PDF Download - Deutsche Gesellschaft für Ordenskunde

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ISSN 1438-3772

In diesem Heft

Kolonialkrieg in

Deutsch-Ostafrika

Die Ehrenzeichen des

k.u.k. Postkonzipisten

Dr. Leo Melion

Ganz im Sinne von

Henry Dunant

Die Abzeichen für

Förderer der DeutschenOrient-Gesellschaft

Interessante historische

ordenskundliche

Realien

Ein unbekanntes

E h r e n z e i c h e n d e r

„Stadt der Bewegung“

HONI SOIT QUI MAL

Y PENSE – Ein Schelm,

wer Schlechtes dabei

denkt

Militärhistorisches

Museum der Bundeswehr

geöffnet

Die Große Ordensschnalle des Herrmann

Holzhausen mit preußischen

und lippischen Auszeichnungen für

Deutsch-Ostafrika. Im Hintergrund

ein Zug Askari beim Exerzieren (Bild:

Wikipedia).

76

13. JAHRGANG

DEZEMBER 2011

Das Magazin für Freunde der Phaleristik


Liebe Leserinnen und Leser,

Bundespräsident

Christian Wulff

Editorial

mit dieser Ausgabe neigt sich das „Ordensjahr“ 2011 seinem Ende zu. Für

mich war es ein erfülltes Jahr, reich an eindrucksvollen Begegnungen: beispielsweise

mit der algerischen Buchhändlerin Anissa Kahla, die in Rheinland-Pfalz

ein Kultur-Café für muslimische Migrantinnen gegründet hat

und das Verdienstkreuz am Bande erhielt, oder mit Basketballstar Dirk Nowitzki,

dem ich für herausragende Erfolge im Sport und in seinen Kinderhilfsprojekten

das Silberne Lorbeerblatt verliehen habe.

Solche Ereignisse gehören für mich zu den schönsten Momenten im

Schloss Bellevue. Sie zeigen, welche Kraft die Menschen in diesem Land

aufbringen und wie viel sie damit in Vereinen und Verbänden, in Kirche,

Kunst, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft bewegen. Ob Spitzenleistungen

in der Forschung oder ehrenamtliche Arbeit mit Behinderten: Jede

Auszeichnung steht für gelebte Verantwortung. Jede Auszeichnung soll

Anerkennung sein für die Entscheidung, wertvolle Zeit und Fähigkeiten

an die Gemeinschaft zu verschenken.

„Der Staat muss auch danken können.“ So hat Bundespräsident Theodor

Heuss 1951 die Stiftung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

begründet. Dieser Satz gilt bis heute. Fast neunzig Orden habe ich

2011 überreicht. Insgesamt fanden in den vergangenen 60 Jahren über

243.000 Verleihungen in den verschiedenen Ordensstufen statt. Oft galt

die Auszeichnung einem Lebenswerk.

In 95 Prozent aller Fälle waren die Ordensträgerinnen und Ordensträger

zum Zeitpunkt der Verleihung über 50 Jahre alt. Diese Zahlen haben mich

nachdenklich gestimmt. Alter und Ehre gehen oft einher, aber Jugend

sollte kein Ausschlussgrund für einen Orden sein. Auch die Facebook-

G e n e r a t i o n b r a u c h t Vo r b i l d e r a u s d e r e i g e n e n L e b e n s w i r k l i c h k e i t , w e n n

Begriffe wie Ehrenamt für sie noch eine Bedeutung haben sollen. Um solche

Vorbilder bekannt zu machen, habe ich im Sommer junge Engagierte

aus der ganzen Republik zu einer besonderen Ordensverleihung nach

Bellevue eingeladen. Mit 25 oder 30 Jahren haben sich diese Frauen und

Männer schon lange und intensiv ehrenamtlich engagiert, sei es als Nachwuchstrainer

im Sportverein oder in der internationalen Entwicklungsarbeit.

