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ISSN 1438-3772

In diesem Heft

Der griechische

Bürgerkrieg 1944 bis

1949 und die Ehrenzeichen

der kriegführenden

Parteien

Staatsmedaillen für

vorbildliche Zöglinge

des Großen Militärwaisenhauses

zu

Potsdam und Pretzsch

Nationalpreisträger

Erich Rammler

(1901–1986)

Das bayerische Militär-Denkzeichen

für

die Jahre 1813–1815

Lorenz Friederichs

Besatzungsmitglied

des Kanonenbootes

Iltis

Die Verdienstmedaille

des Landesverbandes

Mecklenburg-Vorpommern

des Deutschen

Roten Kreuzes

Abzeichen für Angehörige des Kommandostabes

der ELAS im grie -

chischen Bürgerkrieg. Im Hintergrund

der Kommandeur der EDES,

General Zervas mit Teilen seines

Stabes.

72

13. Jahrgang

april 2011

Das Magazin für Freunde der Phaleristik


Walter Rosenwald und Peter Groch

Der griechische Bürgerkrieg

1944 bis 1949 und die Ehrenzeichen

der kriegführenden Parteien

Teil I: Die historischen

Zusammenhänge

Am Ende des Zweiten Weltkrieges hatten

alle Vorkriegsparteien der Balkanländer

– auch die sozialdemokratischen

– keine Möglichkeit mehr, in den von

der Roten Armee besetzten Ländern

auf Dauer parlamentarisch-demokratische

Regierungen zu etablieren. In den

sogenannten Volksdemokratien duldeten

die Kommunisten bestenfalls ohnmächtige

und gefügige Partner neben

sich. Nur Griechenland blieb dieses

Schicksal mithilfe der Briten erspart, die

dort bereits seit 1820 als Schutzmacht

aufgetreten waren, und ab 1947 im

Rahmen der „Truman-Doktrin“ in dieser

Rolle von den USA abgelöst wurden

1. Griechenland schwankte in den

1930er-Jahren unter dem Diktator General

Metaxas unentschlossen hin und

her. Metaxas hätte sich vor dem Feldzug

gegen die Sowjetunion am liebsten

Hitler angeschlossen und seine Nachfolger

dachten ebenso. Sie nahmen

aber sicherheitshalber das britische Angebot

an, ein Expeditionskorps landen

zu lassen. Die weitere Entwicklung

führte dazu, dass Hitler gegen den Rat

seines Generalstabs Anfang April 1941

auf dem Balkan angreifen ließ. So wurde

innerhalb von zwölf Tagen Jugoslawien

und nach weiteren 17 Tagen auch

Griechenland überrannt. Das britische

Korps musste unter Zurücklassung seines

gesamten Materials mit Resten der

griechischen Armee auf Schiffe flüchten

und sich nach Ägypten absetzen.

Der griechische König Georg II. folgte

2 .

Seitens der deutschen Besatzungsmacht

wurde am 21. April 1942 eine

kollaborationsbereite Regierung eingesetzt.

Nach dem Schock der Niederlage

bemühten sich viele Griechen, besonders

die 50.000 Mitglieder der Faschistischen

Partei, mit der Besatzungsmacht

zusammenzuarbeiten. Dabei

wurde auch die Gelegenheit genutzt,

zahlreiche alte politische Gegner zu liquidieren.

Jedenfalls blieb es im gesamten

Lande ziemlich ruhig. Von den

Abb. 1: Standorte von ELAS und EDES zu Beginn des Bürgerkriegs. Repro aus:

Stefanos Sarafis, In den Bergen von Hellas, Berlin (Ost) 1964.

Anfängen einer Widerstandsbewegung

konnte man erst ab Oktober

1942 sprechen. Vorher gab es nur vereinzelte

Bombenanschläge, die aber

mehr als symbolische Akte Einzelner

einzuordnen waren 3 .

Erst allmählich entstanden im besetzten

Griechenland zwei Gruppierungen,

die – teils mit Einschränkungen – als

Träger von Widerstand anzusehen waren.

An erster Stelle ist die im kommunistischen

Fahrwasser schwimmende

Volksbefreiungsarmee ELAS zu nennen,

deren erster militärischer Führer

Oberst Stefanos Sarafis war. Bis Ende

1944 wuchs die ELAS auf 50.000 bis

65.000 Kämpfer an. Neben meist armen

Bauern aus den ländlichen Gebieten

Griechenlands gehörten der ELAS

nur wenige intellektuelle Städter an.

