PDF Download - Deutsche Gesellschaft für Ordenskunde

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ISSN 1438-3772

In diesem Heft

Die Tapferkeits -

medaillen der

238. Infanteriedivision

im Ersten Weltkrieg

Eine Ernennung zum

Ehrendomherrn

Die französische

Fremdenlegion im

Spiegel ihrer Auszeichnungen

und

Symbole

Die Medaille auf die

Dichterinnenkrönung

von Christiana

Mariana von Ziegler

Sachsen-Altenburg:

Die Erinnerungsmedaille

Herzogin Agnes

Gedächtniskirche

Oberst i. R. Karl Ruef:

Inhaber des Ritterkreuzes

des EK

Zentral angeordnet die nicht tragbare

„Große Tapferkeitsmedaille“

(1. Kl.) der 238. Infanteriedivision

(zweites oder drittes Modell), Vorderseite,

Gewicht: ca. 48 g, Durchmesser:

49,6 mm.

Um die Tapferkeitsmedaille gruppiert

eine Auswahl patriotischer

Medaillen und Abzeichen aus der

Kaiserzeit.

70

12. Jahrgang

Dezember 2010

Das Magazin für Freunde der Phaleristik


K. P. Christian Spath

Die Tapferkeitsmedaillen der

238. Infanteriedivision im Ersten

Weltkrieg

Einführung

Inoffizielle Medaillen, also solche, die

nicht durch staatliche oder halbstaat -

liche Stellen gestiftet oder durch diese

anerkannt werden, gibt es viele – ob

tragbar oder nicht. Im deutschen Bereich

sind insbesondere Medaillen aus

der Kaiserzeit auf alle möglichen patriotischen

Anlässe wie Geburtstage

der Fürsten, Regierungsjubiläen oder

Eheschließungen bekannt, die meistens

an landesfarbigen Bändern zu diesen

Fest- oder Erinnerungstagen verausgabt

und getragen wurden. Verknüpft

waren sie häufig mit einer Spende

oder dienten als „Ausweis“ der

Teilnahme an Gedenk- oder Jubelfeiern

– unter Erhebung eines Eintrittsgeldes

für patriotische oder Zwecke des veranstaltenden

Kriegervereines. Berühmt

waren die Sedansfeiern zur Erinnerung

an die Kapitulation der in der Festung

Sedan eingeschlossenen französischen

Armee und letztlich des Französischen

Kaiserreiches am 2. September 1870,

an denen unsere Urgroßväter noch bis

1918 teilnahmen. Auch die deutschen

Regimentsmedaillen auf „runde“ Jubiläen

der Regimenter sind mit wenigen

Ausnahmen hier einzuordnen. Im Gegensatz

zu vielen anderen Ländern dürfen

die meisten von ihnen nicht offiziell

getragen werden, wenn man sie auch

ab und zu an Ordensspangen findet.

Die meist etwas dünneren Medaillen

sind in der Regel von guter Prägung,

wenn auch häufig die mitgeprägte Öse

nicht den Standard einer offiziellen Medaille

erreicht (Abb. 1). Dies führt insbesondere

bei ausländischen Sammlern

zu Verwechslungen mit offiziellen

Medaillen auf Regierungsjubiläen, wie

sie auch von den regierenden Fürsten

an die Beteiligten der Festveranstaltungen

verausgabt wurden.

Auch die vielen inoffiziellen Ehrenzeichen

in Medaillen- oder Kreuzform, am

Band oder zum Anstecken, von Freikorps

und insbesondere von den Kriegerverbänden

aus der Zeit nach dem

Ersten Weltkrieg, sind weitestgehend

Abb. 1:

Eine Auswahl patriotischer Medaillen und Abzeichen aus der Kaiserzeit.

bekannt, wenn auch immer wieder mal

ein noch nicht gesehenes Stück auftaucht

oder ein bekanntes noch immer

Fragen aufwirft – sehr zur Freude des

interessierten Sammlers und Forschers.

Auch hier gibt es noch viele weiße

Flecken auf der Karte der Erkenntnis

dieser Ehren- bzw. Abzeichen.

Weitestgehend unbekannt dagegen

sind die Stiftungen auf Regiments- und

Divisionsebene oder anderer militärischer

Einheiten während des Ersten

Weltkrieges zur zusätzlichen Auszeichnung

ihrer Angehörigen neben den offiziellen

Auszeichnungen des Reiches

oder der Bundesstaaten. Ob das Auszeichnungswesen

nicht genügend differenziert

ausgeprägt war 1 oder die

„Auszeichnungskontingente“ der Einheit

nicht ausreichten, es gab für viele

Kommandeure gute Gründe mit Fortschreiten

des Krieges Verdienste oder

Tapferkeit außerhalb des offiziellen

Aus zeichnungswesens zusätzlich „sicht -

bar“ zu machen.

Die Kriegsbegeisterung des August

1914 war längst verschwunden und

man lauschte in der Heimat müde und

hungrig den Durchhalteparolen der

Fürsten und Militärs. Nach zweieinhalb

Jahren Krieg war Anfang 1917 die Versorgungslage

der deutschen Bevölkerung

und der Soldaten in den Gräben

der Westfront, auch durch den harten

Winter, derart kritisch, dass es oftmals

zusätzlicher ideeller Anreize bedurfte,

um die Stimmung der Truppe und insbesondere

der neuen ausgehungerten

Rekrutenjahrgänge zu stabilisieren. 2

Aus Tradition praktiziert wurde das

Hervorheben von Verdiensten ganzer

Truppenteile wie Kompanien oder tapferer

Taten Einzelner durch Tagesbefehle,

z. B. auf Regiments- oder Divisionsebene.

Dabei wurde durch Kurzschilderung

der hervorzuhebenden Tat die

Einheit oder Einzelperson belobigt. Bei

Appellen in Ruhestellung, die im

Kampfgeschehen der späten Kriegszeit

zunehmend seltener wurden, wurde

der Tagesbefehl öffentlich verlesen und

die Belobigung erfolgte analog einer

302 Orden und Ehrenzeichen 12. Jg., Nr. 70 (Dezember 2010)


Ordensverleihung unter Heraustreten

aus dem Glied 3 und anschließender

Gratulation. In der Realität des Stellungskrieges

und der erschöpften Ressourcen

wurde aber eine Belobigung

durch Divisionstagesbefehl über den

Dienstweg nach unten gegeben und

letztlich über den Kompaniechef, um

diese Zeit häufig „nur“ noch ein Vizefeldwebel,

per warmen Händedruck an

den zu Belobigenden weitergegeben.

Nicht gerade das, was zur Motivation

einer müden Truppe beiträgt!

Fortschritt brachte da, neben der Aushändigung

einer Abschrift des jeweiligen

Truppenbefehls, schon die Überreichung

einer künstlerisch gestalteten

Belobigungs- bzw. Anerkennungsurkunde

4 , wie sie bei einzelnen Truppenteilen

für unterschiedliche Anlässe in

dieser Zeit üblich und zunehmend bis

Kriegsende verausgabt wurde. Gefertigt

und beschafft wurden diese in der

Heimat oder in der Etappe auf Veranlassung

und Kosten des jeweiligen

Truppenteils. Häufig erfolgte auch die

Gestaltung durch Künstler und Grafiker

der Truppe selbst. Die Herstellung

ähnelte damit derjenigen von EK-Besitzzeugnissen

und Urkunden 5 , die

auch individuell durch die Einheiten gestaltet

und meist autonom produziert

Abb. 2:

Frankreich, Croix de Guerre 1914–

1918, mit aufgelegtem bronzenem

Lorbeerbruch für eine lobende Erwähnung

im Armeebefehl und drei bronzenen

Sternen für die Belobigung auf

Regiments- bzw. Brigadeebene. Die

Bandauflagen stellen de facto Mehrfachverleihungen

des Kreuzes dar.

wurden. Die gestalterische Qualität

und die Ausführung war allerdings

meist besser, selbst noch Ende 1918,

was auf die hohe Wertschätzung hindeutet.

Die Übergabepraxis ist dem

Verfasser zwar unbekannt, die gute Erhaltung

vorhandener Urkundenexemplare

deutet aber darauf hin, dass diese

in der Regel direkt in die Heimat geschickt

wurden, wie, im Gegensatz zu

den Besitzzeugnissen, auch die meisten

Verleihungsurkunden von Orden und

höheren Ehrenzeichen.

Mit den Urkunden – in anderen Einheiten

statt dieser – bei anderen wiederum

zur Auszeichnung weiterer heraushebenswerter

Taten, wurden von einzelnen

Einheiten nicht tragbare Auszeichnungsmedaillen

verausgabt oder

besser verliehen, wenn dies auch im

formalrechtlichen Sinne keine Verleihung

darstellte, da ihnen der staatsrechtliche

Charakter fehlte, die diese

Verdienste anders würdigten. Die Medaillen

sind wie die Urkunden selten

und dürfen nicht mit den nach dem

Krieg verausgabten Erinnerungsmedaillen

verschiedener Einheiten verwechselt

werden. Sie wurden geprägt

oder gegossen. Es gibt sie in Eisen, verschiedenen

Bronzen oder gar in Edelmetallen.

Letztere sind eher selten, da

ab 1917 bereits erheblicher Rohstoffmangel

herrschte. Die Verleihung geschah

in würdigem Rahmen wie bei anderen

Ehrenzeichen. Nach wie vor war

man mit diesen beiden Auszeichnungstypen

allerdings weit davon entfernt,

ein auch über die Verleihungsprozedur

hinaus nachhaltig „sichtbares“ Zeichen

der Ehre geschaffen zu haben. Sichtbar

heißt, dass der „Beliehene“ die Auszeichnung

auch vorweisen kann, wozu

man aber ein tragbares Ehrenzeichen

benötigt!

Die beiden Hauptkriegsgegner Frankreich

und Großbritannien standen vor

dem gleichen Problem. Allerdings hatte

Frankreich bereits früh im Weltkrieg eine

Lösung gefunden, nachdem noch

Anfang des Krieges nur die verschiedenen

Klassen der Ehrenlegion und die

Militärverdienstmedaille (Médaille Militaire)

als äußere Zeichen der Tapferkeit

zur Verfügung standen. Ehrende Anerkennungen

auf den unterschiedlichen

Befehlsebenen erfolgten nun durch das

im April 1915 unter dem Eindruck der

deutschen Erfolge vor Ypern gestiftete

Kriegskreuz (Croix de Guerre). Eine erneute

lobende Erwähnung bzw. Verleihung

des einklassigen Ehrenzeichens

wurde durch Auflagen auf dem Band

sichtbar gemacht. 6 Dabei diente ein

Abb. 3:

Frankreich, Urkunde und Kreuz (Croix de la Valeur Militaire/Militärverdienstkreuz)

mit einer Belobigung (Citation) auf Regimentsebene (Etoile de Bronze/Bronze -

stern) für den Hauptmann René Bogaert vom 4. Jägerbataillon, verliehen im Algerien“krieg“.

Nach Ansicht der damaligen französischen Führung war der Algerienkonflikt

allerdings kein Krieg, sondern ein interner französischer Konflikt, für

den das bestehende Croix de Theatres Operations Extérieurs (Kriegskreuz für auswärtige

Kriegsschauplätze) nicht verliehen werden durfte! Hierfür wurde speziell

das genannte Kreuz gestiftet.

Orden und Ehrenzeichen 12. Jg., Nr. 70 (Dezember 2010) 303


onzener Stern für die Belobigung auf

Regiments- und Brigadeebene, ein silberner

auf der Ebene der Division und

ein goldener im Bereich der Korps. Für

die lobende Erwähnung im Tagesbefehl

von Armeen wurde ein bronzener Lorbeerzweig

eingeführt (Abb. 2), der bei

fünf Erwähnungen durch einen silbernen

ersetzt werden sollte, was aber selten

geschah. Insbesondere auf Nachkriegsbildern

französischer Fliegerasse

fällt oft auf deren ordensgeschmückter

Brust das ungewöhnlich lange Band

des Kriegskreuzes auf, das die vielen

lobenden Erwähnungen, ausgedrückt

durch Sterne und Lorbeerzweige, aufnehmen

musste und damit in Einzelfällen

über 20 cm lang werden konnte. 7

Die Briten nahmen sich des Problems

erst nach dem Krieg an. Da bei diesen

während des Krieges mit sichtbaren

Tapferkeitsbeweisen mehr Zurückhaltung

geübt wurde, ergab sich die Notwendigkeit,

die bereits erfolgte Erwähnung

im Kriegsbericht nachträglich

sichtbar werden zu lassen. Wahrscheinlich

nach französischem Vorbild, ohne

dessen Differenziertheit bei den verschiedenen

Ebenen zu erreichen, wurde

eine im Kriegsbericht rühmend erwähnte

Tat (Mentioned in Dispatch)

nach Stiftung der Siegesmedaille

(Victory Medal) 1919 in Form eines

bronzenen Eichenbruches auf deren

Band (oder bei deren Abwesenheit

auch auf das Band der Kriegsmedaille)

in etwas anderer Form und kleiner aufgelegt

(Abb. 4). Nach einer Kabinettsorder

vom 26. Februar 1919 verfuhren

die Belgier nach einem ähnlichen System

wie die Franzosen durch Auflegen

verschiedenfarbiger kleiner belgischer

Löwen bzw. durch Anbringung eines

Lorbeerbruches auf das Band ihres

Croix de Guerre 8 , letzteres bei einer lobenden

Erwähnung im Armeebefehl.

