PROTOKOLL ZUR JURYSITZUNG - D&K drost consult

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PROTOKOLL ZUR JURYSITZUNG - D&K drost consult

PROTOKOLL ZUR JURYSITZUNG

am 25. Juli 2007

Konkurrierendes Gutachterverfahren

BID WANDSBEK MARKT

Gestaltung der Nebenflächen des Zentrums Wandsbek Markt

in Hamburg Wandsbek

ausgelobt durch den

City Wandsbek e.V.

im Einvernehmen mit der

Freien und Hansestadt Hamburg

letztere vertreten durch

das Bezirksamt Hamburg Wandsbek

die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt


Konkurrierendes Gutachterverfahren

BID WANDSBEK MARKT

in Hamburg Wandsbek

Das Gremium der Jurysitzung tritt um 10.00 Uhr in den Räumlichkeiten des Bezirksamtes Wandsbek –

Schloßstraße 60, 22041 Hamburg – zusammen.

Herr Uwe Drost vom verfahrensbegleitenden Büro D&K drost consult heißt zunächst die anwesenden

Teilnehmerinnen und Teilnehmer willkommen und erläutert im Anschluß kurz den Hintergrund und die

Intention dieser Zusammenkunft. Ziel ist es, im Rahmen bzw. im Ergebnis der Jurysitzung eine Empfehlung

an den City Wandsbek e.V. auszusprechen, mit welchem der Verfahrensbeiträge aus fachlicher

Sicht die Umsetzung des BID Wandsbek Markt tragfähig scheint und eine breite Unterstützung gegeben

ist.

Anschließend begrüßt Frau Cornelia Schroeder-Piller, die Bezirksamtsleiterin des Bezirksamtes Wandsbek,

die Anwesenden. Sie geht in ihrer weiteren Ausführung auf die Bedeutung des Planareals als „das

Herz Wandsbeks“ ein und betont den Wunsch, an diesen zentralen Ort noch mehr Publikum binden zu

wollen. Im Rahmen des angehenden BID Verfahrens ist das Plangebiet in den Blickpunkt des städtischen

Interesses gerückt und es bietet sich die große Chance, das Profil des gesamten Stadtteils weiter zu

stärken. Damit dieser Image- und Bedeutungsgewinn vollzogen werden kann, stellt sie abschließend das

erklärte Ziel des Bezirkes heraus, gemeinschaftlich mit den privaten Initiatoren und den übrigen städtischen

Vertretern die Idee des BID Wandsbek Markt in die Realität umzusetzen.

Herr Prof. Jörn Walter, Oberbaudirektor, greift diesen Gedanken auf und erklärt dem Gremium das er froh

sei, dass City Wandsbek e.V. hierfür die Initiative ergriffen habe. Hintergrund ist der Umstand, in der Gesamtstadt

eine Vielzahl an Orten vorzufinden, die in den vergangenen Jahren nicht gebührend berücksichtigt

wurden, gerade auch vor dem Hintergrund eines zunehmend knapper werdenden Finanzrahmens.

Seiner Ansicht nach kann die Hoffnung der Initiatoren bestärkt werden, durch die angestrebten

Baumaßnahmen höhere Besucherfrequenzen zu generieren. Evaluationen anderer städtischer Projekte

stützen diese Annahme. Prof. Walter betont seine Zuversicht, trotz der augenscheinlich schwierigen Ausgangslage,

diesem wichtigen Ort, als einem der Haupt- bzw. Bezirkszentren, positive Entwicklungsimpulse

geben und ihn nachhaltig stärken zu können.

Herr Holger Gnekow, Vorsitzender des City Wandsbek e.V., legt den 22 Monate andauernden zeitlichen

Rahmen dar, in dem sich die privaten Initiatoren engagieren und sich bereits ihr Wille bekräftigten konnte

private Gelder gemeinschaftlich in den öffentlichen Raum zu investieren, so dass der Standort insgesamt

gestärkt werden kann. Ausschlaggebend sind die vielfältigen Konkurrenzszenarien und -standorte die

allesamt zu Lasten des Standortes Wandsbek Markt gehen und Besucheraufkommen und Kaufkraft abziehen

(können), wie beispielsweise das in Sanierung befindliche Einkaufzentrum Hamburger Straße.

