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Deutsche Außenpolitik nach der Vereinigung. Über Gleichzeitigkeit ...

Deutsche Außenpolitik nach der Vereinigung. Über Gleichzeitigkeit ...

Modelle durch die

Modelle durch die Vereinseitlichung ihrer Konzepte zu Gunsten von kontinuitätswahrenden Struktureigenschaften und der Marginalisierung von Wandel eingehandelt hatten. Immer mehr Experten und Forscher unterstützten unabhängig von ihren theoretischen Prämissen den Befund des grundlegenden Wandels deutscher Außenpolitik. Dabei ist nicht entscheidend, ob die veränderten Politiken etwa unter dem Logo „Normalisierung“ oder „Rückkehr auf die Weltbühne“ begrüßt (vgl. Link 2004; Kaiser 2000; Schöllgen 2003, 2004; Bahr 2003) oder als „machtpolitische Resozialisierung“ kritisiert werden (vgl. Hellmann 2004b und 2004c; Hellmann/Wolf 2004), wichtig ist die große Einigkeit die darüber besteht, dass Deutschlands Außenpolitik sich signifikant verändert hat (Haftendorn 2004; Haftendorn/Kolkmann 2004; von Bredow 2003; Maull 2004; Bierling 2004; Vogel 2004; Harnisch et al. 2004; Hellmann et al. 2005; Conrad/Stumm 2004). Neben Schröders „deutschem Weg“ und seiner Feststellung „über deutsche Außenpolitik wird in Berlin entschieden“ und dem Konzept der „Normalisierung“ sind es symbolisch besonders bedeutsame Handlungen der deutschen Regierung, die für einen tiefgreifenden Wandel deutscher Außenpolitik sprechen. Besonders hervorgehoben wird die Erschütterung des multilateralen Grundpfeilers deutscher Außenpolitik im Vorfeld des Irak-Kriegs, ausgelöst durch die kategorische Ablehnung jedweder Möglichkeit einer deutschen Beteiligung selbst unter UN-Mandat (vgl. Haftendorn 2004). Das Prinzip der „Nicht-Entscheidung“ zwischen französischen und amerikanischen Sicherheitskonzepten galt für vier Jahrzehnte als ein Grundpfeiler deutscher Außenpolitik, der durch die deutsche Unterstützung der britisch-französischen „ESVP-Initiative“ bereits 1999 erstmals in Frage gestellt wurde (vgl. Bierling 2004; Schöllgen 2004) und durch die enge deutsch-französische Kooperation in der Irak-Frage nunmehr auch in einer manifesten Krisensituation unterminiert wurde (vgl. Bierling 2004; Haftendorn/Kolkmann 2004; Vogel 2004; Schöllgen 2003, 2004) und möglicherweise durch die Losung „in dubio pro europa“ ersetzt worden ist (vgl. Link 2004). Auch die Aufweichung des ursprünglich selbst vehement geforderten Stabilitätspakts (vgl. Hellmann 2004b, 2004c), die „Forderung“ nach einem mit den jetzigen Mitgliedern gleichberechtigten ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat (vgl. Volger 2004; Kaiser 2004; Hellmann 2004d; Hellmann/Wolf 2004) oder der zunehmende Einsatz der Bundeswehr „out-ofarea“ werden als deutliche Belege einer gründlich gewandelten deutschen Außenpolitik gewertet. So kann es nicht verwundern, dass tendenziell (neo-) realistisch inspirierte Erklärungen deutscher Außenpolitik wieder an Zahl zunehmen (vgl. Link 2004; Le Gloannec 2004; Crawford i.E., Schwarz 2003; Quintana 2005; Ikenberry 2003) und dabei die sozialkonstruktivistischen Kontinuitäts-Modelle in starke Bedrängnis bringen, deren unabhängige Variablen (wie etwa politische Kultur, Identität, Normen und Rollen) als intervenierende Variablen in ihre überarbeiteten realistischen Modelle integrieren und damit ein gewisses „time-gap“ erklären, das seinerseits für die fünfzehnjährige Verzögerung verantwortlich gemacht werden kann, mit der sich die neue deutsche Machtpolitik ans Werk setzt. Während einige (s.o.) sozialkonstruktivistische inspirierte Forscher sich nun genötigt sehen dürften, den Schutzgürtel (vgl. Lakatos 1995) ihrer theoretischen Kerne um einige ad-hoc-Hypothesen anzureichern, die auch Wandel in den Blick nehmen und erklären können, befinden sich einige neuere Modelle in der glücklichen Lage aufgrund des heuristischen Potentials ihres Kerns selbst (vgl. ebd.), die Phänomene deutscher Außenpolitik erklären zu können, ohne dabei auf eilig geflochtene Hilfshypothesen rekurrieren zu müssen 3 Das pragmatistische Außenpolitikmodell 3.1 Pragmatistische Theorie des sozialen Handelns Das pragmatistische Modell sozialen Handelns fußt auf der Frage, wie es dem Menschen gelingt, seiner Umwelt und sich selbst Sinn und Bedeutung zuzuschreiben. Diese Frage wird durch das spezifisch menschliche Potenzial der reflexiven Intelligenz beantwortet, die sich dadurch auszeichnet, dass die eigene Geste im Handelnden die gleiche Reaktion auslöst, wie bei den anderen Kommunikationsteilnehmern. Dadurch kann sich der Mensch in andere Menschen hineinversetzen, 4

die eigene Geste von außen betrachten und ihre Wirkung auf andere selbst erfahren (vgl. Mead 1968). Das Selbst („me“) des Menschen geht als Resultat aus dem fortlaufenden Lernprozess hervor, der aus der intersubjektiven und sozial vermittelten Erprobung des richtigen Gebrauchs signifikanter Symbole besteht. Das Selbst („me“) eines jeden Menschen, verstanden als dessen Identitätsstruktur, basiert also auf einem gesellschaftlich fundierten und intersubjektiv erhaltenen Bedeutungsnetz, das die von der Gemeinschaft als bewährt definierten Reaktionen auf ein bestimmtes Handeln oder eine bestimme Situation enthält (vgl. Mead 1968; Nagl 1998; Peirce 2000; Habermas 1988). Das bedeutet, dass der Sinn einer jeden menschlichen Handlung darin begründet liegt, dass sie sich auf ein auslösendes Zeichen eines anderen Akteurs bezieht, wobei beide Zeichen an die gemeinschaftlich geteilte Bedeutungsstruktur anschlussfähig sein müssen, um als „sinnvoll“ erfahren zu werden. Das bedeutet aber auch, dass das menschliche Denken und Handeln von sprachlichen Symbolen und Zeichen abhängig ist und aus diesem Grund in dialogischer Form stattfindet (und sei es in Form eines Selbstgespräches). Hierbei beziehen sich Zeichen (als Signifikant) stets auf andere Zeichen und ihre Bedeutung (Signifkat). Man kann sagen, Zeichen bedeuten ihre Wirkung. So bezieht sich der Gehalt (Signifikat) eines Begriffs (Siginifikant) auf die Gesamtheit aller denkbaren Wirkungen, die das Wesen oder der Gegenstand, auf den er sich bezieht (Referent), innerhalb der verschiedenen denkbaren Situationen entfalten kann (vgl. Peirce 1932-58, 2000; Nagl 1998). Die Nützlichkeit eines Begriffes besteht darin, die Wirkung eines Wesens, eines Gegenstandes oder einer Idee innerhalb einer bestimmten Situation vorhersagbar und begreifbar zu machen. So liegt der Sinn einer Handlung darin begründet, dass sie sich auf ein auslösendes Zeichen eines anderen Akteurs bezieht. Indem sich die Gesten der Handelnden auf das bisherige Ergebnis der gesellschaftlichen Handlung beziehen, erhalten sie Bedeutung. Gesten bedeuten die Haltung des Akteurs. Alle Bedeutungen bedürfen für ihre Entwicklung und den Erhalt ihrer Signifikanz des intersubjektiven, gesellschaftlichen Erfahrungs- und Handlungsprozesses und des daraus resultierenden Bedeutungskontextes im Sinne eines logischen Universums (vgl. Mead 1968). Als logisches Universum bezeichnet die pragmatistische Sozialtheorie ein System gesellschaftlicher Bedeutungen. Jede intersubjektiv erhaltene gesellschaftliche Bedeutung, die mit konkretem menschlichen Handeln verbunden wird, nennen wir Überzeugung. Da die Bedeutung eines Begriffs nicht eindeutig ist, sondern dieser verschiedene Wirkungen entfalten kann, sind verschiedene Überzeugungen hinsichtlich spezifischer materieller und sozialer Gegenstände keine Ausnahme, sondern die Regel (vgl. Peirce 2000). Obwohl alle Handelnden auf das selbe intersubjektiv geteilte Bedeutungsuniversum zurückgreifen, wird ihr Handeln doch von je spezifischen Überzeugungen angeleitet. Überzeugungen sind erfahrungsgesättigte Handlungsegeln in Form von Routinen und Institutionen. Um als Handlungsregel zu wirken, muß der handelnde Mensch von der jeweiligen Handlungsroutine ausreichend überzeugt sein, sie muß einem „Für-wahr-Gehaltenem“ entsprechen (vgl. Nagl 1998). 3.2 Verbindung des pragmatistischen Modells mit dem Gegenstand „Deutsche Außenpolitik“ Um zu Aussagen über den Gegenstand „deutsche Außenpolitik“ gelangen zu können, bietet es sich an, zunächst den Begriff „Außenpolitik“ näher zu definieren. Außenpolitik ist ein spezifischer Handlungstypus staatlicher Akteure. Doch wie läßt sich „Staat“ definieren? Für Dewey sind es die komplexen Zusammenhänge der indirekten Handlungsfolgen der großen Gesellschaft, die zu Krisen und spezifischen gesellschaftlichen Problemen führen, die der Einzelne nicht alleine zu überblicken oder gar zu regulieren vermag. Durch das gemeinsame Reflektieren, Beobachten, Aufdecken, Bewerten und Regulieren eines spezifischen Problems entsteht Öffentlichkeit, verstanden als große Gemeinschaft (vgl. Dewey 1996; Rost 2003). Diese Öffentlichkeit beseitigt Probleme durch repräsentative Amtsträger, die die Regierung bilden und den Staat formen. Der Staat ist bei Dewey, formal definiert, ein fortlaufender Prozess, dessen Gehalt die bewährten Lösungsmöglichkeiten gesellschaftlicher Probleme sind, die durch die Verkettung indirekter Handlungsfolgen entstanden 5

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