Das ist nicht selbstverständlich in einer Zeit, die durch Wettbewerb

und Eile geprägt ist. Junge Menschen müssen heute in Schule, Ausbildung

und Studium viel bewältigen, mobil und flexibel sein. Wer sich dennoch

freiwillig und ausdauernd einer Aufgabe für die Gemeinschaft widmet,

sollte spüren: Diese Haltung wird gewürdigt.

Ich freue mich sehr, dass immer mehr Verbände und Organisationen auf

Vorbilder und sichtbare Zeichen der Anerkennung setzen, um Menschen

aller Altersgruppen für das Ehrenamt zu gewinnen. Beispielsweise habe ich

im Oktober gemeinsam mit Verbandspräsident Hans-Peter Kröger das neu

gestiftete Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze überreicht. Der jüngste Träger

dieser Auszeichnung wollte schon mit vier Jahren „am liebsten zur Feuerwehr“.

Er war kaum vierzehn, als er – mutig und umsichtig – einen Serienbrandstifter

auf Sylt stellen konnte. Andere Ausgezeichnete haben neben

ihrer Berufsausbildung Jugendfeuerwehren betreut oder mit viel Ideenreichtum

bundesweite Kampagnen gestaltet. Als ich während der Feierstunde

in die glücklichen Gesichter sah, musste ich an ein Zitat von Christian

Morgenstern denken: „Enthusiasmus ist das schönste Wort der Erde.“

Möge uns dieses Gefühl auch im Ordensjahr 2012 oft vergönnt sein!

Inhalt

Peter Klein, Brücken:

Kolonialkrieg in Deutsch-Ostafrika . . . . . . . . . 302

Friedrich Mayer, Wien:

Die Ehrenzeichen des k.u.k. Postkonzipisten

Dr. Leo Melion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 310

Stijn David, Tielt / Belgien:

Das (belgische) Militär Ehrenzeichen

und der Fall Gelb . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 315

Werner Bergmann, Kirchenlamitz:

Ganz im Sinne von Henry Dunant . . . . . . . . . 318

Uwe Brückner, Berlin:

Die Abzeichen für Förderer der

Deutschen Orient-Gesellschaft . . . . . . . . . . . . 322

Rolf Gminder und Peter Sauerwald,

Heilbronn / Kaarst:

Interessante historische ordenskundliche

Realien mit gesichertem Personenbezug . . . . . 328

Thomas Fritsch, Nonnweiler:

Ein unbekanntes Ehrenzeichen der

„Stadt der Bewegung“ für den

Kriegseinsatz im R.A.D. . . . . . . . . . . . . . . . . . 335

Peter Sauerwald, Kaarst:

HONI SOIT QUI MAL Y PENSE . . . . . . . . . . . . 337

Dietrich Herfurth, Berlin:

Militärhistorisches Museum der

Bundeswehr wieder geöffnet . . . . . . . . . . . . . 338

Neue Bücher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 342

Auktions-Nachbericht . . . . . . . . . . . . . . . . . . 345

Nachbarpublikationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 346

Fragen an die Leser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 347

Kommentare zu vorhergehenden Artikeln . . . 347

DGO-Nachrichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 348

301


Peter Klein

Kolonialkrieg in Deutsch-Ostafrika

– der Nachlass des Herrmann Holzhausen

Als Sammler von Orden und Ehrenzeichen

bin ich mir bewusst, was

hinter dem Wort „Expedition“ oder

„Feldzug“ für den Kolonialkrieg in

Deutsch-Ostafrika (DOA) steht:

Mord, Raub, Zerstörung, Enteignung,

Vertreibung und der Hungertod.

Übergriffe an der Zivilbevölkerung

durch Askaris (Abb. 1) waren

an der Tagesordnung und wurden

von deutschen Offizieren und Unteroffizieren

in DOA geduldet.

Kommandeur Kurt von Schleinitz

musste 1914 seinen Abschied aus

DOA nehmen, weil er die Grausamkeiten

der Askari an Zivilisten geduldet

und nicht bestraft hatte.

Der Nachlass Holzhausen stammt

aus diesem Umfeld. Er wurde teilweise

bereits im IMM 1 mit seinen

Realien vorgestellt. Dabei blieben

jedoch die Person Holzhausens und

sein militärischer Werdegang in

Verbindung mit seinen Auszeichnungen

außen vor. Recherchiert

wurde der Nachlass in der angegebenen

Literatur und auf Grundlage

diverser Schreiben an Holzhausen,

die sich im Besitz des Verfassers befinden.

Herrmann Holzhausen wurde am

05. Mai 1876 in Lemgo geboren.1896

kam er zum Füsilier-Regiment Prinz

Heinrich von Preußen (Brandenburgisches)

Nr. 35 in Brandenburg a.d.H.,

wo er sich auf Zeit verpflichtete.1897

bekam er seine erste Auszeichnung,

die Centenarmedaille, deren Urkunde

leider verloren gegangen ist.

Die Schutztruppenzeit

Abb. 2a: Holzhausen (links) mit zwei seiner Feldwebelkameraden

um 1910 in Deutsch-Ostafrika.

Abb. 1: Eine Kompanie Askaris im Felde bei Daressalam, Foto von ca. 1910.

Holzhausen meldete sich freiwillig zum

Kolonialdienst und kam 1902 dann

auch als Unteroffizier zu der 5. Kompanie

der Kaiserlichen Schutztruppe für

Deutsch-Ostafrika – der ehemaligen

Wissmann-Truppe – nach Daressalam

(Abb. 2a/b).1905 kam es in Deutsch-

Ostafrika (DOA) zum Maji-Maji-Aufstand

2. Am 4. Oktober 1905 erlebte

der nunmehrige Sergeant Holzhausen

als Führer von 22 Askaris bei Daressalam

seine Feuertaufe in einem Gefecht

gegen Aufständische, in dem er verwundet

wurde. Für dieses Gefecht bekam

er am 08. Juni 1906 das Preußische

Militär-Ehrenzeichen 2. Kl. (Abb. 3).

Sein Bundesstaat, das Fürstentum Lippe-Detmold,

zeichnete ihn hierfür mit

der Lippischen Silbernen Verdienstmedaille

mit Schwertern auf dem Bande

Abb. 2b: Foto von Holzhausen mit einem Offizier auf Löwenjagd;

der Name des Offiziers ist nicht bekannt.

302 Orden und Ehrenzeichen 13. Jg., Nr. 76 (Dezember 2011)


Abb. 3: Verleihungsurkunde zum Preußischen Militär-Ehrenzeichen 2. Kl. vom

Juni 1906 für die Kämpfe im Maji-Maji-Aufstand im Jahr 1905.

Abb. 4: Erlaubnis zum Anlegen der Lippischen silbernen Verdienstmedaille mit

Schwertern auf dem Bande. Holzhausen vermerkt handschriftlich: „Verl. Urkunde

aus Detmold nicht erhalten“.

Abb. 5: Besitzzeugnis der Militär-DA

2. Klasse, ausgestellt in Daressalam.

Abb. 6a/b: Abschiedsgeschenk für

Holzhausen von seinen Regimentskameraden

1910, als er sich zum ersten

Mal in das Privatleben zurückzog:

Bronzene Figur eines „feldmarschmäßigen“

Askari mit der Sockelinschrift:

„DEM SCHEIDENDEN KAMERADEN /

FELDWEBEL HOLZHAUSEN / GEWID-

MET VOM UNTEROFFIZIER CORPS DER

/ KAISERLICHEN SCHUTZTRUPPE FÜR

DEUTSCH OSTAFRIKA“.