Seiner Ansicht nach wird es daher entscheidend für die zukünftige Entwicklung des Plangebietes sein,

sich nicht lethargisch äußeren Einflüssen hinzugeben, sondern aktiv die Initiative zu ergreifen und frühzeitig

eigenständige Qualitäten zu generieren, die Standortvorteile schaffen. Diese Sachverhalte zugrundelegend

verweist er auf die Unabdingbarkeit, im Rahmen dieser Veranstaltung, einen Entwurf zu küren,

der es vermag, die restlichen Grundeigentümer zu vereinen und so die nötige Zustimmung zur Realisierung

des BID Wandsbek Markt zu mobilisieren.

Herr Karl-Heinz Ulmen, Leiter der Stadtplanungsabteilung des Bezirksamtes Wandsbek, ergänzt abschließend,

dass seitens des Bezirkes alle entsprechenden Vorbereitungen getroffen wurden. Er gehe

davon aus, dass ein positiver Senatsbeschluss zur Errichtung des BID Wandsbek Markt erfolge und einer

zeitnahen Umsetzung nichts entgegenstehe.

Es sind zur Jurysitzung erschienen:

Stimmberechtigte Jurymitglieder

Prof. Jörn Walter Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Oberbaudirektor

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BID WANDSBEK MARKT

in Hamburg Wandsbek

Cornelia Schroeder-Piller Bezirksamt Wandsbek, Bezirksamtsleiterin

Karl-Heinz Ulmen Bezirksamt Wandsbek, Leiter der Stadtplanungsabteilung

Axel Lohrer Freischaffender Landschaftsarchitekt, München

Bertel Kehlet Bruun Freischaffender Landschaftsarchitekt, Hamburg

Juliane Timmermann Mitglied des Planungsausschusses der Bezirksver-

sammlung Hamburg Wandsbek (SPD)

Antje Leinemann City Wandsbek e.V.

Michael Epping City Wandsbek e.V.

Rasmus Niebuhr City Wandsbek e.V.

Thomas Reimer City Wandsbek e.V.

Holger Gnekow City Wandsbek e.V.

entschuldigt fehlen:

Klaus Jaerisch Bezirksamt Wandsbek, Dezernent für Wirtschaft Bauen und

Umwelt

Berater

Michael Rink BSU, Referent des Oberbaudirektors

Martin Schmitz Bezirksamt Wandsbek, Fachamt für Stadt- und Landschafts-

Planung, Leiter der Abteilung übergeordnete Planung

Stephan Tressl Bezirksamt Wandsbek, Fachamt für Stadt- und Landschafts-

planung

Hans Martin Schweier Bezirksamt Wandsbek, Beauftragter für Wirtschafts- und

Beschäftigungsförderung

Frithjof Büttner BSU, Amt für Landes- und Landschaftsplanung

Michael Kuhlmann Handelskammer Hamburg, Bereich Starthilfe und

Unternehmensförderung

Bernd Wegner Otto Wulff Bauunternehmung GmbH & Co. KG

Sebastian Binger City Wandsbek e.V.; Helmut-Schmidt-Universität, Institut für

Marketing

Nicole Fehrmann City Wandsbek e.V.

entschuldigt fehlen:

Volker Augener Landesbetrieb für Strassen, Brücken und Gewässer; Verkehrssteuerung,

öffentliche Beleuchtung, Parkraumbewirtschaftung

Ausführung öffentliche Beleuchtung

Rainer Dehne Landesbetrieb für Strassen, Brücken und Gewässer; Verkehrssteuerung,

öffentliche Beleuchtung, Parkraumbewirtschaftung

Friedrich Wilhelm Ritzmann Bezirksamt Wandsbek, Leiter Fachamt Management des

öffentlichen Raumes

Peter Schmeck Schmeck Ingenieurgesellschaft mbH

Verfahrenskoordination/Organisation

Uwe Drost D&K drost consult, Hamburg

André Westendorf D&K drost consult, Hamburg

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BID WANDSBEK MARKT

in Hamburg Wandsbek

Die Fraktionen der GAL und CDU möchten darauf hinweisen, dass ihnen eine Teilnahme an der Jurysitzung

nicht möglich war, da die Einladungsunterlagen sie durch einen Zustellungsfehler bei der postalischen

Versendung nicht erreicht haben.

