutschen Publikum ist er

nicht zuletzt durch eine große Ausstellung

im vergangenen Jahr in

München wieder nahe gekommen.

Hammershøi, der sich der impres-

sionistischen Strömung widersetzte

und seinen Weg in der Beschaulichkeit

seiner eigenen vier Wände fand,

wurde in den 1990er-Jahren wiederentdeckt,

nachdem er über Jahrzehnte

beinahe in Vergessenheit geraten

war. Bruun-Rasmussen konnte

2004 eines seiner Meisterwerke anbieten,

das einen Hammerpreis von

3,5 Millionen Kronen (470.000 Euro)

erzielte.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

erlebte Dänemark eine kulturelle

Blüte, die Maler dieses „Goldenen

Zeitalters" sind bis heute

international gefragt. Ihr Exponent

war Christoffer Wilhelm Eckersberg

(1783-1853). Das Metropolitan Museum

of Art in New York erwarb im

November 2011 eines seiner Meisterwerke,

eine von südlichem Licht

durchflutete Ansicht der römischen

Kirche Sankt Cosmas und Damian

(3,4 Millionen Kronen/455.000 Euro).

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts

fanden die Künstler der Kolonie von

Skagen überregionale Bedeutung.

Nach dem Vorbild der französischen

Freiluftmaler von Barbizon trafen

sich Malerinnen und Maler aus

Skandinavien in dem pittoresken

Fischerort im Norden Jütlands während

der Sommermonate. Holger

Drachmann, Peder Severin und Marie

Krøyer, Michael und Anna Ancher,

Lauritz Tuxen zählten zu diesem

Kreis. Ihre zumeist vom französischen

Impressionismus beeinflussten

Werke erzielen Preise im sechsstelligen

Bereich. 2004 bewilligte ein

Sammler für fünf flanierende Damen

am Strand von Michael Ancher

(1849-1927) 6,2 Millionen Kronen

(830.000 Euro), eine andere reizende

Strandszene von P.S. Krøyer (1851-

1909) kam 2008 auf 2,4 Millionen

Kronen (322.000 Euro).

Unter den Malern der Moderne nehmen

die dänischen Mitglieder der

Künstlergruppe CoBrA eine herausragende

Position ein. Schließlich

steht die Silbe „Co" im Namen der

1948 in Paris gegründeten Vereinigung

für Copenhagen. Mit Asger


Gute Zeiten für Liebhaber antiker Mö-

bel: Diese sechs Mahagoni-Stühle mit

Messing-Intarsien sind ein wundervol-

les Beispiel des dänischen Empire. Sie

gehörten zum Inventar des Landsitzes

Rønninge Søgård auf der Insel Fünen.

Trotz dieser erstklassigen Provenienz

war das Set schon für umgerechnet

2.400 Euro zu haben

Möbel von Hans J. Wegner fehlen in

kaum einer Design-Auktion. Dieser auf

75.000 bis 100.000 Kronen geschätzte

Sessel überraschte voriges Jahr mit ei-

nem Hammerpreis von 350.000 Kronen

(47.000 Euro). Der Vorbesitzer hatte das

gute Stück 1953 auf der Messe der Tisch-

lergilde in Kopenhagen erworben

Jorn (1914-1973) und Carl Henning Pedersen

(1913-2007) zählen zwei dänische

Maler zu den Gründungsmitgliedern.

Zur dänischen Sektion gehörten

auch die Malerin Else Alfelt

(1910-1974), die Bildhauerin Sonja

Ferlov Mancoba (1911-1984), ferner

Henry Heerup (1907-1993), Egill Jacobsen

(1910-1998). Einst Bürgerschreck,

ist CoBrA heute ein Garant

für Auktionserfolge. Dabei gibt es

auch immer wieder erschwinglichere

Grafik-Angebote in den Online-

Auktionen. Für „Tristesse blanche",

von Asger Jorn im Jahre 1958 in Öl

gemalt, musste man 2006 allerdings

6,4 Millionen Kronen (860.000 Euro)

mitbringen – Landesrekord für den

Künstler.

DESIGN

Neben der Nachkriegskunst ist es

auch das Design dieser Ära, das für

Schlagzeilen sorgt. Die Kataloge zu

den viermal jährlich stattfindenden

Spezialauktionen im Stammhaus lesen

sich wie ein Who-is-Who des

skandinavischen Designs. Für rare

Originalstücke zahlen Sammler aus

aller Welt inzwischen Spitzenpreise.