An der Spitze standen überraschend

viele ehemalige Offiziere der königlichen

Armee. Der harte Kern wurde auf

20.000 Kämpfer geschätzt, darunter

mindestens 20 Prozent Frauen. Der politische

Gegner der ELAS war die monarchistisch

eingestellte Nationale Republikanische

Liga (EDES), die in der

Besatzungszeit über rund 7.000 Kämpfer

verfügte und gegen die italieni-

62 Orden und Ehrenzeichen 13. Jg., Nr. 72 (April 2011)


Abb. 2: Generalhauptquartier der ELAS Ende 1944. In der Mitte General Sarafis, daneben (mit Vollbart) Kapetanios Aris Weluchiotis,

der für die Ermordung von über 4.000 Geiseln in Athen verantwortlich war. Repro aus: Stefanos Sarafis, In den

Bergen von Hellas, Berlin (Ost) 1964.

schen und deutschen Truppen nur sehr

zögerlich vorging.

EDES wurde durch die Briten mit Waffen

und Finanzen – teilweise durch

Luftabwurf – versorgt. Das erfolgte anfangs

auch für die ELAS, bis die Briten

feststellten, dass sie es mit Kommunisten

zu tun hatten, die nicht daran

dachten, sich für die britischen Ziele

einspannen zu lassen. Ab Oktober

1944 waren die Briten geradezu

entsetzt über ihre Feststellung, dass es

den beiden griechischen Organisationen

weniger wichtig war den Deutschen

Schaden zuzufügen, als vielmehr

sich gegenseitig den Garaus zu machen,

um die politische Macht im Lande

zu erringen 4 . So ging der Widerstandskampf

gegen die Besatzungstruppen,

die ab Oktober 1944 abgezogen

waren, fast nahtlos in einen

blutigen Bürgerkrieg über, der schon

seit langem geschwelt hatte.

Zunächst aber kam es ab Dezember

1944 zum schweren Kampf der ELAS

mit den Briten, nachdem diese am

14. Oktober 1944 mit Truppen ihres

III. Korps und der „Rimini-Brigade“,

d.h. Resten der alten griechischen Armee,

im Hafen von Piräus gelandet waren

und Athen besetzt hatten 5 . Durch

die „Rimini-Brigade“ hatte sich die politische

Lage für die ELAS dramatisch

verändert, denn nun standen der alten

griechischen Politiker-Clique, die man

davonjagen wollte, monarchistische

Kampfverbände zur Verfügung. Der

brutale Kapetanios Aris Weluchiotis –

als politischer Leiter zweiter Mann nach

Sarafis – setzte vier ELAS-Brigaden

nach Athen in Marsch, um EDES niederzukämpfen

und die Briten zu isolieren.

Die britischen Truppen wurden

eingeschlossen und in Kämpfe verwickelt,

die ihnen Verluste in Höhe von

2.000 Mann und 1.000 Gefangenen

einbrachten. Nur mit Mühe konnten sie

sich nach dem Einsatz der gesamten

4. Indischen Division nach Norden freikämpfen.

Bei ihrem Abzug nahm die

ELAS alle britischen Gefangenen und

15.000 griechische Zivilisten mit. Von

Letzteren wurden ca. 4.000, die als Anhänger

der Monarchie verdächtigt wurden

oder es tatsächlich waren, gefoltert,

hingerichtet und in Massengräbern

verscharrt 6 . Wie in allen Bürgerkriegen

kam es auf beiden Seiten

immer wieder zu derartigen Scheußlichkeiten.

Viele Historiker des griechischen

Bürgerkrieges umgehen das,

und auch der ELAS-General Sarafis, der

es genau wissen müsste, verliert in seinen

trocken geschriebenen Erinnerungen

7 darüber kein Wort. Er behauptet

sogar wahrheitswidrig, dass alle Geiseln

entlassen worden wären.