Herr Uwe Drost bestätigt die Vollzähligkeit und Entscheidungskompetenz der Jury. Den Vorsitz des Gremiums

übernimmt der freischaffende Landschaftsarchitekt Herr Axel Lohrer.

Die Protokollführung übernimmt Herr André Westendorf, D&K drost consult.

Alle anwesenden Personen geben die Versicherung zur vertraulichen Behandlung der Beratungen und

erklären weiterhin, das Ergebnis im Anschluss ebenfalls bis zur Grundeigentümerversammlung vertraulich

zu behandeln.

ERGEBNISSE DER VORPRÜFUNG

Die Ergebnisse der Vorprüfung sind in einem Vorprüfbericht zusammengefasst, der Aufschluss über die

formalen Kriterien gibt und einen vergleichbaren Überblick über alle Arbeiten gewährleistet. Für jede Arbeit

werden auf jeweils vier DIN A4 Seiten die stichwortartigen Vorprüfungsergebnisse der Sachverständigen

sowie die faktischen Überprüfungen und Ausschnitte der Planzeichnungen dargestellt. Die Vorprüfung

erfolgte anhand der in der Auslobung formulierten Kriterien.

Alle fünf eingeladenen Landschaftsarchitekturbüros haben ihre Arbeiten fristgerecht eingeliefert.

Der geforderte Leistungsumfang wurde im Wesentlichen bei allen Arbeiten erbracht.

Aus formalen Gesichtspunkten besteht kein Anlass für die Vorprüfung, den Ausschluss eines Verfahrensbeitrages

von der Jurysitzung zu empfehlen.

Folgende Vorbemerkungen wurden im Rahmen der Vorprüfung durch Herrn Bernd Wegner, Otto Wulff

Bauunternehmung GmbH & Co. KG, zum Budgetrahmen bzw. dessen Einhaltung durch die verschiedenen

Verfahrensbeiträge getroffen. Aufgrund ihrer Entscheidungsrelevanz sollen sie im Vorwege kurz dargelegt

werden:

Der vorgegebene Budgetrahmen liegt bei 2,3 Mio. Euro netto - ohne Baunebenkosten. Aufgrund unterschiedlicher

Flächenermittlungen wurden bei der Kostenaufstellung durch die Verfasserinnen und Verfasser

deutlich divergierende Gesamtkosten angegeben. Zur Gewährleistung einer Vergleichbarkeit erfolgte

eine Umlegung der Kostenansätze und -punkte auf eine gemittelte Durchschnittsfläche. Bereits hiernach

zeigt sich, dass die Büros Bendtfeld Herrmann Franke sowie arbos Landschaftsarchitekten den gegebenen

Budgetrahmen um rund 150.000 Euro bzw. 100.000 Euro überschreiten.

Nachdem die Kosten für die Baustelleinrichtung und den Abbruch vereinheitlicht sowie offensichtliche

Fehler und augenscheinlich zu geringe Kostenansätze korrigiert wurden, ohne jedoch einzelne Kostenpositionen

(z.B. für die Beleuchtung) detailliert und abschließend prüfen zu können, lässt sich im Ergebnis

festhalten, dass die Beiträge von den Büros Bendfeldt Herrmann Franke und gartenlabor landschaftsarchitekten

den Kostenrahmen mit 2,7 Mio. Euro bzw. 2,75 Mio. Euro deutlich überschreiten (etwa 25%

Mehrkosten im Vergleich zu den angegebenen Kosten). Die Beiträge der Büros arbos Landschaftsarchitekten

und Kontor Freiraumplanung überschreiten den Kostenrahmen mit 2,5 Mio. Euro bzw. 2,45 Mio.

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Euro geringfügiger. Lediglich das Büro WES & Partner Landschaftsarchitekten hat mit 2,25 Mio. Euro den

Kostenrahmen eingehalten bzw. sogar unterschritten.

