Wie junge

edudoc.ch

Wie junge

Die regelmaßige Information des Deutschen Jugendinstituts Heft 27, Herbst 1993

BULLETIN

Wie junge

m

INFû-PARTNER


Das Deutsche Jugendinstitut e V. ist ein außer-

universitares sozialwissenschaftliches Forschungs-

institut Seine Aufgaben sind anwendungsbezoge-

ne Grundlagenforschung uber die Lebensverhalt-

nisse von Kindern, Jugendlichen und Familien,

Initiierung und wissenschaftliche Begleitung von

Modellprojekten der Jugend- und Familienhilfe so-

wie sozialwissenschaftliche Dienstleistungen. Das

Spektrum der Aufgaben liegt im Spannungsfeld

von Politik, Praxis, Wissenschaft und Offentlich-

keit Das DJI hat dabei eine doppelte Funktion:

Wissenstransfer in die soziale Praxis und Politik-

beratung einerseits, Ruckkopplung von Praxiser-

fahrungen in den Forschungsprozeß andererseits.

Trager des 1963 gegrundeten Instituts ist ein ge-

meinnutziger Verein mit Mitgliedern aus Institutio-

nen und Verbanden der Jugendhilfe, der Politik

und der Wissenschaft. Dem Kuratorium des DJI

gehoren Vertreter des Bundes, der Lander, des

Tragervereins und der wissenschaftlichen Mitar-

beiter des DJI an. Das DJI hat acht Forschungsab-

teilungen (Jugendhilfe; Jugend und Arbeit; Ju-

gend und Politik; Madchen- und Frauenforschung,

Familie/Familienpolitik; Kinder und Kinderbetreu-

ung; Medien und neue Informationstechnologien;

Sozialberichterstattung/Dokumentation und

Methodik) in Munchen und Außenstellen in Frank-

furt/M und Leipzig. Von den 120,5 unbefristeten

Stellen (1 993) sind 80 mit Wissenschaftlern be-

setzt Der institutionelle Etat von ca. DM 17 Millio-

nen wird uberwiegend vom Bundesministerium

fur Frauen und Jugend finanziert, im Rahmen von

Proje k tforde ru ng a us M i ttel n der Bu ndesm i n iste-

rien fur Familie und Senioren sowie fur Bildung

und Wissenschaft. Weitere Zuwendungen kom-

men von den Bundeslandern und Institutionen der

Wissenschaftsforderung .

" Herausgeber und Erscheinungsort Deutsches Jugendinstitut

I. '

, e V (DJI), FreibadstraRe 30, D-81503 Munchen. Tel (089)

.,?: .. 62306-244 Presserechtlich verantwortlich Prof Dr Ingo

;i::,. .. Richter Redaktion Richard Rathgeber Visuelle Gestaltung/

-.. .' Layout Erasrni & Stein, Munchen Druck und Versand

3 . ' '. I. : Presse-Druck- und Verlags-GmbH Augsburg ISSN 0930-7842

'

Namentlich gezeichnete Beitrage geben die Meinung der

Autoren wieder Nachdruck unter Quellenangabe und gegen

Belegexeinplare gestattet Kostenloser Bezug auf schriftliche

Anforderung an die Redaktinnsanschrift Geben Sie bei einer

Adreßanderung bitte auch Ihre alte Anschrift an Die Adressen

der Bezieher des DJI-BULLETIN sind in einer EDV-Adreßdntei

gespeichert Das DJI-BULLETIN erscheint viernial irr Jahr

Fotos in diesem Heft- Volker Derlath, Munchen Zeichnung

. . S 213 Egbert Greven. Penzberg

Kinderbetreuung Dossier

an Hochschulen

Kinder an die

Uni! 3

Wie junge

Frauen leben

wollen 10

Erzie hu ngs beratung

Sexueller Nachrichten 14

Mißbrauch: ein

))Rand problem«? 4 Neu e rsc heinu n-

Erzieherinnen in den neuen

Bundesländern

))Wir wenden

uns immer

noch!« 6

DJI-Handbücher

Was für Kinder 7

D J I -Reg ion al daten bank

Ländlich leben -

ein Nachteil? 8

gen 15

-


Kinderbetreuung

an Hochschulen

Kinder an die

Uni!

Eine DJl-Studie geht der

Frage nach, wie bisher

dem spezifischen Bedarf

von Studierenden und

Hochschulbescha ftigten an

Kinderbetreuung entspro-

chen wird und welche For-

men und Modelle es ati

Hochschulen und im Um-

feld von Hochschulen gibt

n deutschen Hoch-

schulen haben 8 %

der Studierenden aller

Fachrichtungen mittlerweile

Kinder. »Studieren mit

Kind(ern)« ist eine neue

Lebensform geworden und

wird nicht mehr nur als

))Notlage(( gesehen. Immer

mehr junge Paare planen

ihren Nachwuchs bewußt

schon in der Ausbildungs-

phase. Sie wollen Studium

und Kind(er) verbinden und

ihre Flexibilitat in dieser

Zeit fur Familienaufgaben

A

nutzen, ohne auf eine Qua-

lifikation verzichten zu mus-

sen. Außerdem erhoffen

sie sich gunstigere Start-

Chancen im Beruf, wenn

die Kinder aus dem Grob-

sten heraus sind. Studie-

rende Eltern fordern mehr

und mehr ein, was eigent-

lich selbstverstandlich sein

sollte namlich bedarfsge-

rechte Kinderbetreuungs-

moglichkeiten an den

Hochschulen, die eine

wichtige Voraussetzung fur

die Vereinbarkeit von Stu-

dium und Familie sind.

Studierende haben einen

anderen Betreuungsbedarf,

aber auch andere Potentia-

le als z B berufstatige El-

tern. Sie sind einerseits

starker angewiesen auf fle-

xible und langere Offnungs-

Zeiten der Einrichtungen

und auf niedrige Elternbei-

trage, andererseits konnen

sie sich manchmal in star-

kerem Maße engagieren

als Berufstatige und zeigen

haufiger eine hohe Bereit-

schaft, Kinderbetreuungs-

einrichtungen selbst mitzu-

gestalten.

Der geringe Frauenanteil an

der Hochschullehrerschaft

verweist darauf, daß Kinder

und eine akademische Kar-

riere kaum zu vereinbaren

sind. Wissenschaftlerinnen

arbeiten in der Regel unter

befristeten Vertragen und

stehen unter dem an der

Universitat ublichen Qualifi-

kationsdruck Sie geben

ihre beruflichen Plane hau-

fig auf, wenn zu den hohen

fachlichen Anforderungen

hinzukommt, daß sie Lo-

sungen fur die Betreuung

ihrer Kinder finden mussen

Di e U nive rsi ta t en unterst ut-

zen sie bislang kaum dabei,

obwohl sie nach dem

Hochschulrahmengesetz

dazu verpflichtet sind, auf

die Beseitigung der Nach-

teile von Wissenschaftlerin-

nen hinzuwirken. Die Hoch-

schulrektorenkonferenz

sieht in der Bereitstellung

von Kinderbetreuungsmoglichkeiten

einen wichtigen

Beitrag dazu, Wissenschaftlerinnen

mit Kindern zu unterstutzen

Zugleich wird in

diesem Bereich weiterhin

ein erheblicher Mangel

festgestellt.

Hochschulangehorige haben

einen spezifischen

Arbeitsrhythmus durch Semesterzeiten,

Praktika, Prufungen

und Qualifizierungsphasen.

Das bedeutet einerseits,

daß sie ihre Arbeitszeit

großenteils frei

einteilen konnen, andererseits

aber auch, daß sie oft

noch abends durch Seminare

und ahnliche Veranstaltungen

gebunden sind. Hinzu

kommt, daß die Strukturen

und damit verknupfte

Anforderungen sich von

Fachbereich zu Fachbereich

un te rsc he ide n . Dies e rf ordert

andersartige und vielfaltigeKinderbetreuungsangebote,

die von bestehenden

Einrichtungen nicht abgedeckt

werden.

Seit Juni 1993 wird am DJI

im Auftrag des Bundesministeriums

fur Bildung und

Wissenschaft ein Forschungsprojekt

zur Situation

der Kinderbetreuung

an Hochschulen durchgefuhrt.

Ziel der Untersuchung

ist zunachst eine

qualitative Bestandsaufnahme:

Wie organisieren Studierende

und Hochschulmitarbeiterinnen

und mitarbeiter

die Betreuung ihrer

Kinder? Wo und in welcher

Form gibt es Kinderbetreuungseinrichtungen

an den

Hochschulen? Welche Modelle

haben sich bewahrt?

