3 Meet the experts Schwindel-Anamnese

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3 Meet the experts Schwindel-Anamnese

3 Meet the experts

Schwindeldiagnostik:

mit optimalen Fragen

rasch zum Ziel

medArt basel `12; MTE 522

Dienstag, den 19.6.2012

13.00 – 14.00

H.R. Stöckli, FMH Neurologie

K. Bally, Institut für Hausarztmedizin

Warum ist die Schwindeldiagnostik so schwer?

für verschiedene subjektive Empfindungen

Diagnose-Ausbeute

Schwindel-Diagnose

- Nur in 20% in der Hausarztpraxis definierte Ursache

nachweisbar

Kroenke K, Spitzer RL, Williams JB, Linzer M, Hahn SR, deGruy FV

3rd, Brody D

Physical symptoms in primary care.

Arch Fam. Med. 1994, 3: 774-779

- In Spezialkliniken 80 % zuzuordnen,

ca. 20% psychogen

Nedzelski, Julian M., Hugh O. Barber, Lynne McIlmoyl:

Diagnoses in a dizziness unit.

The Journal of Otolaryngology 1986, 15: 101-104

40

Schwindel-Definition

elementares Krankheitserlebnis

• mit Unsicherheit der Körper- und

Raumwahrnehmung

• oft mit Scheinbewegungen

• oft mit vegetativen Symptomen

• oft mit Gleichgewichtsstörung

• oft mit Gangstörung

• oft verbunden mit Angst

• z. T. mit Störung der Wahrnehmung

• z. T. mit Bewusstseinsstörung

dies bei verschiedener Gewichtung

Schwindelsystematik

Was berichtet der Patient?

- Sekundenschwindel / Präsynkope

(drohende Ohnmacht / impending faint“)

- Drehschwindel / Vertigo

(Körper oder Umgebung bewegt sich)

- Gangunsicherheit mit klarem Kopf / "Disequilibrium – a

sense of imbalance“ (oftmals in die Beine projiziert)

- Unsicherheit im Raum mit nicht klarem Kopf/resp. bei

Benommenheit, lightheadedness – other dizziness“

Sloane, Philip D.: Evaluation and management of dizziness in

the older patient.

Clinics in geriatric medicine 1996, 12: 785-801

Schwindel-Anamnese

1. Schwindelcharakter

2. Auslöser und Entlastung

3. Schwindeldauer und Häufigkeit

4. Begleitsymptome

522


SYMPTOMATIK MÖGLICHE URSACHEN

BEFUNDE

3 Meet the experts

Schwindel-Anamnese

1. Schwindelcharakter

a. Schwankschwindel

b. Drehschwindel

c. Benommenheit bis drohende Ohnmacht

(Kreislauf, Epilepsie)

d. Gangunsicherheit (Schwindel nicht im Kopf)

e. Angst / Panik

f. andere

Schwindel-Anamnese

3. Schwindeldauer und Häufigkeit

a. wenige - 60 Sek.

Präsynkope orthostatisch, vasovagal,

Herzrhythmusstörung, vestibuläre Paroxysmie, BPLS

etc.

b. wenige Minuten

vestibuläre Migräne, TIA, extravestibulär etc.

c. 30 Minuten – mehrere Stunden

M. Menière, PRIND, extravestibulär etc.

d. Stunden - Tage

vestibul. Neuritis, Kleinhirn-/Hirnstamminfarkt,

extravestibulär etc.

Algorithmus Schwindel-Anamnese

Frage nach Kopfsensation: "spüren Sie etwas im Kopf? und Was?"

Bewegt sich etwas?

drehend schwankend

kurz episodisch z.B.

BPLS

Vestib.paroxysmie

TIA

vestibul. Epilepsie

vestibul. Migräne

Menière, etc.

± dauernd z. B.

Neuritis vestibularis

Herpes zoster oticus

CVI infratentoriell

Labyrintitis

Borreliose

Tumoren infratent. etc.