Herr Sebastian Binger, City Wandsbek e.V., legt anschließend die im Vorfeld ermittelten Konsequenzen

zum einen hinsichtlich eines möglichen Ersatzes der Peitschenleuchten dar, zum anderen gibt er stellvertretend

für Herrn Volker Augener, Landesbetrieb für Strassen, Brücken und Gewässer, die formulierten

Vorbemerkungen zur Straßenbeleuchtung wieder:

Im Vorwege untersucht und entsprechend in der Auslobung gefordert, ist vom Ersatz der Peitschenleuchten

generell abzusehen, da in diesem Fall der BID Wandsbek Markt neben dem reinen Austausch vor

allem auch für den Betrieb und den Unterhalt der Straßenbeleuchtung aufkommen muss. Dieses würde

das zur Verfügung stehende Budget erheblich belasten und andere Investitionen ausschließen. Zwei

Verfahrensbeiträge sehen eine Installation von neuem bzw. zusätzlichem Straßenlicht vor. Wesentlich ist

hierbei, dass die spotartigen Lampen des Entwurfes vom Kontor Freiraumplanung nicht genehmigungsfähig

sind. Bei den vorgeschlagenen, verhältnismäßig kleinen Lichtquellen, die die vorhandenen Peitschenlampen

vollständig ersetzen sollen, kann eine Blendwirkung nicht ausgeschlossen werden, zumal

sie nicht senkrecht zum Boden gerichtet sind. Beim Entwurf des Büros gartenlabor landschaftarchitekten

kommen ergänzend ebenfalls alternative Straßenlampen zum Einsatz. Diese sind prinzipiell genehmigunsgfähig,

aufgrund der insgesamt umfangreichen, weil zusätzlichen Beleuchtung des Straßenraumes

sind aber erhebliche Mehrkosten (Erschließung, Installation, Betrieb und Unterhalt) zu erwarten. Die übrigen

Verfahrensbeiträge sehen keine Beleuchtung vor, die in direktem Widerspruch zu den städtischen

(Sicherheits-)Interessen steht, generell ist aber eine Diskussion hinsichtlich Art und Umfang der Beleuchtung

sinnvoll.

INFORMATIONSRUNDE

Gegen 10.30 Uhr beginnt die Informationsrunde, in der primär die freiraumplanerischen und funktionalen

Grundzüge der Arbeiten ausführlich und wertfrei vorgestellt werden, städtebauliche und architektonische

Belange werden ergänzend dargelegt. Während dieser Vorstellung werden vom Gremium Rückfragen

zum Verständnis der Entwurfsidee und detaillierte Fragen in Bezug auf die Darstellung erörtert. Nach

dem Informationsrundgang beginnt die Jury ihre Beratung mit der Besprechung der Wettbewerbsaufgabe

und des Bewertungsverfahrens.

BEWERTUNG DER ARBEITEN

Um 10.50 Uhr beginnt der Wertungsrundgang mit einer kritischen Beurteilung der Arbeiten. Dabei wird

zunächst jeder der Verfahrensbeiträge von einem Mitglied des Gremiums vorgestellt und dann im Kreise

der Jury unter Feststellung von Vorzügen, gelungenen Planungsansätzen sowie grundsätzlichen und

schwerwiegenden Mängeln kurz diskutiert.

Die Entwürfe der Büros Bendfeldt Herrmann Franke und gartenlabor freiraumplanung werden aufgrund

von Defiziten auf konzeptioneller Ebene in einzelnen Prüfbereichen einstimmig ausgeschlossen.

Beurteilung der ausgeschiedenen Arbeiten:

Bendfeldt Herrmann Franke

Der Verfahrensbeitrag sieht eine stark zonierte und im Wesentlichen lineare Gliederung des Boulevards

vor. Die helle und freundliche Materialwahl und die prinzipielle Anmutung der Flächen kann das Gremium

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in Hamburg Wandsbek

in Teilen überzeugen. Generell problematisch wird der Umgang mit den gewonnenen Flächen gesehen.

Die geschaffenen Freiräume werden durch zahlreiche Möblierungselemente wieder besetzt und so

schwer nutzbar. Außerdem kann das vorgeschlagene Möblierungskonzept in seiner Ausgestaltung das

Gremium nicht überzeugen.

Zusätzlich wird die beliebige, da aus der ansonsten stringent eingehaltenen Linearität ausbrechende

Bepflanzung der Bäume in Abschnitt 3 als fragwürdig eingestuft. Das kostenintensive Lichtkonzept kann

nur schwer kalkuliert werden und die zahlreichen Pflanzkübel lassen einen hohen Pflegeaufwand mit

entsprechenden Folgekosten erwarten.

gartenlabor landschaftsplanung

Der Verfahrensbeitrag versucht durch die dunkle Materialwahl den Kontrast zu den umliegenden Räumen

auszubilden und im Speziellen den Wandsbeker Markt räumlich zu fassen. Die zugrundeliegende Idee

durch eine markante Pflasterung Aufsehen zu erregen und diese mit hellen Intarsien zu durchsetzen,

gefällt einem Teil der Jury. Generell wird aber die extrem dunkle Farbe der angedachten Pflasterung kritisch

gesehen, vor allem aufgrund der großflächigen Verwendung sieht sich das Gremium veranlasst, die

räumliche Wirkung im Zusammenhang mit womöglich schlechten Lichtverhältnissen zu Bedenken zu

geben. Als problematisch wird zudem erachtet, dass einzelne Teile der gezeigten Flächen (östlich des

Wandsbeker Marktplatzes) ohnehin nicht zum Verfahrensgebiet gehören und unter Umständen der Teilbereich

3 ebenfalls aus der Gesamtmasse des BID gelöst wird. Vor diesem Hintergrund wird die zugrundeliegende

Entwurfsidee nicht erlebbar, da sie nur rudimentär ausgebildet werden kann und die starken

Kontraste und Brüche scheinbar willkürlich verlaufen bzw. ihre Grenzen ausbilden.

Darüber hinaus ist das Beleuchtungskonzept sehr kostenintensiv, die vorgeschlagene Fontäne auf der

Verkehrsinsel nicht umsetzungsfähig und einzelne unberücksichtigte Positionen lassen weitere Kostengruppen

entstehen, so dass abschließend eine Kalkulation erschwert wird, der Entwurf aber als sehr

teuer eingestuft werden muss. Insgesamt ist die Kalkulation als mangelhaft zu bewerten.

Der Wertungsrundgang endet um 11.15 Uhr.

Es verbleiben drei Arbeiten in der engeren Wahl. Die Verfahrensbeiträge der Büros arbos Landschaftsarchitekten,

Kontor Freiraumplanung und WES & Partner Landschaftsarchitekten werden ausführlich von

den Jurymitgliedern diskutiert.

Beurteilung der verbliebenen Arbeiten:

arbos Landschaftsarchitekten

Der Verfahrensbeitrag schlägt einen überwiegend hellen Belag vor und nimmt zusätzlich eine starke,

lineare Gliederung vor, die sehr konsequent innerhalb des gesamten Bereiches durchgehalten wird. Das

Gremium diskutiert die konzeptabhängige Verengung des Boulevards kontrovers. Auf der einen Seite

wird diese verkaufsfördernd und insofern positiv gesehen, als dass eine eindeutige Orientierung für die

Passanten möglich wird. Auf der anderen Seite ist der zur Verfügung stehende Raum ohnehin mit etwa

vier Metern recht schmal bemessen, die gewünschte Großzügigkeit eines Boulevards kann also nur mit

Einschränkungen erzielt werden, demzufolge wird die teilweise vorsätzliche Reduktion der zur Verfügung

stehenden Fläche in Abschnitt 3 über eine zweite Baumreihe durch die als Jury sehr kritisch bewertet.

Probleme sieht die Jury außerdem bei dem „Terrazo-Belag“. Die Gefahr im Laufe der Zeit einen unansehnlichen

„Flickenteppich“ zu erhalten kann nicht ausgeschlossen werden. Das Beleuchtungskonzept

findet Gefallen, ist jedoch sehr umfangreich und kostenintensiv dimensioniert. Bedenken begründen sich

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entsprechend aus den zu erwartenden Instandhaltungs- und Betriebskosten. Die Raseninseln zwischen

den Abschnitten 2 und 3 sieht die Jury kritisch, ein hoher Pflegeaufwand wird nötig sein, die erwünschte

Wirkung/Optik zu erzielen bzw. erhalten zu können.

Kontor Freiraumplanung

Der Verfahrensbeitrag nimmt hauptsächlich Bezug auf den Wandsbeker Marktplatz, die farbliche Ausprägung

wird fortgeführt. Generell findet der Entwurf, der ebenfalls eine lineare Gliederung vorsieht und einen

Alleecharakter mit Doppelpflanzungen schafft, Gefallen. Grundlegende Mängel sind jedoch zu verzeichnen,

die eine Umsetzung praktisch ausschließen und deren Nacharbeitung mit dem ursprünglichen

Konzept nur schwer vereinbar zu sein scheinen. Von der Jury kritisch gesehen und hier zu nennen, sind

zum einen die Kennzeichnung des Fahrradweges, die als unzureichend und nur als schwer lesbar eingeschätzt

wird, die Ausbildung des Parkplatzes vor der Haspa und das Beleuchtungskonzept. Die Parkplatzfläche

soll als sogenannter „shared-space“ ausgebildet werden, also eine weitestgehend offene,

barrierefreie, zusammenhängende Fläche. Erfahrungen mit diesen Konzepten zeigen jedoch in der Praxis,

beispielsweise am Neuen Wall, dass eine solche Großzügigkeit mit immensem Personalaufwand

teuer erkauft werden muss, um die verschiedenen Verkehre zu ordnen und zu reglementieren. Das Beleuchtungskonzept

ist ambivalent zu betrachten. Während die integrierten Banner als Bereicherung und

deutliche Markierung des BID betrachtet werden, die Ablesbarkeit im Raum also erhöhen, können die

Lampen nicht überzeugen. Sie sind in ihrer Gestalt nicht genehmigungsfähig, da sie eine Blendwirkung

erzeugen können. Außerdem benötigen die hohen Masten eventuell zusätzliche Fundamente und die

Betriebskosten dürften relativ hoch sein, da an jedem Mast drei Leuchtkörper installiert werden sollen,

zudem widerspricht der Abbau der Peitschenlampen den Anforderungen der Auslobung.

WES & Partner Landschaftsarchitekten

Der Verfahrensbeitrag schlägt eine weitestgehend reduzierte, hierdurch aber aufgeräumte, großzügige

und einheitliche Gestaltung vor, die sich farblich zudem an dem bestehenden Wandsbeker Marktplatz

orientiert. Das Ziel, welches bei der Jury Gefallen findet, ist die Stärkung des Alleecharakters bei gleichzeitiger

Klarheit und Vereinfachung der Raumbezüge. Möblierungselemente werden konsequent in einer

alternierenden Reihe mit Bäumen und Parkplätzen angeordnet. Der Raumgewinn für den großzügigen

Boulevard wird hierdurch maximiert.

Das Beleuchtungskonzept kann die Jury nur bedingt überzeugen, es nimmt sich, der übrigen Gestaltung

entsprechend, stark zurück. Primär sollen die alleebildenden Bäume mittels Bodenleuchten angestrahlt

werden. Die Jury moniert in diesem Fall speziell die eingeschränkte Ablesbarkeit des BID-Bereiches während

der hellen Tageszeiten und die unzureichende Beleuchtung der Fußgängerbereiche.

EMPFEHLUNG DER JURY

Die Jury empfiehlt dem City Wandsbek e.V. einstimmig, den BID Wandsbek Markt auf Grundlage der

Arbeit von WES & Partner Landschaftsarchitekten zu konzipieren und im Rahmen der weiteren Bearbeitung

und den anstehenden Abstimmungsprozessen das Konzept zu optimieren. Folgende Kriterien

haben die Jury letztendlich bewogen diese Entscheidung auszusprechen:

- Die Ausbildung eines Alleecharakters wird als starkes und zugleich einfaches Element erachtet, welches

die Kraft hat, die verschiedenen Bereiche funktional wie räumlich miteinander zu verbinden.

- Die gewonnene, großzügige Boulevardfläche bietet flexibel nutzbare Räume. Die Integration von

beispielsweise Außengastronomie ist problemlos möglich.

- Der Entwurf bietet insgesamt eine gute und solide Basis, auf der aufbauend anstehende Optimierungen

vorgenommen werden können.

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- Außerdem verspricht dieser Beitrag als einziger eine kostendeckende Realisierung, da das Budget

nicht vollends ausgeschöpft wurde und die Kostenschätzung dezidiert alle zu erwartenden Posten

berücksichtigt.

Unter Berücksichtigung der allgemeinen Erfordernisse des Stadtraumes, wie sie sich im Zuge der Diskussion

herauskristallisierten und der angesprochenen Kritikpunkte am Entwurf im Speziellen, formuliert

die Jury nachfolgende Anregungen zur Überarbeitung, die zu einer weiteren Qualitätssteigerung beitragen

können. Der Entwurf sollte hinsichtlich folgender Aspekte überarbeitet werden:

- Generell sollte die Führung und Ausbildung des Radweges überdacht und dahingehend modifiziert

werden, eine eindeutige Zonierung vorzunehmen, die klar ablesbar ist und konfliktfrei verläuft. Die

kontrovers diskutierten Erfahrungen beim Jungfernstieg legen nahe, dass eine alternative, straßenbegleitende

Trassierung gewinnbringend ist und diese Form auch vom ADFC (Allgemeinen Deutschen

Fahrrad-Club e.V.) präferiert wird. Die Berücksichtigung dieses Aspektes wird aufgrund einschlägiger

Erfahrungen an anderen Orten der Stadt von Oberbaudirektor Prof. Walter dringend empfohlen.

- Das Aufstellen der Bänke direkt an der B 75 sollte überprüft werden.

- Für die weitere Planung wird dem City Wandsbek e.V. dringend empfohlen die Materialwahl für den

Boulevard zu prüfen. Entscheidend ist, dass die bislang vorgesehenen Betonsteine aufgrund ihrer

Farbe und Beschaffenheit sehr reinigungsintensiv sind. Erfahrungen zufolge ist eine Nassreinigung

an hochfrequentierten Bereichen, wie dem des zukünftigen BID Wandsbek Markt, mindestens einmal

pro Woche mit den entsprechenden Kosten nötig. Prof. Walter rät, die zu veranschlagenden Kosten

einer Betonsteinpflasterung inklusive der nötigen Reinigung einer alternativen Pflasterung mit resistenteren

Granitsteinen gegenüberzustellen. Die anfänglichen Investitionskosten werden zwar höher

liegen, eine Nivellierung bzw. Kostenangleichung über einen Zeitraum von etwa fünf Jahren (BID

Laufzeit) scheint aber möglich.

- Es sollte noch stärker versucht werden entwurfsabhängige Alleinstellungsmerkmale zu generieren,

die vor allem auch tagsüber erlebbar/ablesbar sind.

- Vor diesem Hintergrund ist insbesondere auch das Beleuchtungskonzept zu überarbeiten. Eine sich

im Kostenrahmen bewegende, stärkere Akzentuierung sollte angestrebt werden, die außerdem versucht

die Leuchtelemente höher zu platzieren. Vorgeschlagen wird eine Leuchte mit 2 Strahlern, die

neben der Baumkrone auch den Boden anstrahlt und so den Fußweg besser ausleuchtet.

- Generell wird darauf hingewiesen, dass bei der Ausführung die alleebildenden Bäume eine gewisse,

noch zu prüfende Größe nicht unterschreiten sollten, damit die Stärken des Entwurfes zur Geltung

kommen können.

Der Vorsitzende entlastet die Vorprüfung. Er dankt der Ausloberin und der Jury für die gute Zusammenarbeit.

Herr Holger Gnekow bedankt sich beim Gremium für die fachmännische Unterstützung und zielführende

Beratung, er denkt, dass der City Wandsbek e.V. ein starker Entwurf anhand gegeben wurde

und blickt voller Zuversicht den anstehenden Entscheidungen entgegen. Abschließend bekräftigt Frau

Cornelia Schroeder-Piller diese Einschätzung, unterstreicht die Tragfähigkeit des Entwurfes und sichert

nochmals die volle Unterstützung des Bezirkes zu. Die Sitzung wird um 12.10 Uhr geschlossen.

Das Protokoll ist mit dem Vorsitzenden der Jury abgestimmt.

26. Juli 2007

D&K drost consult, Hamburg

Anlage: Unterschriften der Jurysitzung

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