Analog verfuhr z. B. auch die Tschechoslowakei

bei ihrem Kriegskreuz mit

aufgelegten Lindenblättern.

In Deutschland wurden analoge Strukturen

im Ersten Weltkrieg 9 offiziell nie

angenommen, da man wohl glaubte,

mit den vielen neu gestifteten bundesstaatlichen

Auszeichnungen in einem

abgestuften System und den verschiedenen

Klassen des „reichsdeutschen“

Eisernen Kreuzes (formal natürlich eine

preußische Auszeichnung) breit genug

aufgestellt zu sein. Erst mit Schaffung

einer durch die Trägergravur personifizierten

Tapferkeitsmedaille der 238. Infanteriedivision

(ID) am Band wurde als

Novum durch diese Einheit die Belobigung

sichtbar gemacht. Nicht gelöst

wurde allerdings der damit verbundene

Abb. 4:

Britannien, Miniaturspange des Ersten Weltkrieges mit Militärverdienstkreuz (Military

Cross), 1914-Stern, Kriegsmedaille des Ersten Weltkrieges und Siegesmedaille

(Victory Medal) eines englischen Warrant Officer (höherer Unteroffizier).

Auf dem Band der Siegesmedaille ist als Zeichen der rühmenden Erwähnung im

Kriegsbericht (Mentioned in Dispatch) ein kleiner bronzener Eichenbruch an -

gebracht. Diese lobende Erwähnung wurde (und wird bis heute) auch in den

Auszeichnungslisten geführt und in der Regel für den europäischen Krieg in der

LONDON GAZETTE veröffentlicht.

Abb. 5:

Erstes Modell der Divisions-Tapferkeitsmedaille der 238. ID am Bande (II. Kl.), Vorderseite,

im Originaletui. Die Medaille hat einen Durchmesser von 38,4 mm und

ein Gewicht von ca. 30 g, bei einer Randstärke von 3,4 mm. Der erste Typ zeigt

die Jahreszahl „1917“ unter der Inschrift „238.INFANTERIE.DIVISION“ und hat bis

auf zwei Punkte keine weiteren Zierelemente im Schriftkreis. Die Oberfläche ist

glänzend versilbert und patiniert. Die Kampfszene des Vorderseitenstempels ist

sorgfältig graviert. Im Hintergrund links ist ein Granateinschlag zu erkennen.

Stempelschneider- oder Entwurfszeichen sind zwei um 90° verdrehte längliche

„O“s im Bildfeld bei 7 Uhr oberhalb des Punktes. Der deutsche Soldat im Trichter

trägt den Stahlhelm Modell 1916.

304 Orden und Ehrenzeichen 12. Jg., Nr. 70 (Dezember 2010)


Widerspruch, dass nur staatliche Auszeichnungen

offiziell und insbesondere

zur Uniform getragen werden durften!

Um die Hintergründe dieser Stiftung

und die Verleihungs- bzw. Tragepraxis

der Medaille näher zu beleuchten, bedarf

es einer kurzen Darstellung der

Geschichte dieser Division, ihrer Gliederung

und ihrer Kommandeure bzw.

in diesem Zusammenhang maßgeblichen

Offiziere, was im Nachfolgenden

geschehen soll. Leider stellt sich die

Quellenlage, wie so oft in Deutschland,

schwierig dar, da die einschlägigen Akten

nicht selten zu den Kriegsverlusten

zählen und nur noch rudimentär auf

Akten der 238. ID im Bundesarchiv, Militärarchiv

in Freiburg (BArch-MA) zurückgegriffen

werden konnte. Die

Grundlagen liefern deshalb primär die

zitierten Regimentsgeschichten und

andere Sekundärquellen, wie das „Nachrichtenblatt

der Inf. Regtr. 463 + 464 +

465 (238. Inf.-Brig.)“ 10 , die nicht immer

widerspruchsfrei sind.

Abb. 6:

Zweites (bzw. drittes) Modell der Tapferkeitsmedaille,

Vorderseite, mit der

Jahreszahl „1917/8“, Durchmesser:

38,1 mm (3. Mod. 38,2 mm) und einem

Gewicht von 26–27 g (3. Mod.

25–26 g) durch die nicht so erhabene

und tiefere Prägung und ansonsten

leicht modifiziertem Vorderseitenstempel

und gleichem Rückseitenstempel

wie beim 1. Modell. Die Unterschiede

bestehen neben der Jahreszahl primär

in den im Schriftfeld eingefügten Lorbeerzweigen

und der etwas anders gestalteten

Kampfszene (statt einschlagender

Granate eine explodierende

Schrapnell). Stempelschneidersignatur

„F. Köhnke“ (unten links). Der Soldat

trägt einen Stahlhelm M1917. Die Medaillen

sind frostig (an manchen Stellen

blasig) altsilbern patiniert und haben

damit ein anderes Finish als das erste

Modell.

Aufstellung und Gliederung

der 238. (Preußischen) Infan -

teriedivision

Das Toben des Weltkrieges währte nun

schon das dritte Jahr. Auch 1916 hatte

für beide Kriegsparteien große Verluste

gebracht. Im Westen hatten mit dem

Abflauen der Sommeschlacht mit ihren

bisher nicht denkbaren menschlichen

Verlusten, vor allem für die Briten, im

Oktober die verlustreichen Kämpfe der

vom deutschen Oberbefehlshaber General

v. Falkenhayn initiierten „Ausblutungsschlacht“

vor Verdun wieder zugenommen.

Gegen Ende des Jahres

ging die nunmehr 9. Isonzoschlacht in

Italien mit einem Patt aus, während an

der Ostfront und in den Karpaten der

russische Ansturm der dritten Brussilow-Offensive

noch einmal aufgehalten

werden konnte. Auf dem Balkan

hatten die Armeen v. Mackensens zwar

verhältnismäßig schnell die Rumänen

geschlagen, es fehlte aber die Kraft,

den Erfolg bis in die Ägäis auch gegen

die französische Balkanarmee auszudehnen,

da einerseits wieder Truppen

an die Brennpunkte der Westfront abgeben

werden mussten, andererseits

aber gegnerische Truppen auch auf

diesem Kriegsschauplatz gebunden

werden sollten. Auch hier ging der Bewegungskrieg

in einen Stellungskrieg

über. Beide Kriegsparteien wollten jedoch

1917 den Sieg erzwingen und

rüsteten entsprechend weiter auf.

Getragen durch die vermehrten Anstrengungen

der Entente auf allen

Kriegsschauplätzen und die zunehmenden

Spannungen mit den Vereinigten

Staaten von Amerika hatte die OHL

bereits Mitte des Jahres 1916 für das

Landheer neben einem weiteren Ausbau

der Artillerie die Aufstellung neuer

Divisionen noch 1916 und weiterer Anfang

1917 beschlossen. Die neue OHL

mit Hindenburg und Ludendorff befahl

deshalb die Aufstellung von 13

neuen Divisionen der Nummern 219

(sächsische) und 231 bis 242 (preußische)

für Frühjahr 1917. Dies konnte

aber nur zu Lasten der bestehenden

Verbände gehen, die nicht nur fronterfahrene

Männer abzugeben hatten,

sondern auch noch des Ersatzes des

neuen Rekrutenjahrgangs verlustig

gingen.

Zu diesen neuen Divisionen gehörte

auch die 238. ID mit der 238. Infanteriebrigade.

Letztere bestand aus den

neu aufgestellten Regimentern 463 11 ,

464 12 und 465 13 . Sie wurde durch Erlass

des Königlich Preußischen Kriegsministeriums

am 15. November 1916

Abb. 7:

Erstes Modell, Rückseite. Die Rückseitengravur

lautet bei dieser Medaille in

fünf Zeilen: „Leutn. Restle / 10. Komp.

I.R.463 / für tapferes Verhalten / an d.

Gillemont-Ferme / am 25. u. 26. 4. 17“.

Die Rückseite des 1. Modells unterscheidet

sich praktisch nicht von der

Rückseite des 2. Modells. Es handelt

sich hierbei wahrscheinlich um eine der

ersten verliehenen Medaillen überhaupt.

Damit ist der Nachweis für Verleihungen

auch an Offiziere erbracht.

Leutnant Restle war einer der Offiziere

der 10. Kompanie, die im ersten Einsatz

der Division schwer verwundet wurden.

Es wird sogar davon berichtet,

dass er gefallen sei (vgl. RG IR463), er

taucht aber in der Ehrenliste der Gefallenen

der Einheit nicht auf. An anderer

Stelle wird nur von schwerer Verwundung

berichtet, was in Verbindung mit

der Medaille glaubwürdiger ist, obwohl

auch eine posthume Verleihung möglich

erscheint. Wahrscheinlich ist, dass

er an seinen schweren Verletzungen

später verstorben ist.

aufgestellt. Die Sollstärke der neuen Divisionen

betrug 11.643 Mann. 14 Unterstützt

wurde die Infanterie durch das

62. Feldartillerieregiment 15 und die

zweite Escadron des 13. Dragonerregimentes

als bestehende Einheiten und

dem neu formierten 238. Pionierbataillon

mit seinen diversen Untereinheiten.

Hierzu kamen noch medizinische und

Transporteinheiten 16 (siehe die separate

Divisionsgliederung).

Offizielles Aufstellungsdatum der Division

ist der 16. Januar 1917. Sie wurde

Orden und Ehrenzeichen 12. Jg., Nr. 70 (Dezember 2010) 305


durch das Stellvertretende Generalkommando

des IX. (Altona) bzw. X.

(Hannover) Armeekorps (AK) aufgestellt.

Die Gliederung der Infanterieregimenter

war am 30. November 1916

vollzogen. Die zwölf Kompanien setzen

sich zusammen aus je 115 Rekruten

des Jahrgangs 1916 (Geburtsjahrgang

1898), eingezogen am 21. November

1916, je 60 kriegserfahrenen Genesenen

(plus einigen nur eingeschränkt

verwendungsfähigen für die Schreibstuben),

der Rest (ca. 60) aus Unteroffizieren

und Mannschaften, die aus der

Front überwiesen wurden. Höhere Offiziere

und Sanitätsoffiziere stammten

ebenfalls aus dem Feld. Neue Kompanieführer

(Leutnants) erhielten zusätzlich

eine zweimonatige Sonderausbildung

bzw. wurden im Munsterlager im

Offizierskursus mit diversen anderen,

die auf die anderen neu aufgestellten

Divisionen aufgeteilt wurden, zum

Leutnant der Reserve ausgebildet. 17

Diese Quotierung der Kompanien

(1/2+ 1/4+ 1/4) entsprach dem Schlüssel,

der mehr oder weniger bei allen neu

aufgestellten Divisionen dieser Zeit angelegt

wurde, der allerdings nur bei der

238. ID durch den hohen Anteil junger

Rekruten zu dem Spitznamen „Konfirmanden-Division“

führte, was der

Feindaufklärung bekannt war 18 und sicher

zu einer bestimmten Einschätzung

der Kampfkraft dieser Division beitrug.

Ausbildung

Zwölf Kilometer nördlich von Itzehoe

in Holstein sammelte sich ab dem 17.

Januar 1917 die Division bei eisiger Kälte

im Lockstedter Lager und dessen

Umgebung, einem der Truppenübungsplätze

der beiden AK. Zweck

war die Ausbildung des neuen Jahrgangs

und insbesondere das Einüben

der neuen Kriegsführung und der Nahkämpfe

in den Gräben der Westfront.

Die neue Truppe wurde direkt an den

„Ernst des Lebens“ herangeführt: Neben

der harten Ausbildung gab es weder

genügend Heizmaterial, um den bis

zu 20 Minusgraden (bis März) dieses

besonders harten Winters zu trotzen,

noch gab es genügend Lebensmittel

für die ausgehungerten jungen Heranwachsenden

im Steckrübenwinter

1916/17. Es verwundert daher nicht,

dass sich am 24./25. Januar Angehörige

der Division (IR 465 und 13. Dragoner)

bei Demonstrationen der Bevölkerung

gegen die Nahrungsmittelknappheit

in Itzehoe beteiligten, bei der es zu

Plünderungen kam, was zu drastischen

Strafen führte. Obwohl die Division ab

10. März „mobil“ erklärt und damit der

Verpflegungsstatus dem der Etappe

angeglichen wurde, reichten auch danach

weder Lebensmittel noch Brennmaterial.