JA NEIN

anders

Oszillopsien vertikal,

horizontal, andere

spontan bei:

- Downbeat Nyst.

- Upbeat-Nyst.

- Opsoklonus

bei Kopfbewegung:

- BPLS

- Zentr.Lagenystagmus

- Zentr. Lagerungsnyst.

- Vest.Paroxysmie

- Bilat. Vestibulopathie

- etc.

Benommenheit Angst

cerebral

cerebr. Hypoxämie

rhythmogen

epileptogen

Schlafapnoe

metabolisch

medikamentös

etc

"Schwarz vor Augen"

nur bei Aufstehen

arteriell-hypoton

v. a. situativ

neurocardiogen

(vagovasal)

zentral- oder peripher-vestibulär resp. cerebral

peripher-vestibulär: richtungsbestimmt, horizontal, oft ausgeprägte

vegetative Begleitsymptome, ipsilat. vestibulospinale Befunde

zentral-vestibulär: Nystagmus vertikal, dysrhythm., Blickrichtung, atyp.

vest.spinale Befunde, weitere Hirnnerven- resp. zentrale Symptome

cerebral: entsprechende Begleitsymptome und Befunde

Psychogen

Angst / Panik

Agoraphobie

Claustrophobie

Phob. Schwindel

etc.

aber nicht nur

primär psychogen,

auch reaktiv auf

somatischen

Schwindel !

"extracerebral"

nur im Stehen/Gehen

zentrale Gangstörung

- Parkinsonoid

- Ataxie

- Paraspastik

- Hydrocephalus

- etc.

periphere Gangstörung

- Polyneuropathie

- funikuläre Myelose (+zentral)

- etc.

Synkopen Stürze ohne

Prodromi

- cardiogen-rhythmogen

- Drop attack

- Maladie des genoux bleus

- epileptisch, etc.

psychogen "extracerebral"

korrelierende

psychische

Befunde

korrelierende

klinische

Befunde

H.R. Stöckli

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Schwindel-Anamnese

2. Auslöser

a. schnelles Aufrichten (präsynkopaler Schwindel?)

b. Kopfpositionsänderungen gegenüber Schwerkraft resp.

rasches Aufrichten und Abliegen (BPLS?)

c. nur im Stehen und Gehen? (bilaterale vestibuläre

Unterfunktion, PNP, frontoparietale Gangataxie, Parkinson,

multisensorischer Schwindel)

d. Bei Lageänderung oder in Orthostase (Konstitutionelle

Hypotonie, vasovagal, hypovoläm, schwere Herzinsuffizienz,

Brady-/Tachy-Arrhythmie-bedingt)

e. Zusammenhang mit Medikamenten?

Schwindel-Anamnese

4. Begleitsymptome

a. vegetative Begleitsymptome (vestibulär?

neurokardiogen? orthostatisch?)

b. Symptome des Gehörs, des Hirnstamms, des

Kleinhirns, des Grosshirns (M. Menière, TIA,

Infarkt)

c. Verschwindet der Schwindel bei Augenschluss

(okulärer Schwindel)?

d. relevante psychische Begleitsymptome?

Take home message

522

- Schwindelursache ergibt sich meistens aus Anamnese:

Schwindelcharakter, zeitlicher Ablauf, Auslöser,

Begleitsymptome

- Häufig in Hausarztpraxis:

BLS, vertebrobasilär, psychogen,

multisensorischer Schwindel ,

medikamentös bedingter Schwindel

- Cave: Abwendbare schwerwiegende Erkrankungen:

Vertebrobasiläre TIA, Kleinhirn- und

Stammhirninfarkt

- Therapie: - gemäss Grunderkrankung

- Medikamentöse antivertiginöse Therapie

oft unbefriedigend

- bei multifaktoriellem Schwindel

ambulantes Rehabilitationsprogramm

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