Orden und Ehrenzeichen 13. Jg., Nr. 76 (Dezember 2011) 303


Abb. 7: Tragegenehmigung der Uniform der Schutztruppe mit aufgelegtem Zeitungsausschnitt

von 1910, in dem auch die Seltenheit einer derartigen Auszeichnung

gewürdigt wird.

aus (Abb. 4). Offensichtlich erhielt er

durch ein Versehen keine Urkunde zu

diesem Zeitpunkt, wie er selbst handschriftlich

auf seiner Trageerlaubnis vermerkte,

da die Nachricht des fürstlichen

Militärkabinetts über die Verleihung

nicht zu dem zuständigen Staatsministerium

durchgedrungen war. Da

ihm die Verleihung aber durch AOK bestätigt

wurde, erhielt er auch als Nachweis

einen Eintrag in die Militärpapiere,

die er später als Nachweis über die erfolgte

Verleihung einreichen musste

(siehe weiter unten). Am 02. Mai 1907

erhält er die Preußische Dienstauszeichnung

2. Kl. (Abb. 5). Die Urkunde

ist ebenfalls in Daressalam ausgestellt.

Fast bis zum Ende seiner Militärzeit

1910 bleibt Holzhausen – inzwischen

Vizefeldwebel – in Deutsch-Ostafrika.

Als Abschiedsgeschenk bekam er eine

bronzene Askari-Figur von seinen Regimentskameraden

mit der üblichen

Widmung auf dem Sockel (Abb. 6a/b).

Verabschiedet wird er mit der Erlaubnis

zum Forttragen der Uniform für

Deutsch-Ostafrika, einer durchaus seltenen

Ehrung außerhalb des Offizierszirkels

(Abb. 7), und der Dienstauszeichnung

1. Klasse für 21 Dienstjahre

– noch in der alten Form als Schnalle

(Abb. 8a/b).

Abb. 8a/b: Besitzzeugnis und Übersendschreiben zur DA 1. Kl., ausgestellt jetzt in Berlin. Interessant ist die Aussage zur

Realie im Übersendschreiben („… Dienstauszeichnung I. Klasse nebst Blechscheibe, Band und …“), die offenbar in mehreren

Teilen geliefert wurde und durch den Träger selbst vernäht werden musste.

304 Orden und Ehrenzeichen 13. Jg., Nr. 76 (Dezember 2011)


Abb. 9a/b: Preußen: Militär Ehrenzeichen 1. Kl. an der Großen

Ordensschnalle (Ausschnitt) 3 und Ausschnittsvergrößerung

des unteren Kreuzarmes und des dort angebrachten

Herstellerzeichens „W“ (Ritzmarke). So verliehen an Holzhausen

am 18. April 1911. Abb. 9c: Urkunde zum MEZ 1. Kl. an Feldwebel Holzhausen.

Abb. 10: Urkunde zur Lippischen Militär Verdienstmedaille

mit Schwertern auf dem Bande. 4 Die Urkunde trägt das gleiche

Datum wie die nächste Abbildung.

Abb. 11: Urkunde zur silbernen Verdienstmedaille mit

Schwertern auf dem Bande. 5 Die Medaille war Holzhausen

schon im Februar 1907 (siehe Abb. 4) mit AOK verleihen,

aber vom Lippischen Staatministerium „vergessen“ worden:

Sie war dort nicht aktenkundig und er musste den Nachweis

über deren Verleihung erst führen.

Orden und Ehrenzeichen 13. Jg., Nr. 76 (Dezember 2011) 305


Abb. 12: Übermittlungsschreiben des Lippischen Staatsministeriums zu den beiden

vorhergehenden Urkunden, in dem auch die Rückgabe der Nachweisunterlagen,

die Holzhausen eingereicht hatte, bestätigt wird.

Abb. 13: Urkunde zur Kolonialdenkmünze.

Abb. 14: Bestallungsurkunde zum Feldwebelleutnant

im Jahr 1915.