Nachdem ELAS, vom Kampf erschöpft

und unter andauernden Luftangriffen

der Briten liegend, zurückgedrängt

worden war, kam es am 12. Februar

1945 zu einem Demobilisierungsvertrag

mit der neu gebildeten Regierung

unter dem Regenten Erzbischof Damaskinos

(Papandreou), der allerdings

nur ein Jahr hielt und lediglich eine

Pause im Bürgerkrieg brachte. ELAS

hatte sich verpflichtet, alle Waffen abzuliefern,

gab aber tatsächlich nur veraltete

ab. Über 10.000 Antartes (Kämpfer)

legten endgültig die Waffen nieder

und kehrten in ihre Heimat zurück. Der

harte Kern jedoch – etwa 4.000 Männer

und Frauen, die sich betrogen fühlten,

da sie nicht in die neue Armee

übernommen wurden – zogen sich in

die kommunistischen Aufnahmeländer

Albanien, Jugoslawien und Bulgarien

zurück. Dort regenerierten sie sich in

Ausbildungs- und Versorgungslagern

und bereiteten sich auf neue Taten vor.

Im Frühjahr 1946 nahmen die ELAS-

Kämpfer – diesmal unter dem tüchti-

Orden und Ehrenzeichen 13. Jg., Nr. 72 (April 2011) 63


gen General Markos Vafiadis – erneut

den Kampf unter strenger Beachtung

der Regeln der Partisanentaktik auf. Armee

und Polizei standen dem zunächst

ziemlich hilflos gegenüber, da sie nicht

alle Dörfer im weiten Land sichern

konnten. Mit kleinen Einheiten in Stärke

bis zu 200 Mann griff ELAS abgelegene

Dörfer an. Dabei wurden im Erfolgsfalle

alle monarchistisch eingestellten

Bewohner erschossen und Vieh

und Lebensmittel geraubt, worauf die

Kämpfer wieder spurlos verschwanden.

Diese Art der Kriegsführung zermürbte

allmählich die Regierungstruppen.

Diese bestanden zunächst nur aus

der königlichen Gendarmerie und den

sog. Sicherheitsbataillonen, die schon

in der Besatzungszeit aufgestellt worden

waren. Etwa eine halbe Million

Menschen flüchteten in die Großstädte

und vergrößerten die ohnehin katastrophale

wirtschaftliche Lage Griechenlands.

Der US-Historiker Kofas vertritt

die Auffassung, dass in dieser Situation

eine kleine Schicht von Wohlhabenden,

die es verstand sich aus

allem herauszuhalten, und auch die im

Ausland operierenden Reederdynastien,

die so gut wie keine Steuern zahlten,

eine hohe Schuld an dieser Entwicklung

hatten 8 . Zur weiteren Polarisierung

im ganzen Lande trug 1946/47

eine Welle des „Weißen Terrors“ bei.

Anfang 1947 versuchte die griechische

Armee erstmals, der ELAS durch eine

größer angelegte Offensive Herr zu

werden. Obwohl die ELAS dabei relativ

hohe Verluste erlitt, blieb der Erfolg

wegen mangelnder Erfahrung der

Truppen im Gebirgskrieg und wegen

fehlender Luftunterstützung gering.

Mit der weltpolitisch wirksamen Erklärung

des US-Präsidenten vom 12. März

1947 – der sog. Truman-Doktrin – trat

jedoch eine neue Situation ein, durch

die der griechische Bürgerkrieg – wenn

auch nach schweren Kämpfen – beendet

werden konnte. Die Doktrin besagte,

dass die USA künftig allen „freien“

Völkern finanziell und militärisch beistehen

würden, die von einer bewaffneten

Minderheit bedroht wurden. Die

USA übernahmen damit als Weltmacht

die bisherige Rolle Großbritanniens in

Griechenland.

Nachdem im Bürgerkrieg ein toter

Punkt erreicht worden war, traf im Februar

1947 der US-Generalleutnant

J. A. van Fleet mit einem großen Stab

in Griechenland ein und übernahm

dort das Sagen bzw. die „Beratung“.

Ein Strom von Finanzmitteln und Waffen

floss nach Griechenland und sorgte

– verglichen mit der Situation der Partisanen

für eine überwältigende Ausrüstung.