Bis in den April hinein machten

sich die Versorgungsschwierigkeiten

der neu aufgestellten Truppe auch

in disziplinarischen Schwierigkeiten bemerkbar:

Die Bürgermeister der umliegenden

Gemeinden beschwerten sich

beim Divisionskommandeur über „wilde“

Requirierungen bzw. Schwarzhandel

von Lebensmitteln, insbesondere

Brot und Holzeinschlag durch Angehörige

der Division. In den Regimentsgeschichten

werden, wie nicht anders zu

erwarten, diese Vorfälle verschwiegen,

wenn auch die schlechte Versorgungslage

dargestellt wird. Der sowohl für

die Zivilbehörden wie für das Militär

unbefriedigende Zustand endete erst

mit dem Abtransport der Truppe vom

11. bis 14. April in die Siegfriedstellung

an der Westfront, wo ihr unmittelbar

die Feuertaufe bevorstand.

Die Stiftung der Tapferkeitsmedaillen

und deren Verleihungspraxis

Die Stiftung der Tapferkeitsmedaillen

der 238. ID Anfang 1917 fällt in eine

Zeit, in der – angeregt durch Frontsoldaten

– über die Notwendigkeit einer

Frontkämpferauszeichnung analog der

späteren Sturm- oder Kampfabzeichen

des Zweiten Weltkrieges nachgedacht

wurde, was aber letztlich am Veto der

Bayern scheiterte. 19 Voraussetzung für

die Verleihung sollte ein mehrmonatiger

Einsatz im unmittelbaren Frontgebiet,

d. h. im Einwirkungsbereich des

feindlichen Feuers, sein. Parallel dazu

wurde die Einführung eines Verwundetenabzeichens

erwogen, dessen Gestaltung

und Verleihungshintergründe

– ebenfalls auf Anregung aus der Front

– später auch so übernommen wurden.

Der Bundesgenosse Österreich hatte

dem Wunsch der Truppe zu einer solchen

Auszeichnung zu diesem Zeitpunkt

bereits entsprochen: Die Doppelmonarchie

führte bereits am 13. Dezember

1916 das Karl-Truppenkreuz

als Frontkämpferauszeichnung für mindestens

dreimonatigen Fronteinsatz ein

und war auch mit der am 12. August

1917 erfolgten Stiftung der Verwundetenmedaille,

Vorreiter gegenüber den

Deutschen. Dies hat sicher die Diskussion

bei dem Verbündeten zur Stiftung

analoger Auszeichnungen befördert.

In diesem Spannungsfeld der Forderungen

des Frontsoldaten auf der einen

Seite und erfahrener Kommandeure,

welche die Bedürfnisse ihrer Leute

kannten, dem Anliegen aber nicht entsprechen

konnten, fand sicherlich der

Abwägungsprozess um die Schaffung

der Divisionsauszeichnung der 238. ID

statt. Kurz nach Kommandoübernahme

durch Generalmajor von Below und

Aufstellung der Division im Frühjahr

wurde deshalb die „Tapferkeitsmedaille

der 238. ID am Bande“ gestiftet. Ob

die höhere Klasse, die so genannte

Abb. 8:

Nicht tragbare Große Tapferkeitsmedaille

(= 1. Kl.) der 238. ID, (2. oder 3.

Modell, Vorderseite), im Originaletui,

Gewicht ca. 48 g. Die Medaille ist größer

(49,6 mm bei einer Randstärke von

3,8 mm) als die 2. Kl., zeigt aber das

gleiche Vorderseitenmotiv wie die niedere

Kl. des 2. Modells. Ein erstes Modell

mit Jahreszahl 1917 ist bisher nicht

bekannt.

Abb. 9:

Rückseite der Großen Tapferkeitsmedaille

nach Abb. 8, ohne gravierte Inschrift

(2. bzw. 3. Modell, siehe Text).

Der Lorbeerkranz unterscheidet sich erheblich

von demjenigen der Medaille

am Bande, er ist wuchtiger und anders

gebunden.

306 Orden und Ehrenzeichen 12. Jg., Nr. 70 (Dezember 2010)


Abb. 10:

Besitzzeugnis der Divisions-Tapferkeitsmedaille der 238. ID (am Bande) als

Schmuckblatturkunde mit Medaille des ersten Modells (Rückseite). Größe: 218 x

175 mm, in Versalien in die zweifarbige Druckvorlage eingeschrieben; Stempel

der Division und OU des (ersten) Kommandeurs GM v. Below. Links unterhalb der

Unterschrift in drei Zeilen innerhalb eines Kastens: „Die Medaille ist keine Ordens -

aus- / zeichnung u. darf zur Uniform / nicht sichtbar getragen werden“. Claus

trug schon das EK II. Kl. und erhielt parallel zu dieser Medaille für Paschendaele

das Oldenburgsche Friedrich-August-Kreuz II. Kl.

Abb. 11:

Besitzzeugnis der Divisions-Tapferkeitsmedaille der 238. ID (am Bande), letzte

Ausführung. Größe: 210 x 165 mm, mit Schreibmaschine (im Felde) auf Matrize

geschrieben und abgezogen, Stempel der Division und OU des (letzten) Kommandeurs

GM v. Böckmann. Links unterhalb der Unterschrift in drei Zeilen: „Die

Medaille ist keine Ordens- / auszeichnung u. darf zur Uniform / nicht sichtbar getragen

werden.“ Sie ähnelt damit in ihrer schriftlichen Form der in Abbildung 10

dargestellten 1. Form der Schmuckblatturkunde.

„Große Tapferkeitsmedaille der 238.

ID“, gleichzeitig oder etwas später erfolgte,

ist genauso unklar, wie die Stiftung

der Medaillen selbst und deren

nähere Umstände. Ohne dass der Verfasser

auf diesbezüglich einschlägige

Quellen verweisen könnte, hat möglicherweise

der Divisionskommandeur

mit den Verantwortlichen der Division,

d. h. dem Divisionsstab 20 , vielleicht zusammen

mit dem erfahrenen Brigadekommandeur

der IB 238 Oberst von

Gottberg 21 und dem Kommandeur des

FAR 62 aus den Erfahrungen ihrer bisherigen

Stellungen, die Stiftung im

Lockstedter Lager zumindest vorbereitet,

wenn nicht bereits vorgenommen.

Die „Tapferkeitsmedaillen am Bande“

wurden bereits für die ersten Kämpfe

in der Siegfriedstellung im April/Mai

1917 verliehen, wie vorliegende Realien

zeigen. Über die Stiftungshintergründe

und das Aussehen der Medaille

schreibt Oberst von Gottberg 22 : Die

Verluste an Kompanieführern [in den

ersten Gefechten der Division an der

Guillemont-Ferme 23, Anm. d. Verf.] geben

ein eindringliches Bild sowohl von

der Heftigkeit mancher Kämpfe, wie

noch mehr von dem rücksichtslosen

Einsatz ihrer Person. Die höheren

Dienststellen erkannten die Leistungen

der jungen Truppe sehr bald uneingeschränkt

an und es dauerte nicht lange,

daß ihr die ersten Auszeichnungen in

Gestalt von Eisernen Kreuzen zukamen.

Freilich hat die Zahl der, der Division

überwiesenen Kreuzen weder zu

dieser noch zu einer späteren Zeit je

ausgereicht, alle die zu dekorieren, die

sich besonders hervorgetan hatten. 24

Die Division [gemeint ist wahrscheinlich

der Kommandeur, der es schließlich

verantworten musste und keine anonyme

Institution wie die Division, Anm.

d. Verf.] stiftete daher eine „Divisions-

Tapferkeitsmedaille“ und belieh mit ihr

solche Tapferen, die das Kreuz [gemeint

ist das EK II. Kl., Anm. d. Verf.]

noch nicht bekommen konnten oder

es schon besaßen. Die Medaille zeigt in

vortrefflicher Prägung einen eine

Handgranate schleudernden Feldgrauen,

während die Kehrseite eine Gravierung

aufweist, die auf den Anlass und

den Tag der Verleihung Bezug nimmt.

Wer schon im Besitz dieser Medaille

war und sich erneut hervortat, konnte

mit der „Großen Tapferkeitsmedaille“ 25

beliehen werden. Beide Medaillen sollten

als Erinnerungszeichen gelten,

nicht aber auf dem Rock getragen werden.

26 Was v. Gottberg dabei nicht erwähnte,

ist die Verbindung der Auszeichnungen

zum Divisionsbefehl. Dies

Orden und Ehrenzeichen 12. Jg., Nr. 70 (Dezember 2010) 307


wird durch Rudolf Hoffmann 27 , dem

Verfasser der Regimentsgeschichte des

IR 463, dargelegt: Mit der lobenden Erwähnung

im Div.-Tagesbefehl ist die

Verleihung der von der Division gestifteten

Tapferkeitsmedaille verbunden.

Nicht um den Ehrgeiz anzustacheln

wird diese Auszeichnung verliehen,

sondern um hervorragende Tapferkeit

neben der EK-Auszeichnung durch ein

besonderes Abzeichen der Division zu

belohnen, das mehr persönlichen Charakter

trägt. 28

In der Regimentsgeschichte wird häufiger

einzelner tapferer Personen oder

ganzer Gruppen (z. B. als Stoßtrupp)

auf Regimentsebene gedacht. Die Erwähnung

im Divisions-Tagesbefehl und

die damit verbundene Medaillenverleihung

sind im Sinne des Vorbesprochenen

und in Analogie zur französischen

Praxis hiervon jedoch abgekoppelt, wie

punktuell separate Ausführungen in

der Reg.-Gesch. zeigen 29 : Eine besonders

schneidige Patrouille führt Vfw.

(Vizefeldwebel) Schameitat, 6. Komp.

[erhielt auch später das EK I. Kl., Anm.

d. Verf.] in der Nacht vom 27. zum 28.

Nov. mit den folgenden Angehörigen

der Komp. aus: Uffz. (Unteroffizier) Ritter,

Gefr. (Gefreiter) Engelhardt. Musk.

(Musketier) Winkler, Inderelst, Michels

und Wehrm. (Wehrmann) Fassbender.

Sie schleichen durch das feindliche

Drahthindernis hindurch und dringen

in den französischen Graben ein. Im

H.Gr.-Kampf (Handgranatenkampf)

werden dem Feinde blutige Verluste

beigebracht. Der wackere Musk. Inderelst

wird hierbei schwer verwundet.

Franzmann (die Franzosen) setzt sofort

zum Gegenstoß an, wird aber solange

zurückgehalten, bis der schwer verwundete

Kamerad geborgen ist. Ohne

weitere Verluste gelangt die Patrouille

in heftigem feindlichen M.G.-Feuer in

den eigenen Graben zurück. Die Tapferen

werden durch Erwähnung im Div.-

Tagesbefehl und Verleihung der Div.-

Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. An

einer anderen Stelle 30 wird auf die Erwähnung

im Tagesbefehl der Division

hingewiesen, ohne die Tapferkeitsmedaille

explizit zu erwähnen. Es ist aber

davon auszugehen, dass die Erwähnten

sie erhielten: Am 28.9. nachm.

richtet der Feind (Franzosen) einen Angriff

auf die (einige hundert Meter vor

die H(K)WL vorgeschobenen) Feldwachen

der Kompanie Beckedorf, 6.

(Kompanie), bei dem Kreuzhof. Der

Angriff am helllichten Tage kann von

der tapferen Besatzung glatt abgeschlagen

werden. Der Feind muß zehn

Tote und ein Schnelladegewehr zurück-

Abb. 12:

Abschrift des Divisions-Tagesbefehls der 238 ID Nr. 7910/17 vom 15. November

1917 über die tapfere Handlung die u. a. zur Verleihung der Divisionstapferkeitsmedaille

an den Kanonier Claus geführt hat. Unterschrieben ist die Abschrift vom

IIa der Division Leutnant Holste.

Abb. 13:

Übersendschreiben der Nachrichten-Ersatz-Abteilung Nr. 7 Abt. IIb Abwicklungsb(ereich?),

in Form eines Handzettels der Größe 160 x 105 mm, datiert vom

8. März 1919 aus Neuhaus bei Paderborn (Abwicklungsstelle dieser Abteilung).

Es ist mit folgendem Text an die Mutter des Beliehenen gerichtet: „anliegend

sendet Ihnen die Abt(ei)l(un)g die Ihrem Sohn Willi (sic!) verliehene Medaille“. Interessant

sind die Unterschriften durch zwei Mitglieder des ansässigen Soldatenrates.

308 Orden und Ehrenzeichen 12. Jg., Nr. 70 (Dezember 2010)


lassen. Die Toten können nicht geborgen

werden, da die ausgesandte Patrouille

von den gegenüberliegenden

Höhen starkes MG-Feuer erhält. Die

brave Haltung der Feldwache unter der

tapferen Führung des Utffz. Heimsoth

wird im Div.-Tagesbefehl lobend hervorgehoben,

besonders auch die Unerschrockenheit

von Musk. Michaelis. An

einer anderen Stelle 31 findet sich die

Schilderung der ersten Patrouille, an

der K. Ertel (9/463) am 18. August

1918 teilnahm, und für die er acht Tage

später mit der Div. Tapferkeitsmedaille

durch den Bat.Komm. ausgezeichnet

wurde.