Abb. 15a/b: Lippe-Detmold: Kriegsehrenkreuz

für heldenmütige Tat (Steckkreuz)

im Etui und dessen Rückseite

(unten).

306 Orden und Ehrenzeichen 13. Jg., Nr. 76 (Dezember 2011)


Abb. 15c: Urkunde zum Kriegsehrenkreuz für heldenmütige Tat der Abb. 15a/b.

Nach der Militärzeit in den

Kolonien

Erst nach seiner Militärzeit am 18. April

1911 wird Holzhausen mit dem Preußischen

Militär Ehrenzeichen 1. Kl. ausgezeichnet

(Abb. 9a/b/c), das mit ca.

200 Verleihungen für die Kolonien eher

selten ist. 6

Wiederum zeichnete ihn auch das Fürstentum

Lippe-Detmold aus: Am 26. Juli

1911 erhält er die Lippische Militär Verdienstmedaille

mit Schwertern auf dem

Bande (Abb. 10). Glücklicherweise ist

durch das Übersendschreiben die Verleihungsbegründung

durch den Flügeladjutanten

des Fürsten von Lippe-Detmold,

Major von Dewall, erhalten, um

die Hintergründe der Auszeichnung

deutlich zu machen:

Seine fürstliche Durchlaucht der Fürst

haben die Gnade gehabt Ihnen am

heutigen Tage in Anerkennung Ihres

vorbildlichen Verhaltens bei den verschiedenen

Gefechten zur Expedition

von Hauptmann von Grawert (Werner)

7 die fürstliche Lippische Militär

Verdienstmedaille mit Schwerter auf

dem Bande zu verleihen. Holzhausen

war damit einziger Träger beider Lippischer

Medaillen für Tapferkeit bzw.

Kriegsverdienst.

Dem Staatsministerium fällt bei der Verleihung

der Militär Verdienstmedaille

mit Schwertern auf dem Bande auf,

dass Holzhausen auch Träger der silbernen

Verdienstmedaille mit Schwertern

auf dem Bande ist, allerdings hat er

hierfür keine Empfangsbestätigung vorliegen.

Die Dekoration – die er schon

längst trug – und die Urkunde wurden

ihm folgerichtig 1911 offiziell noch am

gleichen Tage wie die Militär Verdienstmedaille

„nachverliehen“ (Abb. 11). Als

Nachweis der erfolgten Verleihung hatte

Holzhausen seinen Militärpass und

das Schreiben über die Verleihung nach

Abbildung 4 nach Detmold gesandt,

die ihm mit den Verleihungsurkunden

wieder zurückgestellt wurden, wie das

entsprechende Schreiben (Abb.12) ausweist.

Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges

erhält Holzhausen – nach deren

Stiftung am 13. Juni 1912 – noch

die Kolonialdenkmünze am 3. April

1913 (Abb. 13). Die dazugehörige

Spange Deutsch Ostafrika 1905/07,

Abb. 16a/b: EK 1. Klasse im Etui mit dem vorläufigen Besitzzeugnis, ausgestellt durch die 119. ID mit der Unterschrift des

Divisionskommandeurs GM Berger (Träger des Pour Le Mérite).

Orden und Ehrenzeichen 13. Jg., Nr. 76 (Dezember 2011) 307


Abb. 17: Das Offizierskorps des IR 46 im April 1918 in Seclin (Frankreich). Holzhausen

(unten, 2. von links) trägt neben dem EK I. Kl. und dem Lippischen KVK

I. Kl. auch seine Feldspange. Das Bild stammt aus REG46.

Abb. 18: Große Ordensschnalle des ehemaligen Feldwebelleutnants Herrmann

Holzhausen, wie er sie ab 1917 getragen hat, mit: EK II.; Lippe-Detmold KVK; Pr.