Verheerend wirkte sich für die

ELAS ab 1948 im Rahmen des ideologischen

Konflikts zwischen Jugoslawien

und der UdSSR der Wegfall aller Unterstützung

durch Tito aus. Allerdings war

das nicht die einzige Voraussetzung dafür,

dass ELAS endgültig erledigt wurde,

sondern es spielten auch einige

selbst zu verantwortende taktische und

politische Fehler eine Rolle. Der militä-

Abb. 3: Der Kommandeur von EDES, General Napoleon Zervas, mit seinem Stab.

Foto vom Herbst 1943.

rische Führer von ELAS, General Markos,

wurde von der politischen Leitung

gezwungen, operativ vom bisherigen

Partisanenkrieg in kleinen Gruppen abzuweichen.

Letztere sollten zusammengelegt

werden und künftig in Großverbänden

operieren. Der Zeitpunkt für

diese Taktik war falsch gewählt und

wirkte sich militärisch katastrophal aus,

da die Armee infolge der Unterstützung

durch die USA erheblich an Kampfkraft

gewonnen hatte. Ein weiterer politischer

Fehler bestand darin, dass ELAS

für die Schaffung eines slawisch-mazedonischen

Staates eintrat, in den ggf.

Teile Griechenlands eingegliedert werden

sollten. Das kostete ELAS weithin

Sympathien des sehr nationalbewussten

griechischen Volkes 9 .

Im Frühjahr 1949, nachdem von der

Regierung für das gesamte Land der

Belagerungszustand erklärt worden

war, begann die inzwischen hochgerüstete

Armee mit der Vorbereitung

von Großoffensiven. Die erste erfolgte

vom 15. Juli bis zum 20. September in

den Gebieten von Grammos und am

Berg Vitsi. Die Masse der Partisanen

konnte sich zwar erneut der Einschließung

entziehen, durch die dauernden

Luftangriffe erlitten die Partisanen jedoch

bei den Tagesmärschen auf den

kahlen, ungeschützten Berghängen

schwere Verluste. Bei Floriat wurde z.B.

eine ganze Brigade durch Bombenund

Napalmangriffe ausgelöscht. Diese

Verluste konnte ELAS auch durch rigorose

Zwangsrekrutierungen in den von

ihr beherrschten Gebieten nicht mehr

ausgleichen.

Im August 1949 trat die griechische Armee

zum letzten entscheidenden

Großangriff an, dem ELAS – in einer

statischen Verteidigungslinie und ohne

Reserven stehend – nicht mehr standhalten

konnte. Das I. und III. griechische

Armeekorps trieb – wieder im

Raum Grammos, Oros und Vitsi und

auch im Raum Beles, die Partisanenverbände

vor sich her bis über die Grenzen

von Albanien, Jugoslawien und Bulgarien.

Weitere drei Divisionen zerschlugen

die Reste der ELAS, die zwar über

die Grenzen im Norden fliehen konnten,

aber 90% ihrer Bewaffnung und

Ausrüstung verloren. Da die Anlehnungsmächte,

vor allem Tito-Jugoslawien,

jede weitere Unterstützung der

ELAS offiziell eingestellt hatten, konnten

diese Verluste nicht mehr ersetzt

werden. Am 16. Oktober 1949 stellte

ELAS den Widerstand ein. Die „Antartes“,

denen ein böses Nachspiel drohte,

ergaben sich den Regierungstruppen.

Alle wesentlichen Kämpfe hatten

64 Orden und Ehrenzeichen 13. Jg., Nr. 72 (April 2011)


übrigens im Nordwesten des Landes

stattgefunden.

Die Zahl der Opfer dieses Bürgerkrieges

übertraf diejenigen des Widerstandes

in der Besatzungszeit um ein Vielfaches.

Die griechische Armee verlor von

1944 bis 1949 insgesamt 12.777 an

Gefallenen und 4.527 an Vermissten

und zählte 37.742 Verwundete. Über

50.000 Zivilisten wurden getötet. Die

ELAS hatte ca. 38.000 tote Männer

und Frauen zu beklagen, die Zahl ihrer

Verwundeten ist unbekannt geblieben.

40.000 ELAS-Kämpfer gerieten in Gefangenschaft,

aus der Tausende in Konzentrationslager

verbracht wurden. Einige

Hundert wurden nach Kriegsrecht

hingerichtet. Etwa 20.000 Kinder wurden

von ELAS verschleppt und nur ein

Teil konnte den Eltern zurückgegeben

werden 10 . Der Kapetanios des Hauptquartiers

von ELAS, Aris Weluchiotis,

der als Hauptschuldiger für die Ermordung

von 4.000 zivilen Geiseln beim

Rückzug aus Athen galt, wurde mit wenigen

Begleitern am 9. Juni 1945 von

Nationalgardisten im Pindus-Gebirge

eingekreist und gefangen genommen.

Ihm wurde der Kopf abgeschlagen und

auf dem Marktplatz von Trikala zur

Schau gestellt 11 . Es bleibt noch nachzutragen,

dass das griechische Volk,

das noch unter den Wunden des Bürgerkrieges

zu leiden hatte, ab 21. April

1967 für sieben Jahre unter die Fuchtel

einer brutalen Militärdiktatur geriet.

Der erste Führer von ELAS, General Stefanos

Sarafis, kam auf mysteriöse Weise

1953 bei einem Verkehrsunfall mit

einem US-Fahrzeug um.

Teil II: Die Ehrenzeichen der

kriegführenden Parteien

1. Auszeichnungen der nationalen

Seite

Unter den griechischen Auszeichnungen

ist das „Aristeion Andreias“ (Kreuz

für Tapferkeit) die höchste Ehrung für

Mut, Initiative, Ausdauer und sonstige

Tugenden im Kampf mit dem Feind. Es

wurde 1913 in drei Klassen als Kommandeurkreuz,

Goldenes Kreuz und

Silbernes Kreuz gestiftet. Verleihungen

fanden aber weder für die Balkankriege

1912–13 noch für den Ersten Weltkrieg

statt, sondern erstmals für den

Krieg 1919–1922 gegen die Truppen

Atatürks in Kleinasien, der als Desaster

endete und zur Vertreibung des griechischen

Bevölkerungsteils aus der Türkei

führte.

Für das Kommandeurkreuz kamen nur

kommandierende Generale und Admirale

infrage, während das Goldene

Kreuz sonstige Generale und Admirale

sowie Offiziere erhalten konnten. Die

erstgenannte Dekoration ist ein vergoldetes

und emailliertes Halskreuz und

das Goldene Kreuz, ebenso ausgeführt

aber kleiner, wird am Band auf der

Brust getragen. Das Silberne Kreuz entspricht

in Form, Größe und Trageweise

dem Goldenen Kreuz, hat aber keine

Emaille und ist für alle Mannschaften

unterhalb des Offiziersranges vorgesehen.

1940 erfolgte eine Erneuerung

des „Aristeion Andreias“ für den

2. Weltkrieg und wiederum 1946 für

den Bürgerkrieg. Solche Verleihungen,

diesmal an Angehörige der königlichen

Verbände im Kampf mit der kommunistischen

Aufstandsbewegung, unterscheiden

sich von den vorherigen durch

ein anderes Band aus drei gleichbreiten

Streifen hellblau-weiß-hellblau. Das

hier zu sehende Exemplar (Abb. 4) zeigt

jedoch ein Goldenes Kreuz, 52 x

32 mm groß, am regulären Band, da

ein solches am speziellen Band für

1946–49 nicht verfügbar war.

Als weitere, für den Kampfeinsatz royalistisch-nationaler

Einheiten im Bürgerkrieg

1946–49 neugeschaffene Auszeichnungen,

sind zu nennen:

Abb. 4a/b: Aristeion Andreias (Kreuz für Tapferkeit) 2. Klasse; Vorder- und

Rückseite.

Abb. 5a/b: Kriegskreuz 1940 in Bronze am Band des Kriegskreuzes von 1946

(Vorder- und Rückseite). Die Vorderseite der Kriegskreuze ist für beide Perioden

bzw. Kriege identisch, nur die Jahreszahl auf der RS müsste hier „1946“ sein.

Orden und Ehrenzeichen 13. Jg., Nr. 72 (April 2011) 65


- Tapferkeitsmedaille: Trotz der Bezeichnung

handelt es sich um ein

bronzenes einklassiges Kreuz (wie

Abb. 5, aber ohne Schwerter), das am

dunkelroten Band mit weißem Mittelstreifen

verliehen wurde. Das Wort

„Andragasia“ auf der RS bedeutet

„Mannhaftigkeit“.

