Verwaltungsausschuss und Sportausschuss vom 09.04 ... - Stuttgart

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Verwaltungsausschuss und Sportausschuss vom 09.04 ... - Stuttgart

Zur Zukunft: Das Stadion Festwiese sollte so ausgebaut werden, dass es für

nationale Leichtathletik-Veranstaltungen geeignet ist. Ich denke hier an die

Bundesjugendspiele und auch an 'Jugend trainiert für Olympia'. Die alte Tribüne nur

zu sanieren, wäre falsch. Notwendig wäre vielmehr, eine neue Tribüne zu bauen und

auch die Platzzahl von jetzt 5.000 deutlich zu erhöhen.

Wir haben Verständnis für den VfB, dass er eine Fußballarena für internationale

Spiele braucht. Es wäre aber besser gewesen, wenn wir neben dem

Leichtathletik-Stadion eine eigene Arena gebaut hätten. Aber das war vielleicht aus

Kostengründen nicht möglich. Der Bürger hat einen Anspruch darauf, auch andere

Sportarten außer Fußball zu erleben. Falsch ist es, dem Fußball den absoluten

Vorrang vor der Leichtathletik zu geben. Profifußball ist eine kommerzielle

Veranstaltung; wir sollten ihn daher nicht mit öffentlichen Mitteln unterstützen.

Aus meinen Ausführungen können Sie sicher entnehmen, dass wir den

Beschlussvorlagen nicht zustimmen werden."

StRin Küstler (DIE LINKE.):

"Mag sein, dass eine Großstadt wie Stuttgart eine Fußballarena genauso braucht

wie ein gutes Opernhaus. Und die Stadt hat zur Aufgabe sicherlich auch die

Sportförderung. Aber bei der heutigen Grundsatzentscheidung muss man fragen, ob

die Stadt Stuttgart sich diesen Stadionumbau so leisten kann und will, wie es hier

vorgeschlagen wird. Muss die Stadt tatsächlich Beträge von über 100 Mio. € aus den

letzten Jahren abschreiben und jetzt erneut 60 Mio. € für den Umbau allein

zugunsten des Profifußballs ausgeben, während andere Sportarten den Kürzeren

ziehen? Ist das Image der Stadt Stuttgart wirklich vom Stadionumbau abhängig? Ich

glaube nicht. Ich denke vielmehr, dass die Fußballfans an der Spitze der

Stadtverwaltung ihre Wahrnehmung und ihre eigenen Interessen mit denen der

Gesamtstadt verwechseln.

Es gibt meiner Ansicht nach keine zwingenden Gründe für den Umbau. Und

eigentlich will die Stadt diesen Umbau auch nicht, wenn man auf die

Stadtgesellschaft schaut und nicht auf die VfB-Fans in der Verwaltungsspitze und

auf die Fraktionschefs. Wenn Sie eine Umfrage machen würden, was die

dringendsten Probleme der Bevölkerung sind, dann würden Sie hören: Kita-Plätze

und Schulen, Verkehr, Lärm und Feinstaub. Der VfB würde auch vorkommen, aber

erst ganz weit hinten. Herr Föll, Herr Wölfle, Herr Kanzleiter, Sie verwechseln Ihre

Interessen mit den Interessen der Stadt, und es ist Ihre spezielle Form des

Populismus, zu glauben, mit der bedingungslosen Unterstützung des Profifußballs

könnten Sie die Kommunalwahl für sich beeinflussen.

Sie könnten sich leicht ausrechnen, wie viele Schulpavillons Sie hätten erneuern und

wie viele Kita-Plätze Sie hätten einrichten können, wie viel Sie für den

Wohnungsbau hätten tun können mit den zig Mio. €, die für den Stadionumbau

schon ausgegeben wurden, jetzt zum Teil vernichtet werden und wieder ausgegeben

werden sollen. Ausgaben für die Bildung, für unsere Kinder, für die

Wohnungssituation, zur Bekämpfung der Armut - das wäre zukunftsichernd und

nachhaltig gewesen.

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