Was die Verleihung der „Großen Tapferkeitsmedaille“

betrifft, ist dem Verfasser

bis heute erst eine explizite Erwähnung

bekannt. In der Tagebuchaufzeichnung

des Brigadekommandeurs

vom 2. Dezember 1917 32

schreibt von Gottberg, er kommt gerade

aus dem Urlaub zurück: Gegen 10

Uhr erscheint bereits Gen. v. Below. Er

überreicht mir die Divisionsdenkmünze

zur Erinnerung an Paschendaele, während

ich ihm zum Pour le Mérite beglückwünschen

konnte. 33 Ebenfalls ist

sie bei dem Führer der Minenwerferkompanie

438 Ltn. Peres nachweisbar,

dem sie nach der Divisions-Tapferkeitsmedaille

noch verliehen wurde (vgl. unten

Anm. 45). Ansonsten ist davon auszugehen,

dass eine erneute „besondere

Anerkennung“ durch den Divisions-

Abb. 14:

Tapferkeitsmedaille 2. Kl. („3. Modell“,

siehe Text), Rückseite. Das Feld für die

Gravur ist frei. So verliehen und verausgabt

an den Funker Willy Schulz am

24. Dezember 1918.

Abb. 15:

Große Ordensschnalle des Gefreiten Stadelmann aus dem Feldartillerieregiment

62, mit EK II. Kl. und der Tapferkeitsmedaille 2. Kl., 2. Modell, in der Trageweise

ab 1917 im Felde bzw. nach dem Kriege bis zur Stiftung des Frontkämpferehrenkreuzes

(FEK). Rückseiteninschrift (in sieben Zeilen): „Gefr. Stadelmann / 7. Battr.

F.A.R. 62 / für Tapferkeit / während der großen / Schlacht in Frankreich / in der

Nacht / v. 30./31. 3. 18“.

kommandeur zur Verleihung der höheren

Klasse führte, ohne dass dies in den

Regimentsgeschichten erwähnt wurde.

Die Medaillen

Der Verfasser ging, bevor er sich etwas

näher mit der Materie befasste, in der

Vergangenheit davon aus, dass die am

Band zu tragende Medaille eine Tapferkeitsmedaille

und die größere, ungehenkelte

Version eine Verdienstmedaille

(z. B. für den Stab) sei. Folgt man

jedoch den Aussagen des Brigadekommandeurs

v. Gottberg zu den beiden

Medaillen, so ist es gerechtfertigt von

zwei Klassen im Sinne höherer Stufen

analog z. B. des Eisernen Kreuzes zu

sprechen, was im Nachfolgenden so

diskutiert wird. Dies betrifft auch die

Verwendung der „Großen Tapferkeitsmedaille“

als Verdienstmedaille für gute

Truppenführung analog des Eisernen

Kreuzes 1. Klasse.

Die zweite Klasse oder auch „Tapferkeitsmedaille

am Bande“ genannt, hat

einen Durchmesser von ca. 38 mm und

besteht aus einer versilberten Eisenmedaille

34 mit kaum wahrnehmbaren

Überrand und mehr oder weniger altsilberner

Patina. Eine Medaille aus ver-

silbertem Buntmetall, wie in der Literatur

angeführt 35 , hat dem Verfasser

noch nicht vorgelegen und wird auch

angezweifelt. Dies würde dem Geist

der Medaille (Silber und Eisen wie bei

den Eisernen Kreuzen) und der Materialknappheit

gerade bei Buntmetallen

widersprechen, nicht umsonst wurden

gerade 1917 die offiziellen Auszeichnungen

aus Buntmetallen auf Ersatzmetalle

umgestellt. Sie hat eine Randdicke

von 3,0–3,4 mm, wobei sich die

erhabene Prägung bis zu einem halben

Millimeter heraus heben kann, eine

querstehende Öse zur Aufnahme des

Bandringes und wiegt mit Bandring ca.

25 bis 30 g 36 (zu den Differenzen vgl.

die Modelle und Beschreibungen bei

den Abbildungen). Sie wurde an einem

schwarz-weißen Band – dem preußischen

EK-Band(!) – zumindest inoffiziell

getragen 37 und zeigt auf der Vorderseite,

wie bereits durch von Gottberg

beschrieben, eine Trichterlandschaft

mit Granateinschlägen bzw.

einer in der Luft platzenden Schrapnell,

aus der sich ein (Stiel-)Handgranaten

schleudernder Landser mit Stahlhelm

M16 bzw. M17 und vor sich liegendem

Gewehr 98 aus einem Granattrichter

vor der Trümmerkulisse einer Ortschaft

Orden und Ehrenzeichen 12. Jg., Nr. 70 (Dezember 2010) 309


erhebt (Abb. 5). Die Darstellung ist umgeben

von einem Schriftkreisfeld, in

dem oben 238. INFANTERIE.DIVISION

und unten, beim 1. Modell, die Jahreszahl

1917 (erhaben) mitgeprägt wurde.

Dazwischen gibt es noch einige

Zierelemente zu deren optischer Abtrennung.

Das spätere 2. Modell (Abb.

6) unterscheidet sich primär durch die

Jahreszahl 1917/18 auf der Vorderseite,

bei leicht geändertem Vorderseitenstempel

und zwei zusätzlichen Lorbeerzweigen

mit vier Sternchen im Schriftfeld.

In eher romanischer Tradition ist

beim zweiten Modell relativ groß das

Signet des Entwurfskünstlers F. Köhnke

gut leserlich über der Jahreszahl innerhalb

der bildlichen Darstellung, beim

ersten Modell eher unauffällig zwei

miteinander unter 90° verschränkte

„O“ bei 7 Uhr über dem Punkt im Bildfeld

angebracht. 38 Die Rückseitenstempel

(Abb. 7) unterscheiden sich bei

beiden Modellen nur in Nuancen, es

gibt aber mindestens drei. Sie ist, ähnlich

wie bei andern deutschen und ausländischen

Tapferkeitsmedaillen, nur

mit einem fast bis an den Rand reichenden,

dünnen und erhaben geprägten

Lorbeerkranz versehen, der mit Bändern

umwunden und unten mit einer

Schleife gebunden ist, um ein großes

Mittelfeld zur Aufnahme der Trägergravur

zu erhalten. Die handgefertigte

Gravur setzt sich zusammen aus

Dienstgrad, Nachname, Einheit (bis auf

die Kompanieebene), Verleihungsgrund

(in der Regel „Für Tapferkeit“),

dem Gefechtsort oder einer allgemeineren

Schlachtenbezeichnung – letzteres

wohl eher beim 2. Modell – und tagesscharf

das Datum der auszuzeichnenden

Tat in einem Fließtext. Der Text

wurde per Hand, möglicherweise durch

ein Mitglied der Division an der Front,

in einer normierten, aber künstlerisch

gestalteten Schrift graviert. So lautet

exemplarisch die Rückseiteninschrift einer

von HÜSKEN angebotenen Medaille

der II. Klasse: Musk. Grumbach /

2.Komp.I.R.464 / für Tapferkeit / während

der großen / Schlacht in Frankreich

/ am 29.3.18. 39 Die früher verliehenen

Stücke des ersten Modells zeigen

ein abweichendes Schriftbild, so

dass von mehreren Graveuren auszugehen

ist.

Die „Große Tapferkeitsmedaille“ ist eine

sehr ähnliche, etwas größere (49,6

mm im Durchmesser, bei einer Rand -

dicke von ca. 3,8 mm und einem Gewicht

von ca. 48 g), aber nicht tragbare

Medaille mit beinahe gleichem Vorderseitenstempel

des 2. Modells (Abb. 8).

Ob es auch hier ein 1. Modell gegeben

hat, ist dem Verfasser nicht bekannt. 40

Die Rückseite (Abb. 9) zeigt einen etwas

größeren, stärker konturierten und

bis zu über einem Millimeter über den

Medaillengrund aufragenden Lorbeerkranz,

der nur oben und unten (ohne

Schleife) gebunden ist, bei wiederum

freiem Mittelfeld zur Aufnahme einer

Gravur, obwohl die dem Verfasser bisher

bekannt gewordenen Realien keine

Gravuren aufwiesen.

Was die beiden Modelle betrifft vertritt

der Verfasser folgende These: Die mit

dem Odem der Siegeszuversicht gestiftete

erste(n) Medaille(n?) waren mit

dem Datum 1917 versehen und wurden

so bis zum Herbst 1917 verliehen,

da man noch Anfang dieses Jahres

durch den erwarteten Zusammenbruch

Russlands glaubte, den Siegfrieden in

Kürze zu erringen. Spätestens die

schweren Kämpfe in der 3. Flandernschlacht,

bei der die Division im Oktober

im Brennpunkt der Kämpfe bei Paschendaele

eingesetzt war 41 , bevor sie

schwer angeschlagen, nach erfolgreicher

Abwehr des englisch-kanadischen

Ansturmes, herausgezogen wurde,

überzeugten die Verantwortlichen der

Division davon, dass der Sieg in diesem

Jahr nicht mehr zu erringen war. Da im

Herbst 42 wahrscheinlich auch gerade

der erste Stempel wegen des harten

Materials der Medaillen (Eisen bzw.

Stahl) abgenutzt oder gar gebrochen

war, musste sowieso ein neuer mit geändertem

Datum her, der – bei sonst

ähnlichem Motiv – die neue zeitliche

Fiktion eines Friedens in 1918 abbildete.

Ob dabei auch ein Künstlerwechsel

stattfand oder nur der bisherige Entwurfskünstler

Köhnke sich nun auf

dem zweiten Entwurf verewigte, bleibt

unklar. Der Rückseitenstempel wurde

im Wesentlichen beibehalten. Möglicherweise

hängt der Modellwechsel

aber auch mit der Einführung der höheren

Klasse im Herbst 1917 und einer

damit gewünschten Vereinheitlichung

zusammen? Und eine weitere Überlegung:

Dem Verfasser lag der kleine Ehrenzeichennachlass

des Funkers Willy

Schulz aus Berlin vor, der neben der diskutierten

Medaille am Band weitere Ehrenzeichen

enthält, die alle durch Verleihungsdokumente

43 belegt sind. Das

Besitzzeugnis (Abb. 11) der Tapferkeitsmedaille

datiert auf sechs Wochen

nach Kriegsende. 44 Ausgehändigt wurde

die Medaille an die Heimatadresse

(Mutter von Schulz) mit Schreiben vom

8. März 1919 (Abb. 13). Die dazu ge-

Abb. 16:

Große Ordensschnalle und Miniaturkette des Gefreiten Stadelmann in der Form

ab 1934/1935 ohne die Tapferkeitsmedaille der 238. ID. Wie auch bei anderen

Trägern inoffizieller Ehrenzeichen, z. B. der Kyffhäuserdenkmünze, bekannt, hat

der Träger nach Erhalt des FEK bzw. nach Änderung des Ordensgesetzes das inoffizielle

Ehrenzeichen abgelegt und sich eine neue Schnalle mit den inzwischen

verliehenen ausländischen Erinnerungsmedaillen und dem FEK fertigen lassen.

310 Orden und Ehrenzeichen 12. Jg., Nr. 70 (Dezember 2010)


hörige Medaille des zweiten Modells

trägt keine Rückseitengravur (Abb.

14)! Es ist deshalb davon auszugehen,

dass etwa ab Oktober 1918, im Rahmen

der hektischen Umgruppierungsaktivitäten

der Division und beim Rückzug,

bis zum 24. Dezember zwar noch

Medaillen verliehen wurden, diese aber

alle ohne Rückseiteninschrift zur Verausgabung

kamen, da das Anbringen

der Gravur, organisatorisch und zeitlich

nicht zu bewältigen war. Wenn diese

These zutrifft, ist es gerechtfertigt von

einem dritten Modell zu sprechen, das

ein 2. Modell ohne Rückseitengravur

darstellt. Natürlich besteht die Möglichkeit,

dass einige nicht verliehene

und damit auch nicht gravierte Reststücke

nach Kriegsende ebenfalls in

den Handel kamen, da die Eisenmedaillen

als Restbestände keinen besonderen

Wert zum Einschmelzen hatten.

Dies macht die Modellbezeichnung etwas

fragwürdig. Obwohl die erste Klasse

viel seltener ist als die zweite taucht

sie häufiger ohne Rückseiteninschrift

als die 2. Kl. auf, was diese Argumentation

stützen würde.

Verliehen wurden beide Medaillen in

Etuis der Größe 75 x 75 x 17 mm (1. Kl.,

dunkel-rotbraun mit blauer Einlage)

bzw. 68 x 54 x 23 mm (2. Kl., schwarz

mit schwarzer Einlage und Druckknopf),

zumindest in der Anfangs -

phase (1. Modell), und mit einem

Besitzzeugnis. Das beschriebene Besitzzeugnis

des Funkers Schulz der Medaille

am Band ist eine typische Frontproduktion

bzw. -vervielfältigung. In

der Gestaltung ist es damit nicht repräsentativ

für den kompletten Verleihungszeitraum.

Im Sinne des zuvor Erläuterten

gab es zu Anfang graphisch

anspruchsvollere Urkunden, die wie

Belobigungsurkunden anderer Divisionen

verausgabt wurden, aber in den

Wirren der letzten Kriegstage, spätestens

beim Rückzug aus Frankreich, untergingen.

Eine solche Urkunde ist

durch Abbildung 11 für den Kanonier

Claus mit der verliehenen Medaille des

1. Modells (November 1917) und in

IMM Nr. 131 für den Musketier Renck

1/463 für das 2. Modell noch für den

2. Juni 1918 nachgewiesen. Die Urkunden

tragen die Originalunterschrift des

jeweiligen Divisionskommandeurs, im

Gegensatz zu den Urkunden für das EK

II. Kl. oder auch das oldenburgische

Friedrich-August-Kreuz, die auf Regiments-

oder Bataillonsebene vergeben

wurden. Mit der Urkunde verausgabt

wurde eine Abschrift des Divisionstagesbefehls

(Abb. 12), analog der französischen

Gepflogenheiten beim Croix

de Guerre, bei dem dieser allerdings integriert

war, oder der bayerischen Tapferkeitsmedaille,

in dem die auszuzeichnende

Tat geschildert wird. Eine

Urkunde für die nicht tragbare höhere

Stufe der Medaille lag dem Verfasser

bislang nicht vor. Da aber beide nachweisbaren

Urkundentypen nur von der

„beifolgenden Medaille“ reden, ist es

wahrscheinlich, dass der gleiche Urkundentyp

verwandt wurde, nur ohne

den Zusatz, dass die Medaille nicht

sichtbar getragen werden darf. Der offizielle

erste Typ der Urkunde wurde

ebenfalls durch den Entwurfskünstler

der Medaille des 2. Modells gestaltet.

Über die Anzahl der verliehenen Auszeichnungen

kann nur spekuliert werden,

da keine Zahlen vorliegen und die

Aufzeichnungen über die Erwähnungen

im Divisionsbefehl bis auf Rudimente

(im BArch-MA) verloren sind.

Dieser Versuch soll aber im Rahmen einer

Modellvorstellung gewagt werden:

Legt man die spärlichen Zahlen in den

Regimentsgeschichten über die Verleihung

des Eisernen Kreuzes und

„fremdstaatlicher“ (siehe unten) Aus-

Abb. 17:

Typische Große Ordensschnalle eines Trägers des IR 465 der 238. ID, an der u. a. neben dem EK II. Kl. das Oldenburgsche

Friedrich-August-Kreuz II. Kl. und das Braunschweigsche Ernst August Kreuz II. Kl. angebracht sind. Eine ähnliche Spange

ist für den Musketier Kurt de Jonge im IR 463 nachweisbar (vgl. IMM Nr. 112, S. 16 mit Abb.).

Orden und Ehrenzeichen 12. Jg., Nr. 70 (Dezember 2010) 311


zeichnungen zugrunde und begreift

letztere als „analoge Zweitverleihung

zum EK II. Kl. auf dem Wege zum EK I.

Kl.“ und siedelt die Divisionstapferkeitsmedaille

linear zwischen den letzteren

und der verliehenen Anzahl der

Eisernen Kreuze I. Kl. im Sinne einer

weiteren Auszeichnung an 45 , so ergibt

sich eine untere Abschätzung für die

Auszeichnung am Band. Im IR 463 wurden

insgesamt 2.561 EK II. Kl. und

1.229 „fremdstaatliche“ Auszeichnungen

bei 110 EK I. Kl. verliehen. Maximal

werden so viel verliehen worden sein

wie EK II. Klasse. Nach diesen Überlegungen

wären ca. 650 Tapferkeitsmedaillen

2. Kl. in das Regiment gekommen,

maximal ca. 1.200. Die Zahlen für

die Große Tapferkeitsmedaille dürften

in der Größenordnung der EK-I-Verleihungen

liegen. Hochgerechnet auf die

Division ergäbe dies Zahlen von 2.000-

6.000 Verleihungen für die „zweite“

und 300-400 für die „erste“ Klasse –

mit allen Vorbehalten.

Entgegen dem Hinweis auf den Verleihungsurkunden:

Die Medaille ist keine

Ordensauszeichnung und darf zur Uniform

nicht sichtbar getragen werden –

wurde diese doch, wie auch sicherlich

zuerst beabsichtigt, bei Festlichkeiten

an der Großen Ordensschnalle (Abb.

15) getragen. Der selbstbewusste Beliehene

trug sicherlich die Medaille

oder deren Band auch im Knopfloch

der Uniform, was möglicherweise mit

dazu beigetragen hat, die Probleme einer

nicht autorisierten tragbaren Medaille

mit dem Band des EK’s zu verdeutlichen

und was zu Problemen mit

höheren Dienststellen führen musste.

Natürlich wurde sie auch parallel zu

den anderen inoffiziellen Medaillen bis

zur Verabschiedung des neuen Ordensgesetzes

1935 nach dem Krieg angelegt.

Danach verschwand sie von den

Schnallen (Abb. 16).

Durch das große norddeutsche Einzugsgebiet

der Divisionsangehörigen

ist das Spektrum der an den Schnallen

vertretenen Ehrenzeichen, an denen sie

angebracht sein können, recht groß:

Neben den preußischen Tapferkeitsauszeichnungen

sind dies primär das

Braunschweigsche Kriegsverdienstkreuz,

das Oldenburgsche Friedrich-

August-Kreuz, die Hanseatenkreuze

von Hamburg, Bremen und Lübeck und

das Mecklenburgische Militärverdienstkreuz

sowie natürlich andere mehr.

Eine typische Schnalle für Mannschaftsdienstgrade

oder Unteroffiziere

der Division zeigt Abbildung 17.

Zum Schluss noch ein Hinweis für den

Sammler: Manche frühe Nachkriegs-

spange (vor 1934), die heute ein preußisches

Goldenes Militärverdienstkreuz

„ziert“, ob Original oder Kopie (passend:

„Spangenprägung“), trug früher

vielleicht im Originalzustand die Tapferkeitsmedaille

der 238. ID, insbesondere

wenn sie in Kombination mit

„norddeutschen“ Ehrenzeichen auftaucht.

Gleiche Bänder haben also

auch hier ihre Tücken!

Die Kriegsgliederung der

238. Infanteriedivision 46

I. Nach Aufstellung der Division im

Februar 1917 (Kommandeur GM

Hans von Below)

- 238. Infanteriebrigade (Komm. O Döring

von Gottberg):

IR 463

IR 464

IR 465

- Artilleriekommando 238:

Ostfriesische FAR 62

- Schleswig-Holsteinisches Dragonerregiment

13 (nur 2. Escadron)

- Stab Pionierbataillon 238:

Pionierkompanie 367

Pionierkompanie 368

Minenwerferkompanie 438

- Divisionsnachrichtenkommando 238

(ab 18. Oktober 1917)

Nachrichtenabteilung 238

- Trainkolonne 648

- Ambulanzkolonne 450

- Feldhospital 197

- Feldhospital 198

- Veterinärhospital 238

II. Ab Mitte 1918 (Kommandeur GM

Erich von Böckmann)

Wie vor, aber zusätzlich:

- Artilleriekommando 238:

Fußartillerieregiment 54 (nur Stab

und 1., 2. und 4. Batterie), ab 21.

März 1918

Leichte Munitionskolonne 944

Leichte Munitionskolonne 1211

Leichte Munitionskolonne 1233

- Stab Pionierbataillon 238:

Scheinwerferzug 204

- Divisionsnachrichtenkommando 238:

Funkerabteilung 30

Gefechtskalender der

238. Infanteriedivision 47

(Die Division wurde nur an der

Westfront eingesetzt.)

- 15.11.1916

Aufstellung

- 17.01.–14.04.1917

Ausbildung im Lockstedter Lager

- 15.04.–17.05.1917

Kämpfe vor der Siegfriedfront (von

den Gegnern Hindenburglinie genannt)

- 31.05.–07.10.1917

Stellungskämpfe in Flandern und Artois

- 09.10.–31.10.1917

Schlacht in Flandern

- 08.11.–27.12.1917

Kämpfe in der Siegfried-Stellung bei

St. Quentin

- 27.12.1917–27.01.1918

Stellungskämpfe bei St. Quentin und

an der Oise

- 28.01.–20.03.1918

Ausbildung

- 21.03.–06.04.1918

Große Schlacht in Frankreich

- 21.03.–22.03.1918

Durchbruchsschlacht bei St. Quentin-

La Fère

- 23.03.–24.03.1918

Kämpfe beim Übergang über die

Somme und den Crozat-Kanal zwischen

St. Christ und Tergnier

- 25.03.–31.03.1918

Verfolgungskämpfe bis Montdidier

und Noyon

- 16.04.–21.08.1918

Stellungskämpfe bei Reims

- 27.05.–13.06.1918

Schlacht bei Soissons und Reims

- 18.07.–25.07.1918

Abwehrschlacht zwischen Soissons

und Reims

- 22.08.–29.08.1918

Stellungskämpfe an der Vesle

- 29.08.–04.09.1918

Abwehrschlacht zwischen Oise und

Aisne

- 05.09.–08.09.1918

Kämpfe vor der Siegfriedfront

- 09.09.–27.09.1918

Kämpfe in der Siegfried-Stellung

- 28.09.–09.10.1918

Stellungskämpfe nördlich der Ailette

- 10.10.–12.10.1918

Kämpfe vor der Hunding- und Brunhildefront

- 13.10.1918

Kämpfe in der Hunding-Stellung

- 14.10.–04.11.1918

Kämpfe vor und in der Hermann-Stellung

- 17.10.–26.10.1918

Kämpfe zwischen Oise und Serre

- 04.11.1918

Schlacht um Guise

- 05.11.–11.11.1918

Rückzugskämpfe vor der Antwerpen-

Maas-Stellung

- 12.11.1918–22.02.1919

Räumung des besetzten Gebietes und

Marsch in die Heimat

312 Orden und Ehrenzeichen 12. Jg., Nr. 70 (Dezember 2010)


Die Kommandeure der

238. Infanteriedivision

Hans Vincent Stanislaus von Below

(geb. 27. Juni 1862 in Graudenz;

gest. 6. August 1933 in Washington)

48

Erster Kommandeur der Division vom

15. Januar 1917 (Aufstellung) bis 25.

August 1918. Generalmajor, zuletzt

Generalleutnant und Führer des Generalkommandos

51.

Die biographischen Vorkriegsdaten

sind über die „normale Schiene“

schwer zu ermitteln, da Hans v. Below

vor und wieder nach dem Weltkrieg in

Übersee lebte und der Name des altpreußischen

Offiziersgeschlechtes v.

Below relativ häufig ist. In den Rang -

listen vor 1909 ist Hans v. Below auf

Grundlage seiner Auszeichnungen

nicht signifikant nachzuweisen. Im

Deutschen Ordensalmanach 1908/9, S.

85 ist er als Major a. D. mit Wohnsitz in

Buenos Aires in Argentinien verzeichnet.

Seine damalige Ordensspange

schmückte neben dem preußischen

Roten Adler-Orden IV. Kl., das Dienstkreuz

und die obligatorische Centenarmedaille

sowie das Waldecker Verdienstkreuz

III. Kl. Daneben trug er am

Hals das Komturkreuz des Ernestinischen

Hausordens, eher ungewöhnlich

für einen jungen Major. In den Ranglisten

ab 1909 ist er vertreten und taucht

1914 als Oberst mit Dienstalter vom

20. Februar 1912 und Kommandeur

des Königin Augusta Garde-Grenadier-

Regiments Nr. 4 mit folgenden „Friedensauszeichnungen“

auf (Ordensnomenklatur

analog der preußischen

Ranglisten): PrRAO3mSchl, PrKO3, DK,

AB2b, BZ2b, BrH2b, HSH2b und

WVK3. Nach GEILE erfolgte am 17.

März 1914 die Verleihung des Braunschweiger

Komturkreuzes als letzte

Friedensdekoration.

Hans war der jüngere Bruder des berühmten

Armeeführers und Generals

d. I. Otto von Below und wurde im Kadettencorps

erzogen, trat 1880 ins Füssilierregiment

80 ein und wurde im

gleichen Jahr Leutnant. Vier Jahre später

zur Unteroffiziersschule nach Potsdam

versetzt, ging er 1888 für ein Jahr

nach England. 1889 wurde er Premierleutnant

und zur Kriegsakademie abkommandiert.

Weitere vier Jahre später

unter Beförderung zum Hauptmann

zum Großen Generalstab kommandiert;

1895–1900 Kompaniechef im FR

80 und Adjutant der 22. ID. 1902 Major

im IR 153 und 1905 Bat. Komm. im

Gr.Reg. 12. Von 1906 bis 1910 Lehrer

an der Kriegsakademie in Argentinien,

wurde er 1911 wieder als Oberstleutnant

in den Stab des IR 93 in Dessau

eingegliedert. 1912 übernahm er als

Oberst das Kommando über das Königin-Augusta-Garde-Grenadier-Regiment

Nr. 4 bis zum Kriegsausbruch

(Abb. 19).