- Medaille für Selbstaufopferung: Einklassiger

vierspitziger Stern aus Bronze

mit jeweils einer kleineren Spitze

zwischen den vier langen Sternspitzen.

Im Zentrum die Königskrone und

auf der RS kreisförmig das Wort für

„Selbstaufopferung“. Band rot mit

schwarzem Mittelstreifen. Da keine

Originale vorlagen, können bei den

beiden vorgenannten Auszeichnungen

weder Größenangaben gemacht,

noch Fotos gezeigt werden.

- Kriegskreuz 1946: Dieses wurde bereits

1940 in 3 Klassen für den

2. Weltkrieg geschaffen, wobei das

Kreuz stets bronzen ist. Die Klassen 1

bis 3 unterscheiden sich durch eine

goldene, silberne oder bronzene Krone

an der das Kreuz hängt. Die Vorderseite

zeigt das gekrönte Monogramm

aus zwei gekreuzten griechischen

„G“ für König Georg II. und

die Rückseite trägt das Stiftungsjahr

„1940“. Das Band ist rot mit einem

blauen Mittelstreifen.

Die neugeschaffene 2. Form für den

Bürgerkrieg (vergleiche Abb. 5) ist 61

x 40 mm groß und unterscheidet sich

nur in zwei Punkten von der 1. Form.

Die RS trägt nun die Jahreszahl

„1946“ und die Bandfarben sind umgekehrt,

nämlich dunkelblau mit einem

roten Mittelstreifen. Obwohl

auch hier wieder die vorgenannten

drei Klassen gelten sollten, scheint es

in der Praxis aber nur zur Verleihung

der in allen Teilen bronzenen 3. Klasse

gekommen zu sein.

- Verdienstkreuz 1946–50 des Roten

Kreuzes (Abb. 6a/b): Einklassig, versilberte

Bronze, 35 mm, Zentrum der

Vorderseite emailliert. Die drei Buchstaben

stehen für „Hellenisches Rotes

Kreuz“ und die Inschrift der Rückseite

bedeutet „Nationaler Kampf“. Verliehen

wurde es für die Verwundetenpflege

u. a. karitative Tätigkeit während

des Bürgerkriegs. Nach ROMA -

NOFF bedeuten die bis zu 3 goldenen

Sterne auf dem Band weitere Verleihungen,

d. h. eine jeweils erneute Erfüllung

der Voraussetzungen für den

Erhalt des einfachen Kreuzes. Worin

diese bestanden, evtl. jeweils eine aktive

Tätigkeit von 3 oder 6 Monaten,

ist nicht bekannt und wird in der Literatur

nirgendwo erwähnt.

- Erinnerungskreuz für Verwundete des

Bürgerkriegs (Abb. 7a/b): Flaches und

dünnes Kreuz, 29 mm, aus Silber. Auf

der Vorderseite die gekrönten Initialen

von König Paul und Königin Frederika.

Die Inschrift der Rückseite wäre

wörtlich mit „Damit sollst Du siegen“

zu übersetzen, entspricht aber

wohl eher dem Motto von Kaiser

Konstantin dem Großen „In hoc signo

vinces“ (In bzw. unter diesem Zeichen

sollst Du siegen). Verliehen wurden

diese Kreuze von der Königin bei ihren

Besuchen der Feldlazarette an die

Verwundeten der Regierungstruppen.

Getragen wurde es an einem

schmalen hellblauen Bändchen.

- Erinnerungsabzeichen der Nationalen

Verteidigungs-Einheiten (Abb. 8): Die -

ses 40 mm große kupferbronzene

Abzeichen mit glatter Rückseite und

waagerechter Nadel wurde 1949 von

Feldmarschall Papagos als Oberkommandierender

der Griechischen Ar-

mee gestiftet. Verliehen wurde es an

Angehörige der im Bürgerkrieg in den

Provinzen zur Aufstandsbekämpfung

eingesetzten Sicherheitsbataillone, einer

Art royalistisch-antikommunistischer

Volksmiliz.

Außer den hier genannten und speziell

für den Bürgerkrieg geschaffenen Eh -

renzeichen wurden an Offiziere, wie

bereits für den 2. Weltkrieg, vermutlich

auch hier wieder die verschiedenen

Klassen des Ordens König Georg II. und

des Phönix-Ordens, beide in der Ausführung

mit Schwertern, verliehen.

2. Auszeichnungen der kommunistischen

Aufständischen (ELAS)

Gesicherte Erkenntnisse über noch im

Lande während des Bürgerkriegs verliehene

Auszeichnungen der ELAS-

Truppen fehlen völlig, auch griechische

Sammler wissen diesbezüglich nichts.

Aus Ungarn ist jedoch eine Serie von

Kriegs-und Kampfabzeichen bekannt,

Abb. 6a/b: Verdienstkreuz 1946–1950 des Griechischen Roten Kreuzes; Vorderund

Rückseite

Abb. 7a/b: Erinnerungskreuz für Verwundete des Bürgerkrieges; Vorder- und

Rückseite.

66 Orden und Ehrenzeichen 13. Jg., Nr. 72 (April 2011)


Abb. 8: Erinnerungsabzeichen der Nationalen

Verteidigungs-Einheiten bzw.

Sicherheitsbataillone.

die in unbekannter Stückzahl dort ohne

Zweifel im Auftrag der griechischen

Partisanen hergestellt wurden. Im Zuge

der seitens der „sozialistischen Bruderländer“

geleisteten solidarischen Hilfe

für die griechischen Partisanen fiel offenbar

der Staatsmünze Budapest oder

einem anderen ungarischen Staatsbetrieb

die Aufgabe zu, vom Partisanenstab

aus Griechenland gelieferte Entwurfsskizzen

prägetechnisch umzu -

setzen. Dieses ganze Projekt dürfte jedoch

so spät realisiert worden sein,

dass der Krieg beendet war, bevor diese

Abzeichen nach Nordgriechenland

gebracht werden konnten. Die logische

Konsequenz war, auch unter dem Aspekt

der Rohstoffknappheit im Nachkriegsungarn,

das Einschmelzen oder

anderweitige Verwerten dieser Bestände.

Dem entgingen nur wenige komplette

Sätze und einige Einzelstücke,

die dann an lokale Sammler gelangten,

heute aber kaum noch in Ungarn zu

finden sind.

Demnach lassen sich die Auszeichnungen

der Aufständischen grob kategorisieren:

Nach bisherigem Kenntnisstand

wurden zwei Tapferkeits-, sieben

Kampf- und drei Funktionärsabzeichen

gestiftet.

Abb. 9: Regas-Fereos-Medaille der

ELAS mit dem Kopf dieses Nationalhelden

aus dem Freiheitskampf der Griechen

gegen die Türken des Osmanischen

Reiches, darüber seine Lebensdaten

„1757–1798“. Offenbar als Tapferkeitsauszeichnung

für männliche

Partisanen konzipiert.

Abb. 10: Elektra-Medaille der ELAS, wohl

als Gegenstück zur Regas-Fereos-Medaille

gedacht; hier jedoch für weibliche

Partisanen. Sie zeigt ein Frauenporträt in

moderner Kleidung des 20. Jhs., darunter

„Elektra“ („nom de guerre“ der Dargestellten?).

Die Vermutung liegt nahe,

dass es sich um eine während des Partisanenkampfes

im 2. Weltkrieg oder während

des Bürgerkrieges gefallene Heroin

handelt, wozu der Autor aber konkret

nichts in Erfahrung bringen konnte.

Abb. 11: Infanterie-Sturmabzeichen

der ELAS.

Abb. 12: Kampfabzeichen für Häuserkampf

bzw. Stützpunktverteidigung

der ELAS.

Abb. 13: Kampfabzeichen der Artillerie

der ELAS.

Abb. 14: Kampfabzeichen der ELAS für

die Vernichtung gepanzerter Fahrzeuge.

Abb. 15: Kampfabzeichen der ELAS für

Flugzeugabschuss bzw. Flakkampfabzeichen.

Abb. 16: Kampfabzeichen der ELAS für

Sprengungen und Minenlegen.

Abb. 17: Kampfabzeichen der ELAS für

Landungsunternehmungen.

Orden und Ehrenzeichen 13. Jg., Nr. 72 (April 2011) 67


Abb. 18: Abzeichen der ELAS für Funktionäre

der Roten Hilfe.

Abb. 19: Abzeichen für Politkommissare

der ELAS.

Abb. 20: Abzeichen für Angehörige

des Kommandostabes der ELAS.