Im vergangenen Jahr übertraf ein

Sessel von Hans J. Wegner (1914-

2007) alle Erwartungen, als er erst

für 350.000 Kronen (47.000 Euro)

zugeschlagen wurde. Schwan und

Ameise von Arne Jacobsen, Lampen

von Poul Henningsen, Sofas von Finn

Juhl oder Børge Mogensen sind

quasi gern gesehene Stammgäste

bei Bruun Rasmussen. Es lohnt sich,

Tycho Brahe (1546-1601) entdeckte 1572

einen neuen Himmelskörper im Stern-

bild Kassiopeia, der ein Jahr später wie-

der verschwunden war. Seine Beobach-

tungen legte er seinem Werk „De Nova

et nullius aevi memoria prius visa Stel-

la" (Vom neuen und vorher nie gesehe-

nen Stern) nieder. Brahe revolutionierte

mit dieser Schrift die wissenschaftlichen

Methoden der Astronomie. 2011 konnte

Bruun Rsmussen eine der wenigen noch

erhaltenen Erstausgaben aus dem Jahre

1573 anbieten. Es stammte aus dem Ty-

cho Brahe Planetarium in Kopenhagen

und wurde für 4,1 Millionen Kronen ver-

kauft (550.000 Euro)

auch auf die in Deutschland weniger

bekannten Namen dänischer

Formgeber zu achten. Die Möbel von

Ole Wanscher, einem Schüler von

Kaare Klint, bestechen durch ihre

klassische Eleganz. Kaj Gottlob

(1887-1976) ist ein weiterer Kandidat,

der Beachtung verdient. Der

Designer und Architekt durfte den

dänischen Expo-Pavillon 1925 in

Paris ausstatten. Futuristisch muten

mitunter die Arbeiten von Eskild

und Ludvig Pontoppidan an.

Unumstrittener Star des modernen

Designs aus Dänemark ist Axel Salto

(1889-1961). Die Arbeiten des Keramikers

sind regelmäßig in den Auktionen

von Bruun Rasmussen vertreten

und erzielen bis zu sechsstellige

Eurobeträge. Salto war eine bedeutende

Persönlichkeit des dänischen


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FLORA DANICA

Georg Christian Oeder, königlicher

Professor und Direktor des Botanischen

Gartens in Kopenhagen, begann

1753 mit der Katalogisierung

der heimischen Pflanzenwelt. 1761

wurde das Resultat seiner Forschungen

veröffentlicht: Der erste Teil einer

Enzyklopädie mit dem lateinischen

Namen „Flora Danica” erschien.

112 Jahre sollte es dauern, bis

das Werk komplett war. Mehrere Generationen

von Zeichnern und Kupferstechern

waren mit der Darstellung

der Wild-, Wald- und Wiesenblumen

beschäftigt. Die vollständige

Ausgabe enthält 3240 Kupferstiche.

Dem dänischen Kronprinzen

und späteren König Frederik IV. war

das Mammutprojekt eine Herzensangelegenheit.

1790 gab er ein Tafelservice

für hundert Personen in Auftrag,

das mit den blühenden Schönheiten

seines Landes dekoriert sein

sollte. Es war als Geschenk für die

russische Zarin Katharina II (1729-

1796) gedacht. Der Auftrag war eine

große Herausforderung für die 1775

gegründete königliche Porzellanmanufaktur

in Kopenhagen. Die künstlerische

Umsetzung lag in den Händen

des aus Nürnberg stammenden

Kulturbetriebs vor und nach dem

Zweiten Weltkrieg. Er schrieb Lyrik

und Prosa, gab eine Zeitschrift („Klingen")

heraus, illustrierte seine eigenen

Bücher und regte öffentliche

Debatten um die Weiterentwicklung

der Kunst an. Aus seinem künstlerischen

Nachlass ragt jedoch das keramische

Werk heraus. Aus Steinzeug

gearbeitet, zeigt es sich stark von der

Malers Johann Christoffer Bayer

(1738-1812) und seines Sohnes Johan

Theodor (1782-1873). Erst 1803 konnte

das Service, das wie die Enzyklopädie

den Namen „Flora Danica"