Er wurde am 2. August 1914 mit der

Leitung der 15. Res.Inf.Brig. (1. Garde-

Res.Div.) betraut, mit der er in den

Krieg zog. Hier machte er die Eröff-

Abb. 18:

Hans von Below als Generalmajor mit

dem Roten Adler-Orden II. Kl. mit

Schwertern und Eichenlaub. Trotz

schlechter Qualität der Reproduktion

aus dem Artikel der Times von 1922 ist

das Bild früher zu datieren. Es stammt

aus der Zeit zwischen September 1916

(Verleihung des RAO II. Kl.) und November

1917 (Verleihung des Pour le

Mérite). Nach 1917 hätte er letzteren

direkt am Hals getragen.

nungsgefechte in Belgien mit und

nahm als Generalmajor (befördert 19.

Aug. 1914) an der Eroberung von Namur

teil. Das Garde-Reservecorps wurde

danach an die Ostfront geworfen,

Abb. 19:

Der erste Kommandeur der 238. ID und Schöpfer der Tapferkeitsmedaillen, noch als Oberst und Kommandeur des Königin

Augusta Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4 im Jahre 1914, vom Betrachter aus rechts neben der Großherzogin von Baden

als Regimentsinhaberin (Abb. aus: RG GGR4).

Orden und Ehrenzeichen 12. Jg., Nr. 70 (Dezember 2010) 313


an der es brannte (Tannenberg) und die

15. Res.Brig. nahm an der Schlacht an

den Masurischen Seen (8.–10. Sept.

1914) gegen den russischen General

Rennekampf teil. Danach wurde die

Brigade in verschiedenen Schlachten in

Südpolen (Opatow) und bei der Einschließung

von Iwangorod im Spätherbst

eingesetzt. Um die Jahreswende

1914/15 war sie beteiligt an den

Schlachten an der Rawka-Bzura und

focht bis Anfang Februar in Nordpolen.

Ende Mai 1915 wurde Hans v. Below

zum Kommandeur der 6. RD ernannt,

die der Njemen-Armee unterstellt war.

Diese stand unter dem Kommando seines

Bruders Otto. Nach Wiederherstellung

dieser Truppe durch ihren neuen

Kommandeur nahm sie an dem Sommerfeldzug

in Kurland und Litauen teil.

Nach der Eroberung der Düna- und

Missestellung im Herbst 1915 erstarrte

auch dieser Teil der russischen Front

zum Stellungskrieg, der durch die

Schlacht bei Kekkau vom 16. bis 22.

Juli 1916 für die 6. RD unterbrochen

wurde. Diese wurde im Wesentlichen

durch die fast bis auf Korpsstärke aufgerüstete

6. RD unter Führung des umsichtigen

Generalmajors bestritten. Der

russische General Kuropatkin, der bereits

im russisch-japanischen Krieg zu

den Verlierern zählte, stürmte mit mehreren

Korps die Front der 6. (verstärkten)

RD, die sich aber hervorragend

schlug. Ihr Führer GM v. Below erhielt

dafür am 23. September 1916 den

RAOIImEuSchw (Abb. 18).

Bereits am 15. Oktober wurde Hans von

Below wiederum versetzt: Er wurde

zum Kommandeur der 89. ID in Rumänien

ernannt, die im Verband der neu

aufgestellten 9. Armee unter General

von Falkenhayn an dem neuen Brennpunkt

der Süd-Ost-Front kämpfte, der

durch den Kriegseintritt Rumäniens am

27. August 1916 entstanden war. Diese

schlug sich wacker in der Weihnachtsschlacht

bei Rimnicul-Sarat in der Ostwalachei

unter dem Oberbefehl Mackensens,

dem auch die 9. Armee unterstellt

war. Hierfür wurde ihm am 8.

Februar 1917 der preußische Kronenorden

II. Kl. mit Stern und Schwertern

verliehen, eine respektable Auszeichnung

für einen jungen preußischen GM.

Am 15. Januar 1917 übernahm er das

Kommando über die sich neu formierende

preußische 238. ID, die mit Erlass

des Preußischen Kriegsministeriums

zum 16. Januar 1917 aufzustellen war.

Er begleitete diese Einheit bis zum 25.

August 1918 auf ihrem blutigen Weg,

nachdem er bereits am 18. April 1918

im Alter von 55 Jahren zum Generalleutnant

befördert wurde. Einer der

größten Erfolge der Division, die Verhinderung

des englischen Durchbruchs

bei Paschendaele am 30. Oktober 1917

in der dritten Flandernschlacht, wurde

ihm durch die Verleihung des Pour le

Mérite am 24. November 1917 gelohnt,

neben Hauptmann Wittekind

vom 463 IR, der die Initiative vor Ort ergriff.

Nach seinem Wechsel übernahm

er das Generalkommando (z.b.V.) 51

bis zu seinem Abschied am 12. Mai

1919. Laut einem Bericht der TIMES mit

dem Titel „First German War Lord visit

us since Peace came“ 49 war er nach

dem Krieg der erste höhere deutsche

Offizier, der bereits 1922 die Vereinigten

Staaten besuchte. Wenige Jahre

später übersiedelte er in die Vereinigten

Staaten, wo er 1933 verunglückte

und verstarb.

Erich von Böckmann (geb. ca.

1867) 50

Ab 26. August 1918 als Generalmajor

letzter Kommandant der ID 238 bis zu

deren Auflösung im Frühjahr 1919. 51

Die Lebensdaten waren nur rudimentär

zu ermitteln, weshalb für seinen militärischen

Werdegang primär auf die

preußischen Ranglisten zurückgegriffen

wurde, deren Ordensnomenklatur

im Nachfolgenden verwand wurde.

1894 Premierleutnant im FAR Nr. 9 und

zur Kriegsakademie abkommandiert

(vgl. RL94). 1901 Hauptmann mit

Dienstalter vom 25. März 1899 im Großen

Generalstab noch ganz ohne Orden

und nur mit der Centenarmedaille

ausgezeichnet (vgl. RL01). 1906 bis

1911 Major im Generalstab des XVI.

AK in Metz, anfänglich noch mit dem

PrRAO4 und dem WF3a ausgezeichnet

(vgl. RL06). 1912 als Militärlehrer an

die Kriegsakademie in Berlin bereits mit

PRRa4, PrKO3, DK, BZ3a und WF3a dekoriert,

unter Beibehaltung der Uniform

des Generalstabes der Armee

(vgl. RL12). Letzte Friedensstellung vor

dem Weltkrieg: Oberstleutnant mit

Dienstalter vom 1. Oktober 1912 und

Chef des Generalstabes beim Gouverneur

von Straßburg (XV. AK) mit

PrRAOIIImSchl, PrRAO4mK, PrKO3, DK,

BZ3a und WF3a (vgl. RL14).

Die weitere Weltkriegskarriere bleibt

vorerst im Dunkeln. Nach GEILE wurde

ihm als Oberst am 12. Januar 1918 der

KOIISch verliehen. Erich v. Böckmann

verabschiedet sich am 10. Dezember

1918 mit einem Div.-Befehl von seinen

Truppen (vgl. RG IR463, S. 343), bleibt

aber bis zum Frühjahr in seiner Stellung.

Er entlässt vom 14.–17. Dezem-

ber die älteren Jahrgänge (bis einschließlich

1895), ebenfalls die überzähligen

Offiziere und setzt noch Freiwillige

für den Grenzschutz Ost in

Marsch.

Döring Franz Werner von Gottberg

(geb. 2. Juli 1863 in Frankfurt/

Oder; gest. 28. August 1940 in

Oldenburg/i. O.) 52

Als dritter Sohn aus einer preußischen

Offiziersfamilie entstammend, besuchte

er standesgemäß die „Kadettenanstalten“

zu Kulm bzw. Groß-Lichterfelde,

wo er auch die Fähnrichsreife erlangte.

Zunächst war er Page bei Herzogin

Alexandrine zu Mecklenburg,

einer Prinzessin von Preußen. 1882

wurde er in seine erste militärische Stellung

als Secondeleutnant in das Pommersche

Jägerbataillon Nr. 2 nach

Greifswald eingewiesen. 1896 Haupt-

Abb. 20:

Der erste Kommandeur der 238. Inf.-

Brig. und Verfasser der Regimentsgeschichten

der IRer 464 und 465, Oberst

Döring von Gottberg. Das Bild datiert

von Ende Januar 1917 nach Übertragung

der Kommandogewalt über die

238. Inf.-Brig. und noch vor Verleihung

des KO II. Kl.m.Schw. am 8. Februar

1917, den er für die Führung seines

früheren Regimentes erhielt und ansonsten

sicher getragen hätte (Abb.

aus: RG IR465).

314 Orden und Ehrenzeichen 12. Jg., Nr. 70 (Dezember 2010)


mann, kam er über mehrere Stationen

– zwischenzeitlich verheiratet – 1902

zur Gewehrprüfungskommission nach

Spandau. Nach einem schweren Reitunfall

im Dienst wurde er 1912 als Bataillonskommandeur

zum IR 173 und

am 22. Februar 1914 als Oberstleutnant

zum Stab des Oldenburgschen IR

91 nach Oldenburg versetzt, dem er

auch nach dem Krieg als Führer des Traditionsverbandes

lange Jahre treu

blieb. Um diese Zeit zierte seine Spange

neben dem RAO IV. Kl. und dem KO IV.

Kl. das obligatorische Dienstkreuz und

die Centenarmedaille, der bayerische

MVO IV.Kl.m.Kr. und der Schaumburg-

Lippische Hausorden III. Kl. neben dem

Johanniter Ehrenritterkreuz am Hals.

Vergleicht man ihn mit einem Generalstäbler,

wie etwa von Böckmann, wird

der Unterschied in den Auszeichnungen

deutlich, bedingt auch durch den

langen Dienst bei der nicht gerade

prestigeträchtigen Gewehrprüfungskommission.

Als Kommandeur des neu aufgestellten

RIR 79 zog er im Weltkrieg mit diesem

auf die Insel Borkum, um eine vermeintlich

englische Invasion abwehren

zu können. Im November 1914 übernahm

er das IR 158 (13. ID, in der auch

sein Bruder Regimentskommandeur

war), das in schweren Kämpfen bei Lille

stand und erhielt nach leichter Verwundung

am Heiligen Abend seine erste

Kriegsauszeichnung, das Eiserne Kreuz

II. Kl. Wieder hergestellt von einer Operation

im Frühjahr 1915 wurde v. Gottberg

Ende Mai zum Kommandeur des

Grenadier-Regimentes König Friedrich

Wilhelm IV. (Nr. 2) ernannt, das zu dieser

Zeit in Litauen lag – durchaus eine

Auszeichnung! Hier wurde er am 11.

Juni 1915 bei Schaulen verwundet. General

v. Morgen überreichte ihm persönlich

noch im Kriegslazarett das EK I.

Kl. Kurz danach zum Oberst befördert,

begleitete er das Regiment noch über

ein Jahr hinweg im Verband der 8.

(Sächsischen) Kavallerie-Division durch

Kurland bis in den Stellungskrieg am

linken Dünaufer südöstlich Jakobstadt.

Das Regiment nahm unter seiner Führung

ab dem 27. Oktober 1916 an dem

siegreichen Feldzug gegen Rumänien

teil und war bei der Einnahme der rumänischen

Hauptstadt die erste eindringende

Truppe. Die Verfolgungskämpfe

gegen die Russen führten das

Regiment bis an die Putna bzw. den Sereth,

wo v. Gottberg am 5. Januar 1917

die Ernennung zum Kommandeur der

neu zu bildenden 238. Infanterie-Brigade

erhielt, ein Kommando, das er am

4. Oktober 1918 krankheitshalber ab-

geben musste, nachdem er bereits am

15. Juli zum Generalmajor befördert

worden war. Die Front erreichte er

durch den Zusammenbruch nicht mehr

und wurde im März aus der Armee entlassen.

Nach dem Krieg war er langjähriger

Vorsitzender der Offiziersvereinigung

des IR 91 und des Traditionsverbandes

der ehemaligen Inf.Brig. 238. Er starb

am 28. August 1940 in Oldenburg und

wurde dort auf dem Stamm-Friedhof

seiner Familie beigesetzt.

Anmerkungen:

1 Dass dies im Prinzip so war beweisen die

vielen Stiftungen der Landesfürsten während

des ganzen Krieges, wenn auch der

primäre „Stiftungsboom“ für Tapferkeits-

und Verdienstauszeichnungen

Ende 1914 bis Anfang 1915 lag.

2 Das galt übrigens auch für die Hauptkriegsgegner

der Deutschen: Nicht nur in

Russland gährte es und die bolschewistische

Revolution rückte näher, auch in der

französischen Armee war es zu ersten Revolten

in Gefolge der letzten Sommeoffensive

im Herbst 1916 gekommen.

3 Diese Art von Belobigung wurde auch in

den deutschen Armeen des Jahres 1870

gepflegt und als hohe Auszeichnung erachtet.