Dazu werden betroffene Eltern

~ Studierende und

Hochschulbeschaftigte -

sowie Vertreter der Hoch-

schulen, der Studentenwer-

ke und anderer Trager

hochschulnaher Kinderbe-

treuungseinrichtungen an

ausgewahlten Standorten

befragt. Ihr Wissen und

ihre Erfahrungen uber sinn-

volle padagogische Konzep-

te, Organisationsformen

und Finanzierungsquellen

sollen einfließen in eine

Dokumentation uber die Si-

tuation der Kinderbetreu-

ung an den Hochschulen

Die Ergebnisse der Recher-

chen werden erganzt und

vertieft durch theoretische

Uberlegungen zu den Op-

tionen verschiedener pad-

agogischer Konzepte und

Organisationsformen fur

Einrichtungen, die an dem

spezifischen Bedarf von

Hochschulangehorigen wie

auch an den Bedurfnissen

der Kinder orientiert sind.

Berucksichtigt werden auch

die jeweiligen rechtlichen

Bestimmungen, Finanzie-

rungsmoglichkeiten und

Rahmenbedingungen fur

die Trager, die von Bundes-

land zu Bundesland ver-

schieden sind

Aus den Uberlegungen und

Erfahrungen wird ein pra-

xisorientierter Leitfaden

entwickelt, der es weiteren

Elterngenerationen und po-

tentiellen Tragern erleich-

tern soll, neue Einrichtun-

gen im Hochschulbereich

zu initiieren

Irene Hardach-Pinke,

Petra Strehmeí,

Anna Winner


4 Kurzberichte

i. 3 0 - :

Ir

,)

Erziehungsberatung

Sexueller

Mißbrauch: ein

))Rand problem«?

lm Rahmen einer Fragebogenerhebung

an samtlichen

Erziehungsbera tungsstellen

in katholischer Tràgerscha f t

(insgesamt 282) in den alten

Bundeslandern im Jahr

1990 wurde am DJl unter

anderem auch der Frage

nachgegangen, in wie weit

das Problem feld des sexuellen

Mißbrauchs von den

Beratungsstellen aufgegnffen

wird, welche lnterventionen

sie zur Verfugung

haben, welche Besonderheiten

dieses Problemfeld

gegenuber allen anderen

Problem feldern von Kindern

und Jugendlichen aufzeigt.

S

exueller Mißbrauch ist

aufgrund dieser Daten

eher ein ))Randproblemu

in der Erziehungsberatung:

aus Beratersicht

wurden nur 89 von 5633

erfaßten Fallen unter diesem

Begriff eingestuft, das

sind 1.6% Trotz dieser

niedrigen Zahl geben 17 %

(31 von 187 antwortenden

Beratungsstellen) an, daß

der )) sexuel le M i ß brauch ((

in ihrer Arbeit ein besonderes

neues Problemfeld darstellt

))Sexueller Mißbrauch((

scheint demnach

ein Problemfeld zu sein,

das sich aufgrund der zahlreichen

Fortbildungen in

den letzten Jahren im Bewußtsein

der Beraterinnen

und Berater festgemacht

hat, in der Praxis der Erziehungsberatungcstellenjedoch

sehr selten diagnostiziert

wird. Wie in zahlreichen

anderen Studien be-

trifft auch in dieser

Untersuchung erwartungs-

gemaß sexueller Miß-

brauch hauptsachlich Mad-

chen: in 69 der 89 Fälle. Im

Vergleich zu anderen Unter-

suchungen wurde in der

DJ I-Untersuchung eine

deutl ic h junge re Altersg ru p-

pe mißbrauchter Kinder er-

faßt: während in einer re-

trospektiven Befragung be-

troffener Studenti nne n u nd

Studenten das Durch-

schnittsaher bei etwa 11,5

Jahren liegt (vgl. Bange,

Dirk Die dunkle Seite der

Kindheit, Koln 19921, sind

in der DJI-Untersuchung

fast die Halfte der Kinder

zwischen 4 und 10 Jahren

alt (vgi. Tab. 1).

Tabelle 1 Alter der Kinder und Ju-

gendlichen. die den vom DJI uii-

tersuchten Erziehungsberatungs-

stellen 1990 als Opfer sexuellen

Mißbrauchs bekannt wurden

Jungen und

Madchen in YO

0-3 Jahre 1

4-6 Jahre 23

7-1 O Jahre 24

11-13 Jahre 17

14-17 Jahre 19

18-27 Jahre 17

N= 89

Die Befragungen von Be-

troffenen bringen hier of-

fensichtlich andere Ergeb-

nisse als die Befragung von

Fachleuten an Institutie

nen. Betroffene selbst wol-

len und konnen sich meist

schwer an Ereignisse der

fruheren Kindheit erinnern.

Beratungsinstitutionen hin-

gegen haben hier ein ande-

res nGedachtnis( : sie er-

kennen das Problemfeld

))sexueller M i ß bra u c h (( sehr

viel fruher Das bedeutet

aber auch, daß den Erzie-

hungsberatungsstellen eine

wichtige Funktion in der

Pravention zukommt, weil

sie in einem fruhen Sta-

dium, in denen Kinder emo-

tional und kognitiv noch gar

nicht in der Lage sind, das

Geschehen zu erfassen, tä-

tig werden konnen.

Daß es leichter fur die Kin-

der und Jugendlichen ist,

sich mit dem, was ihnen

angetan worden ist, ausein-

anderzusetzen, wenn die

Situation beendet ist, zei-

gen folgende Zahlen: Ein

relativ hoher Anteil der

mißbrauchten Kinder und

Jugendlichen, die in die Be-

ratung kommen, leben

nicht mehr in ihren Fami-

lien (etwa 29%); bei allen

anderen Problemlagen liegt

dieser Anteil nur bei etwa

7 Yo

Entgegen sonstigen Annah-

men, daß sexueller Miß-

brauch vor allem in Stieffa-

milien vorkommen wurde -

in unserer Erhebung be-

tragt der Anteil dieser Falle

knapp 8% -, stammt im-

mer noch ein erheblicher

Teil der Falle an den von

uns befragten Erziehungs-

beratungsstellen aus Kern-

familien (28 %). Sexueller

Mißbrauch als Problemfeld

in der Erziehungsberatung

ist nach unseren Ergebnis-

sen auch das Problem der

Kleinfamilie, die sich nach

außen hin abschottet.

Fur diese ))Abschottungs-

these(( gibt es weitere Be-

funde und Hinweise:

Kinder und Jugendliche, die

wegen Mißbrauchs in der

Beratung sind, haben vor

allem als Folgeprobleme

und Symptome psychische

Storungen: dies untersche.

det sie deutlich von allen

anderen Pro bl emg ru p pen.

Berater und Beraterinnen

geben hier bei der Frage

nach den Vorstellungsgrun-

den kaum Aggressionspro-

bleme, kaum Leistungspro-

bleme oder Familien-

Schwierigkeiten an Zu uber

80 O/O werden hier psychi-

sche Probleme benannt

oder diagnostiziert.


Tabelle 2 Symptome und Folge-

problerne der von) sexuellen Miß-

brauch betroffenen Kinder und Ju-

gendlichen im Vergleich zu allen

anderen Problernlagen an den

vom DJI untersuchten Erziehungs-

beratungsstellen (Angaben in ge-

rundeten Prozent)

sexuel- alle

ler Miß- anderen

brauch Problem

lagen

Aggressionen

und familiareSchwierigkeiten

Leistungs-

9 30

problerne

Leistungs- und

Familiencchwie-

6 26

rigkeiten

-ychische

5 9

oblerne 81 36

N= 89 5544

Sexueller Mißbrauch fuhrt

aus Beratersicht nicht zu

nach außen hin sichtbaren

sozialen Anpassungsproble-

men, sondern zu massiven

innerpsychischen Belastun-

gen, die sich in Angsten,

Depressionen, psycho-

somatischen Beschwerden

außern. Auffallig ist hier

auch, daß die uMißbrauchs-

familien((, die in die Erzie-

hungsberatung kommen,

offensichtlich nach außen

hin keine dramatischen, au-

ßerlich sichtbaren, sozial

^,ffalligen Probleme haben,

uie sie als Vorstellungs-

grund benennen oder die

vom Berater oder Beraterin

d iag nos t i zie rt werden .

Trotz aller Vorsicht, die wir

aufgrund der niedrigen Fall-

zahl bei der Interpretation

unserer Daten haben mus-

sen, ergeben sich deutliche

Hinweise auf die differen-

zierten Hilfeformen, die Er-

ziehungsberatungsstellen

im Problemfeld )>sexueller

Mißbrauch« anbieten mus-

sen fur die außerhalb des

Elternhauses lebenden Kin-

der und Jugendlichen mus-

sen Beratungsstellen als

))Zuflucht(( und weitere HiI-

fe offenstehen Sie mussen

aber auch denjenigen Kin-

dern helfen, die (noch)

nicht die Mißhandlung the-

matisieren konnen oder

wollen und sich in psychi-

sche Symptome fluchten,

den inneren Ruckzug antre-

ten Als besonders wichti-

ges Aufgabenfeld sind die

Falle zu nehmen, bei denen

die (kleinen) Kinder noch in

den Familien leben Hier

mussen Ansatzpunkte ge-

schaffen werden, die es

den Beratungsstellen er-

moglichen, eine klare, auf

Beendigung der Miß-

brauchssituation abzielende

I n te rven t ionsst ra teg ie zu

verfolgen Das bedeutet

auch, daß die Beratungs-

stelle fur die Kinder noch

da sein muß, wenn sich die

Eltern aufgrund des Miß-

brauchs getrennt haben In

jedem Fall muß sie eine

Anlaufstelle bleiben, die

klare Orientierungen fur die

Kinder bietet.

Maria Kurz-Adam

Das Projekt ))Erziehungsberatung

in) faniilialen Wandel11 wurde in

Kooperation mit der Katholischen

Bundesarbeitsgerneinschaft Bera-

tung durchgefuhrt und vom Bun-

desministeriurn fur Familie und

Senioren gefordert

Kurzberichte 5


Erzieherinnen in den neuen

Bundesländern

))Wir wenden

uns immer

noch ! ((

Geburtenruckgang, Abbau

von Platzen /n Kindertages-

emrich tungen, Entlassungs-

wellen beim padagogischen

Personal, Finanzierungseng-

passe in den kommunalen

Haushalten - dies sind

Rahmenbedingungen der

beruflichen Neuorientierung

von Erzieherinnen, die

durch die Zuordnung von

Krippen, Kindergarten und

Horten zur Jugendhilfe vor

vollig neue professionelle

Anforderungen gestellt

werden.

D

as DJ I-Projekt )) Qualifizierung

von Erzieherinnen

in den neuen

Bundeslandernu, das vom

Bundesminister fur Bildung

und Wissenschaft gefordert

wird, untersucht, wie Erzieherinnen

den beruflichen

und biographischen Umbruch

bewaltigen, welches

))Schlusselthemen(( der inhaltlichen

und organisatorischen

Neugestaltung der

Arbeit sind und welche Arbeitsformen

sie mit Kindern,

Eltern und in ihren

Teams entwickeln. Kooperationspartner

des Projekts

sind Erzieherinnen und

Fachberaterinnen in Mecklenburg-Vorpommern

und

Sachsen, die sich im Rahmen

regionaler Arbeitskreise

uber einen langeren

Zeitraum hinweg treffen

und dabei uber ihre Erfahrungen

berichten. Da sich

Forschungs- und Fortbildu

ngsf ragen u bersch neiden,

wird im Projekt auch

gefragt, inwieweit dieser

gegenseitige Informationsund

Erfahrung saustausc h

unter Kolleginnen selbst zur

geforderten Werterqualifi-

zierung in diesem Arbeits-

feld beitragen kann

Ein Ergebnis der bisherigen

Recherchen war: Erziehe-

rinnen in den neuen Bun-

deslandern erleben in der

Phase des beruflichen Um-

bruchs Ambivalenzen, die

die geforderte berufliche

Neugestaltung der padago-

gischen Arbeit erschweren

Die vehemente offentliche

Kritik an der DDR-Padago-

gik, die Auflage der soge-

nannten n Nachqualifizie-

rung zur staatlich anerkann-

ten Erzieherin(( und die in

den Augen vieler Erziehe-

rinnen geringere gesell-

schaftliche Wertschatzung

ihrer Arbeit in der neuen

BRD haben Spuren im be-

rufsbezogenen Selbstwert-

gefuhl hinterlassen und be-

eintrachtigen eine notwen-

dige Auseinandersetzung

mit der fruheren Berufspra-

xis Besonders verunsi-

chernd wirkt sich der gra-

vierende Geburtenruckgang

aus Platzabbau durch

Schließung bzw Zusam-

menlegung von Einrichtun-

gen und die damit verbun-

denen Entlassungen bedro-

hen besonders die junge-

ren Mitarbeiterinnen in

ihrer beruflichen Existenz

und uberschatten alle in-

haltlich-konzeptionellen Dis-

kussionen zur Veranderung

der padagogischen Arbeit.

Die unsicheren beruflichen

Zu kunftsperspektiven be-

deuten nicht nur individuel-

le Belastungen Sie ver-

schlechtern auch das Klima

in den Einrichtungen, er-

zeugen Angst und Konkur-

renzdenken und erschwe-

ren die Entwicklung koope-

rativer Arbeitsformen.

Gleichzeitig besteht bei vie-

len Erzieherinnen ein gro-

ßes Interesse an Moglich-

keiten der beruflichen Wei-

terqualifizierung, das durch

die vorhandenen Fortbil-

dungsangebote der Ju-

gendamter derzeit nicht ab-

gedeckt wird. Daran andern

auch die nNachqualifizie-

rungsmaßnahmenu wenig,

die zwar uberall angeboten

werden, aber in der Bewer-

tung der meisten Erziehe-

rinnen ihrem Anspruch

nicht gerecht werden, theo-

retische und praktische Hil-

fen fur die Arbeit mit Kin-

dern bzw. Jugendlichen un-

terschiedlichen Alters zu

bieten

In der Prioritatenskala ganz

oben rangieren Fortbil-

dungsangebote mit psycho-

logischen bzw. psychoana-

lytischen Themen und Fra-

gestellungen sowie Ange-

bote, die sich mit veran-

derten Formen der Kom-

munikation und Koopera-

tion im Team und mit El-

tern befassen Erziehen n-

nen wunschen sich vor

allem mehr Kompetenzen

im sozial-kommunikativen

Bereich und außern haufig:

))Das mussen wir erst noch

lernen eine angst- und

konkurrenzfreie Gesprachs-

situation (mit Eltern, Tra-

gern, im Team) herstellen,

unterschiedliche Auffassun-

gen und Positionen tolerie-

ren, nicht vorschnell bewer-

ten und in gemeinsamen

Aushandlungsprozessen zu

einem tragfahigen Konzept

kommen.(( Insofern ware

zu hoffen, daß es kunftig

mehr und langerfristig an-

gelegte Qualifizierungsmog-

Iichkeiten fur Erzieherinnen

geben wird, die nicht nur

punktuelle Angebote ma-

chen, sondern den großen

Bedarf an einem kontinuier-

lichen Austausch uber kon-

krete Praxisfragen in ein

prozeßorientiertes Netz von

Fortbildungsmaßnahmen

einbetten.

Das Projekt hat im August

‘93 ein Info-Heft mit ersten

Ergebnissen zu Fragen de

bisherigen Berufspraxis,

der Eltenarbeit, Teamarbeit,

dem Problem der ))Uberal-

terunga des Personals so-

wie zu Rahmenbedingun-

gen in den Einrichtungen

herausgegeben Die Verof-

fentlichung kann kostenlos

bei der Abteilung VI des

DJI angefordert werden.

Irene Berger

Susanne Pelzer


DJI-Handbücher

Was für Kinder

Mit ))Was fur Kinder(( legt

das DJI das dritte Hand-

buch in der Trilogie )) Kind-

heit, Jugend, Familie(( vor

D

ie Idee entstand vor

zehn Jahren: das DJI

sollte im Auftrag des

Bundesministeriums fur Jugend,

Familie und Gesundheit

zum Internationalen

Jahr der Jugend 1985, ein

Handbuch zum Thema

-lugende vorlegen. Es soll-

.; zeigen, was sich bei den

Jugendlichen und im gesellschaftlich

relevanten

, Umfeld geandert hat und

was konstant geblieben ist.

Mit dem Jugendhandbuch

entstand die Idee, nach

und nach die zentralen Forschungsbereiche

des DJI in

wissenschaftlichen und

dennoch gut lesbaren Darstellungen

abzubilden. Das

Vorhaben spricht sich leichter

aus, als es zu realisieren

ist, denn Forschung,

Praxis und Politik drucken

sich in je eigenen Fachjargons

aus, und es ist fur die

Redaktion manchmal sehr

muhevoll, daraus eine allgemeinverstandliche

Sprache

zu machen

Bisher sind folgende Hand-

bucher erschienen. 1985.

))Immer diese Jugend - Ein

zeitgeschichtliches Mosaik

von 1945 bis heute((. 1988:

))Wie geht’s der Familie?

Ein Handbuch zur heutigen

Situation von Familienu und

als letzter Baustein in die-

ser Dreiheit erschien nun

das Handbuch mit dem

vieldeutigen Titel ))Was fur

Kinder Aufwachsen in

Deutschland«

Die Reihe der Handbucher

ist mit diesen drei Banden

sicher noch nicht abge-

schlossen. So ließen sich

die bisherigen Handbuch-

titel auch auf die Madchen-

und Frauenforschung an-

wenden : )) Immer diese

Madchen(( - oder ))Was fur

Frauen? ((

Die Titel der Handbucher -

fur die Redaktion ubrigens

eine schwierige, aber auch

lustvolle Geburt - verraten

bereits ein zentrales Anlie-

gen ihrer Konzeption: die

Spiegelung verbreiteter

Vorurteile und Klischees

und ihre Uberwindung

durch die Konfrontation mit

der Vielfalt kindlicher, ju-

gendlicher und familialer

Lebenslagen und Befind-

lichkeiten. Schnell und ger-

ne werden ja in der Offent-

Iichkeit uber Familien, Ju-

gendliche und Kinder Pau-

schalurteile gefallt ())die

Kinder sitzen nur noch vor

dem Fernseher((), Schwie-

rigkeiten in den Lebens-

situationen individualisiert

())die Jugendlichen wollen

auch gar nicht arbeiten


- -

8 Kurzberich te

DJI-Regionaldatenbank

Ländlich leben -

ein Nachteil?