trug, ausgeliefert werden. Doch da

war die als große Kunstsammlerin

bekannte Zarin schon ein paar Jahre

tot. Der dänische Hof behielt das

1802 Teile umfassende Service. Bis

heute wird davon bei festlichen Anlässen

gespeist. Als 1863 Prinzessin

Alexandra ins englische Königshaus

einheiratete, orderten die Untertanen

eine Replik des anmutigen Geschirrs,

das sich heute im Museum

von Schloss Windsor befindet. Seit

rund 150 Jahren ist das royale Service

im Programm der königlichen

Manufaktur. Jeder kann es bestellen

– vorausgesetzt es mangelt ihm

nicht an Geld. Denn Flora Danica ist

an Exklusivität kaum zu überbieten.

Es gilt als das teuerste heute noch

gefertigte Markenporzellan der

Welt. Ausschließlich nach Auftrag

wird es wie eh und je in zeitraubender

Handarbeit hergestellt. Kunden

können unter 900 Blumenmotiven

wählen. 1378 Euro kostet dann

beispielsweise ein Speiseteller von

25 Zentimetern Durchmesser. Entschieden

preiswerter kommen

Natur beeinflusst. Über zwei Jahrzehnte

arbeitete Salto mit der Manufaktur

Royal Copenhagen zusammen.

Seine Sammlergemeinde unterteilt

das Oeuvre, das auf rund

3.000 Stück geschätzt wird, in drei

Kategorien: geriffelt – knospig –

sprießend. Gesucht werden sie von

Liebhabern aus aller Welt. In der internationalen

März-Auktion hatten

Acht Schokoladentassen mit Untertas-

sen des Services „Flora Danica" von

Royal Copenhagen (2.700 Euro/Februar

2013)

Das Prunkstück der exklusiven Flora-

Danica-Serie von Royal Copenhagen ist

die Eisglocke. Dieses Exemplar wurde

2007 bei Bruun Rasmussen angeboten

und zum Hammerpreis von 95.000 Kro-

nen (ca. 12.000 Euro) verkauft. Wer das

Teil heute bei der Manufaktur in Auf-

trag gibt, muss rund 30.000 Euro locker

machen

Sammler im Antiquitätenhandel an

die begehrten Einzelstücke. Es kann

lohnend sein, sich in den skandinavischen

Auktionshäusern umzusehen.

Bruun Rasmussen verkaufte beispielsweise

in seiner letzten Frühjahrsauktion

acht Schokoladentassen

samt Untertassen für 2.700

Euro. Zehn Teller (26 Zentimeter

Durchmesser) waren für 8.050 Euro

zu haben. Selbst unter Berücksichtigung

von Aufpreis und Mehrwertsteuer

kommt der Käufer damit in

der Regel weitaus billiger an sein

Lieblingsstück als durch den Kauf

fabrikneuer Teile.

sie die Wahl unter 37 Werken. Viele

von ihnen waren 1989 in der großen

Retrospektive des Künstlers im Kopenhagener

Museum für Kunst und

Design ausgestellt. Bei einem Zuschlag

von 1,2 Millionen Kronen

(160.000 Euro) war eine 51 Zentimeter

hohe Vase in schwarzer Olivinglasur

der größte Hingucker der

Auktion. Das Prunkstück gehört in


Besonders als Marinemaler machte sich

C.W. Eckersberg im dänischen goldenen

Zeitalter einen Namen. Erstbesitzerin

dieses kreisrunden Seestücks war Prin-

zessin Caroline Amalie, nach ihrem Tod

war es dann Bestandteil mehrerer an-

gesehener Sammlungen. „Eine Fahrt

nach Charlottenlund. Das Dampfschiff

‘Caledonia’ nähert sich einem Segel-

schiff" lautet der Titel des Gemäldes von

42 Zentimetern Ø. Die vornehmen Aus-

flügler auf dem Segler sind in ihrer Fröh-

lichkeit beinahe fotorealistisch darge-

stellt. Das Gemälde gehörte zu den

Höhepunkten der Februarauktion bei

Bruun Rasmussen und erzielte einen

Hammerpreis von 200.000 Euro

die „knospige" Phase des Künstlers.