Sie werden in den Auszeichnungslisten

direkt hinter den Ehrenzeichen

selber geführt.

4 Diese Tradition wurde auch im Zweiten

Weltkrieg durch diverse Anerkennungsurkunden

auf Einheitenebene bis hin zur

„Anerkennungsurkunde des Führers“

weitergeführt. Bei letzterer wurde der

künstlerische und damit auch ideelle

Wert durch den Einsatz namhafter Künstler,

analog den Ritterkreuzurkunden, erheblich

gesteigert und so dem Anlass –

häufig Einsatz des eigenen Lebens –

mehr entsprochen.

5 Die Verleihung von Eisernen Kreuzen,

wie auch der meisten bundesstaatlichen

Tapferkeitsauszeichnungen, ist im Verlaufe

des Krieges immer weiter nach unten,

d. h. bis auf die Divisions- bzw. Regimentsebene,

delegiert worden, die aber

aus einem „höherenorts“ festgelegten

Kontingent geschöpft werden mussten.

6 Deutschland hatte mit wenigen Ausnahmen

keine Tradition in der Mehrfachverleihung

von Ehrenzeichen durch Bandapplikationen.

Im Gegensatz dazu konnte

in Österreich z. B. die Tapferkeitsmedaille

mehrfach verliehen werden, was jeweils

durch eine silberne Bandspange kenntlich

gemacht wurde.

7 So hatte René Fonck, das französische As

der Asse des Ersten Weltkrieges, bei 75

Luftsiegen neben anderen 28 Zitationen

im Armeebefehl zu verzeichnen.

8 Diese Praxis der Weltkriegsstiftung wurde

bei den Belgiern ebenso wie bei Franzosen

und Engländern zum Teil bis heute beibehalten

und insbesondere auch im Zweiten

Weltkrieg wieder gepflegt. Die Bänder der

Kriegskreuze wurden bei den lobenden

Erwähnungen mit den entsprechenden

Attributen geschmückt und der Tagesbe-

fehl wird als Urkunde mit dem dazugehörigen

Ehrenzeichen z. B. in Frankreich bis

heute – auch bei analogen Ehrenzeichen

– so verausgabt (vgl. Abb. 3).

9 Im Zweiten Weltkrieg schwenke

Deutschland, wenn auch relativ spät,

auch auf diese Linie ein: Am 30. Januar

1944 wurde durch Adolf Hitler die Ehrenblattspange

für „die im Ehrenblatt des

Deutschen Heeres genannten Soldaten

zur äußerlichen Kenntlichmachung“ gestiftet,

die bisher neben der Nennung

dort nur mit einer Urkunde ausgezeichnet

wurden. Auch diese Spange wurde

auf das Band der (spezifisch deutschen)

Kriegsauszeichnung – hier das des EK –

aufgelegt, wenn auch das Band ohne

dieses getragen wurde.

10 Das „Nachrichtenblatt der Inf. Regtr. 463

+ 464 + 465 (238. Inf.Brig.)“ erschien

seit 1921 monatlich. Es stellte sein Erscheinen

Ende 1942 unter dem Namen

„Die Feldpost/ Nachrichtenblatt der Inf.

Regtr. 463 + 464 + 465 (238. Inf.Brig.)“

ein, da sich mittlerweile die Kriegsschilderungen

des Ersten Weltkrieges durch

die Realität des Zweiten Weltkrieges erschöpft

hatten. In der Deutschen Nationalbibliothek

Leipzig sind die Bände ab

1925 (5. Jg.) vorhanden. Inhaltlich besteht

es primär aus Vereinsnachrichten

der Traditionsvereine der drei Regimenter,

die aus den unterschiedlichsten Städten

wie Hamburg, Celle oder Bremen der

ehemaligen Rekrutendepots kommen. In

jedem Band ist mindestens ein Frontbericht

unterschiedlichster Art und Qualität

abgehandelt. Neben Familiennachrichten

gibt es diverse Inserate. Das Nachrichtenblatt

wandelte sich ab ca. 1930 sukzessive

in ein Kampfblatt (Artikel über SA, Reden

von Hitler, Heß usw.) des nationalsozialistischen

Regimes.

11 IR463 setzte sich aus Ersatztruppenteilen

(Mannschaften) des IX. AK aus Mecklenburg-Schwerin,

den drei Hansestädten

und Altona zusammen. Ersatzbataillon

wurde das 1. ErsBat. des IR 76 aus Hamburg.

12 IR 464 setzte sich aus Mannschaften aus

Schleswig-Holstein und Lübeck (IX. AK)

zusammen. Das 1. Ers.Bat./Gren.Regt.89

in Schwerin wurde Ersatztruppenteil für

das Regiment. Die Gesamtstärke des Regiments

betrug 78 Offiziere, 3.133 Unteroffiziere

und Mannschaften, dazu 251

Pferde.

13 IR 465 setzte sich aus Mannschaften aus

dem Großraum Hannover, Oldenburg

und Braunschweig (X. AK) zusammen.

Ersatztruppenteil war das 1. ErsBat. IR

164 aus Hameln.

14 War Department, Office of The Adjutant

General, Document Nr. 905; Histories of

the two hundred and fifty-one divisions

of the German Army which participated

in the war 1914–1918. Washington, Government

Printing Office 1920.

15 Das 1899 gegründete Ostfriesische FAR

62 rekrutierte seine Mannschaften und

den Ersatz aus der weiteren Umgebung

seiner Standorte Oldenburg/Ostfriesland

und Osnabrück/Münsterland. Vgl. RG

FAR62.

Orden und Ehrenzeichen 12. Jg., Nr. 70 (Dezember 2010) 315


16 Auch bei der Zusammenstellung der restlichen

Einheiten wird auf die landsmannschaftliche

Zusammensetzung mit SchwerpunktNiedersachsen/Holstein/Mecklenburg

geachtet.

17 Vgl. Nachrichtenblatt der Inf. Regtr. 463

+ 464 + 465 (238. Inf.Brig), Heft 2 (Februar

1927), S. 7 (Schilderung des L.d.R.

und späteren Staatsanwaltes Schäfer aus

Helmstedt.

18 War Department (wie Anm. 14).

19 Vgl. Nimmergut, Jörg: Deutsche Orden

und Ehrenzeichen bis 1945. Bd. 4, München

2001.

20 Generalstabsoffiziere waren die Hauptleute

Thilo und Knackfuß, Adjutant

Hptm. v. Krenski, Artl.Kdr. Oberstl. v.

Kettler und Pio.Kdr. Major Kramme. Vgl.

RG IR463.

21 Der Verfasser der Reg.-Geschichte des IR

465, der spätere GM von Gottberg, war

zur damaligen Zeit Oberst und Brigadekommandeur

der 238. IB (davor Kdr. des

Gren.-Reg. 2), zu der die IRer 463–465

gehörten, sowie in dieser Eigenschaft

Stellvertreter des Divisionskommandeurs.

Wenn er nicht direkt an der Stiftung beteiligt

war – seine Tagebuchaufzeichnungen,

die er im Nachrichtenblatt (wie

Anm. 17) bis zum Erscheinen seiner Regimentsgeschichte

in Auszügen veröffentlichte,

geben darüber keine Auskunft

– so war er doch höchstwahrscheinlich

bei der Ausgestaltung der Verleihungshintergründe

der Tapferkeitsmedaille involviert.

22 Vgl. RG IR465, S. 39 f.

23 Bezug genommen wird auf die anfänglichen

Kämpfe der Division Ende April/Anfang

Mai 1917 in der Siegfriedstellung

gegen die englische 48. Division (South

Midland), entlang des Somme-Schelde-

Kanals, in zwei Grabensystemen SI und

SII, rund um die Guillemont-Ferme, bei

der das Regiment (und die Division) die

ersten Verluste durch Feindeinwirkung

erlitt. Ablösung durch die 199. ID erfolgte

ab dem 14. Mai 1917. Die Siegfriedstellung

war zur Begradigung der Front

geschaffen worden. Die Deutschen hinterließen

bei ihrem geplanten Rückzug in

diese Stellung einen breiten Landstrich

verbrannter Erde, in dem kein Stein mehr

auf dem anderen stand und der noch jahrelang

nach dem Krieg in französischen

Karten als unbewohnbar ausgewiesen

und erkennbar war.

24 In seinem Tagebucheintrag vom 23. September

1917 führt v. Gottberg aus: (…)

die der II. Klasse [des Eisernen Kreuzes,

Anm. d. Verf.] bekommen wir reichlich –

so gestern 200 für jedes Regiment – aber

auf die I. Klasse müssen noch sehr verdiente

Angehörige der Brigade warten,

was zur ersten Aussage im Widerspruch

steht (zitiert nach Nachrichtenblatt, wie

Anm. 17, vom August 1928, S. 3). So erhielt

z. B. das IR 464 für die „Große

Schlacht in Frankreich“ (21. März bis 14.

April 1918), auf Gefechtsspangen oft

„Durchbruchsschlacht“ genannt, im

Frühjahr 1918 30 EK I. und 500 II. Klasse

und für Paschendaele 240 EK II. Klasse.

Vgl. RG464.

25 Dies ist bisher der einzige Nachweis über

die Namensgebung der beiden Medaillentypen,

der dem Verfasser bekannt ist.

Die „Große Tapferkeitsmedaille“ wird

vom Brigadekommandeur an anderer

Stelle auch als „Divisionsdenkmünze“

bezeichnet, offenbar wenn sie für höhere

Offiziere für Verdienste und nicht für Tapferkeit

verliehen wurde.

26 Dabei handelt es sich um eine interessante

Aussage, da die „Große Tapferkeitsmedaille“

nicht zum Tragen bestimmt

war und die niedrigere Klasse am Band

verliehen wurde. Vgl. hierzu auch die

Ausführungen zum Besitzzeugnis.

27 Lt. d. R. Rudolf Hoffmann war 1918 mit

Unterbrechungen bis Ende des Krieges

Führer der 12. Kompanie.

28 Vgl. RG IR463, S. 81.

29 Vgl. RG IR463, S. 153. Das Infanterie-Regiment

463 liegt seit 7. November vor St.

Quentin in Stellung.

30 Vgl. RG IR463, S. 309. Die Division liegt

wieder in der Siegfriedstellung bei Prémontré/Brancourt

und wird am 11. Oktober

1918 abgelöst.

31 Vgl. Nachrichtenblatt (wie Anm. 17) vom

Dezember 1926, S. 7.

32 Vgl. ebenda, vom Januar 1929, S. 4.

33 An offiziellen Ehrenzeichen wurde ihm

am 21. November 1917 für Paschendaele/Flandern

das zweimal schwarz und

dreimal weiß gestreifte Band zum Kronen-Orden

2. Kl. mit Schwertern verliehen,

den er bereits am 8. Februar 1917

erhalten hatte. Vgl. GEILE. Die Division

kam im Brennpunkt des englisch-kanadischen

Durchbruchversuches nahe Ypern

im Rahmen der 4. Armee (General Sixt

von Arnim) zum Einsatz und hatte am

30. Oktober ihren Großkampftag, der

danach immer als Ehrentag gefeiert

wurde.

34 Bei viel getragenen Exemplaren schimmert

häufig ein rötlicher Kupferton durch

das abgetragene Silber, der von der Vorverkupferung

des Eisens bzw. Stahls herrührt.

Früher war es üblich, das Grundmetall

Eisen mit Kupfer- oder Messingüberzügen

zu versehen, um die Haftfähigkeit

des nachfolgenden galvanischen

Silberüberzuges zu gewährleisten.

35 Vgl. Lautenschläger, Uwe: in: IMM Nr.

131 (Jan./Febr. 2008). S. 35–37.

36 Bei dem im IMM Nr. 132 abgebildeten

Exemplaren der Divisions-Tapferkeitsmedaille

mit rückseitiger dünner Nadel

handelt es sich um nachträglich privat

veränderte Stücke, bei denen die Band -

öse entfernt wurde. Vgl. Lautenschläger,

Uwe: in: IMM Nr. 132 (März/April 2008).

S. 25–26.

37 Als der Verfasser die erste Divisionstapferkeitsmedaille

der 238. ID am schwarzweißen

Band in Händen hielt, war er sehr

skeptisch, ob das Band das verliehene sei

oder nur das Massenband des EK vom

Beliehenen oder dem Vorbesitzer angebracht

wurde. Nachdem sich jedoch

mehrere dieser Stücke an diesem Band in

seinem Besitz befinden – zum Teil aus Privathand

– scheint klar, dass es sich um

das Originalband handelt. Eine Quelle

hierfür hat sich bisher allerdings noch

nicht gefunden. Ob das Band überhaupt

mit verausgabt wurde ist fraglich. Das in

IMM Nr. 131 (wie Anm. 35), S. 35 abgebildete

blaue (Dienstauszeichnungs-)

Band wurde allerdings sicher nicht verausgabt,

da es für einen preußischen Verband

völlig mit der Tradition des schwarzweißen

Kriegsbandes brechen würde.