In den neuen Landern lebt

ein Viertel der Bevolkerung

in Landgemeinden, in den

alten Landern leben dort

nicht einmal 6 %. Landkrei-

se mit niedriger Bevolke-

rungsdichte sind meist be-

nachteiligt, wenn es um of-

fentliche Einrichtungen

geht

m DJI-Familien-Atlas wird

gezeigt, daß sich die

Lebens bedi ngu ngen und

-verhaltnisse in Deutsch-

land sehr unterscheiden

und unter anderem von

den Orten und Regionen

abhangig sind Landliche

Gemeinden klagen immer

wieder uber eine Benach-

teiligung an offentlichen

Einrichtungen, da ihnen

aufgrund ihrer niedrigen

Einwohnerzahl das Geld da-

fur fehlt. Stutzungspro-

gramme der Lander konnen

dafur nicht immer einen

Ausgleich schaffen Eine

Landgemeinde, die in ei-

nem insgesamt dichter be-

siedelten Kreis liegt, hat zu-

mindest die Chance, an of-

fentlichen Einrichtungen in

zumutbarer Nahe zu partizi-

pieren. Aber wie sieht es

aus, wenn ein Kreis groß-

tenteils aus derartig be-

nachteiligten Landgemein-

den besteht? Eine regiona-

le Darstellung bevorzugter

bzw. benachteiligter Gebie-

te allein durch die durch-

sc hnittl ic he E i nwo h ne rd ich-

te ist also zu wenig. Sie

sagt nichts daruber aus,

wie die Siedlungsstruktur

eines Kreises ist, d. h., aus

welchen Gemeindegroßen-

klassen sich ein Kreis uber-

wiegend zusammensetzt.

Eine Landgemeinde im Ein-

zugsgebiet eines urbanen

Zentrums bietet andere Le-

bensbedingungen als eine

gleichgroße Gemeinde in

einem uberwiegend aus

Landgemeinden zusam-

mengesetzten Kreis.

In der Karte sind außer der

durchschnittlichen Einwoh-

nerdichte der Landkreise

auch deren Anteil an Land-

gemeinden dargestellt.

Kreisfreie Stadte wurden

nicht berucksichtigt

der neuen Länder insge-

samt der Anteil an Landge-

meinden sehr hoch ist. Es

gibt keinen Landkreis ohne

Landgemeinden und nur

sehr wenige mit einem An-

teil unter 50%. Ahnliche

Verhaltnisse findet man in

den alten Landern nur in

Schleswig-Holstein und

Rheinland-Pfalz.

Verwaltungsgliederung Kreise Kreisfr Land- Gemeinden

am 31 Dezember 1991 insges Stadte kreise

Alte Lander 328 91 237 8 502

Neue Lander 21 5 26 189 7 594

Bundesgebiet 543 117 426 16096

Bevölkerung in Mio.

Alte Lander 64.5 22.0 42,5 64.5

Neue Lander 15.8 5.2 10.6 15.8

Bundesgebiet 80.3 27.2 53.1 80.3

Die am schwachsten besie-

delten Kreise liegen in der

Heide- und Moorlandschaft

der norddeutschen Tiefebe-

ne, in Mecklenburg-Vor-

Pommern, im Harz, im Ha-

velland und im Gebiet der

Niederlausitz in Sudbran-

denburg, im Gebiet der

Eifel, der Oberpfalz, des

Bayerischen Waldes und in

den Randgebieten entlang

der ehemaligen innerdeut-

schen Grenze

Betrachtet man die Vertei-

lung des Anteils an Landge-

meinden, so fallt zunachst

auf. da13 in den Landkreisen

Unsere Karte ermoglicht

die Synthese von Einwoh-

nerd ic h te und La ndg emei n-

denanteil, wobei man zu

dem Ergebnis kommt, daß

es die unterschiedlichsten

Kombinationen zwischen

den beiden Faktoren gibt.

Eines der Extreme sind

Landkreise mit einer niedri-

gen Einwohnerdichte, ver-

bunden mit einem hohen

Anteil an Landgemeinden.

Von diesen kann man an-

nehmen, daß sie infrastruk-

turell benachteiligt sind.

Solche Landkreise machen

einen Großteil der Kreise in

Tabelle: Bevölkerung 1871-1991 nach Gemeindegrößenklasse in %

Gemeinden 1871 1925 1950 1970 1991

nach Einwohnerzahl BRD alte neue

Lander Lander

Landgemeinden

wenigerals 2000

Landstadte

63.9 35.6 25.5 18.7 9.4 5.6 26.1

2000-5000

Kleinstadte

12.2 10.8 11.7 11.2 9,l 8.6 11.4

5000- 20 O00

Mittelstadte

11.2 13.1 16.5 18,9 23.8 25.2 17.2

20 O00 - 1 O0 O00

Großstadte

7.7 13.7 15.5 18.8 25.5 25.7 24.5

mehr als 1 O0 000 4,8 26.8 31.1 32.4 32,2 34.8 20.9

Quelle Statistisches Jahrbuch fur das Deutsche Reich 1930

Statistisches Jahrbuch deutscher Gemeinden 1992

Bundesinstitut fur Bevolkerungsforschung, Die Bevolkerung der

Bundesrepublik Deutschland

den neuen Landern aus.

Das andere Extrem sind die

Landkreise mit hoher Ein-

wohnerdichte und einem

niedrigen Landgemeinden-

anteil, zu finden vor allem

in den starker industriali-

sierten Gebieten von Nie-

dersachsen, Nordrhein-

Westfalen, Hessen, des

Saarlands und von Baden-

Wurttemberg. Insgesamt

sehr heterogen sind die

Bundeslander Bayern und

Niedersachsen. Hier treten

viele der moglichen Kombi-

nationen von Dichte und

Landgemeindenanteil auf,

oft in unmittelbarer Nach-

barschaft.

An diesem Beispiel kann

man erkennen, daß bereit: --

einfache Faktoren wie Ein-

wohnerdichte und Sied-

lungsstruktur eine deutliche

regionale Differenziertheit

der Kreise und Bundeslan-

der zeigen.

In die DJI-Regionaldaten-

bank werden zur Zeit die

amtlichen Kreisdaten der

neuen und alten Lander fur

das Jahr 1991 aufgenom-

men, wobei die inhaltlichen

Schwerpunkte nach wie

vor die Bereiche Kinder,

Ehe und Familie, Bevolke-

rung, Infrastruktur, Bildung,

soziale Sicherheit, Jugend-

hilfe, Wohnungsbestand,

Bautätigkeit, Risiken, Ein-

kommen und Wohlstand,

Erwerbstatigkeit sowie Da-

ten zur Wirtschaftsstruktur

sind.

Hiltrud Bayer,

Renate Bauereiss

Hans Bertram, Hiltrud Bayer,

Renate Bauereiss Familien-Atlas

Lebenslagen und Regionen in

Deutschland Karten und Zahlen

Leske + Budrich. Opladen 1993

240 Seiten. Großformat Kart

48,- DM


Kurzberichte 9

Bevölkerungsdichte und Anteil der Landgemeinden in den Landkreisen

Quelle DJI-Regionaldatenbank

DJI

Anleil der Landgemeinden

an den Gemeinden am 31.12 1991

Keine Land-

gemeinden

unter 50 %

50 - 80 %

81-99%

Einwohner pro qkm

am 31.12.1991

unter 100

I(

100-200

n

401 und mehr II

œ

Kreislreie Sladte


Wie junge

krauen

leben wollen

Barbara KeddilMathilde Kreill

Gerlinde Seidenspinner

Welche Lebensschwerpunkte und Le-

bensentwurfe, weiche Wunsche und

Zukun ftsvorstellungen außeri eine

Generation von Frauerl, die nicht

mehr einern einheitlichen Lebenspian

folgt, fur die sich mehr und neue

Quaiifikations- und Beru fswege eroff-

net und deren Optionen im Bereich

der Lebens fuhrung zugenommen ha-

ben? Wie stehen die Chancen, daß

D

ie Frauen haben ihre Berufsausbildung

abgeschlossen und noch

keine Kinder, befinden sich also

in einer Lebensphase, in der wichtige

biographische Entscheidungen und

grundlegende Schritte fur ihr zukunftiges

Leben anstehen, die vor allem

den Aufbau einer selbstandigen Existenz

betreffen und eine Auseinandersetzung

mit kunftigen Zielen und

Lebensschwerpunkten einschließen.

Die Abklarung der Lebensplane bezieht

sich auch auf die individuelle

Gewichtung einzelner Lebensbereiche.