300.000 Kronen (40.000 Euro) erzielte

ein 38 Zentimeter hoher Januskopf.

Für entschieden schmalere Brieftaschen

bieten die in diesem Frühjahr

erstmals annoncierten Interior-

Auktionen viel Inspiration. Bruun

Rasmussen lässt sie von bekannten

INTERVIEW: KASPER NIELSEN

Welche Bedeutung hat der deutsche

Markt für Bruun Rasmussen?

In den Achtzigern und in den frühen

Neunzigern war Deutschland für

dänische Auktionshäuser, Antiquitätenhändler

und Kunsthändler ein

großer Exportmarkt. Das änderte

sich beinahe schlagartig nach der

deutschen Wiedervereinigung, der

sich ja auch eine Zeit wirtschaftlicher

Schwäche anschloss. Es kam

noch hinzu, dass sich der Markt

gleichzeitig veränderte. Die Möbel

des 19. Jahrhunderts, die wir bis zur

Wiedervereinigung in großer Zahl

nach Deutschland verkauft hatten,

waren plötzlich nicht mehr gefragt.

Heute befinden wir uns leider – was

den deutschen Markt angeht – in ei-

Trendforschern kuratieren. Eine bunte

Mischung, die dem aktuellen Bedürfnis

nach einem zusammengewürfelten,

aber stilvollen Wohnumfeld

entspricht, kommt da zusammen:

Kelims und Jagdtrophäen, ausrangierte

Werkstatt- und Industriemöbel,

Banksafes und hin und wieder

ein antikes Möbel. Das Stöbern

nem Allzeit-Tief. Das gilt sowohl für

Käufer als auch für Anbieter.

Was kaufen die Deutschen, die dennoch

ihren Weg zu Ihnen finden?

Sie verlangen höchste Qualität, suchen

Objekte, die man nicht alle

Tage sieht: das fantastische Silberstück,

ein herausragendes Möbel

oder Gemälde.

im Online-Katalog wird zu einem

spannenden Spaziergang über einen

virtuellen Flohmarkt.

Info: www.bruun-rasmussen.dk – An-

sprechpartner für deutsche Käufer und

Einlieferer: Finn Meesenburg (Tel. 0045/

88181233)

Fotos: Bruun Rasmussen

Kasper Nielsen (Jg. 1970) ist als Leiter der Abteilung Wertermittlung und Verkäufe für

rund 80 Prozent des Angebots bei Bruun Rasmussen verantwortlich. Man trifft ihn

vor allem in den Abteilungen Kunst und Antiquitäten, moderne Kunst und Design. Er

reist viel durchs Land, um Schätzungen und Begutachtungen vorzunehmen. Dank

zahlreicher Auftritte in Fernseh- und Radiosendern ist der Kunstliebhaber vielen sei-

ner Landsleute bekannt. Man kann ihn auch live als Auktionator im Stammgeschäft

an der Bredgade erleben. Nielsen würzt seine Versteigerungen gern mit fröhlichen

Bemerkungen – und ist deshalb sehr beliebt beim Bieter-Publikum

43


44

SPECIAL

Das ist ja ein Phänomen, das man

jetzt weltweit auf dem Kunstmarkt

beobachtet.

In der Tat. Diese Entwicklung setzte

ein mit dem Interesse aus den so

genannten Schwellenländern. Wir

hatten ja zunächst eine starke Nachfrage

aus Russland, und in den letzten

fünf, sechs Jahren registrieren

wir eine wachsende Zahl von Kunden

in China. Sammler aus diesen

Ländern suchen vor allem nach Objekten

ihrer eigenen Kulturgeschichte,

während sich die Sammler aus

Deutschland vor allem für europäische

Kunst interessieren. Allen gemeinsam

ist der Wunsch nach wirklich

exzellenter Qualität.

Wie hat sich der Markt für Sie in den

letzten Jahren entwickelt?

Das 19. Jahrhundert ist ein schwieriger

Markt geworden. Wenn wir noch

einmal zehn, zwanzig Jahre zurückblicken,

dann muss man sagen, dass

gerade die dänischen Maler des 19.