38 Hierbei könnte es sich um den 1888 in

Lüneburg geborenen Künstler Fritz

Köhnke handeln, der Lehrer für Graphik

und Malerei an der Städtischen Handwerkerschule

in Lüneburg war und noch

1913/14 in Lüneburg nachweisbar ist. Er

könnte die Entwürfe zum zweiten Modell

gefertigt haben, wie bei VOLLMER und

auch im IMM Nr. 131 (wie Anm. 35) ausgeführt.

Bei dem doppelten „O“ kann es

sich um ein Zeichen des ersten, unbekannten

Entwurfskünstlers oder des

Stempelschneiders handeln.

39 Angebotskatalog Galerie d’Histoire André

Hüsken (zuletzt) vom 5. Juli 2010,

Kat.-Nr. 7332. Im Internet unter: http://

www.huesken.com/cgi-bin/suche/suche.pl?language=d&beding=grumbach&SUBMIT=.

40 Dies hängt direkt mit der Frage zusammen,

ob die beiden Klassen zusammen

gestiftet wurden oder der Bedarf einer

höheren Klasse erst später im Laufe des

Jahres 1917 zu Tage trat und dann gegebenenfalls

zusammen mit dem Modellwechsel

die höhere Klasse eingeführt

wurde. Dies konnte bisher nicht geklärt

werden. Für die letztere Annahme spricht

allerdings die Abkehr von der bisherigen

Praxis, die Medaille tragbar zu gestalten

und, als höhere Stufe, eventuell zu vergolden.

Tragbare, aber inoffizielle (also

nicht vom Landesherrn gestiftete) Ehrenzeichen

mussten zu Unmut bei den vorgesetzten

Dienststellen führen, wenn

diese an der Uniform (wo denn sonst sollte

man die Medaille im Feindgebiet tragen?)

getragen wurden. Auch das preußische

Kämpferband dürfte nicht gerade

Anlass zur Freude bei diesen Stellen gegeben

haben!

41 In der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober

ersetzte die Division die völlig abgekämpfte

11. Bayerische ID. Angreifer war

am 30. die 3. und 4. (12. Inf.Brig.) Kanadische

Infanteriedivision der 2. Britischen

Armee. Für diesen Tag gab es auf deutscher

Seite zwei Pour le Mérite bei der

238. ID (Div.-Kommandeur und ein Bataillonsführer

des IR 463) und bei den Kanadiern

vier Viktoriakreuze, der sehr selten

verliehene, höchste britische Tapferkeitsauszeichnung,

was die Härte der

Kämpfe demonstriert!

42 Der Modellwechsel lässt sich auf Grund

der in IMM Nr. 131 (wie Anm. 35) und

IMM Nr. 132 (wie Anm. 36) abgebildeten

und dem Verfasser vorliegenden Medaillen

in den Dezember 1917 oder später

datieren, da es noch einen Verleihungsnachweis

für das erste Modell für den

2./3. November für Paschendaele gibt

und die Urkunde (Abb. 10) auf den 26.

November 1917 datiert. Wahrscheinlich

war der große Auszeichnungsbedarf für

Paschendaele der Auslöser (vgl. auch

oben Anm. 24).

316 Orden und Ehrenzeichen 12. Jg., Nr. 70 (Dezember 2010)


43 Die Urkunde zum EK II. Kl. datiert vom

28. Juni 1918 und wurde vom Div.-Nachrichtenkommandeur

445 ausgestellt, ein

Truppenteil der 45. Reservedivision, in

der der Beliehene vorher Dienst tat. Diese

stand zu diesem Zeitpunkt an der Oise

und der Aisne bei Soisson und Reims in

der „Großen Schlacht in Frankreich“. Er

gehörte möglicherweise zu den Abgabekontingenten,

die bei der Neuaufstellung

bzw. Ausgliederung der Funkerabteilungen

aus den Telegraphenabteilungen,

hier die Nr. 30, im Jahr 1918 an diese

neuen Formationen abgegeben wurden.

Bei den restlichen Urkunden handelt es

sich um die typischen Zwischenkriegsauszeichnungen,

die an deutschen Ordensspangen

häufig zu finden sind: Das

Frontkämpferehrenkreuz von 1934 mit

beglaubigter Abschrift von 1936 des

Polizeipräsidiums Spandau an den „Filialvorsteher“

Schulze, die ungarische

Kriegsdenkmünze an den Gefreiten

Schulze der 141. Funkerabteilung (gehörte

1918 dem 445. Nachrichtenkommando

der 45. RD an) mit Übersendschreiben

von 1936 und die österreichische Kriegserinnerungsmedaille

mit Schwertern

ebenfalls von 1936.

44 Die Urkunde wurde am 24. Dezember

1918 ausgestellt und trägt die Originalunterschrift

des letzten Divisionskommandeurs

(GM v. Böckmann). Da es sich

hierbei um den ersten Heiligen Abend im

Frieden nach fast 4½ Jahren Krieg handelte

und die Lage der noch nicht restlos

zurückgeführten Division noch ungeklärt

war, ist nicht unbedingt anzunehmen,

dass der Kommandeur sich ausgerechnet

zu diesem Zeitpunkt noch mit der Ausstellung

dieser Urkunden befasste. Da an

diesem Tag aber bekannt gegeben wurde,

dass ab sofort – außer dem Verwundetenabzeichen

– keine preußischen Orden

mehr verliehen werden sollten, ist eine

Rückdatierung, trotz des inoffiziellen

Charakters der Medaillen, wahrscheinlich.

45 Die Modellvorstellung hat natürlich nur

bedingt Gültigkeit. Nachgewiesen sind

Fälle, in denen ein bereits mit dem EK I.

Kl. Beliehener vier Monate später für einen

anderen Anlass die Divisions-Tapferkeitsmedaille

bekam – also die umgekehrte

Reihenfolge. So ist im Stadtarchiv

Solingen (StASO) der Nachlass des Führers

der Minenwerferkompanie 438,

Leutnant Peres überliefert, der am 24.

April 1917 für den ersten Großkampftag

der Division an der Gillemont Ferme in

der Siegfriedstellung das EK 1. Klasse bekam

und für Roeux in der Wotanstellung

an der Scarpe in der Nähe von Arras bzw.

Vitry am 30. August 1917 die Divisionstapferkeitsmedaille

(1. Modell) – beides

nachgewiesen durch entsprechende Gravuren

auf den Ehrenzeichen. Das EK II.

Kl. erhielt er offensichtlich schon vorher

bei einer anderen Einheit. Interessanterweise

ist er einer der wenigen, für den

auch die Verleihung der Großen Tapferkeitsmedaille

belegt ist, da sich auch diese

(2. Modell ohne Gravur) im Nachlass

befindet.

46 Angaben nach: War Department (wie

Anm. 14).

47 Angaben nach: Ruhmeshalle unserer alten

Armee. 5. Aufl., Berlin [nach 1927].

48 Vgl. die Angaben nach: Genealogisches

Handbuch des Adels, Reihe A (Adlige

Häuser, Bd. VI), Bd. 29, Limburg/L. 1962.

S. 29 und Möller-Witten, Hanns: Geschichte

der Ritter des Ordens „pour le

mérite“ im Weltkrieg. Hrsg. von Hanns

Möller. 2 Bde. Berlin 1935.

49 Der Bericht beruht auf einem Interview,

das v. Below der TIMES gegeben hatte.

Vgl. Adam, Mac: First German War Lord

visit us since Peace came. In: New York

Times, Ausgabe vom 15. Oktober 1922,

S. 113 (Archives of The New York Times,

http://query.nytimes.com/gst/abstract.ht

ml?res=9A0DE7DA1138E).

50 Vorname „Erich“ nach www.militärpass.net/238id.htm.

Legt man das 25jährige

Dienstjubiläum aufgrund des verliehenen

Dienstkreuzes auf Ende 1910,

Anfang 1911 fest, so liegt das Geburtsjahr

bei ca. 1867 [1910-(18+25)].

51 Die einzelnen Regimenter wurden bereits

im Januar demobilisiert, so z. B. das IR

463 am 5. und 6. Januar 1919.

52 Angaben nach: Familiengeschichte derer

von Gottberg (Auszug). Bd. II, S. 78–85.

Quellen und Literatur:

- Bundesarchiv Freiburg, Militärarchiv,

(BArch-MA), Best. PH 8-I/ 76–78 (Abschriften

von Kriegstagebüchern).

- Stadtarchiv Solingen, Findbuch RS 3.5.10,

Best. Fi 10 Daniel Peres, 1779–1978

(2001), 103 AE, Auszeichnungen aus dem

I. Weltkrieg, Solingen 2003.

- www.militaerpass.net/238id.htm

- Adam, Mac: First German War Lord visit us

since Peace came. In: New York Times,

Ausgabe vom 15. Oktober 1922, S. 113

(Archives of The New York Times,

http://query.nytimes.com/gst/abstract.htm

l?res=9A0DE7DA1138E).

- Deutscher Ordensalmanach 1908/9. Berlin

1908 (zitiert: OA08).

- Familiengeschichte derer von Gottberg

(Auszug). Bd. II, S. 78–85. Das Manuskript

wurde dem Verfasser freundlicherweise

durch Harald v. Gottberg, dem Vorsitzenden

des Familienverbandes e. V. Gottberg,

zur Verfügung gestellt.

- Galerie d‘ Histoire André Hüsken – Angebotskatalog

vom 5. Juli 2010, Kat.-Nr.

7332 (vgl. auch. http://www.huesken.

com/cgi-bin/suche/suche.pl?language=

d&beding=grumbach&SUBMIT=).

- Geile, Willi: Die im „Militär-Wochenblatt“

und im „Marineverordnungsblatt“ veröffentlichten

preußischen und fremdstaatli-

chen (deutschen und außerdeutschen) Ordensverleihungen

an Offiziere der preußischen

Armee und der kaiserlichen Marine

von 1914 bis 1918 (Statistische Ausarbeitungen

zur Phaleristik Preußens und des

Deutschen Reiches; Bd. 1) Offenbach/Main

1997 (zitiert: GEILE).

- Genealogisches Handbuch des Adels,

Reihe A (Adlige Häuser, Bd. VI), Bd. 29,

Limburg/L. 1962.

- Gottberg, Döring von: Das Infanterie-Regiment

Nr. 464 im Weltkriege. Osnabrück

1931 (zitiert: RG IR464).

- Gottberg, Döring von: Das Infanterie-Regiment

Nr. 465 im Weltkriege. Osnabrück

1930 (zitiert: RG IR465).

- Hoffmann, Rudolf: Infanterieregiment

463. 7000 Niedersachsen im Großkampf

der Westfront. Bremen 1930 (zitiert: RG

IR463).

- Lautenschläger, Uwe: in: Internationales

Militaria-Magazin Nr. 112 (April/Mai

2004). S. 16 (zitiert: IMM Nr. 112).

- Lautenschläger, Uwe: in: Internationales

Militaria-Magazin Nr. 131 (Jan./Feb. 2008).

S. 35–37 (zitiert: IMM Nr. 131).

- Lautenschläger, Uwe: in: Internationales

Militaria-Magazin Nr. 132 (März/April

2008). S. 25 f. (zitiert: IMM Nr. 132).

- Möller, Reiner; Eine Küstenregion im politisch-sozialen

Umbruch (1860–1933). Berlin/Hamburg/Münster

2008.

- Möller-Witten, Hanns: Geschichte der Ritter

des Ordens „pour le mérite“ im Weltkrieg.

Hrsg. von Hanns Möller. 2 Bde.

Berlin 1935.

- Nachrichtenblatt der Inf. Regtr. 463 + 464

+ 465 (238. Inf.Brig) bzw. ab 1939 „Die

Feldpost“ (zitiert: Nachrichtenblatt).

- Nimmergut, Jörg: Deutsche Orden und Ehrenzeichen

bis 1945. Bd. 4, München

2001.

- Rangliste der Königlich Preußischen Armee

und des XIII. AK für 1894 (zitiert: RL94),

für 1901 (zitiert: RL01), für 1906 (zitiert:

RL06), für 1912 (zitiert: RL12) und für

1914 (zitiert: RL14).

- Ruhmeshalle unserer alten Armee. 5. Aufl.,

Berlin [nach 1927].

- Simon-Eberhard, Max: Königl. Preußisch

Ostfriesisches Feldartillerie-Regiment Nr.

62 (Reihe: „Erinnerungsblätter deutscher

Regimenter“). Oldenburg und Berlin 1922

(zitiert: RG FAR62).

- Unger, Fritz von: Das Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiment

Nr. 4 im Weltkriege

1914–1919. Berlin 1922 (zitiert: RG

GGR4).

- Vollmer, Hans: Allgemeines Lexikon der Bildenden

Künstler des XX. Jahrhunderts. Bd.

3, Leipzig 1956 (zitiert: VOLLMER).

- War Department, Office of The Adjutant

General, Document Nr. 905; Histories of

the two hundred and fifty-one divisions of

the German Army which participated in

the war 1914–1918. Washington 1920.

Orden und Ehrenzeichen 12. Jg., Nr. 70 (Dezember 2010) 317

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