Diese „Medaillen“ bzw. runden Abzeichen

mit glatter Rückseite und waagerechter

Nadel (Abb. 21) sind alle

40 mm groß, der rote Stern (Abb. 20)

jedoch 42 mm. Sie bestehen aus versilbertem

oder versilbert gewesenem

Zink („Kriegsmetall“), bei den farbig

emaillierten aus versilbertem oder

(Abb. 19 und 20) aus kupferfarbenem

Buntmetall. Genaue Bezeichnungen

sind nicht bekannt und können nur anhand

der bildlichen Darstellung bzw.

Symbolik gemutmaßt werden. Bei einigen

beruhen sie auf Aussagen ungarischer

Sammler, die der Verfasser um

1970 erhalten hat.

Als Ergänzung zeigt Abb. 22 Propaganda-und

Zugehörigkeitsabzeichen in

den Nationalfarben und mit einem roten

„Delta“, die nach Ende des griechischen

Bürgerkrieges in der Tsche-

Abb. 21a/b: Muster der Rückseiten der ELAS-Medaillen.

Abb. 22: Abzeichen, die in verschiedenen Ländern von ehemaligen ELAS-„Antartes“

getragen wurden.

choslowakei und in Ungarn hergestellt

und von den über fast alle Länder Osteuropas

verstreut lebenden griechischen

Emigranten getragen wurden.

Nach dem Sieg der antikommunistischen

Kräfte flohen viele ehemalige

ELAS-Kämpfer und politische

Aktivisten nebst ihren Familien in die

an Griechenland angrenzenden kommunistischen

Länder und von dort

meist in weitere Aufnahmeländer des

Ostblocks. Einige konnten zwar auf

Grund veränderter politischer Verhältnisse

ab 1975 nach Griechenland zurückkehren.

Doch gibt es heute noch

größere Gruppen oder regelrechte

griechische Kolonien, z. B. im Gebiet

der ehemaligen DDR und auch in

Tschechien, vor allem wohl in und um

Mährisch-Ostrau (Ostrava).

Anmerkung:

Teil I wurde von Walter Rosenwald erarbeitet,

Teil II von Peter Groch.

Literatur:

- Beldecos, George John: Hellenic Orders,

Decorations and Medals, Athen 1991.

- Dimacopoulos, George D.: Greek Orders

and Medals, Athen 1961.

- Hösch, Edgar: Geschichte des Balkans.

München 2007, zitiert HOESCH.

- Kofas, Jon V.: Die amerikanische Außenpolitik

und der griechische Bürgerkrieg

1946–1949, in: Heiße Kriege im Kalten

Krieg, Hamburg 2006, zitiert KOFAS.

- Piekalkiewicz, Janusz: Krieg auf dem Balkan

1940–1945, München 1984, zitiert

PIEKA.

- Polk, William R: Aufstand, Widerstand gegen

Fremdherrschaft, Hamburg 2009, zitiert

POLK.

- Podempa, Harald: Die Wehrmacht und der

Raum Balkan 1941–1944, in: Am Rande

Europas?, München 2009, zitiert PODEMPA.

- Prince Romanoff, Dimitri: The Orders,

Medals and History of Greece, Rungsted

Kyst (Dänemark) 1987, zitiert ROMANOFF.

- Truppendienst-Handbuch, Hrsg. Bundesministerium

für Landesverteidigung (Österreich):

Militäroperationen und Partisanenkampf

in Südosteuropa, Abschnitt 2.6. Der

griechische Bürgerkrieg 1944–1949, Wien

2009, zitiert HANDBUCH.

- Sarafis, Stefanos: In den Bergen von Hellas,

Berlin (Ost), zitiert SARAFIS.

- Stratoudakis, Georges: Greek Medals,

Athen 2001.

Anmerkungen:

1 HOESCH S. 86 ff.

2 POLK S. 132 ff.

3 POLK S. 136 f

4 PODEMPA S. 278.

5 PIEKA S. 280 f.

6 HANDBUCH S. 274 ff.

7 SARAFIS S. 521ff.

8 KOFAS S. 89 und 92 ff.

9 POLK S. 152.

10 HANDBUCH S. 283.

11 PIEKA S. 309 und SARAFIS S. 381.

68 Orden und Ehrenzeichen 13. Jg., Nr. 72 (April 2011)

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