Jahrhunderts damals unser Hauptgeschäft

ausmachten. Heute liegen

unsere Verkäufe im Bereich der modernen

und der zeitgenössischen

Kunst um 40 bis 50 Prozent höher als

im Bereich der alten Kunst. Das ist

wohl auch eine Frage der Mode, des

Zeitgeschmacks. Unsere neuen Kunden

im Alter zwischen dreißig und

vierzig sind mehr auf die zeitgenös-

sische Kunst und das 20. Jahrhundert

fixiert. Darunter leidet natürlich

die alte Kunst, es sei denn, es handelt

sich um herausragende Qualität. In

dieser Hinsicht hat die dänische Malerei

glücklicherweise einiges zu bieten:

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts

ist unser goldenes Zeitalter,

die von fantastischen Malern

wie Eckersberg bestimmt war. Ihre

Werke sind weltweit gefragt, auch

von Museen. Das gilt auch für die

Künstler der berühmten Kolonie in

Skagen, die sich dort in Nordjütland

in den 1880er- und 90er-Jahren etablierte.

Wer steht bei den modernen Malern

im Mittelpunkt?

Unter den modernen dänischen Malern

ist zweifellos Asger Jorn am

meisten gefragt. Besonders in den

Jahren vor Ausbruch der Finanzkrise

liefen für ihn die Verkäufe fantastisch.

Sie erzielten sehr hohe Preise.

2008 gab es dann einen Einbruch,

von dem wir uns jetzt langsam wieder

erholen. Aber auch auf dem Gebiet

der modernen Kunst und der

Zeitgenossen können wir beobachten,

dass sich die Kunden sehr viel

selektiver und kritischer verhalten

als noch vor fünf, sechs Jahren.

Auf welche zeitgenössischen Künstler

aus Dänemark sollte man achten?

Der stärkste Name ist augenblicklich

Olafur Eliasson. Aber leider ist er kein

Maler, sondern macht große Installationen,

oft in Zusammenarbeit mit

Architekten. Seine Werke lassen sich

durch uns nicht verkaufen. Zwei weitere

starke Vertreter sind Tal R – Rosenzweig

– und Michael Kvium, deren

Werke sehr häufig in unseren

Auktionen vertreten sind. Allgemein

kann man sagen, dass zeitgenössische

Kunst aus Dänemark langsam

Kasper Nielsen (links) leitet die Abtei-

lung Schätzungen und Verkauf. Hier be-

rät er einen Kunden

aber sicher ihr internationales Publikum

findet. Auf diesem Gebiet haben

wir sehr große Erwartungen,

denn wir sind überzeugt, dass die

Nachfrage raketenartig ansteigen

wird, sobald sich die wirtschaftlichen

Rahmenbedingungen gebessert haben.

Wir schätzen, dass das in den

nächsten fünf, sechs Jahren der Fall

sein wird.

Sind Sie persönlich auch ein Sammler?

Ich bin kein ausgesprochener Kunstsammler,

aber ich sammle schöne

Dinge: Bilder, Teppiche, Möbel, einfach

alles, was mir gefällt und was

ich mir leisten kann. Ich liebe Kunst

und Design, das ist wohl ein Teil meiner

Erbanlage. Wenn man dieses

Gen in meinem Job nicht hätte, hätte

man wohl ein Problem.

Was würden Sie kaufen, wenn Sie

lediglich 5.000 Euro zur Verfügung

hätten?

Ich würde mich bei den Möbeln des

19. und des 18. Jahrhunderts umsehen.

Hier befinden sich die Preise in

einem Allzeittief, eigentlich eine

Schande. Es gibt Stücke von höchster

Qualität zu Preisen, die etwa ein

Zehntel dessen ausmachen, was

noch vor zehn oder fünfzehn Jahren

gezahlt wurde.

Welches Kunstwerk haben Sie zuletzt

gekauft?

Mein letzter Kauf war ein Aquarell

von Michael Kvium.

Haben Sie noch einen unerfüllten

Traum?

Nicht nur einen, sondern Tausende.

Ich bin 42 Jahre alt und hoffe, dass

ich noch vieles werde kaufen können.

Ein absolutes Traumstück wäre

eine große Keramik von Axel Salto.

Ich mag den Künstler sehr, habe früher

auch schon einige Stücke von

ihm besessen, die ich dann verkauft

habe. Jetzt sind die Preise für Stücke,

die ich gern besäße, leider davongezogen.

Sie liegen bei 50.000 Euro

und das überschreitet mein Limit.

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