Eine Vergleichstudie lauft in

Sachsen.

Auffallend ist, daß die eigene Unabhangigkeit

bei den befragten jungen

Frauen sowohl in der aktuellen Lebenssituation

als auch in den Lebensentwurfen

eine große Rolle spielt.

Immer wieder klingt an, daß sie fur

ihr kunftiges Leben ihre Eigenstandigkeit

und derzeit bestehende Freiraume

bewahren mochten in dieser

Konzeption einer eigenstandigen Lebensfuhrung

werden die eigene langfristige

Erwerbstatigkeit und die Bedeutung

von Freiraumen in der Partnerbeziehung

betont.

))Familie mit Berufstatigkeit nebenbei.

Irgendwie in einer partnerschaftlichen

Beziehung, mit vielen Freunden auch.

Und in einer Offenheit, mit eigenen

Interessen und auch mal mit ganz anderen

Interessen {(

))Ich spiele Fußball Da konnte ich nie

drauf verzichten. Auch wenn der Partner

es nicht so toll findet Das nimmt

mir keiner U

Sich als eigene Person zu fuhlen und

zu verhalten, ist den Frauen sehr

wichtig. Dazu gehort auch, den eigenen

Weg zu finden:

))Ich bin eigentlich im Moment noch

so, daß ich mir standig uberlege: wo

ist mein Weg? Weil ich glaube, jeder

hat irgendwo seinen Weg zu finden

im Leben und da kann keiner Ratschlage

geben. ( . .) Und das kann ich

nur damit erreichen, wenn ich mich

auch mit mir selbst beschaftige und

wenn ich mich auch frage, was willst

du eigentlich? Und da bin ich im Moment

eigentlich dran. . .« (junge Frau,

die sich mit einer Boutique selbstandig

machen mochte)

In dieser Hinsicht grenzen sich die

jungen Frauen auch bewuBt von ihren

Muttern ab. Das von den meisten

Muttern vorgelebte Lebensmuster

war und ist in ihrer Einschätzung

nicht Eigenstandigkeit und Abstecken

eigener Bereiche in Familie und Be-

_-_- __ ---~- - . ___


uf, sondern vor allem ein starkes

Eingehen auf die Bedurfnisse und

Wunsche der Familienmitglieder Die

Mutter haben nach Meinung der ]un-

gen Frauen zu wenig ihr eigenes Le-

ben gelebt Sie selbst wollen das

nicht so machen - obwohl sie einrau-

men, daß die Mutter trotzdem mit ih-

rem Leben zufrieden sind, weil sie

))so erzogen wurden(( und ))nichts an-

deres kennenlernten ((.

Balance zwischen Autonomie ...

Vor allem in der Auffassung von

weiblichem Leben werden die Unter-

schiede zwischen der Mutter- und

der Tochtergeneration deutlich.

))Sie hat schon ihre Wunschvorstel-

-\ungen ausgesprochen, die laßt sie

auch jetzt noch los, wo ich laufend

Reibereien habe, weil sie sich eben

vorstellt, daß man heiraten sollte und

Kinder kriegen sollte und das ist fur

sie das Gluck auf Erden., . Und wenn

ich ihr dann erzahle, da13 ich mir ei-

gentlich was anderes unter dem Le-

ben vorstelle und nicht das, was sie

als gut empfindet, das versteht sie

halt einfach nicht.(( (junge Frau aus

einer landlichen Region uber ihre

Mutter)

Als neues Element in den Lebensent-

wurfen ist ebenfalls zu werten, daß

die Frauen haufig betonen, wie wich-

tig es ist, das Leben zu genießen, et-

was, das traditionell eher Mannern

vorbehalten war.

))Mit vierzig mochte ich schon drei

-Kinder haben, mochte aber trotzdem

noch in die Arbeit gehen. Ich mochte

schuldenfrei sein und mochte es an-

standig genießen, das Leben. Ich

mochte nicht, daB das alles ein

Zwang wird. Das ist das Wichtigste,

nicht daß es ein Muß wird ((

Es werden Anforderungen an das

spatere Leben gestellt, die auch der

Verwirklichung eigener Interessen

und Bedurfnisse dienen.

))Freiraume brauchte ich schon auch

also, daß man das Kind zur Oma

bringt oder so und mit dem Partner

nach Paris fahrt und irgendwie in ein

Picasso-Museum geht oder so Also

solche Freiraume, die auch noch das

Traumen ermoglichen, die dann ir-

gendwo uberm Alltag stehen . . . oder,

daß ich alleine spazierengehe oder

auch mal wieder ein Buch ganz fur

mich lese ((

Deutlich wird auch die Tatsache, daß

sich junge Frauen heute mehr Zeit

lassen bei der Planung und Festle-

gung auf ein spateres Leben und erst

mal verschiedene Moglichkeiten aus-

probieren. Die Familienbildungsphase

wird weiter nach hinten verlagert,

und zwar nicht nur in der Großstadt,

sondern auch auf dem Land und in

der Kleinstadt Die jungen Frauen

wohnen zum Teil allein oder unver-

heiratet mit dem Partner zusammen.

Die Moglichkeiten dazu sind aller-

dings im landlichen Bereich einge-

schrankter als in der Stadt: es gibt

wenig Wohnraum fur Singles oder

junge Paare und noch stark normative

Lebenslaufmuster

... und Bindung

as langfristige Zusammenleben

mit einem Partner steht beim

uberwiegenden Teil der jungen

Frauen, auch bei dem Drittel, das der-

zeit keinen Partner hat, hoch im Kurs

- entgegen allen Individualisierungs-

und Krisentheorien. Am wichtigsten

ist ihnen in einer Partnerschaft Offen-

heit im Umgang miteinander, Vertrau-

en, Ehrlichkeit, uber alles reden zu

konnen sowie Treue; von gleicher Ar-

beitsteilung in Haushalt und Familie

und gleichberechtigter Partnerschaft

gehen sie haufig ganz selbstverstand-

Iich aus Es liegt auf der Hand, daß

ihre Entscheidungen, Planungen und

Perspektiven auch von der Partnerbe-

Ziehung beeinflußt werden, dessen

sind sie sich auch bewußt:

)>Selbstandigkeit bewahren, nicht hin-

term Ofen verkummern . Dann halt

eine gute Beziehung, wo ich sagen

kann, das bereichert mein Leben fur

die Zukunft Ich bin jetzt davon uber-

zeugt, ich heirate nicht, will keine Kin-

der kriegen und lerne dann in 5 Jah-

ren den Mann schlechthin kennen

Der kann mirja alles uber Bord werfen.((

Die Bezogenheit auf Bindungen wird

Frauen nicht selten als Mangel an Ei-

genstandigkeit ausgelegt Sie ist je-

doch, darauf deuten vor allem For-

schungsergebnisse aus der Frauen-

forschung hin (vgi. Flaake/King 19921,

ein wichtiger Teil der weiblichen

Selbstfindung und Personlichkeitsent-

wicklung. Der Wunsch nach Nahe

und guten Kontakten stellt somit ne-

ben dem Anspruch auf eine eigen-

standige Lebensfuhrung den zweiten

Pol im weiblichen Lebensentwurf dar.

Die Kontakte zu den Eltern sind, auch

nach dem Auszug von zu Hause (ein

Drittel wohnt bei den Eltern, vor al-

lem im landlichen Bereich), noch hau-

fig und auch wichtig. Die Eltern, vor

allem die Mutter, werden um Rat ge-

fragt und in das eigene Leben einbe-

zogen Die Ablosung von den Eltern

wird teils sehr behutsam, mit haufi-

gen Besuchen, realisiert, um diesen

Prozeß gerade fur die Mutter nicht zu

heftig zu gestalten. Die meisten der-

jenigen, die von zu Hause ausgezo-

gen sind, betonen, daß die Beziehung

besser wurde, weil viele alltagliche

Reibungspunkte wegfielen und die El-

tern den Auszug als eindeutiges Zei-

chen der Abgrenzung der Tochter ak-

zeptierten. Gerade den eigenen Mut-

tern gegenuber scheint es den

jungen Frauen zufolge schwierig zu

sein, Grenzen zu ziehen und eine ei-

gene Identitat zu entwickeln.

Das Bedurfnis nach guten und befrie-

digenden Beziehungen wird auch

durch ein Netz von guten Freundin-

nen, seltener werden Freunde ge-

nannt, verwirklicht. Fast alle Frauen

betonen die Bedeutung eines guten

Freundschaftcnetzes Besonders fur

Frauen auf dem Land scheinen die

Freundinnen ein wichtiger Faktor der

eigenstandigen Lebensfuhrung und

ein Gegengewicht zu Familie und El-

tern zu sein. Der gegenseitige Aus-

tausch von Problemen, Planen und

Erlebnissen und die Unterstutzung

bei Krisen sind in der Beziehung zur

besten Freundin besonders wichtig.

Es werden sehr intime Dinge - bei-

spielsweise bei Problemen in der

Partnerschaft - besprochen:

n.. . dann kann man auch darauf bau-

en, daß da jemand ist, der einem zu-

hort und auch was zu dem Thema

sagt, das einem hilft. Ja, das ist

schon ganz wichtig.((

Auch spater, wenn sie verheiratet

sind und Kinder haben, wollen die

jungen Frauen ihre Freundschaften

pflegen und nicht nur auf Partner und

Familie bezogen sein, wie sie es hau-

fig bei ihren Muttern erlebt haben


Die Kontakte zu Kolleginnen und Kol-

legen werden ebenfalls als wichtiger

Bestandteil des eigenen Lebens emp-

funden Hier wird die Doppelfunktion

von Erwerbstatigkeit deutlich, die

zum einen die selbstandige Lebens-

fuhrung, zum anderen soziale Kontak-

te ermoglicht. Manche Frauen kom-

men allerdings dann in Konflikte,

wenn sie Karriereplane verfolgen und

sich dadurch von den ehemaligen

Kolleginnen und Kollegen sozial oder

raumlich entfremden Dies ist fur eini-

ge sogar ein Grund, angebotene Auf-

stiegsmoglichkeiten auszuschlagen

viel reise und einen großen Bekann-

tenkreis habe Ich kann mir aber auch

vorstellen, daß ich dann verheiratet

bin und Kinder habe, aber trotzdem

nach außen gehe Die Prioritaten

weiß ich jetzt noch nicht.

Das SelbstbewuBtsein, mit dem ein

eigenes Leben eingefordert wird,

klingt immer wieder durch

))Ich glaube, man muß sich selbst

den großten Stellenwert geben, man

muß schon immer versuchen, sein ei-

genes Leben trotzdem noch zu leben,

auch wenn man sich anpassen muß

Aber wie gesagt, man soll sich nicht

ganz anpassen.((

Wie beides verwirklichen?

U

m beide Pole - das Streben

nach Eigenstandigkeit einerseits

und die Orientierung an Bindungen

und Beziehungen andererseits -

unter einen Hut zu bringen, sind haufig

Kompromisse notwendig, die den

Frauen nicht selten als Festhalten an

tradierten Mustern von Bindungen

und mangelnde Individualisierungsbereitschaft

ausgelegt werden Aufgrund

unseres empirischen Materials

laßt sich die These aufstellen, daß

heutige junge Frauen sich in ihrer Lebensplanung

nicht nur in bezug auf

den doppelten Lebensentwurf eine

eigene Position erarbeiten, sondern

daß sie auch ihren ganz eigenen

Weg, ihre ganz eigene Balance zwischen

Loslosung und Bindung, zwischen

Unabhangigkeit und Beziehung

herstellen Die Wege zu einer so ver- Junge Frauen und ihre Partner - wie sie

standenen Selbstandigkeit sind sehr ihr gemeinsames Leben aushandeln

unterschiedlich, die jungen Frauen

mussen individuell entscheiden, wie

W

ie gestaltet sich nun der den

eine Ubereinstimmung mit den eige-

Frauen so wichtige Bereich

nen Gefuhlen und Bedurfnissen zu

der Partnerschaft? Welche

erreichen ist

Vorstellungen entwickeln sie fur das

Das bewußte Abwagen und Durch- Zusammenleben mit dem Partner?

spielen von unterschiedlichen biogra- Wie tauschen sie sich uber das gephischen

Moglichkeiten ist fur Frauen meinsame Leben aus? Wie gehen sie

historisch gesehen relativ neu Bei mit unterschiedlichen Vorstellungen

den von uns befragten Frauen klingen um? Hier ist vor allem aufgrund der

diese Planungselemente immer wie- Forderungen der jungen Frauen nach

der an und werden zum Teil sehr einer eigenständigen Lebensfuhrung

selbstbewußt dargestellt. Sie sind als und einer gleichberechtigten Partner-

Ausdruck von eigenstandiger Lebens- schaft zu erwarten, daß Verhandfuhrung

bzw. dem Streben danach zu lungsbedarf besteht. Um die Partnerwerten.

Beim Abwagen werden bei- schaft nicht nur aus der Frauenperde

Pole, Eigenstandigkeit und Bin- spektive zu erschließen, wurde auch

dung, durchgespielt:

ein Teil der Partner befragt

nlch konnte mir vorstellen, daß ich Ein beherrschender Eindruck aus den

eine alleinstehende Frau bin und ein- Interviews ist die Tatsache, daß nicht

fach . . , eine große Wohnung habe, nur die Frauen, sondern zum Teil

auch die Manner in vielfaltigen Facet-

ten immer wieder die Vorstellung und

den Wunsch zum Ausdruck bringen,

uber alles miteinander reden zu kon-

nen und offene Gesprache im Kon-

fliktfall zu fuhren,

))Ich habe die Einstellung, man muß

offen reden, egal uber was. Man

muß daruber sprechen, muß seine

Meinung sagen.. Das Reden ist

sehr wichtig.(( (Junge Frau)

))Daß man ehrlich zueinander ist und

einfach alles miteinander bespricht,

wenn man auch Probleme hat Wenn

es auch noch so hart ist, es muß ein-

fach sein (( (Junge Frau)

Vor allem die Frauen grenzen sich

ausdrucklich von ihren Eltern ab, die

ihrer Meinung nach zu wenig mitein-

ander geredet haben. Ganz wichtig

ist den jungen Frauen, da& Mei-

nungsverschiedenheiten und Konflik-

te nicht unter den Tisch gekehrt wer-

den Zwei Drittel der Frauen mit Part-

ner gehen ihren Angaben zufolge so

mit Konflikten um Neben diesem

nidealen(( Umgang gibt es noch ein

anderes Muster der Konfliktaustra-

gung. Dabei geht die Initiative zum

Ansprechen und Losen von Konflik-

ten fast immer von der Frau aus; der

Partner hat weniger oder kein Inter-

esse an einer gemeinsamen Ausspra-

che.

Er. ))Ich brauche ziemlich lange, bis

ich auf sie zugehen kann, aber im-

merhin noch am gleichen Tag ja

wir haben heftigen Streit, ich kann

keine Fehler zugeben . . . U

Sie: ))Bei uns ist es so, daß mein

Freund schon so ist, daß man aus


ihm einiges erst rausholen muß Und

dann bin immer ich diejenige, die

nachfragen muß , , . das ist schon ein

bißchen ein Problem manchmal., ,

Mein Freund ist schon eher mehr der

Verschlossene

. ich bin immer die-

jenige, die nachfragen muß es hat

sich jetzt etwas geandert . . man be-

muht sich halt . ((

In einem anderen Fall bricht er,

))wenn’s laut wird((, das Gesprach ab,

und so D. . mussen wir uns halt bei-

de noch mal Gedanken machen und

dann geht’s normal weiter . ((

Man kann davon ausgehen, daß die

allgemein als bekannt angenommene

Tatsache, daß Frauen fruher unter

Beziehungsproblemen leiden, sie

eher ansprechen und einvernehmlich

aufarbeiten wollen als Manner, offen-

bar auch in dieser Lebensphase Gul-

”igkeit hat Das weist aber auch dar-

duf hin, daß sich die jungen Frauen

schwerer damit tun, Konflikte auszu-

halten Im Interview mit einem Part-

ner wird noch ein weiterer Aspekt

der unterschiedlichen geschlechts-

spezifischen Konfliktaustragung deut-

lich, namlich daß der Umgang mit an-

deren Menschen und die Art der Aus-

tragung von Auseinandersetzungen in

sozialen Situationen erlernt wird.

n.. . Ich wurde sagen, ich habe eine

sehr miese Art zu diskutieren. Das

habe ich irgendwie von meinem Va-

ter gelernt Im Beruf hilft das unheim-

lich, ich gewinne Diskussionen mei-

stens. . Die Dorthe hat gesagt, so

kann man gar nicht gewinnen, son-

dern man diskutiert, um die andere

Meinung zu horen Und da hab’ ich

Tesagt, ich diskutiere, um meine Mei-

,lung durchzubringen Sonst macht

es doch keinen Spaß.. . Also mein

Vater hat immer gesagt, Gefuhle zei-

gen heißt Schwache zeigen. Ich bin

eben auch nicht bereit, mich treffen

zu lassen _ _ Und wenn ich dann mal

was von meinem Gefuhlsleben auße-

re, dann meistens sarkastisch. .i(

(Partner einer jungen Frau)

Dagegen außern die jungen Frauen

haufig, daß ihnen gefallt, wie fursorg-

Iich ihre Mutter rnit der Familie um-

gegangen sind. Das wunschen sie

sich selbst auch einmal bei ihrer eige-

nen Familie Es ist zu vermuten, daß

sich hier ganz andere Anforderungen

an Beziehungen und Kommunikation

entwickeln als bei den Partnern. Dies

zeigt sich ubrigens auch darin, daß

die Frauen bei der Darstellung von

Konfliktsituationen eher auf das At-

mospharische und auf Strategien ein-

Dossier

gehen, wahrend die Partner Konflikte

eher uber konkrete Anlasse darstel-

len Generell laßt sich die Konfliktbe-

reitschaft der jungen Frauen dadurch

nicht bremsen, vor allem, wenn es

darum geht, eigene Vorstellungen

durchzusetzen

Männetwelten - Frauenwelten?

I

n unseren Interviews werden nicht

nur unterschiedliche Formen und

Toleranzschwellen bei der Konfliktaustragung

deutlich, sondern es werden

auch von einem Drittel der befragten

Paare unterschiedliche Wahrnehmungen

der Konfliktaustragung

geaußert. Die Tatsache, daß ein und

dasselbe Ereignis von den beiden

Partnern unterschiedlich wahrgenommen

wird, ohne daß sie sich dessen

bewußt sind, zeigt sich auch bei inhaltlichen

Argumentationen. Anstehende

Konflikte werden vielleicht

schon aufgrund dieser Unterschiede

nicht gelost. Die Verallgemeinerbarkeit

liegt nahe. Frauen und Manner

bewegen sich auf unterschiedlichen

Ebenen der Wahrnehmung und Interpretation

Dabei ist das Schaffen einer

gemeinsamen Welt angesichts

vom komplexen und widerspruchlichen

Bedingungen wichtiger denn je,

beispielsweise wenn es um die fur

Frauen so brisante Frage des Kinder-

Wunsches und seiner Bedeutung fur

das weitere Leben geht. Nicht von

ungefahr sind es vor allem Frauen

mit Partner, die nicht genau wissen,

ob sie ein Kind haben wollen.

Auch wenn im Grundsatz eine Ubereinstimmung

im Kinderwunsch bei

den Paaren vorhanden ist, zeigen sich

bei nicht wenigen unterschiede bezuglich

Zeitpunkt und Umsetzung, besonders

wenn es um die Partnerbeteiligung

an der Kindererziehung geht.

Diese ist dann entweder unklar, undiskutiert

oder unterschiedlich. Vor

allem die Begrundung der jungen

Frauen fur ihre Zuruckhaltung beim

Kinderwunsch wird vom Partner des

ofteren nicht gesehen

Sie ))Kinder, das ist ein Gedanke, wo

ich wirklich Angst davor habe, weil

ich kann es nicht mehr weggeben,

auch wenn ich’s nicht leiden kann . . .

Den Beruf aufgeben oder zuruckstellen,

finde ich schlimm, und ich bin

mir nicht im klaren, ob ich jemals Kinder

will oder nicht. Mir ist die Verant-

13

wortung zu groß . . , Vor 30 sicher

nicht. Wenn, dann nur ein Wunsch-

kind, sonst, wenn man in Wut ist,

wirft man’s dem Kind vor . . das will

ich dem Kind ersparen Ich will Iie-

ber Autos reparieren als kochen und

putzen . . .((

Er: n.. . mit Kindern wird’s dann

wahrscheinlich rundgehen, mit

abends hinlegen ist dann nichts

mehr . ., aber die Belastung nehme

ich gerne auf mich . . Die Vreni hat’s

auch gern, ist beim Skifahren mit Kin-

dern sehr viel zusammen . . . da hat

sie schon die Hand dafur.. .((

Bemerkenswert ist, daß unterschied-

liche Einschatzungen uber die Modali-

taten der Umsetzung des Kinderwun-

sches auch dann moglich sind, wenn

beide miteinander verheiratet sind

und sich beispielsweise schon uber

funf Jahre kennen.

Wie stehen nun die Chancen der jun-

gen Frauen, ihre Lebensentwurfe

durchzusetzen? Unstimmigkeiten las-

sen sich nur zum Teil durch Reden

und Aushandeln klaren, zu unter-

schiedlich und auch unvereinbar sind

die meist unterschwelligen Vorstel-

lungen und Bedurínisse der Paare

Um so wichtiger ist, daß die jungen

Frauen ihre Forderungen nach Kla-

rung und Aushandeln durchsetzen

und nicht rnit traditionellen Losungen

einverstanden sind, die ihrem An-

spruch nach Eigenstandigkeit und

Bindung entgegenlaufen

Ende 1993 erscheint ein Reader des

DJI mit ausfuhrlichen Berichten

dieses Forschungsprojektes der

Abteilung /V.

Literatur

Burger, Angelika/Se/denspi/iner, Gerhnde Mut-

ter und Tochter, Munchen 1988

Flaake, Kann/K/iig, L’era (Hrsg ) Weibliche Ado-

leszenz FrankfurtlNew York 1992

Gilhgan, Caro/ Die andere Stimme Lebenckon-

flikte und Moral der Frau, Munchen 1984

Hagernan/i-lil/l?/te, Carol Berufsfindung und

Lebensperspektive in der weiblichen Adoles-

zenz In FlaakeIKiny 1992. S 64-83

Keddi, Bai-bara/Se/denspinner, Gerlmde Veran-

derter weiblicher Lebensentwurf und Individua-

lisierung des Lebenslaufs ln Neue Sammlung

1990, Heft 4

Kred Math/lde Freiheiten trotz Normierung

Die Lebensentwurfe von jungen Frauen auf

dem Land In Diskurs 1/1993

Lerner. Hamert Goldhor Zartliches Tempo

Wie Frauen ihre Beziehungen verandern, ohne

sie zu zerstoren Zurich 1990


Das DJI organisiert zusam-

men mit der Londoner Be-

ratungsgesellschaft ))Inter-

national Round Table for

the Advancement of Coun-

selling (IRTAC), der Univer-

sitat Munchen (Prof Helle

und Prof. Bock) sowie Prof.

Fthenakis (Universitat

Augsburg) den Internationa-

len Kongreß ))Counselling

in the Family((, der vom

5. bis 8 April 1994 in Mun-

chen stattfinden wird Fe-

derfuhrend ist am DJI der

Leiter der Abteilung Fami-

Iie/Familienpolitik, Dr. Ru-

dolf Pettinger Der Kongreß

versteht sich als Beitrag

zum Internationalen Jahr

der Familie 1994 und wird

auch in diesem Rahmen

finanziert.

A

uf Einladung des Department

of Family

Studies (Fakultat

>)Human Ecology(0 der Universitat

von Manitoba, Kanada,

nahm der Leiter der

Abteilung ))Familie/Fami-

Iienpolitiku am Deutschen

Jugendinstitut, Herr Dr Rudolf

Pettinger, in der Zeit

vom 10 Marz bis 31. Mai

1993 eine Gastprofessur

wahr U a hielt er offentliche

Vortrage zu Fragen

der Tagesbetreuung in

Deutschland, der Kinderund

Familienpolitik nach

der deutschen Vereinigung

und zu den Erfahrungen

aus wissenschaftlichen Begleitforschungsprojekten

am DJI.

Dr Jurgen Barthelmes von

der Medien-Abteilung des

DJI wurde von der Gesell-

schafterversammlung des

Instituts fur Film und Bild

(FWU) als Vertreter der au-

ßerschulischen Jugendbil-

dung in das Kuratorium des

FWU gewahlt

I

m Auftrag des Bundesministeriums

fur Familie

und Senioren (BMFuS)

organisiert das DJI die

Fachtagung )>Familie und

Beratung((, die am 18 /19.

November 1993 im Konrad-

Adenauer-Haus in Bonn

stattf indet I m Mittelpunkt

dieser Tagung stehen die

Vorschläge des Gutachtens

))Familie und Beratung((,

das vom Wissenschaftlichen

Beirat fur Familienfragen

beim BMFuS erstellt

wurde (Schriftenreihe des

BMFuS, Bd. 16). Die Fami-

I ien m i n ist eri n Hannelore

Ronsch wird das Einfuhrungsreferat

halten. Das

DJI ist vertreten durch seinen

Direktor, Prof. Ingo

Richter, der eine Arbeitsgruppe

leiten wird, durch

den Leiter der Abteilung

Familie/Familienpolitik, Dr

Rudolf Pettinger (Referat:

))Au sw i rk u n g e n der Ford e r-

konzepte auf Beratung(()

und Frau Dip/.-Psych. Maria

Kurz-Adam (Referat: ))Fami-

Iienberatung im familialen

Wandel Ergebnisse einer

Bestandsaufnahme katholisc

her Erzieh u ng s bera tu ng s-

stellenu). Anmeldungen zur

Tagung sind an das DJI,

Abt. V. zu richten

Die Gesellschaft fur uber-

nationale Zusammenarbeit

e.V. in Bonn und das Bu-

reau International de Liai-

son et de Documentation,

Paris, luden Herrn Dr. Wolf-

gang Gaiser vom DJI zum

deutsch-franzosisch-polni-

schen Padagogischen Fo-

rum vom 20 bis 26 Juni in

Munchen ein Er referierte

uber ))Jugend und Jugend-

arbeit heute((

Beim ))Forum Jugendhilfe

'93 ~ Neue Wege?!(( vom

20 bis 22. September in

Rostock beteiligte sich das

DJI an mehreren Fachveran

s ta It ungen, Dr. Anita Hel-

Iiger von der Abteilung

Madchen- und Frauenforschung

referierte und moderierte

bei der Diskussion

uber Perspektiven der Madchenarbeit

in den neuen

Bund es I and ern Corneha

Honigschmid und Kornelia

Schneider aus der Abteilung

Kinder und Kinderbetreuung

stellten das Modellprojekt

))Orte fur Kinderu

vor Susanne Pelzer

aus derselben Abteilung referierte

Ergebnisse des

Projekts ))Qualifizierung von

Erzieherinnen in den neuen

Bundeslandern((. PD Dr. Richard

Munchmeier und

Mike Seckinger von der Abteilung

Jugendhilfe hielten

ein Impuls-Referat uber

)) Forschungsergebnisse

zum Aufbau der Jugendhilfe

in den neuen Bundeslandem((.

ei dem Padagogischen

Forum der St.-Angela-

Schule ))Chance der

katholischen Schule(( am

5 Juni 1993 in Konigstein

im Taunus referierte Frau

Dr. Sabine Sardei-Biermann

zum Thema: ))Werte und

Wertewandel - zur aktuel-

len Einstellung von Jugend-

lichen in West und Ostu

er Leiter der Jugend-

hilfe-Abteilung am DJI,

PD Dr. Richard

Munchmeier, erhielt einen

Ruf an die Universitat Leip-

zig Er wird am I. April

1994 den Lehrstuhl fur So-

zialpadagogik ubernehmen,

den er bereits seit

I. Oktober 1993 vertritt.

eim Symposium

))Metamorphosen der

deutschen Bildungs-

landSchaft(( an der Eber-

hard-Karls-Universitat Tubin-

gen am 25. September

1993 hielt der Direktor des

DJI, Prof. Dr. lngo Richter,

ein Referat ))Zur padagogi-

schen und juristischen Be-

stimmung von Erziehungs-

zielen in offenen Gesell-

schaften. ((

Das Diakonische Werk der

Evangelischen Kirche

Deutschlands ladt zu der

Arbeitstagung ))Starkung

der Rechte von Kinderna

am 23 und 24 November

1993 in Leinfelden-Echter-

dingen bei Stuttgart ein. Im

Mittelpunkt wird die Situa-

tion von Kindern in Familie,

Kirche und Gesellschaft

stehen Der Direktor des

Deutschen Jugendinstituts,

Prof. Dr Ingo Richter, wird

bei dieser Tagung uber die

Stellung von Kindern im

Recht und uber wun-

schenswerte rechtliche

Verbesserungen referieren.

Die Gemeinde Hirtshals in

Danemark veranstaltete

vom 8. bis 10. September

1993 einen internationalen

Workshop unter dem Titel

Catch the Future((, bei

dem zukunftsweisende

Perspektiven der Kinder-

betreuung und der Schule

aufgezeigt wurden Die

Teilnehmer waren Fachleu-

te aus 16 Nationen. Im

Zentrum der Diskussion

stand die Vernetzung der

Einrichtungen im kommu-

nalen Leben und die eigen-

standige Kreativitat von Kin-

dern. Das DJI-Projekt ))Orte

fur Kinder(( wurde bei die-

ser Tagung durch Annema-

rie Gerzer-Sass und Eva

Orth vertreten.


,

I

?

Deutsches Jugendinstitut

Tageseinrichtungen für Kinder -

Zahlenspiegel

Informationen. Erfahrungen, Analysen

DJI-Arbeitspapier, Mai 1993

In Zusammenarbeit der Abteilungen ,)Kinder

und Kinderbetreuungv und )>Madchew und

Frauenforcchungci wurde ein ziZahlenspiegel,t

tuber die Versorgung niit Kinderbetreuungsplat-

zen in Krippe. Kindergarten und Hort erstellt

Das Heft enthalt neben den Entwicklurigslinien

und einem Uberblick uber die rechtlichen

Grundlagen weitgehend standardisierte, ver-

gleichende Ubersichten ubei die Einrichtuiigs-

und Platzzahlen, die Tragerstrtiktiii und die Per-

sonalsituation in den alten und - soweit ver-

gleichende Daten vorhanden sind - in den neu-

en Bundeslandern Außerdem bringt das Heft

landerspezifische Darstellungen aller 16 Bun-

deslander mit ihren jeweiligen strukturellen Be-

sonderheiten

Kostenlos zu beziehen uber DJI. Abteilung VI

niethelm Damm

Ligendarbeit in selbstorganisierten

Initiativen

Praxiserfahrungen und Konzeptentwicklung

DJI Verlag, September 1993, 232 S I brosch ,

DM 29.80, 31 ,- sFr. 233.- OS

ISBN 3 87966 346 7

Was vermag Jugendarbeit - angesichts

sprunghafter Kommerzialisierung oder konfroii-

tiert mit Jugendarbeitslosigkeit? Welche Kon-

zepte und Strukturen sind Selhstorganisations-

zielen forderlich? Welche Unterstutzung benoti-

gen die rarer werdenden ehrenamtlichen und

die zum Teil uberforderten Hauptanitlichen?

Bieten Kooperationsnetze und Verbundsyste-

me neue Losiingsansatze fur die Probleme in

den alten und iieueii Bundeslandern? Vor alleni

niit diesen Fiagen heschaftigen sich die Beitra-

ge des vorliegenden Bandes Dariii werden

mehrere Modellversuche ausgewertet, die der

Autor niitinitiierte und zum Teil uber ein Jahr-

zehnt theoretisch und praktisch begleitete Zu-

dem bvtrd ani Beispiel zweier Jugendverbande

das Verhaltnis neuer sozialer Bewegungen zu

-assischen Institutionen reflektiert Der Band

,t geeignet fur Theoi-etiker und Praktiker, die

anhand detailliert aufgearbeiteter Prauiseríah-

rungen iieue Wege dei Jugendarbeit und

Initiativeiiforderung kennenlernen wolleii

Nikolai Slepzow, Lidija Rewenko

Die Perestroika-Generation

Jugendliche in Rußland Internationale Texte,

Band 3 DJI Verlag, Munchen. Oktober 1993,

160 SI hrosch, 26,- DM. 27.50 sFr, 203,- OS

ISBN 3 87966 345 9

Der vorliegende Band befaßt sich mit der Situation

und den Entwicklungsbesonderheiten

der jungen russischen Generation als Trager

der sozialpolitischeri und geistigen Entwicklung

der Gesellschaft Es kann nicht ausbleiben, daß

es Ambivalenzen zwischen den etablierten Institutionen.

den uberkoinmenen Orientierungen

und den Werten der gegenwartigen Ubergangszeit

gibt Auf welchem psychosozialen.

moralischen. okononiischen und kulturellen

Fundament steht aber diese .Jugend? Ist die

Basis fest genug. um von ihr aus die großen

Aufgaben anzugehen?

WI

Deutsches Jugendinstitut (Hrsg 1

Gewalt gegen Fremde

Rechtsradikale. Skinheads und Mitlaufer

Verlag Deutsches Jugeiidinstitut, Oktober 1993

180 Seiteri. DM 26,-~

Mit diesem Reader soll versucht werden, aus

verschiedenen Untersuchungen des DJI. die ei-

gentlich andere Schwerpunkte hatten, Teilant-

worten auf Fragen der Verbreitung und Genese

von frenidenfeindlichen Einstellungen und von

Gewaltbereitschaft herauszuarbeiten, sowie die

vorliegende wissenschaftliche Literatur und

Erfahrungen der Jugendarbeit zum Thenia

Rechtsiadikalisnius. Auslanderfeiiidlichkeit und

Gewalt kritisch ZLI sichten Lind zusammenzu-

tragen Die Beitiage zu diesem Reader bernu-

hen sich, die vorgefundenen Fakten von den

niit ihneii verbundener Ansichten uher die Fak-

ten zu trennen, sie zu analysieren und dadui-ch

einer unvoreingenommenen Diskussion zu-

ganglich zu niachen Dabei konnen einige Ver-

faccerinrien und Verfasser auf eigene fruhere

Arbeiten und auf empirische Daten zu ver-

schiedenen Aspekten des Thenias zuruckgrei-

fen

Hans-Jorg Stiehler. Ute Karig (Hrsg )

Angekommen?!

Freizeit- und Medienwelten von Jugendlichen

in den neuen Bundeslandern

Vistas-Verlag. Berlin 1993

240 Seiten. 32,- DM. 33.- sFr, 250,- OS

ISBN 3 891 58 097 5

Welchen Stellenwert haben die Medien ini ge-

sellschaftlichen Transforniationsprozeí3 im

Osten Deutschlands? Welche Funktionen uben

sie fur ihi pgeiidliches Publikuni aus, wie wer-

den sie von den jungen Leuten gebraucht?

Sind die Jugendlichen im Osten endlich auch

)~angekomnieti~~ in ))ihrer neueii Medienwelt

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine