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Deutsche Außenpolitik nach der Vereinigung. Über Gleichzeitigkeit ...

Deutsche Außenpolitik nach der Vereinigung. Über Gleichzeitigkeit ...

Ic Welche

Ic Welche fallübergreifenden Kontinuitätsmerkmale deutscher Außenpolitik lassen sich rekonstruieren? Das Ziel dieser Arbeit besteht in der Analyse eines bestimmten sozialen Handlungsprozesses, nämlich jenes der deutschen Außenpolitik - deren Bedeutungen und Wirkungen transparent gemacht, deren prozesshafter Verlauf nachgezeichnet und damit auch dem Laien aufgeschlossen werden sollen. Es geht darum, Veränderungen und Kontinuitäten deutscher Außenpolitik aufzuspüren und deren Entwicklung nachzuzeichnen. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es einer mit den formaltheoretischen Denkfiguren kompatiblen Forschungshaltung und Methode, mit deren Hilfe die empirischen Daten analysiert werden können. Für die Analyse handlungsleitender Überzeugungen bietet die von Anselm L. Strauss unter der Bezeichnung Grounded Theory entwickelte Methode die angemessenen Mittel. Grounded Theory basiert selbst auf den Ideen der pragmatistischen Sozialtheorie und betont daher besonders die „Fallibilität“ und damit verbunden, die „Prozesshaftigkeit“ der Forschung. Im Kern der Methode steht ein sorgfältiges Interpretationsverfahren, das darauf abzielt, die in protokollierten Handlungen repräsentierten Eigenschaften (Überzeugungen) des untersuchten Phänomens aufzuschließen und deren Zusammenhänge und Entwicklung zu beschreiben. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Fokus des Dissertationsprojektes zwei unmittelbar miteinander verknüpfte Ziele stehen, i) eine datenbasierte Rekonstruktion deutscher Außenpolitik –verstanden als komplexer sozialer Prozess- von 1989/90 bis 2005, die sich an der Leitfrage des Verhältnisses von Kontinuität und Wandel orientiert, um deren Entwicklung nachzeichnen zu können ii) die erstmalige systematische Nutzung der Grounded Theory von Anselm Strauss (vgl. Strauss 1991; Strauss/Corbin 1998) für die Zwecke der Internationalen Beziehungen 2 Stand der Forschung Die Frage von Kontinuität oder Wandel bzw. nach Kontinuität und Wandel deutscher Außenpolitik hat die disziplininterne Theoriedebatte nach dem Ende des Ost-West-Konflikts maßgeblich bestimmt. 5 Antworten auf diese Frage sollen erklären, ob deutsche Außenpolitik nach der Wiedervereinigung vor allem Kontinuitätsmerkmale aufweist oder sich doch entscheidend verändert hat. Unmittelbar mit der Klärung dieser Frage verbunden, findet ein „Kampf um Anerkennung“ (vgl. Honneth 1992) zwischen (neo-) realistischen Annahmen und unterschiedlichen Interpretationen sozialkonstruktivistischer Ideen statt, dessen Verlauf sich „diziplingeschichtlich“ in vier fließend ineinander übergehende Phasen gliedern lässt. Im Folgenden sollen diese vier Phasen und die sie bestimmenden zentralen Argumente kurz rekonstruiert werden. Das Ende des Kalten Krieges, symbolisch manifestiert durch den Fall der Berliner Mauer (9.11.1989) und die Vereinigung Deutschlands (3.10.1990) sowie die Auflösung der UdSSR (31.12.1991), sollte gemäß realistischer Theorieangebote und der daraus abgeleiteten Prognosen aufgrund gestiegener relativer und absoluter Macht und veränderter systemischer Bedingungen zu einem deutlichen Wandel der Außenpolitik Deutschlands führen (vgl. Layne 1993; Krasner 1993; Waltz 1993, Schwarz 1994, Baring 1991, Crawford 1992). Zum Leidwesen der Anhänger realistischer „Guckgläser“ stellte sich der erwartete Wandel jedoch nicht ein - weder vor dem Hintergrund des Befunds eines zwingend Gegenmachtbildung erwarten lassenden „unipolaren Moments“ (vgl. Krauthammer 1990/91; Layne 1993; ähnlich Krasner 1993, der jedoch gleichzeitig einen geringen Machtverlust der USA bemerkt haben wollte), noch in Form der Zukunftsszenarien offensiver Realisten, die aufgrund größerer relativer und absoluter Macht eine deutlich 5 Einen guten Überblick über diese Debatten und das Forschungsfeld „Deutsche Außenpolitik“ bieten Hellmann 1996; Peters 2001; Harnisch 2002, Medick-Krakau 1999 und Baumann 2005. Vgl. zudem die WeltTrends-Debatte (in: WeltTrends 42 und 43) und Aus Politik und Zeitgeschichte B11 / 2004. 2

machtpolitischer ausgerichtete deutsche Außenpolitik prognostizierten, ohne zwangsläufig damit die erneute Destabilisierung Europas zu verbinden(vgl. Mearsheimer 1990). Da sich das wiedervereinigte Deutschland weiterhin an den zentralen Leitmotiven der „Bonner Außenpolitik“ zu orientieren schien, also an Multilateralismus, Kooperation und europäischer Integration, lieferte die Empirie keine stärkenden Argumente, um die den realistischen Prognosen zugrunde liegenden theoretischen Kernüberzeugungen zu unterstützen. Dieser Umstand bot sozialkonstruktivistisch orientierten Forschern Anlass und Gelegenheit zum offenen Angriff in Form empirischer „Tests“ der realistischen Hypothesen. Diese Tests fielen stets negativ aus (vgl. Katzenstein 1997; Banchoff 1999a, 1999b; Berger 1996, 1998; Duffield 1998, 1999). Obwohl konstruktivistische Sozialtheoretiker keineswegs die Kontinuität der sozialen Welt überbetonen, sondern vielmehr Argumente für ein untrennbares Miteinander, also die Gleichzeitigkeit und Untrennbarkeit von Kontinuität und Wandel sowie deren Prozesshaftigkeit beschreiben (vgl. Berger/Luckmann 2000; Mead 1968, 1980; Schütz 1972, 1981; Joas 1992a, 1992b; Habermas 1988a, 1988b), vereinseitigen die meisten daraus abgeleiteten theoretischen Modelle in unserer Teildisziplin diese Gedanken zu Gunsten struktureller Ideen und zeigen sich daher außerstande etwas anderes als Kontinuität zur Regel zu erheben (vgl. Roos 2003; Herborth 2004). Ganz in diesem Sinne betonen die nachfolgend genannten Forscher die Kontinuität deutscher Außenpolitik, die sie etwa durch die stabile politische Kultur Deutschlands (vgl. Berger 1996, 1998, Duffield 1998, 1999), dessen soziale Rolle (Maull 2000 und Kirste/Maull 1996) oder das identitätsstiftende Zusammenspiel von transnationalen und innergesellschaftlichen Normen und Institutionen erklären (vgl. Risse 1999, 2003; Banchoff 1999a, 1999b; Müller 1992, 1999; Boekle et al. 2001). In der Folge differenzierten sich die sozialkonstruktivistischen Ansätze in den Internationalen Beziehungen 6 immer weiter aus. Zu den bislang dominanten Kontinuitätsmodellen traten theoretische Überlegungen von Forschern, die sozialkonstruktivistische Denkfiguren auf andere Art und Weise interpretierten, so dass das oben bereits erwähnte dialektische Verhältnis von „Kontinuität/Wandel“ verstärkt in den Kern der Erklärungen empirischer Gegenstände wie der deutschen Außenpolitik rückte (vgl. Hellmann et al. 2005; Baumann 2005). Derweil testeten die sozialkonstruktivistischen „Veteranen“ der in den zurückliegenden Phasen stattgefundenen Paradigmenkämpfe ihre Hypothesen und unabhängigen Variablen im Zuge verschiedener Forschungsprojekte (vgl. Risse 1999; Kriste/Maull 1996; Duffield 1998; Berger 1998), was eine weitere wichtige Differenz der verschiedenen sozialkonstruktivistischen Ansätze in den Internationalen Beziehungen vor Augen führt. Neben den unterschiedlichen theoretischen Zuschnitten der sozialkonstruktivistischen Perspektiven trennt diese beiden „Gruppierungen“ auch ihre epistemologische und methodologische Position. Während die einen einer positivistischen, den Naturwissenschaften entstammenden Forschungshaltung treu blieben und nach wie vor mit neorealistischen und neoliberalen Ansätzen die Suche nach unabhängigen Variablen teilen und Hypothesen falsifizieren oder verifizieren wollen (vgl. Risse 1999, Katzenstein 1997; Duffield 1999; Berger 1998; Kirste/Maull 1996), vertreten andere einen fallibilistischen Standpunkt, der die Perspektivität, Begrenztheit und Prozesshaftigkeit wissenschaftlicher Erkenntnis betont und die Suche nach „wahren“- weil nicht-falsifizierbaren - Aussagen durch das permanente Bemühen um plausible und kohärente Erklärungen ersetzt, die eben stets als fallibel und daher vorläufig gelten müssen (vgl. Hellmann et al. 2005; Franke/Roos i.E.). Spätestens im Zuge der Irak-Krise 2002/2003 wurden die Probleme offensichtlich, die sich für die frühen sozialkonstruktivistisch inspirierten Ansätze in den Internationalen Beziehungen durch die unnötige Halbierung (vgl. Herborth 2004) des theoretischen Gehalts sozialkonstruktivistischer 6 Dieses Projekt hält die in Teilen der Disziplin immer noch übliche Trennung von Theorien internationaler Politik und Außenpolitiktheorie für unnötig, wenn nicht sogar dem theoretischen Fortschritt hinderlich(vgl. Waltz 1996; Elman 1996a, 1996b; Vertzberger 2002; Rynning/Guzzini 2002). Statt wie z.B. Waltz (1979)die Interaktionsmuster von Staaten auf systemischer Ebene von den Außenpolitiken einzelner Staaten trennen zu wollen, geht der hier vertretene Ansatz davon aus, dass Außenpolitik und internationale Politik zwei nur analytisch unterscheidbare, dennoch kokonstitutive Dimensionen des selben Handlungsprozesses sind (vgl. Herborth 2004; Hellmann et al. 2005; Wight 1999; Vertzberger 2002). 3

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