MEZ II.; Lippe-Detmold MVMmSchw.; Pr. MEZ I.; DR. KolDM; Pr. DA I.; Lippe-Detmold

SVMmSchw und der Centenarmedaille. Die Dienstzeitschnalle wurde inzwischen

gegen das Kreuz umgetauscht. Interessant sind das falsche Band der Kolonialdenkmünze

und die Anbringung der Schwerter der Lippischen Medaillen.

Abb. 19: Feldschnalle wie Holzhausen sie auf Abbildung 17 trägt und wie sie der

Schnalle in ihren Sonderheiten entspricht.

die er auf der Ordensspange trägt

(Abb. 9a), war wie immer privat zu besorgen.

Der Erste Weltkrieg

Holzhausen wird im Ersten Weltkrieg

wieder als altgedienter Soldat im Rang

eines Feldwebels und Offiziersstellvertreters

eingezogen und am 24. Dezember

1915 zum Feldwebelleutnant in

einem Landsturm-Infanterie-Bataillon

befördert (Abb. 14). Im Kriegsjahr 1916

kommt er zum 46. Infanterie Regiment

(Heeresgruppe Linsingen) an die Ostfront.

In diesem Regiment erhält er folgende

Auszeichnungen:

Lippe Detmold Kriegsverdienstkreuz

(Urkunde vom 3. Januar 1917)

Lippe Detmold Kriegsehrenkreuz für

heldenmütige Tat (Abb. 15a/b/c)

Preußen Eisernes Kreuz 2. Klasse (Urkunde

vom 20. April 1917 durch das

46. IR).

In der Regimentsgeschichte der 46er

wird Holzhausen für seine Tapferkeit im

Dorf Fontaine-Notre-Dame während

der Tankschlacht bei Cambrai in Frankreich

(20. - 29. November 1917) besonders

erwähnt. 8 Am 20. April 1918

wird er für die Gefechte dort mit dem

Preußischen EK 1. Kl. (Abb. 16a/b) ausgezeichnet,

was er auf einem Bild im

Kreise des Offizierskorps des Regimen-

tes aus dieser Zeit neben seinen anderen

Auszeichnungen mit Stolz zeigt

(Abb. 17). Danach finden sich keine

weiteren Angaben über Holzhausen in

der Regimentsgeschichte mehr. Ein sich

im Nachlass befindliches silbernes Verwundetenabzeichen

weist ihn als

mehrfach Versehrten aus.

Die Nachkriegszeit

Das weitere Leben Herrmann Holzhausens

nach dem Kriege ist nicht bekannt.

Er dürfte es aber als (Fast-) Berufssoldat

– wie all die anderen – nicht

leicht gehabt haben, trotz seiner vielen

Ehrenzeichen, es sei denn, er hatte sich

bereits eine berufliche Existenz in der

Zeit vor dem Weltkrieg aufgebaut, was

hier der Fall ist: Ausweislich der Urkunde

wurde er 1927 zum Zolloberwachtmeister

ernannt. 1935 weist ihn die Urkunde

des Frontkämpferehrenkreuzes

als Steuerbetriebs-Assistenten in Detmold

aus, was auch durch die Verleihung

des Silbernen Treuedienstehrenzeichens

1938 bestätigt wird. Er hat

a l s o d e n S p r u n g i n d e n Ö f f e n t l i c h e n

Dienst (Zoll) geschafft, wozu vielleicht

die Auszeichnungen mit beigetragen

haben mögen. Geehrt wurde er in dieser

Zeit noch durch das Reichskolonial -

ehrenzeichen (Elefantenorden), der sich

im Nachlass fand, obwohl keine Urkunde

vorhanden ist. Der letzte Nachweis

von ihm stammt vom September 1939

und handelt von der Ehrenzulage für

das Preußische MEZ 1. Kl., die durch

das Versorgungsamt III in Berlin ausgezahlt

wurde, und dies auch noch während

des Krieges.

Die Ordens- und Feldspange ab

1917

Auf der Ordens- und Feldspange von

Holzhausen findet man eine eigenwillige

Anordnung der Orden und Ehrenzeichen

sowie deren Bänder, die mir

bis heute ein Rätsel geblieben sind. Als

Besonderheiten der Ordensspange

(Abb. 18) findet man eine falsche Anordnung

der Ehrenzeichen: Die Lippische

Verdienstmedaille mit Schwertern

auf der Medaille hat Holzhausen nie

verliehen bekommen und die Lippische

Verdienstmedaille mit Schwertern auf

dem Bande durfte er laut Statuten nach

der Verleihung des Lippischen Kriegsverdienstkreuzes

nicht mehr tragen.

Aber was für ein Soldat lässt sich das

Tragen seiner verliehenen Orden verbieten?

Nach dem Weltkrieg fragte

auch keiner mehr danach!

Auf dem Band der Lippischen Mili -

tärverdienstmedaille sind goldene

308 Orden und Ehrenzeichen 13. Jg., Nr. 76 (Dezember 2011)


Abb. 20: Die versammelten Ehrenzeichen des Herrmann Holzhausen.

Schwerter angebracht. Ob die Schwerter

auf der Spange richtig montiert

sind, weiß ich nicht. Auch das Band der

Kolonialdenkmünze ist das falsche, da

es sich um das Band der Süd-West-Afrika-Medaille

handelt.

Auch die Feldspange (Abb.19) zeigt falsche

Bänder und eine falsche Anordnung

derselben. Interessant ist das

Band der Lippischen silbernen Verdienstmedaille

mit Schwertern auf dem

Bande (2. Band von links). Es durfte laut

Statuten auf Band- oder Feldspangen

nicht getragen werden. Auf dem Gruppenfoto

der Abbildung 17 von 1918

trägt Holzhausen genau diese Feldspange.

Eine Gesamtschau aller an

Herrmann Holzhausen verliehenen

Auszeichnungen zeigt abschließend

Abbildung 20.

Literatur:

- Nigmann, Ernst: Geschichte der Kaiserlichen

Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika.

Mittler, Berlin 1911.

- Zunehmer, Max: Infanterie-Regiment Graf

Kirchbach (1. Niederschlesisches) Nr. 46 im

Weltkrieg 1914/18. Band Nr. 20. Berlin

1935 , Bernard & Graefe, 583 Seiten. Zitiert

REG46.

- Schwark, Reiner: Orden und Ehrenzeichen

des Fürstentums Lippe-Detmold und des

Freistaats – Land Lippe – 1778–1933. Verlag

topp+möller, ISBN 3-9808505-5-2. Zitiert

SCHWARK

Anmerkungen:

1 Stamm, Hans: Die Kaiserliche Schutztruppe

für Ostafrika. In IMM Nr. 101, August/September

2001, S. 11-19.

2 Der Maji-Zauber (Wasser-Zauber) war eigentlich

eine ostafrikanische religiöse Bewegung.

Siehe hierzu z.B. http://de.wiki-

pedia.org/wiki/ Schutztruppe_f%C3%

BCr_Deutsch-Ostafrika.

3 Zur Verdeutlichung wurde die verliehene

Lippische MVM ohne Schwerter auf die

Schnalle gelegt. Angebracht auf dieser

im Original ist die Medaille mit Schwertern

(siehe Abb. 18 und 20).

4 Nach SCHWANK S. 116 erfolgten 4 Verleihungen.

5 Nach SCHWANK S. 98 erfolgten 6 Verleihungen.

6 Zahlenangabe nach: Schulze-Ising, A. M.;

www.medalnet.net.

7 Nach DOA leitete Hauptmann Werner

von Grawert nur die Expeditionen 1908

nach Ost-Urundiin Deutsch-Ostafrika.

8 Siehe REG46 S. 335 und 342.

Orden und Ehrenzeichen 13. Jg., Nr. 76 (Dezember 2011) 309

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