und Vorwort - Deutsche Hochschule der Polizei

dhpol.de

und Vorwort - Deutsche Hochschule der Polizei

Schriftenreihe

der Deutschen Hochschule der Polizei

2|2007

Qualitätsmanagement in der Polizei

Praxis, Konzepte, methodische Weiterentwicklung


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Barthel, Christian

Basisbegriffe des Qualitätsmanagements – gegen den Strich gelesen

Barthel, Christian

Prozessoptimierung in der Verwaltung jenseits klassischer

Optimierungsansätze?

Lenk, Klaus

Open Choice – ein Gestaltungsansatz für die komplexen Prozesse in der

öffentlichen Verwaltung

Brüggemeier, Martin /Dovifat, Angela

Geschäftsprozessmanagement

Wloch

QuickScreen EFQM – Selbstbewertungen im Zuge strategischer Gesamtüberlegungen

und Maßnahmenplanung

Heller, Bernd

Qualitätsverbesserung durch Audits – Überwachung, Kontrolle, Lernen?

Ritsert, Rolf/Müller, Rüdiger

„Standardisierung tötet Kreativität“

oder Prozessorientierung bei der Aufgabenwahrnehmung

am Beispiel der Bundespolizeiinspektion Frankfurt (Oder)

Priebe, Ivo

Prozessmanagement als zentraler Ansatz der Strategieumsetzung in der

Polizei Bremens

Lehmann, Andree

Maßnahmen zur Steigerung der Bearbeitungsqualität im Rahmen

der polizeilichen Anzeigenaufnahme und -sachbearbeitung

Lehmann, Andree

4

6

32

50

70

82

96

114

126

152

Qualitätsmanagement in der Polizei - Von der Managementmethode

zum kulturkompatiblen Instrument - der Weg der Balanced Scorecard

in die Alltagsorganisation eines Polizeireviers

Wernthaler, Michael

Die Einführung eines Qualitätsmanagements – drei Varianten

Barthel, Christian

2 3

162

182


Vorwort

Barthel, Christian

Qualitätsmanagement in der Polizei ist ein „Evergreene“ – schon seit vielen

Jahren wird dieser Ansatz in der Polizei diskutiert, einmal mit größerer

Prominenz, dann wieder hintergründig, aber immer präsent. Zu Beginn

der 90er Jahre schaute man selbstverständlich eher auf die Beispiele aus

der Industrie, mitunter benommen von so viel selbstbewusst vorgetragener

Betriebsrationalität und den bunten Folien zu Qualitätsverbesserungs-Zyklen,

Prozessmodellierungen oder den Segnungen der Qualitätszirkel.

Im Zuge der Reformbemühungen und der sogenannten Neuen Steuerung

wurde das Qualitätsmanagement dann einmal eher als umfassende Philosophie

(Total Quality Management) verstanden, mitunter aber auch als

stiller Gegenentwurf zu den vieldiskutierten Produkten und Leistungen,

die auch in der Polizei als Steuerungsformate entwickelt wurden. Dass

die Neue Steuerung, aber auch das hier mitlaufende Qualitätsmanagement

nicht mit der erhofften Reformwucht in der Alltagsorganisation

der Polizei angekommen ist, liegt weniger an den Konzepten, als an der

unvermuteten Komplexität der Polizeiorganisation selbst, die sich durch

Programme, Methoden und Instrumente, zumindest nicht einfach, auf

Wunschkurs trimmen lässt. Denn das hat die öffentliche Verwaltung, die

Ordnungsverwaltung und die Polizei vor allem gelernt: Es reicht nicht aus,

das entscheidende Problem zu erkennen und die richtigen Konzepte in Anschlag

zu bringen; die Organisation ist kein Apparat, bei dem es ausreicht,

einzelne Defekte zu reparieren oder ein neues Programm einzuspielen;

tatsächlich lässt man sich auf ein Abenteuer mit nicht immer gewissem

Ausgang ein, wenn man mit betriebswirtschaftlich inspirierter Steuerung

oder Prozessoptimierung startet.

Die Zeit ist aber nicht stehen geblieben – was sich in den 90er Jahren und

in der ersten Hälfte des folgenden Jahrzehnts noch als Reformbegeisterung

und konzeptbeflügelte Mission verstanden hat (man muss eigentlich

sagen: noch verstehen konnte), wird heute schlichte Notwendigkeit. Angesichts

der dramatisch knappen Kassen, der nicht mehr finanzierbaren

Personalkosten, der vielfachen Reorganisationsprozesse und Dauerveränderungen

in der Polizei, sind die neuen Steuerungsinstrumente (Ziel-

und Strategieentwicklungen, Controlling usw.) kein Ausweis besonderer

Modernität einzelner Behörden oder eines ambitionierten Polizeimanagements,

sondern ein schlichtes „Es-geht-nicht-anders“! Die Folge ist ein

abgekühlter Pragmatismus und eine damit einhergehende Professiona-

lisierung im polizeilichen Management, die selbstverständlich über ein

Controlling verfügt, ohne deshalb schon zu glauben, dass damit alle Fragen

der Steuerung von polizeilicher Effektivität und Effizienz endgültig

geklärt wären.

Diese Weiterentwicklung im Umgang mit Managementinstrumenten lässt

sich auch im Zusammenhang mit dem Qualitätsmanagement-Ansatz beobachten.

Man kann jetzt erkennen (und mit professionellem Selbstbewusstsein

gegenüber notorischen Besserwissern vertreten), dass „Kundenorientierung“,

“Prozessorientierung“, „Mitarbeiterorientierung“ usw.

in einem sozial und interaktiv so komplexen Handlungsfeld wie der Polizei

eben etwas ganz anderes bedeutet, wie zum Beispiel in der KFZ-Industrie.

Insgesamt kann man konstatieren, dass die einseitige Orientierung

an verkürzten Management-by-Konzepten und der Privatwirtschaft einer

intensiveren Besinnung auf das eigene Geschäft Platz gemacht hat. In diesem

Zuge werden konzeptionelle Ansätze wie das Qualitätsmanagement

zugleich bereichert durch Erkenntnisse aus der Verwaltungswissenschaft,

der Organisationssoziologie und insbesondere durch Lernerfahrungen aus

der Organisation der Polizei selbst.

In diesem Sinne werden in vorliegenden Ausgabe der Schriftenreihe der

Polizei-Führungsakademie drei Schlaglichter auf des Thema Qualitätsmanagement

geworfen:

Im ersten Abschnitt (Lenk, Brüggemeier, Barthel) werden konzeptionelle

Erweiterungen und insbesondere verwaltungswissenschaftliche Begründungen

für ein Qualitätsmanagement in der Polizei diskutiert; dies in

durchaus kritischer Absicht, denn die erste Phase der Auseinandersetzung

mit diesem Thema war noch allzu sehr gekennzeichnet durch ein Industrie-

und Fertigungsdenken, dass die polizeilichen Arbeits- und Organisationswirklichkeit

zu wenig berücksichtigte.

Im zweiten Abschnitt (Wloch, Heller, Ritsert, Priebe) werden Methoden

präsentiert, die im alltäglichen Qualitätsgeschäft in der Polizei entwickelt

und erprobt wurden.

Im dritten Abschnitt (Lehmann, Wernthaler, Barthel) werden Implementationsprozesse

in einer Behörde und in einer Basis-Dienststelle dargestellt

und dabei deutlich gemacht, dass Führungskräfte nicht nur mit den

Bausteinen eines polizeilichen Qualitätsmanagements vertraut sein sollten,

sondern sich darüber hinaus als Organisationsentwickler in der Führungsrolle

verstehen sollten.

4 5

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine