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Deutsche Außenpolitik nach der Vereinigung. Über Gleichzeitigkeit ...

Deutsche Außenpolitik nach der Vereinigung. Über Gleichzeitigkeit ...

sind. „Die einzige

sind. „Die einzige Konstante ist die Funktion des Schutzes und der Regulierung von Interessen, welche als Ergebnis der komplexen indirekten Ausbreitung vereinten Verhaltens entstehen.“ (Dewey 1996 zitiert bei Rost 2003: 728f.). Bewährte Lösungsmöglichkeiten, die aus diesem Prozess hervorgehen, die sich mit Problemen und Fragen beschäftigen, die jenseits der staatlichen Grenzen zusätzlich mit den Regierungen anderer Staaten reflektiert und reguliert werden müssen, nennen wir „Außenpolitik“. Die pragmatistische Definition von Staat vorausgesetzt kann man also formulieren: „Unter Außenpolitik werden jene Handlungen staatlicher Akteure gefaßt, die auf die Ermöglichung und Herstellung kollektiv bindender Entscheidungen in den internationalen Beziehungen abzielen“ (Hellmann 2003). Als Akteure gelten nicht Staaten, sondern lebendige Menschen, die als Repräsentanten ihrer jeweiligen Gemeinschaft auftreten (vgl. Dewey 1996). Das bedeutet nicht, dass einzelne Individuen und deren private Überzeugungen über staatliche Außenpolitik bestimmen, sondern nur, dass „Staaten“ sich immer lebendiger Menschen, in ihrer strukturierten Aufgabe als Staatsrepräsentanten, bedienen müssen, um handeln zu können. Die je konkret außenpolitisch handlungsleitenden Überzeugungen sind nicht voluntaristisch-individuell, sondern Ergebnis der öffentlichen Diskussion und Reflexion bestimmter Probleme. Der mögliche Handlungsraum (Möglichkeitsraum) von Regierungen wird daher immer von verschiedenen Institutionen (verstanden als bewährte Handlungsregeln) begrenzt und fortlaufend kontrolliert. Selbst dort, wo sich kleine individuelle Handlungsspielräume ergeben, wie zum Beispiel bei Adenauers „Teppich- Geste“, sind die dort handlungsleitenden Überzeugungen stets auch an den intersubjektiven Bedeutungsraum rückgebunden, der diese überhaupt erst ermöglicht hat. Wichtig ist vor allem, dass außenpolitische Handlungsregeln abhängig sind vom intersubjektiven Bedeutungsuniversum der Gemeinschaft, die einen Staat bildet, und dass durch Erfahrungen handlungsleitende Regeln verworfen oder modifiziert werden können. Wandel und Krise, Kontinuität und Routine sind zwei Seiten derselben Medaille, Phasen des gleichen Prozesses. Sie sind untrennbar miteinander verwoben. Jede noch heute handlungsleitende Überzeugung kann sich morgen bereits in einer Krise befinden. Dabei gibt es keine eindeutigen Krisen- oder Routinezustände. Regierungen handeln auf Grundlage gemeinschaftlicher Überzeugungen, die auf verschiedenen Wegen wandelbar und gleichzeitig in kontinuitäts- und stabilitätswahrende Bedeutungsnetze eingewoben sind. 4 Methodologische Umsetzung Da das in Textform protokollierte Handeln außenpolitischer Repräsentanten Deutschlands, genauer: die sich darin in Form von Überzeugungen manifestierenden Handlungsregeln, nach Veränderungen, Konstanten und Handlungsmustern hin untersucht werden soll(en), bietet sich für die methodische Umsetzung des Forschungsvorhabens der Rückgriff auf sogenannte „qualitative Methoden“ an. Die Analyse und Rekonstruktion von Überzeugungen und Bedeutungen ist quantitativen Methoden unmöglich. Aus der erstaunlichen Fülle der etablierten qualitativen Arbeitsweisen, die ohne Ausnahme letztlich als methodisch-diziplinierte Interpretationsvorgänge zu verstehen sind, wurde jene „Kunstlehre“ ausgewählt, die maßgeblich von Anselm L. Strauss unter der Bezeichnung Grounded Theory entworfen wurde (vgl. Strauss 1991, 2004). Für diese Entscheidung lassen sich drei Gründe anführen. Zunächst betont keine andere dem Autor bekannte Methode die für dieses Projekt zentrale Idee der generellen „Fallibilität“ der Forschungsergebnisse und –zwischenergebnisse als epistemologische „Grundüberzeugung“ derart stark, wie Strauss’ Grounded Theory (Strauss 1991). Ferner gilt, dass in formaltheoretischer Hinsicht zwischen den Modellen sozialen Handelns der klassischen Pragmatisten und der Grounded Theory ein unübersehbarer Zusammenhang besteht, die letztere der besonderen Nähe ihres Schöpfer zur Chicago School, dem Symbolischen Interaktionismus und ganz besonders den Arbeiten von Charles Sanders Peirce, John Dewey und George Herbert Mead zu verdanken hat (Strübing 2004b). Das heißt, Grounded Theory verhält sich zu pragmatistischen Ideen nicht bloß 6

esonders kompatibel, sondern sollte als unmittelbar davon inspirierte Methodologie verstanden werden. Am meisten Gewicht weist jedoch der Umstand auf, dass das methodische Vorgehen der Grounded Theory selbst, trotz - oder gerade: wegen - aller Kunstlehrehaftigkeit auch hinsichtlich ihrer Instrumente zur wissenschaftlichen Qualitätssicherung besonders zu überzeugen weiß und den Forscher nicht sich selbst überlässt. Im Kern der Kunstlehre steht der iterativ-zyklische Prozess der Theoriegenese, den Strauss als „Theoretisches Sampling“ bezeichnet und der aus Datenerhebung, -kodierung und -analyse besteht. Dabei wird die Vorstellung der strikten Sequenzialität von Forschungsschritten durch die Idee der zeitlichen Parallelität und der wechselseitigen Abhängigkeit der einzelnen Forschungsprozesse (Erhebung, Kodieren, Analyse) ersetzt (vgl. Strübing 2004a). Dabei versteht Strauss Wissenschaft im Sinne von Dewey als systematisch-experimentellen Wirklichkeitszugang, der vom kontinuierlichen Zusammenspiel von Handeln/Experimentieren und Reflexion des Forschers bestimmt wird, d.h. problemlösende Erkenntnis ist ohne innere Beteiligung des Forschers (als Subjekt) grundsätzlich unmöglich (vgl. Dewey 2002). Die handwerklich entscheidenden Instrument der Kunstlehre sind der permanente Vergleich der Daten und Ergebnisse mit weiteren Daten und die Konfrontation dieser Interpretationen mit den Kategorien und Konzepten gänzlich anderer Erfahrungsbereiche als jenem, dem das zu analysierende Phänomen gewöhnlich zugeordnet wird. Dabei unterscheidet Strauss mit dem offenen, axialen und selektiven Kodieren drei verschiedene, ebenfalls parallel verlaufende Aspekte des Forschungsprozesses. Das offene Kodieren zielt auf das Aufbrechen der in Textform vorliegenden Handlungsprotokolle und das Herauspräparieren möglichst vieler verschiedener Konzepte und Konzeptdimensionen des untersuchten Gegenstands. Jene Konzepte, die bestimmte Eigenschaften - oder wie Peirce sagen würde: Wirkungen - miteinander teilen, werden zu Kategorien zusammengefasst. Durch den Vergleich mit noch unanalysiertem, doch dann bereits zielgerichtet (d.h. auf die bereits bekannten Konzepte und Kategorien ausgerichteten) ausgewählten Datenmaterials sollen durch axiales Kodieren erste Zusammenhangsmodelle, also erste theoretische Elemente, entwickelt werden. Hierbei geht es um die Erklärung von Beziehungen zwischen verschiedenen Konzepten, die durch weiteres Material überprüft werden. Aufgrund der in schriftlichen Memos protokollierten Rekonstruktion der verschiedenen Konzepte und Kategorien (immer gedacht als Eigenschaften des Gegenstands) erhält der Forscher zunehmend größeren Einblick in die Strukturen, Prozesse und Zusammenhänge des ausgewählten Phänomens (vgl. Strauss 1991). 7 Der fortschreitende Einblick in die Eigenschaften und Dimensionen des untersuchten Gegenstandes gestattet es dem Forscher, gegen Ende des Forschungsprojekts (nicht des Forschungsprozesses, der sich natürlich nach jedem „abgeschlossenen“ Projekt fortsetzt) im Zuge des selektiven Kodierens die zuvor erarbeiteten Konzepte in Bezug auf einige wenige ausgewählte Kernkategorien hin zu integrieren. Dabei wird ein Teil des Materials „re-kodiert“, um zielgerichtet die Beziehungen zwischen den Konzepten und den Kernkategorien zu klären. Statt zunehmende „Gültigkeit“ für sich zu reklamieren, zielt das selektive Kodieren auf ein höheres Maß an Konsistenz (vgl. Strübing 2004a; Strauss/Corbin 1998). Man kann also zusammenfassend sagen, dass das Verfahren der Grounded Theory aus der empirischen Konkretion des Falls auf ein theoretisches Modell schließt und zusätzlich festhalten, dass die Ergebnisse in Form von Erklärungen keinen potenziell universalen Charakter haben (sollen), denn das Ziel „besteht nicht im Produzieren von Ergebnissen, die für eine breite Population repräsentativ sind, sondern darin eine Theorie aufzubauen, die ein Phänomen spezifiziert, indem sie es in Begriffen der Bedingungen (unter denen ein Phänomen auftaucht), der Aktionen und Interaktionen (durch welche das Phänomen ausgedrückt wird), in 7 Die Antwort der Grounded Theory hinsichtlich der Frage betreffend des „Abschlusses der Forschungssituation“ entspricht dabei der pragmatistischen Idee der prinzipiellen Unabgeschlossenheit der Forschung. Als valide Theorie gilt eine Sammlung theoretischer Sätze dann, wenn es ihr gelingt nach innen widerspruchsfrei zu sein und sie nach „außen“ eine möglichst überzeugende Erklärung der sozialen Welt formuliert (vgl. Strübing 2004; Habermas 1988a; Dewey 2002; Peirce 2000). 7

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